Antiquariatsmessen

Zum Abschluss der Stuttgarter Antiquariatsmesse

Krise? Nein, danke. In Stuttgart herrschte positive Stimmung. Pressemitteilung des Verbands Deutscher Antiquare zum Abschluss der diesjährigen Stuttgarter Messe.

Fachgespräche unter Kollegen (Teil 2)

Fachgespräche unter Kollegen (Teil 2)

Stefan George-Ausstellung: klein, aber fein

Stefan George-Ausstellung: klein, aber fein

Eberhard Köstler, Antiquar in Tutzing und Vorsitzender des Verbands Deutscher Antiquare

Eberhard Köstler, Antiquar in Tutzing und Vorsitzender des Verbands Deutscher Antiquare

Erstmals wurde auch in Stuttgart gelost

Erstmals wurde auch in Stuttgart gelost

Fachgespräche unter Kollegen (Teil 1)

Fachgespräche unter Kollegen (Teil 1)

Lebhafter Besucherandrang

Lebhafter Besucherandrang © alle Fotos: Dr. Barbara Werner van Benthem, Stuttgart

Mit guten Verkäufen und lebhaftem Besucherandrang an allen drei Tagen geht heute um 18 Uhr die 48. Stuttgarter Antiquariatsmesse zu Ende. Waren die Erwartungen im Vorfeld der Messe verhalten, so zeigten sich die meisten Aussteller überrascht und erfreut. Ein starker Euro, ein schwacher Dollar sowie die skeptischen Konjunkturprognosen konnten die Kauffreude der Bibliophilen nicht bremsen. Mit leicht steigenden Besucherzahlen herrschte gleich am Eröffnungstag eine lebhafte Atmosphäre im Württembergischen Kunstverein. An vielen Messeständen entschied 2009 erstmals das Los, wer die begehrten Objekte aus dem Messekatalog mit nach Hause nehmen konnte. Aus Australien, von Hawaii, aus Frankreich und den USA waren Interessierte angereist, die das Gemälde erwerben wollten, das Johann Edlinger von James Cooks Matrosen Heinrich Zimmermann und dessen Ehefrau um 1782 angefertigt hatte. Zimmermann war Augenzeuge von Cooks tragischem Tod auf Hawaii, danach Leibschiffmeister am Starnberger See. Nun werden die Gemälde laut Losentscheid an Zimmermanns Geburtsort Wiesloch zurückkehren (Brockhaus/Antiquarium; 18.000 Euro). Überhaupt war das Interesse rege, gerade an ausgefallenen Büchern, Autografen und Grafiken. Bei Nietzsches "Sokrates" in der Erstausgabe 1871 fiel das Los auf einen europäischen Händler am Stand von Daniel Thierstein (18.200 Euro), der auch ein Handexemplar Arthur Schopenhauers schon am ersten Messetag verkaufen konnte (5.700 Euro). Bei Haufe & Lutz losten sechs Interessenten um Karbergs "10 kleinen Negerlein" (1.400 Euro). Raffaels in Kupfer gestochene Skizzen der vatikanischen "Loggie" fanden bei Werner Greve per Los einen Interessenten (9.500 Euro), und bei Wolfgang Braecklein mussten ebenso wie im Antiquariat Die Schmiede mehrmals die Loskarten entscheiden. Braecklein konnte gut die Hälfte seines Angebots aus dem Messekatalog verkaufen, darunter Voss’ "Musenalmanach" (5.500 Euro). Bei der Schmiede waren es die Erstausgaben der Moderne von Kisch über Polgar bis zu Jakob Haringer, die bis zu 20 Interessenten für einen Titel zur Verlosung lockten. Ähnlich rege zeigten sich die Württembergica-Sammler bei Fons Blavus, wo die Stammbücher, eine Stuttgarter Zeitung von 1782 und ein Reutlinger Rezeptbuch begehrt waren. "Die Passion siegt“, sagt Jörn Günther und zieht damit ein positives Fazit der diesjährigen Stuttgarter Messe. Eine Reihe von Inkunabeln und illustrierte Bücher des 16. Jahrhunderts konnte Günther in Sammlerhände geben (14.000 bis 20.000 Euro). Heribert Tenschert äußerte sich ähnlich, zumal am "Stundenbuch für den Gebrauch von Rouen" ein ebenso starkes Interesse besteht (268.000 Euro) wie an einer Reihe von Meistereinbänden von Ignatz Wiemeler. Das niederländische Antiquariaat Forum konnte Duperreys "Weltumsegelung" absetzen (100.000 Euro). F. Neidhardt gab eine kolorierte Ausgabe der Schedelschen "Weltchronik" in den Handel, während die prachtvolle 1630 gedruckte "Biblia Sacra" bei Neidhardt einen privaten Liebhaber fand (5.200 Euro). Bei Reiss & Sohn fanden die acht naturhistorischen Prachtwerke Robert Fludds aus dem Messekatalog fast alle einen Abnehmer (zwischen 4.500 und 15.000 Euro). Das Inkunabel-Angebot des Messekatalogs zog viele Interessenten an, etwa die 1479 gedruckten "Fastenpredigten" beim Tresor am Römer (8.400 Euro). Christine Grahamer lobte wie viele Aussteller das interessierte und fachkundige Publikum der Stuttgarter Messe, und wurde dafür mit dem Verkauf von Agricolas Bergwerkskunde (12.500 €) und Geiler von Keiserbergs "Sermones" (5.500 Euro) belohnt. Franz Siegle war zum 25. Mal auf der Messe vertreten und konnte neben dem seltenen Arzneibuch von Clusius (4.000 Euro) die gesamte Eisenbahnliteratur seines Angebots in öffentliche Hände geben. Die beste Messe seit Jahren war es für Sabine Keune. Die Kinderbuchspezialisten beeindruckte mit ihrem "sprechenden Bilderbuch" (1.800 Euro) und zahlreichen signierten Kreidolf-Ausgaben. Auch die Moderne setzte Akzente. Günter Linke, erstmals in Stuttgart vertreten, zeigte sich beeindruckt vom kunstinteressierten Kundenkreis. Kokoschkas "Träumende Knaben" (25.000 Euro) verkaufte er schon am ersten Messetag. Bei der Galerie Vömel fanden die Liebermann-Blätter ebenso ihr Publikum wie Jawlenskys "Liegender weiblicher Akt" (14.500 Euro), und die Galerie Valentien brillierte mit einem Grieshaber-Angebot, von dem zahlreiche Stücke an allen drei Messetagen in den Handel und an Privatleute verkauft wurden, darunter eine anonyme Silberstiftzeichnung von 1961 (8.500 Euro). Vier Kafka-Erstausgaben von der "Strafkolonie" (4.000 Euro) bis zu "Betrachtung" (9.000 Euro) waren bei Herbert Blank ebenso schnell vergriffen wie Wittgensteins "Tractatus" (3.000 Euro). Adrian Flühmann schließlich verkaufte "My Pretty Pony" mit 9 Originallithografien von Barbara Kruger (4.400 Euro). Am Samstagabend waren 120 Gäste der Einladung zur Vernissage zur Ausstellung "Das doch nicht äussere" gefolgt. Das George-Archiv bei der Württembergischen Landesbibliothek hatte unter der Regie von Hannsjörg Kowark, Ute Oelmann und Christoph Perels eine beeindrucke Ausstellung mit Katalog zur Schrift- und Buchkunst Stefan Georges zusammengestellt. Der Katalog kann nach der Messe für 20 Euro bei der Verbandsgeschäftsstelle bestellt werden (48 S., zahlr. Abb., ISBN 978-3-9812223-1-9). So war die 48. Stuttgarter Antiquariatsmesse eine "rundum gelungene Veranstaltung", sagt der Vorsitzende des Verbands Deutscher Antiquare Eberhard Köstler. Und weiter: "Ein Beweis mehr, dass sich der Antiquariatsbuchhandel antizyklisch verhält. Denn gerade in Krisenzeiten greifen die Menschen auf das zurück, was nicht vergänglich ist, sondern sich in einer 500 Jahre langen Tradition bewährt hat – auf das alte Buch. Büchersammler sind unbestechliche Individualisten. Und wir freuen uns, ihnen auch in Zukunft Ende Januar in Stuttgart ein solches internationales Forum bieten zu können."

