Erstverkaufstag

Rowohlt reicht Klage gegen den »Spiegel« ein

Der Rowohlt Verlag hat heute Klage gegen das Nachrichtenmagazin »Spiegel« eingereicht, weil es eine Rezension über Daniel Kehlmanns neuen Roman »Ruhm« zwei Wochen vor dem Erstverkaufstag veröffentlicht hat.

Daniel Kehlmann

Daniel Kehlmann © Gaby Waldek

Rowohlt Marketing- und Vertriebschef Lutz Kettmann bestätigte dem Börsenblatt, dass der Verlag heute Nachmittag beim Landgericht Hamburg die Klage gegen den »Spiegel« eingereicht habe. »Für uns stand fest: Wir tun das, was wir auch angekündigt haben. Es geht letztlich auch darum, ein Zeichen zu setzen.« In der Buchbranche haben viele Buchhandlungen und Verlage darauf gewartet, wie Rowohlt die Verletzung der Veröffentlichungsfrist wohl handhaben würde – schließlich steht auch die Glaubwürdigkeit der Institution Erstverkaufstag auf dem Spiel. »Das sind wir auch unseren Kunden, den Buchhändlern, schuldig«, meint Kettmann, »die in einer unangenehmen Situation stecken, wenn der Kunde mit der Besprechung in der Hand in den Laden kommt, aber das Buch noch gar nicht zu haben ist.« Für Rowohlt sei es wichtig, dass die Situation um den Erstverkaufstag ein für allemal geklärt werde. »Wir werden das Thema in Zukunft sicher strenger und restriktiver handhaben.«

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12 Kommentar/e

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  • M. WERNER

    M. WERNER

    'Wasch mich, aber mach mich nicht nass!'
    Meiner Ansicht nach hat das mit dem Erstverkaufstag nichts zu tun. Was wird die Klage wohl wert sein?

  • A.E.

    A.E.

    Natürlich ist es für den Buchhändler unangenehm, wenn der Kunde mit der Besprechung in der Hand in den Laden kommt, das Buch aber noch nicht auf dem Markt... Aber hat der Spiegel denn das Buch vorm Erstverkaufstag verkauft?
    Was hielte Rowohlt wohl davon, wenn der Spiegel des Verlages Bücher gar nicht mehr bespricht? Meine Güte, hier wird doch das Pferd von hinten aufgezäumt!

  • C.B.

    C.B.

    Heiliger Bimbam, was für eine Aufregung. Wer hat die Fahnen vorher verschickt? Wahrscheinlich der Autor... Oder wurde in Reinbek eingebrochen? Der Rechner gehackt? Ein Fall für einen «Tatort»-Krimi. Aber doch nicht fürs Gericht...

  • Nadine Dötsch

    Nadine Dötsch

    Die Besprechung vor dem eigentlichen Erstverkauf schadet sehr wohl dem Image und der Kompetenz des Buchhändlers wie auch dem des Rowohlt Verlages. Natürlich sind wir darauf angewiesen, dass Bücher in großen Magazinen besprochen werden. Aber warum nicht zur rechten Zeit wenn es allen nützt?

  • M. WERNER

    M. WERNER

    Ich fand es immer reizend, einem Kunden Dinge wie Preisbindung oder Erstverkaufstag zu erklaeren. Natuerlich ist es nicht fein, sich an Abmachungen nicht zu halten, die zudem auch noch ihre Berechtigung haben. Aber ein Gericht damit zu beschaeftigen?

  • F. Stegers

    F. Stegers

    Warum orientieren sich die Verlage nicht am extrem erfolgreichen Beispiel der Musikindustrie: Statt Rezensionsexemplare oder Fahnen zu verschicken, ausgewählte Journalisten zu "Pre-Reading-Termine" einladen, bei denen dann nur einige wenige Passagen live vorgelesen oder per Beamer auf die Wand geworfen werden. Natürlich muss man die Journalisten vorher durchsuchen und ihnen Handys etc. abnehmen, damit keine unerlaubten Bild- oder Tonaufnahmen der Buchpassagen gemacht werden.

