E-Book

Jetzt mal den Schirm schön flachhalten

So langsam führt der Medienrummel um das E-Book zu flächendeckenden Wahrnehmungsstörungen. Eine Polemik. VON RALF SCHWEIKART

Die anwesende Presse – und es war erstaunlich viel Presse anwesend – stürzte sich in einem wahren Blitzlichtgewitter auf den kleinen E-Book-Silberling von Sony, der da während der offiziellen Präsentation bei Thalia in Berlin in den Händen von Top-Model Franziska Knuppe schlummerte. Fiel die Wahl auf sie, weil sie auch so schlank und rank ist wie das flache Lesegerät? Nein. „Sie steht für die Zielgruppe, denn als Model ist sie nicht nur viel unterwegs, sie ist auch eine Vielleserin.“ Ach so, na dann. Aber so schön präsentiert überstrahlte das alle Zweifel, auch den klaren Blick, dass beim Vergleich zwischen Buch und E-Book letzteres eher unglücklich abschneidet, und das liegt nicht nur am veralteten Modell PRS-505, mit dem Sony hierzulande den Fortschritt einläuten will. Wäre dementsprechend nicht Johannes Heesters ein geeigneteres Model gewesen?

Den Vergleich zwischen Buch und E-Book darf man im Zeitalter einer globalen Wirtschaftskrise, deren Zenit längst noch nicht erreicht scheint, gerne mal unter ökonomischen Gesichtspunkten ziehen. Gut, im Buch selbst ist das Lesegerät quasi schon mit eingebaut – es fällt also preislich in die Differenz zwischen dem Preis fürs Buch und dem Preis für den E-Buch-Download. Bei Thalia und den dort als E-Buch angebotenen Bestsellern von Stieg Larsson oder Stephenie Meyer liegt die effektive Ersparnis im Moment bei 0 – in Worten: null – Euro. Das bedeutet: Für den Akt des Medienwechsels gibt der Leser 299,- Euro aus, spart damit aber nichts beim Erwerb der Inhalte. Aber das soll sich ja schnell ändern.

Gehen wir mal davon aus, dass sich die Verlage in Bälde darauf verständigen, den Preis für elektronisch publizierte Inhalte fühlbar unterhalb der Buchpreise anzusiedeln – Pascal Zimmer von Libri empfiehlt 10 % bis 20 % unter dem Ladenpreis der vergleichbaren Buchausgabe. Den Mittelwert von 15 % angenommen, bedeutet das bei einem Hardcover von 19,90 Euro einen E-Buch-Preis von gerundet 16,90 Euro. Ersparnis: drei Euro. Die Rechnung ist einfach: Das 100ste Buch ist der private Break even, jetzt spart der Leser. Setzen wir das in Relation mit dem Einkaufverhalten der Gruppe der Power-Buchkäufer, der Gruppe der 20-29j-ährigen mit durchschnittlich 4,7 gekauften Büchern pro Jahr, dann lohnt sich die Hardware-Investition in ein E-Book nach genau 21 ein viertel Jahren: Selbst ein Finanzberater der Lehmann Bank hätte das nur schwerlich zu einer lohenden Investition hinbiegen können.

Ich gebe zu, der Vergleich hinkt. So ein kleines Speicherwunder ist ja auch eher für die echten Leser gedacht, die quantitativ weit über dem Einkaufsdurchschnitt von 4,7 liegen. Die mehr kaufen und mehr lesen. Nur hat man aus dieser Gruppe noch kein jahrelanges Klagen darüber gehört, wie unbequem und unhandlich doch diese Bücher seien und wo endlich mal eine technologische Verbesserung Platz schaffen würde in diesen hässlichen Bücherregalen.

Aber es sind ja nicht nur die nackten Tatsachen, die fürs eBook sprechen sollen, sondern auch die inneren Werte. Ein Vorteil wäre, dass man nun den Speicher voller Bücher, im E-Pub-Format rund 160,  parallel lesen könne. Aber will man das? Macht man das? Kann man das? Eine aktuelle Umfrage von Allensbach ergab, dass nur 14 % aller Befragten überhaupt mehrere Bücher gleichzeitig lesen – der Großteil beschränkt sich dann wohl auf zwei. Aber wozu brauchen sie dann einen derartigen Speicher? Vor allem, wenn der kleine Zauberkasten nicht mal in der Lage ist, einem die bisherige Handlung als Erinnerungsstütze mal eben knapp zusammenzufassen?