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40 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Redaktion Antiquariat

    Redaktion Antiquariat

    Wir konnten die Abschlussmeldung eben mit einigen Bildern versehen.

  • Michael Stein

    Michael Stein

    <satire an>
    Gab es eine Zugangsbeschränkung für Besucher unter 40 Jahren?
    <satire aus>

  • Lampernist

    Lampernist

    <satiere>Mal ausnahmsweise kein Botox spritzen, Bart ankleben und Falten aufmalen. Schon kommt man rein. </satiere>

  • Sermo

    Sermo

    Na, dann sollte die Antiquariatsbranche schnellstens eine Bildungsoffensive starten, denn sonst steht sie in wenigen Jahrzehnten ohne Kundinnen und Kunden da - oder muss, was ja noch viel schlimmer ist, auf branchenübliche Abkürzungen und Trüffeleien verzichten und zu allen frakturgedruckten Büchern Transkriptionen in die lateinische Schrift anbieten.

  • Loewenberg2008

    Loewenberg2008

    Als Fachbesucher war es mir am Freitag und Samstag eine Freude, den einen oder anderen hochkarätigen Deals mit echten Sammlern zu beobachten. Wo sieht man dies sonst noch auf Antiquariatsmessen - sicher nicht in Leipzig und Frankfurt. Auffallend war, dass das Publikum in Stuttgart allesamt zur Generation 50Plus gehörten. Auch die Kollegen sollten dringend an den Nachwuchs denken, sonst könnte wertvolles KnowHow zukünftig nur noch auf Internetseiten zu finden sein.
    Horst Herkner (deutlich 50Plus)

  • e.koestler

    e.koestler

    Es gibt halt Lebensfreuden, die man sich für später aufspart. Wenn das Häuschen gebaut ist, die Karriere in festen Bahnen verläuft, die Kinder aus dem Haus sind etc., dann ist es Zeit, sich geeignete neue Freizeitvergnügen und Lebensinhalte zu suchen wie Golf, Bridge und Büchersammeln. Deshalb ist der "Nachwuchs" im Antiquariat im Wesentlichen "50 plus". Bei guter und behutsamer Pflege durch den Antiquar hält sich so ein Kunde dann aber noch 30 oder mehr Jahre, bis seine Sammlung wieder in den ewigen Kreislauf zurückkehrt. Das ist eine lange Zeit. Mein alter Mentor Horst Klein sagte mir vor 30 Jahren, als ich noch "Lehrbua" war: "Werden Sie nie Antiquar, denn da haben Sie immer nur mit alten Leuten zu tun. Sammeln braucht Geld, und wer hat Geld? Alte Leut'?" Ausnahmen bestätigen die Regel.