  • Literaturtipp

    Literaturtipp

    Bei uns kommt es auch vor, dass eine Rezension 2 Wochen bevor das Buch erschienen ist vorliegt, schließlich werden Leseexemplare ja oft auch Wochen vor Erscheinungstermin verschickt. Es liegt jedoch im Verantwortungsbereich der Redaktionsleitung bzw. einer Chefredaktion, dass so etwas nicht passiert, denn schließlich sind diese Exemplare deutlich gekennzeichnet. Da muss man sich eben mal eine Notiz machen, wenn schon der Redakteur bzw. Rezensent so nachlässig ist.
    Meiner Meinung nach hat so ein Vorgehen (das des Spiegels) aber mit der unersättlichen Macke des Deutschen zu tun, immer der Erste und der Beste zu sein, um sich vor anderen profilieren zu können. Und wer sich nicht an Abmachungen hält, bekommt eben mal was auf die Pfoten. Da der Rowohlt Verlag da so vehement vorgeht, liegt der Verdacht nahe, dass das nicht das erste Mal passiert ist. Ich finde es okay, denn so sehen auch wir „kleinen“ Rezensenten einer Onlineredaktion, dass sich die großen Medien in ihrer Arroganz nicht alles herausnehmen können. Gut gemacht, lieber Rowohlt Verlag! Und: sorry, lieber Spiegel!

  • hape

    hape

    Der Rowohlt-Verlag möchte Medien zum erwünschten Stichtag als Teil seiner Marketingkampagne gebrauchen. Ich wünsche mir Medien, die darauf pfeifen, im redaktionellen Teil Zulieferer von Marketingdienstleistungen zu sein.

  • Don Adams

    Don Adams

    Geschickter PR-Schachzug. Weniger witzig: Der Steuerzahler bezahlt die Rechnung für etwas, was bei uns in den USA als "frivolous lawsuit" eingestuft würde.

    Jede Wette, man einigt sich klammheimlich auf ein paar Gratis-Anzeigen für Rowohlt im Spiegel, wenn das Theater - d.h., der gewünschte Effekt - vorbei ist.

  • Patrick

    Patrick

    Nein, das ist kein Quatsch, sondern rechtlich ziemlich sauber. Der Verlag hält die Nutzungsrechte. Deshalb darf er über die Erstverbreitung bestimmen. Wie wo und wann es verkauft wird z.B. Und wenn Redaktionen Vorabversionen bekommen, dann unterliegen diese den Bedingungen des Rechteinhabers. Wenn man das Buch frei im Laden kaufen kann, darf jeder darüber schreiben. Bei den Vorabversionen ist dies nicht so. Gleiches gilt für Musik, Videospiele etc. Da gab es auch schon entsprechende Urteile

  • Raphael

    Raphael

    Ich verstehe nicht, warum hier Knebelverträge und dieses Erstveröffentlichungsrecht zusammen genannt werden. Es ist ja nicht nur so, als würden die Verlage einseitig profitieren. Der Spiegel udn seine Redaktion bekommt unmengen unveröffentlichter und kostenloser Bücher zur Verfügung gestellt und zudem genug Textgrundlage, um mit sehr wenig Aufwand einen Beitrag zu produzieren. Einseitigkeit ist hier einfach nicht gegeben, wie bei einem Knebelvertrag oder ähnlichem

  • Marcuccio

    Marcuccio

    Dass der Buchhandel Probleme hat mit Leuten, die ein Buch nachfragen, bevor es erhältlich oder im Laden ist, wäre mir neu. "Vorbestellung", "Wir rufen Sie an", "Wir schicken es Ihnen nach Hause" - das alles ist ja sonst kein Problem.

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