Na gut, vielleicht auch die falschen Zahlen. Denn das E-Book ist ja am ehesten für die Technikaffinen, die Trendsetter, die, die allen Neuerungen aufgeschlossen gegenüberstehen und sie als erstes haben wollen, die iPhone-Besitzer, die – oh, aber genau die brauchen ja gar kein E-Book, die haben ja die kostenlose Software Stanza, die ihr iPhone zum Lesegerät macht, und bei amazon gibt es die kindle-Software fürs iPhone ebenfalls umsonst. Schon jetzt liegen die beiden Zugriffszahlen in den USA höher als die eher großzügig geschätzte Verkaufszahl des Kindle von über 350.000 Geräten. Was dann der stolze E-Book-Besitzer ist? Der verlachte Dummbatz, der in den Augen der Apple-Jünger viel Geld auf einen lahmenden Gaul gesetzt hat.

Auch das relativiert die im „Trendbericht Kinder- und Jugendbuchmarkt“ auf der Leipziger Buchmesse getroffene fröhliche Voraussage, 2020 würden sich die Jungs ums Lesen auf den E-Books prügeln, weil das ja jetzt viel cooler sei, während die Mädchen noch immer in abgegriffenen Hannis und Nannis blättern. Seit dem Welterfolg des iPod haben Max Greger und Marika Röck auch keine Renaissance unter Teenies erfahren. Uncool bleibt uncool, da helfen auch keine Bildschirmchen.

Ein letztes noch. Das Kinderzimmer ist in weiten Teilen schon digitalisiert. So wie Kinder mit Telefonwählscheiben nichts mehr anfangen können, so irritiert blicken sie auch auf Langspielplatten und Kompaktkassetten. CDs und Datenträger sind gang und gäbe, sie haben die anderen Medien vom Einstieg an ersetzt, der Umgang mit ihnen ist gelernt. Bei Büchern wird das schwierig. Das beißfeste Buggy-eBook? Fühl-E-Bücher? E-Pop-ups? Das bunte und großformatige Bilder-E-Book? Davon ist die Technik noch weit entfernt und wird es auch bleiben. Gelernt ist, wenn es denn von Hause aus dazu kommt, der haptische Umgang mit analogen Büchern. Wo, bitteschön, findet dann der Übergang zum E-Book statt? Gibt es den? Wer das weiß, darf sich melden. Der hat womöglich den Schlüssel dafür, aus dem E-Book den Erfolg zu machen, den die mediale Berichterstattung beinahe schon herbeifleht. Für alle anderen heißt es wohl weiterhin: Als Hardcover oder im Taschenbuch?

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12 Kommentar/e

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  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Wir sollten uns freuen, dass es nach der Frankfurter Buchmesse im Oktober jetzt auch in Leipzig gelungen ist, das Thema E-Books so zu platzieren, dass nun wirklich jede Tageszeitung und jeder Radiosender dazu Kommentare verfasst hat. Die Idee, das Medium und die Technik faszinieren die Journalisten. Und es ist für sie auch interessanter, als wieder über das Event mit Bushido oder Bohlen oder Grass auf der Messe zu schreiben. Toll also, dass wir den Journalisten so etwas bieten können. Und toll, dass unsere Branche mit Innovation und nicht nur mit Behäbigkeit und Antiquiertheit assoziiert wird. Wir müssen schließlich auch ein paar Jugendliche für unsere Ausbildung gewinnen.

    Was aber macht die Branche selbst? Sie ergeht sich wieder in Hinweisen darauf, dass das alles nur ein Hype sei (ja, man nennt das PR, kostenlose Werbung), bestätigt sich gegenseitig, dass das gute alte Buch unschlagbar sei, wiederholt zum x. Mal dass der Sony veraltet sei. Traurig. Aber offensichtlich auch unrettbar.

    Herr Schweikart, Sie halten Bücher für unablösbar, weil es keine Pop-Up-E-Books gibt oder Fühl-E-Books oder Badewannen-E-Books und deshalb Kinder gleich von Beginn an aufs Buch konditioniert werden? Mutig.

    Plausibler erscheint mir folgendes Szenario: Lesen lernen Kinder an elektronischen Displays, spielerisch mit Lernprogrammen. Ab der Grundschule gibts dann spezielle E-Book-Reader, die interaktives Arbeiten auf großem Bildschirmformat ermöglichen. Die Inhalte werden am Schuljahrsbeginn in der Schule hochgeladen. Der Schulranzen enthält außer dem Reader noch das Pausebrot. Im Gymnasium wird mit der gleichen Technik gearbeitet, in der Uni ebenfalls.
    Und jetzt kommt der Sprung ins gedruckte Buch. Jetzt sollen Uniabgänger plötzlich Bücher kaufen, sammeln, Bücherwände verzückt anstarren, verträumt über Lederrücken streicheln und sanft unsere Kassen füllen? Die werden lachen. Das Buch wird in der nächsten Generation ein spezielles Produkt für bestimmte Situationen sein. Lesen wird aber mehrheitlich auf Lesegeräten erfolgen. Da kann man sich drauf einstellen. Oder auch nicht.