  • e.koestler

    e.koestler

    "Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort, das schwer sich handhabt wie des Messers Schneide." - Verabredung? Wette? Wein?

  • Roman Heuberger

    Roman Heuberger

    ad 8:
    auch ältere Kollegen waren mal jüngere Kollegen. Und hatten es auch nicht immer leicht in ihrem Entwicklungs- und Erfahrungsprozeß. Und wenn es einigen älteren Antiquaren nach vielen Arbeitsjahren heute ganz gut geht, ist dies nichts anderes als das, was man als "beruflichen Erfolg" bezeichnet. Das ist doch schön, oder?

    Eines hat übrigens früher mal stattgefunden (zumindest als ich noch in meinen "Lehrjahren" war): die Bereitschaft, ja der unbedingte Wille, von älteren und erfahrenen Kollegen zu lernen. Zu meiner persönlcien Entwicklung hat dies sehr viel beigetragen.

    Heute habe ich allerdings den Eindruck, daß zumindest in einigen Internetforen ältere und erfahrene Antiquare eher beschimpft, belächelt, angemacht oder als arrogante und in sich geschlossene Grüppchen bezeichnet werden. Sogar von Leuten, die sich selbst als ältere Antiquare bezeichnen (na ja, von einem zumindest).

    Gerade die grandiose Umwälzung unserer Branche durch das Internet erfordert umsomehr die Besinnung zu dem, was unser Geschäft eigentlich ausmacht, nämlich ein wenig mehr, als das Einscannen von ISBN fordert und etwas weniger Internet überhaupt.

    Der Antiquar von heute kann sein Geschäft durch das Internet mit bestimmen. Leider bestimmt oft das Internet den Antiquar. Der allerdings hat dann nicht genau verstanden, was unseren Beruf darstellt.

  • e.koestler

    e.koestler

    Mein Rat für die aufstrebene Jugend: die Beiträge von Roman Heuberger ausschneiden, in ein Sammelalbum einkleben und immer wieder memorieren! Als Remedium gegen den überall lauernden Stumpfsinn.

  • e.koestler

    e.koestler

    C'est la vie. Der Vorsitzende eines Vereins hat dessen Interessen und die seiner Mitglieder zu vertreten. Andere Ansprüche gehen an der Realität vorbei. Sottisen und Pöbeleien erst recht.

  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    Nun ja, sehr durchsichtig, "Lesefix". Kollege Koestler ist mit Sicherheit keiner, der vom Leben bestraft wird, im Gegenteil, er macht seine Sache gut und in unser aller Sinn, aber um das zu verstehen müßte man Mitglied in diesem Verband sein, und das ist zum Glück nicht jeder.

  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    Zum Thema "Ehrlichkeit": darüber sprechen wir dann, wenn jeder sehen kann wer Sie sind.

    Warum ICH dem Kollegen Koestler zu Hilfe eile ? Fragen wir lieber einmal, warum nur ich, der Verband Deutscher Antiquare hat schließlich noch mehr Mitglieder, aber ich sage es Ihnen gerne: weil mich diese feigen, heckenschützenartigen Angriffe gegen einen EHRENAMTLER, eben keinen "Funktionär" nur noch, Verzeihung, ankotzen.

    Und solange Sie kein Mitglied dieses Verbandes sind haben Sie kein Recht auf diese unqualifizierten Angriffe und erst recht nicht in dieser feigen, anonymen Form, wenn Sie eines wären.

    Auch ich bin kein "Funktionär", machen Sie sich einmal über die Unterschiede zwischen "Ehrenamtler" und "Funktionär" schlau, bevor Sie hier ständig versteckt diffamieren.

  • Loewenberg2008

    Loewenberg2008

    Lieber Herr Schäfer, als Verteidiger dieses Verbandes spreche ich Sie direkt an und komme damit auf mein Posting No. 6 zurück: Gibt es im Verband Mitglieder, die unter 50Plus sind? Da an den zeitgemässen Schauplätzen des Antiquariatshandels selten ein Hinweis auf diesen Verband zu sehen ist, ist es für nicht ablesbar, dass diese Branchen-Gruppierung eine wesentliche Rolle spielt. Der breite Absatz läuft über das Internet - die hochkarätigen Stücke über Auktionen. Die Nachwuchsarbeit und Bildungsaufgabe wird ebenfalls nicht forciert. Also, wozu ein Altherrenverein?
    Horst Herkner, Antiquar u. BIBLIOMAN-Gründer, Löwenberger Land.

  • Wilhelm Tell

    Wilhelm Tell

    @17: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." - Mit anonymen Denunzianten und IMs gibt es ja in unserem Land reichlich Erfahrungen. Mangels anderer Möglichkeiten bleibt Ihnen momentan für ihre Zwangshandlungen vor allem das Internet.

  • Günther Hildebrandt

    Günther Hildebrandt

    Die schlecht begründeten persönlichen Angriffe (in diesem Fall gegen Herrn Köstler) und deren Stil schrecken nachwievor ab.

    Das sich "das" Antiquariat zusehends zwischen Recycling und Juwelenhandel ausdifferenziert, diese Entwicklung mußte Ernst Jünger bereits vor 40 Jahren konstatieren.

    Zwar war das Antiquariat seit je eine Veranstaltung älterer Herren, allerdings haben sich die in Beitrag 7 beschriebenen Voraussetzungen insofern verändert als es eigentlich auch eine erhebliche Kaufkraft U 40 gibt. Ein kurzer Blick auf Bayerns Straßen, in das Gehaltsgefüge einer Unternehmensberatung oder in eine Generationenstatistik genügt. Zu fragen wäre also, wieso der Kunstmarkt auf breiter Front junge Käufer generieren kann ..., was er hat, das dem Antiquariat fehlt.

  • Michael Stein

    Michael Stein

    Sex.
    Junge Kunstkäufer haben die Möglichkeit junge, frische, moderne, zeitgenössische Kunst zu kaufen - und der Kunstmarkt fördert das.
    Das deutsche Antiquariat protzt mit Echten Bünden, Pergamenteinband und Kupfern, die Inhalte entsprechend schwer. Begehrenswert für den gereiften Geschmack und erhaltenswert allemal. Aber eher befremdlich für alle jungen Menschen, die nicht des Sonntags die Kirchenorgel bedienen. Wenn sie einen Antiquar nach belletristischen Erstausgaben fragen, drückt er ihnen den Taschengoedeke in die Hand.

  • Günther Hildebrandt

    Günther Hildebrandt

    Zuerst mal Entschuldigung für ein paar Tippfehler.

    Ich verstehe nicht ganz, was Sie meinen. Was soll der Antiquar dem jungen Menschen denn in die Hand drücken?

    Die Antwort auf meine gestellte Frage dürfte wohl lauten: Status- und Prestigegewinne, ein paar schnelle Hingucker und, vor allem, ja: vor allem anderen: spekulative Treibstoffe.

    Deshalb glaube ich auch, daß es mit dem Jungen, Frischen, Modernen, Zeitgenössischen jetzt erstmal vorbei sein dürfte.

  • Lampernist

    Lampernist

    ad 21.

    Teils mag es daran liegen, daß alle relevanten Romane der Jetztzeit englischsprachig sind. Zwar sind die Preisunterschiede gewaltig, Rowling schlägt Pullman allemal, obwohl er für meinen Geschmack stilistisch besser und inhaltlich fundierter ist, aber darauf kommt es den modebestimmenden, werbungsgelenkten Massen nicht an.
    Nischen gibt es überall, doch bleiben sie für den gehobenen antiquarischen Markt preislich eher wenig signifikant.
    Und egal wie sehr Fabrikate, die von speziell deutschem Interesse sein könnten – ich denke da grad an Littell, von FAZ mit Vorabdrucken und Blog bedacht – hochgespielt werden, gegen die internationale Vermarktungsindustrie kommt man so nicht an.
    In einer fast weltweiten Kulturlandschaft haben unsere heimischen Produkte weniger ‚Sex’ und weniger Chancen als amerikanische. Inwieweit das an Darstellungsweise, Stil und Themenwahl liegt, muß hier vorbleiben.

    Und grad die finanzkräftigen U40-Kunden sind von ihrer Sozialisation wie ihrem Bildungsweg eher international, wenn nicht sogar amerikanisch geprägt.
    Das soll nun aber nicht heißen, daß wir uns fortan den englischsprachigen Hits widmen sollen, das nämlich können die ausländischen Kollegen besser.

    Wir könnten uns als ein Erstes auf dem Weg in die Gegenwart ein zeitgemäßeres Auftreten verordnen. Das Antiquarische kommt in Deutschland meist recht altbacken und schläfrig daher (ich denke da grad an die zahlreichen bildungshungrigen Zitate auf der Seite des VdA), ohne z.B. den Nimbus erhabener Kultur, den die Franzosen so angenehm zu pflegen vermögen, das mag an unserer Geschichte und unseren Selbstzweifeln liegen, doch diesen Aspekt näher zu betrachten führte hier zu weit. Statt eines solchen Nimbus pflegen wir unser Fachchinesisch aus Abkürzungen und kaum gebräuchlichen Ausdrücken, als ob uns das zu etwas Besonderem machte.

  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    #19
    Klar ein Fall für die Rechtsabteilung, wieso bleibt dieses anonyme statement hier stehen ? Falls Tell hier auf meine seinerzeitige Anzeige gegen Herrn Mulzer anspielen will, und ich wüßte nicht worauf sonst, möchte ich klarstellen, daß ich dies unter Angabe meines Namens und meinder Anschrift getan habe. Falls etwas anderes gemeint war, bitte Ihrerseits mit Namen Roß und Reiter nennen, ansonsten beantrage ich hiermit Löschung des o.g. Kommentars und meiner Antwort darauf, es ist unglaublich, was hier geduldet wird.

  • Peter Mulzer, Buchantiquar

    Peter Mulzer, Buchantiquar

    Werter Kollege Schäfer,

    nicht so schnell mit den Verdächtigungen - Langsamkeit behütet einen mitunter davor, sich lächerlich zu machen.

    Hintergrund ist folgender: Gestern Nacht griff ich Herrn Köstler mal wieder an, säuberlich begründet, wie ich das so zu tun pflege, aber Redakteur Biester möchte weiterhin am Starnberger See gern gesehen werden, was ich verstehen kann, und überhaupt bringt es nichts, Konflikte hochzuschaukeln, Recht hat er.

    Also hab ich mich heute früh keineswegs über die Löschung geärgert, mich aber über "Tell" herzlich gefreut.