  • Ralf Schweikart

    Ralf Schweikart

    Szenarien haben den großen Vorteil, dass sie Szenarien sind und sich damit jeder faktischen Überprüfung entziehen. Sie mutmaßen positive Entwicklungen, die den Wissensstandort Deutschland enorm nach vorne bringen, die mittels Technik zu einem neuartigen Lese- und Lernverhalten führen und neue Chancen für die Bildung eröffnen. In der Tat, da würde ich gerne mitgehen (und es auch für sehr fortschrittlich halten), allein mir fehlt der Glaube. Schon jetzt fehlen die finanziellen Mittel im Bildungssystem, ist die Lernmittelfreiheit praktisch abgeschafft, leiden (Schul-)Bibliotheken unter Kürzungszwängen, und da soll mittels einer notwendigen Hauruck-Investition plötzlich alles rosarot werden? Mir scheint, da wird ein simples, wenn auch technisch feines Verfahren zu etwas aufgebaut, was es inhaltlich gar nicht zu erfüllen vermag. Aber den Weg zum gesellschaftsverändernden Erfolg oder nur zum Spielzeug für Technikbegeisterte oder einen Weg dazwischen gehe ich entspannt.

  • Andreas Rieck

    Andreas Rieck

    Alle paar Jahre wieder kommt es: das technische Gerät oder Konzept, das die Buchbranche revolutioniert und das garantiert dazu führt, dass das gedruckte Buch binnen fünf Jahren verschwunden sein wird oder auf eine jämmerliche Randexistenz reduziert wird, verwaltet von einigen wenigen frühvergreisten, ärmelschonertragenden Ewiggestrigen. Vor wenigen Jahren wars "Multimedia", "interaktiv" und CD-ROM, das Lesen und Lernen der Zukunft, die ganz neue Art, Informationen aufzubereiten und was nicht noch alles. Die Buchbranche hat sich drauf eingestellt und ordentlich Geld in die Hand genommen, weil schnell klar wurde, dass es im Bereich "Neue Medien" und "Neue Technologien" gewisse Kompetenzdefizite gab, die schnellstens abgebaut werden mussten, weil man sonst man in fünf Jahren aus dem Geschäft gewesen wäre...
    Das Resultat dürfte bekannt sein: bei vielen Verlagen wurde ein Haufen Kohle versenkt, es gab eine gewaltige Überproduktion von Titeln, die dem neuen Medium weder inhaltlich noch formal genügt haben, weswegen sich die Kunden weitgehend verweigert haben, weswegen das ganze schöne Marktsegment krachend gegen die Wand gefahren ist. Der CD-ROM/Multimediamarkt hat sich auf die wenigen Bereiche reduziert, bei denen sich das als sinnvoll erwiesen hat, im wesentlichen Kinder-/Jugend, Lernspiele und Sprachen und zeitweise Lexika.
    Und jetzt gibts eine neue Grosschance: das E-Book, die Digitalisierung von Inhalten...und wieder kann kaum jemand genau sagen, wozu genau das alles gut sein soll, bzw. wer genau davon einen Nutzen hat und welchen. Oder einfacher: wer genau den ganzen Kram braucht und kaufen soll. Man weiss nur, dass das ganze "super" ist und "enorm wichtig" und wenn man jetzt nicht dabei ist, dann ist man in fünf Jahren weg vom Fenster. Und wer das alles nicht sieht, ist ein frühvergreister Ewigggestriger. Rest siehe oben. Offenbar gibts in der Branche Kohle genug für solche Spielchen. Noch.
    Geschehen wird Folgendes: die Verlage treiben einen grossen Aufwand, um "vorne" mit dabei zu sein. Die Kunden werden zumindest bei Belletristik nur zögerlich anspringen, ein paar technikaffine werden die teuren Lesegeräte kaufen, um festzustellen, dass sie a) keinen Preisvorteil haben b) Lesen längerer Texte an einem wie auch immer gearteten Bildschirm irgendwie unbefriedigend ist sowie c) Lesen ohnehin "uncool" ist. Es wird sich bei den Kunden das Gefühl einstellen, irgendwie übers Ohr gehauen worden zu sein...bis auf einen kleinen Kreis, der im E-Book "sein" Medium gefunden hat und bereit ist, dafür zu bezahlen. Das werden jedoch zuwenige sein, um den Aufwand zu rechtfertigen. Und dann gibts da noch die anderen: die Billigheimer, die gerne E-Books lesen, ohne dafür bezahlen zu wollen. Die werden dankbar sein, dass die Verlage selbst ihnen die grösste Mühe - das Digitalisieren - abgenommen haben und werden sich gerne bedienen...sofern "Lesen" für sie überhaupt einen Teil der Mediennutzung darstellt. Aber dagegen hat die Branche seit der Leipziger Buchmesse ja ein Konzept: verklagen! Es gibt schliesslich Gerichte! Und Gesetze! Auf diese Weise haben bereits die Musik- und die Softwareindustrie die Probleme in den Griff bekommen. Oder nicht?