    Was soll nun wieder Ihre uralte Justiz-Schiene? Ich habe Ihnen schon einmal mitgeteilt, daß ich von Ihrer sogenannten "Anzeige" nichts weiß, sie ist, wie manche andere, nicht durchgedrungen, da die Justiz zwischen wissernschaftlicher Arbeit und Schweinkram sehr wohl zu unterscheiden weiß - eine Gabe, die Ihnen der Himmel allerdings n i c h t verliehen hat. Bis heute mache ich mir über den wirklichen Autor einer gewissen Web- Ganzfälschung, auf die Sie sich beständig beziehen, so meine Gedanken - aber lassen wir das. Olle Kamellen.

    So, und nun zurück zum Tagesgeschäft.

  • Sermo

    Sermo

    Als junger bibliophiler Nicht-Antiquar (allerdings mit wenig Geld, da selbst in der Buchbranche tätig) könnte ich ja fast eine Zielgruppe sein, die Antiquare, welche an die Zukunft denken, umwerben könnten (oder sollten). Wenn ich Herrn Koestlers Worte lese und diese als eine Herablassung oder zumindest Ignoranz gegenüber Personen wie mir deute, dann fühle mich von der Antiquariatsbranche natürlich schlecht bedient.
    Dabei habe ich Herrn Koestlers diesjährigen Vortrag auf der Jahrestagung der Gesellschaft der Bibliophilen sehr genossen und mich in dem durch seinen Vortrag geschaffenen Umfeld eigentlich ganz wohl gefühlt. Das ist bei Herrn Koestlers Äußerungen in diesem Forum natürlich nicht mehr der Fall.
    Es ist doch ein Unterschied, ob man sagt, dass ältere Menschen das Kernklientel eines Antiquariatsbetriebes sind (was ja sicher niemand bestreiten kann) oder ob man sagt, dass man junge Buchliebhaber kategorisch ignorieren sollte - und sei es nur, weil sie nach Herrn Koestlers Vermutung eines Tages genauso sein werden wie die heutigen Alten (was ich wiederum bezweifle).

  • Wilhelm Tell

    Wilhelm Tell

    # 19, 24, 25 Zu schnell geärgert, zu früh gefreut: das Tell-Zitat bezog sich auf den bösen Nachbarn Lesefix und Mulzer darf sich auch angesprochen fühlen, wenn er will (er fühlt sich ja für alles zuständig)

  • e.koestler

    e.koestler

    Zu 26: Werter Sermo, wenn Sie mir in meinem leicht humoristischen Beitrag 7 (ich denke, den meinen Sie) die Stellen zeigen, welche "eine Herablassung oder zumindest Ignoranz gegenüber Personen wie" Ihnen oder gar das Dictum "dass man junge Buchliebhaber kategorisch ignorieren sollte" zeigen können, lade ich Sie bei der nächsten Jahrestagung der GdB auf ein Gläschen oder Tässchen ein. Ich stelle hiermit meine Beiträge auf absehbare Zeit wieder ein und widme mich meiner Arbeit.

  • Peter Mulzer, Buchantiquar

    Peter Mulzer, Buchantiquar

    Werter Herr Köstler,

    darf ich Sie daran erinnern, daß Sie sich bisher in gar keinem Fall einer ausführlichen Diskussion gestellt hatten, weder bei Karl May noch bei den beiden Wiener Ereinissen, noch bei Flick usw.

    Sie haben sehr viel zu tun, und Ihre Kataloge sind mit Recht hochgeschätzt. Andererseits wäre es doch zu begrüßen, wenn Fragen, die den Verband sehr wohl direkt angehen, und sei es nur vom Thema her, etwas ausführlicher erörtert werden könnten.

    Mein Vorschlag: Delegieren Sie doch in Ihrem Verband einen *Pressesprecher*, den Sie von Fall zu Fall mit Informationen füttern und der Zeit und Interesse hat, sich einer echten Wechselrede der Argumente zu stellen.

    Dies würde auch den etrwas peinlichen Eindruck verwischen, daß der Verband - nach außen hin - auf Gutsherrenart verkehrt.

  • Wilhelm Tell

    Wilhelm Tell

    @alles von Lesefix
    "es ist unglaublich, was hier geduldet wird." (24) Das ist leider nur zu wahr: Matto regiert (auch hier).

  • Lampernist

    Lampernist

    So langsam unterstelle ich mir Masochismus, mich hier überhaupt noch zu zaghaftem Wort zu melden.
    Der eine ist vorschnell beleidigt und bezichtigt den andern, der garnicht gemeint ist, und da der dritte dann darüber ebenfalls seinen Wortsenf tun kann, ist auch dieser freigiebig – aber all das ist wenig ergiebig. Selbst Frau Marathon, die ich ein kurzes Weilchen fast in die Außenhaut meines schwachen Herzens geschlossen hatte, ist nun wieder aggressiv, manchmal aus verständlichem Grund, aber Stil hat es alles nicht.
    Und das ist der Punkt: manche der Damen und Herren Kollegen sollten die Bücher, die sie lesen, aufmerksam lesen, dann wüßten sie, wie die deutsche Sprache funktioniert und schrieben hier nicht, als scherten sie sich einen Teufel um ebendiese Sprache, in der sie Bücher zu verkaufen versuchen – und, falls sie die rechte Literatur zu sich nähmen, ahnten sie eventuell, was Stil bedeuten könnte, nicht nur der grammatikalische, sondern der des Umgehens miteinander.

  • bookmarathon

    bookmarathon

    @33
    ???? Agressiv, ich???? Bis auf den Knoblauch, den ich heute mit einem Messer zerstückelt habe, und natürlich nicht zu vergessen die Cappelini die ich in in kochendes Wasser geschmissen habe, dürfte ich doch sonst recht friedlich gewesen sein.

    Und und unter uns, in diesen Thread habe ich doch gar nicht geschrieben?!

    Aber Sie haben Recht, ich kann nicht so schön schreiben wie viele Andere. Wir sind doch alle Produkte unserer Erziehung und unseres Umfeld. Und ich glaube, dass ich mich dafür noch enigermaßen gut ausdrücken kann. Wenn nicht, ist das auch egal, ich will ja Bücher verkaufen und nicht schreiben. :-)

    Ach ja, der Thread ist sogar mir zu blöd.

  • krämer

    krämer

    "Wir sind doch alle Produkte unserer Erziehung und unseres Umfeld." (Nicht nur, vielleicht).
    Und den demographischen Aspekt nicht übersehen. Diese 50plus, das sind die Babyboomer. Überall gibt es zu viele von denen. Eine einzige Drängelei. Auch deshalb kommt die Nachwuchsförderung zu kurz. Wegen Verstopfung, Überbelegung.

  • Roman Heuberger

    Roman Heuberger

    ad 12:
    Guten Abend, Lesefix (kann Ihren Beitrag aus Zeitgründen erst heute Abend kommentieren):

    danke für den "Monsignore", aber ich bin weder ein päpstlicher Hauskaplan noch überhaupt Mitglied der Kirche, schon gar nicht der katholischen. War aber trotzdem nett.

    Sie haben das so beschrieben, wie ich das auch sehe, das ist eben das, was einen Beruf ausmacht, nämlich auch der Austausch von Erfahrungen, das gegenseitige Lernen voneinander, das Gefühl für ein gemeinsames Ziel (z.B. davon leben können) und letztendlich auch das Weitergeben von kulturellen Gegenständen (wenn auch viele nur scheinbar oder subjektiv).

    Dieser Austausch findet aus meiner Sicht allerdings am fruchtbarsten im direkten Gespräch statt. Heißt, in der entsprechenden Umgebung, also zum Beispiel im begehbaren Antiquariat. Wie Kommunikation überhaupt immer noch auf dem direkten Weg stattfindet. Man nennt das "Leben".

    Das, was wir hier produzieren, ist durchaus nützlich, es ist auch bequem, dennoch irgendwie zweidimensional. Ohne großen Nachhall und schnell ins Vergessen geraten. Weil jetzt. Und morgen nicht mehr. Weil da schon wieder etwas anderes kommt. Eine gewisse Oberflächlichkeit ist vorgegeben. Und so etwas halte ich für wenig nützlich, generell und vor allem für unseren Beruf. Flüchtigkeit hat in allen Bereichen des Lebens, so auch in unserer Branche oft fatale Folgen. Das Internet bietet es geradezu an, daß jedermann zu jederzeit, wenn ihm irgendein Gedanke durch den Kopf fliegt, möge der auch noch so sehr ein geistiger Fliegenschiß sein, glaubt, diesen der Welt mitteilen zu müssen. So entsteht allmählich ein Konglomerat von unausgegorenen, wenig durchdachten, spinnerten und sonstigen vermeintlich fachbezogenen Einsprengseln, die letztendlich nichts, aber auch gar nichts nützen. Jemand, der glaubt, aus dieser Melange etwas einigermaßen Produktives für sich herausziehen zu können, der irrt.

    Freilich wird auch in der Wirklichkeit viel Unsinniges und Fehlerhaftes produziert, dauernd. Nur findet dies in der Regel innerhalb des eigenen Biotops statt und ist irgendwie überschaubarer. Und besser zu händeln. Weil, da reden zumeist nicht immer alle durcheinander.

    Anders ist es in unserer virtuellen Welt. Da sprudelt es von allen Seiten, jeder Beteiligte glaubt, seinen Senf zu allem Möglichen beitragen zu müssen (ich bin mitunter ja auch dabei), und so kommt es, daß man sich bequem auf ein bestimmtes Reizthema einschießen kann. Beispiel Eberhard Koestler. Da fängt jemand an, den Kollegen zu kritisieren. Je nach Couleur entwickelt man plötzlich eine Art Negativ-Wahrnehmung und schon wird hier ein Stinkstiefel präsentiert.

    Diese Art von vermeintlicher Kritik halte ich für nicht sehr gerecht. Klar, Meinungsäußerungen sollen nicht beschnitten werden. Das ist das eine. Das andere aber ist, daß man versuchen sollte, Dinge nicht immer nur einseitig zu sehen, sie gar polemisch oder gar beleidigend darzustellen. Ich sehe das so: Kollege Eberhard Koestler ist zunächst ein Antiquar wie Sie (vermute ich doch) und ich. Dann ist er nebenbei noch ehrenamtlich Vorsitzender eines anerkannten Berufsverbandes. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern nimmt er das Medium "Kommunikation via Internet" wahr und auch daran teil. Ich halte dies gerade für das Gegenteil einer "Gutsherren-Mentalität", die Sie ihm unterstellen. Würde er sich hier überhaupt nicht zu Wort melden, böte er auch keine Fläche für Angriffe, vor allem ungerechtfertigte und aus einem Gefühl heraus formulierte. Und jeder hier formuliert, wie es ihm in die Tastatur fließt.

    Aber: mein Eindruck ist, daß die Form der Diskussion, die hier stattfindet (aber vermutlich auch in anderen Foren) völlig anders ist, als wenn man dem Diskussionspartner selbst gegenüber stünde. Da hätte man vermutlich ein wenig mehr Respekt voreinander und vor allem keine Maske über das Gesicht gezogen.

    Mir geht es eigentlich nur um ein wenig mehr Gesprächskultur, auch in virtueller Form. Die täglichen E-Mails, die uns erreichen ("hallo, ich hab da ein altes buch, können sie das brauchen, sven" - alles in Kleinschreibung) nerven und belegen, daß jeder Depp mehr oder weniger geschickt in die Tasten hauen kann.

    Vielleicht findet hier auch nur so etwas wie eine Art imaginärer Stammtisch statt, an dem jeder die Sau rauslassen kann. Das wäre allerdings ein Stammtisch, an dem Leute zusammensitzen, die es im wirklichen Leben niemals täten. Hat auch was. Was genau, weiß ich allerdings nicht.



    ad 12:
    Guten Abend, Lesefix (kann Ihren Beitrag aus Zeitgründen erst heute Abend kommentieren)

    danke für den "Monsignore", aber ich bin weder ein päpstlicher Hauskaplan noch überhaupt Mitglied der Kirche, schon gar nicht der katholischen. War aber trotzdem sehr nett.

    Sie haben das so beschrieben, wie ich das auch sehe, das ist eben das, was einen Beruf ausmacht, nämlich auch der Austausch von Erfahrungen, das gegenseitige Lernen voneinander, das Gefühl für ein gemeinsames Ziel (z.B. davon leben können) und letztendlich auch das Weitergeben von kulturellen Gegenständen (wenn auch viele nur scheinbar oder subjektiv).

    Dieser Austausch findet in der Regel allerdings am fruchtbarsten im direkten Gespräch statt. Heißt, in der entsprechenden Umgebung, also zum Beispiel im begehbaren Antiquariat. Wie Kommunikation überhaupt immer noch auf dem direkten Weg stattfindet. Man nennt das "Leben".

    Das, was wir hier produzieren, ist durchaus nützlich, es ist auch bequem, dennoch virtuell und irgendwie zweidimensional. Ohne großen Nachhall und schnell ins Vergessen geraten. Weil jetzt. Und morgen nicht mehr. Weil da schon wieder etwas anderes kommt. Eine gewisse Oberflächlichkeit ist vorgegeben. Und so etwas halte ich für wenig nützlich, generell und vor allem für unseren Beruf. Flüchtigkeit hat in allen Bereichen des Lebens, so auch in unserer Branche oft fatale Folgen. Das Internet bietet es geradezu an, daß jedermann zu jederzeit, wenn ihm irgendein Gedanke durch den Kopf fliegt, möge der auch noch so sehr ein geistiger Fliegenschiß sein, diesen der Welt mitteilen. So entsteht allmählich ein Konglomerat von unausgegorenen, wenig durchdachten, spinnerten und sonstigen vermeintlich fachbezogenen Einsprengseln, die letztendlich nichts, aber auch gar nichts nützen. Jemand, der glaubt, aus dieser Melange etwas einigermaßen Nützliches für sich erkennen zu können, der irrt.

    Freilich wird auch in der Wirklichkeit viel Unsinniges und Fehlerhaftes produziert, dauernd. Nur findet dies in der Regel innerhalb des eigenen Biotops statt und ist irgendwie überschaubarer. Und besser zu händeln. Weil, da reden zumeist nicht immer alle durcheinander.

    Anders ist es in unserer virtuellen Welt. Da sprudelt es von allen Seiten, jeder Beteiligte glaubt, seinen Senf zu allem Möglichen beitragen zu müssen (ich bin mitunter ja auch selbst dabei), und so kommt es, daß man sich bequem auf ein bestimmtes Reizthema einschießen kann. Beispiel Eberhard Koestler. Da fängt jemand an, den Kollegen zu kritisieren. Je nach Couleur entwickelt man plötzlich eine Art Negativ-Wahrnehmung und schon wird hier ein Stinkstiefel präsentiert.

    Diese Art von vermeintlicher Kritik halte ich für nicht sehr gerecht. Klar, Meinungsäußerungen sollen nicht beschnitten werden. Das ist das eine. Das andere aber ist, daß man versuchen sollte, Dinge nicht immer nur einseitig zu sehen, sie gar polemisch darzustellen. Ich sehe das so: Kollege Eberhard Koestler ist zunächst ein Antiquar wie Sie (vermute ich doch) und ich. Dann ist er nebenbei noch ehrenamtlich Vorsitzender eines anerkannten Berufsverbandes. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern nimmt er das Medium "Kommunikation via Internet" wahr und auch daran teil. Ich halte dies gerade für das Gegenteil einer "Gutsherren-Mentalität", die Sie ihm unterstellen. Würde er sich hier überhaupt nicht zu Wort melden, böte er auch keine Fläche für Angriffe, vor allem ungerechtfertigte und aus einem Gefühl heraus formulierte. Und jeder hier formuliert, wie es ihm in die Tastatur fließt. Sein gutes Recht.

    Aber: mein Eindruck ist, daß die der Form der Diskussion, die hier stattfindet (aber vermutlich auch in anderen Foren) völlig anders ist, als wenn man dem Diskussionspartner selbst gegenüber stünde. Da hätte man vermutlich ein wenig mehr Respekt voreinander und vor allem keine Maske über das Gesicht gezogen.

    Mir geht es eigentlich nur um ein wenig mehr Gesprächskultur, auch in virtueller Form. Die täglichen E-Mails, die uns erreichen ("hallo, ich hab da ein altes buch, können sie das brauchen, sven" - alles in Kleinschreibung) nerven und belegen, daß jeder Depp mehr oder weniger geschickt in die Tasten hauen kann.

    Vielleicht findet hier auch nur so etwas wie eine Art imaginärer Stammtisch statt, an dem jeder die Sau rauslassen kann. Das wäre allerdings ein Stammtisch, an dem Leute zusammensitzen, die es im wirklichen Leben niemals täten. Hat auch was. Was genau, weiß ich allerdings nicht.















  • Roman Heuberger

    Roman Heuberger

    ad 36:
    Ich habe keine Ahnung, warum der Beitrag doppelt da steht.
    Roman Heuberger

  • Wilhelm Tell

    Wilhelm Tell

    Hier wendet sich der Gast mit Grausen:
    "So kann ich hier nicht ferner hausen,
    Mein Freund kannst du nicht weiter sein,
    Die Götter wollen dein Verderben,
    Fort eil ich, nicht mit dir zu sterben."
    Und sprachs und schiffte schnell sich ein.

  • Peter Mulzer, Buchantiquar

    Peter Mulzer, Buchantiquar

    An den feigen Doppeldeutigen

    Mühsam ists, mit klaren Worten
    Pro und kontra zu verorten,
    Öde ist die Christenpflicht,
    Abzuwägen, ob gerecht,
    Gut geurteilt oder schlecht,
    Tellen paßt dies alles nicht!

    Sibyllinisch, zynisch, kühl
    Flieht er aus des Tags Gewühl,
    Macht doch euren Dreck allein,
    Mitarbeit fällt mir nicht ein!
    Stets ein Restchen von Verachtung,
    Auch ein Quentchen Unterstellung
    Und von fern das Wort "Umnachtung",
    Literarisch Brust in Schwellung -
    Elegant aus der Affaire
    Zieht sich Tell. Ach, wenn er wäre
    Nicht nur ein Anonymus,
    Kriegt ich ihn bei seinem Schmus.

  • Wilhelm Tell

    Wilhelm Tell

    Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
    Die Hände zum Zeus erhoben:
    "O hemme des Stromes Toben!"
    Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
    Und Welle auf Welle zerrinnet,
    Und Stunde an Stunde entrinnet.

  • Peter Mulzer, Buchantiquar

    Peter Mulzer, Buchantiquar

    Rätselstunde

    Es türmt sich der Berg zu bearbeitender Titel,
    Der Antiquar, er rotiert im weißen Kittel,
    Pakete gilt es zu packen de tri,
    Zum Mittagessen kommt er nie,
    Der arme Antiquarius. Aber Tell -
    Schon wieder eilt herbei er schnell,
    Und ohne Erbarmen: R ä t s e l s t u n d e,
    Jetzt schon in einer zweiten Runde...
    Wer ist wer, wer schnaubt vor Wut,
    und gar in den Händen erhoben den Hut,
    Wer weint, wer fleht - wir fassens nicht.
    Ach Tell, geh uns vom Tageslicht,
    SAG, WAS DU WILLST, NENN ROSS UND REITER,
    Dann sehen wir geduldig weiter.


  • Wilhelm Tell

    Wilhelm Tell

    Drum, willst du dich vor Leid bewahren,
    So flehe zu den Unsichtbaren,
    Daß sie zum Glück den Schmerz verleihn.
    Noch keinen sah ich fröhlich enden,
    Auf den mit immer vollen Händen
    Die Götter ihre Gaben streun.

  • Peter Mulzer, Buchantiquar

    Peter Mulzer, Buchantiquar

    Und für den Schmerz sind Sie zuständig? Jetzt verstehe ich. - Und nun bitte zurück zur Sache, um die es hier geht.

  • Wilhelm Tell

    Wilhelm Tell

    An Ihnen ist ja ein neuer Schiller verlorengegangen! Haben Sie schon daran gedacht, Ihren Vor- oder Nachlaß nach Marbach zu spenden? Man könnte die Schillerhöhe dann in Mulzer-Nationalmuseum umbenennen. Nach dem Meister des letzten Wortes, einem weiteren Meister aus Deutschland.

  • Peter Mulzer, Buchantiquar

    Peter Mulzer, Buchantiquar

    Wenn Sie Paul Celan bemühen, wirken Sie ausgesprochen komisch.

    Rückkehr zum Thema bitte! Oder sind Sie ausgeschickt, um durch Nebengefechte das Hauptthema v e r g e s s e n zu machen?

    Die Methode ist nicht gerade neu.

  • Wilhelm Tell

    Wilhelm Tell

    Welches Hauptthema? Falls es je eines gegeben haben sollte, ist es doch längst im schwarzen Loch sinnlosester Beiträge à la Lesefix untergegangen. "Da wendet sich der Gast mit Grausen ..."

  • Wilhelm Tell

    Wilhelm Tell

    Man wird ja nicht umsonst Schweizer Freiheitsheld. Als branchenfremder ausländischer junger Mitleser und Schillerfreund gewinne ich allerdings bei obiger Lektüre den Eindruck, daß die deutschen Antiquare ziemlich bekloppt sein müssen und hoffe, daß meine eigenen Landsleute nicht so sind.

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