    Noch ein paar kernige Thesen gefällig?
    - Ein Schlüsselbegriff für die Situation von Texten auf Bildschirmen ist das Akronym "TLDR". Das steht für "too long, didn´t read". Das wird von technikaffinen Leuten gerne benutzt. Kurz bevor sie sich einen relevanten Text ausdrucken. Weil genau die "Freaks", die viel mit digitalen Medien arbeiten, lieber Papier in Händen haben. Warum wohl?
    - Die E-Books werden sich durchsetzen. Allerdings anders, als die Buchbranche glaubt. Überhaupt ist "glauben" in diesem Zusammenhang ein schönes Wort.
    - Es gibt einen Unterschied zwischen digitalisierten Texten und Musik. Weswegen transportable Musikabspielgeräte grossen Erfolg hatten und haben und reine Textreader ihn nicht haben werden: Musik kann man nebenher hören. Lesen muss man "tun". Die Geräte müssen also Multifunktionsgeräte sein...wie das I-Pod.
    - Das Internet und was damit zusammenhängt ist gefährlich für "Koofmichs" und war auch nicht für sie gedacht. Und deswegen gehorcht es eigenen Gesetzen und nicht denen, die die "Koofmichs" gerne hätten. Ich sage nicht, dass das gut ist. Aber man sollte damit rechnen, wenn man nicht viel Geld verlieren möchte. "Koofmichs" sind in diesem Zusammenhang Kaufleute, die keinen Bezug zu diesem Medium haben, es aber trotzdem nutzen wollen und sich daher auf externe Berater verlassen müssen, die oft genug zwar wiederum vom Medium eine Ahnung haben, aber von der ökonomischen Seite eher weniger. Daraus entsteht nicht unbedingt ein Synergie-Effekt :-)
    - Geschäfte im Internet sind wie die Besiedlung Nordamerikas durch weisse Landräuber, gerne "Siedler" genannt: "DIe erste Generation hat den Tod, die zweite die Not, die dritte das Brot"
    - Das Geschäft mit Lesegeräten und daran gebundenen digitalisierten Inhalten wird auf ein Long-Tail-Business hinauslaufen.

    TLDR? Word!

  • T. Boder

    T. Boder

    Was soll eigentlich die ganze Aufregung. Die Diskussionen werden langsam lächerlich. Es gibt ja wohl nichts einfacheres, als Daten in verschiedene Formate zu transportieren, und das E-Book wird sich so etablieren wie vor Jahren die CD, die DVD, das MP3-Format. Und wie das Lesegerät schlussendlich aussieht und von welchem Hersteller ist egal: Hauptsache, der Inhalt des "Buches" kann gelesen werden.
    Die E-Book-Entwicklung ist genausowenig aufzuhalten, wie im Mittelalter der Buchdruck, und in unserer Zeit nur eine logische Entwicklung.
    Das Buch, das gedruckte Buch wird mindestens mit Print-on-demand, so wie es Amazon eingeführt hat, weiterleben; so kann dann jeder selber wählen, ob er digitaler Text oder Papier will, und sich das Archivexemplar noch ins Bücherregal stellen.
    Also ein wenig Stürme im Wasserglas bitte, Texte leben lassen, neu aufleben lassen, für alle technischen Möglichkeiten.

  • Andreas Rieck

    Andreas Rieck

    Nun ja, das hier ist aber das Boersenblatt-Forum. Also geht es hier um den Buchmarkt und primär nicht um die Durchsetzung irgendwelcher Gadgets oder Standards oder um Technikfeindlichkeit oder "logische Entwicklung" (Bullshit!) im Bereich technischer Systeme. Es geht darum, dass in diesem Buchmarkt Leute leben, arbeiten und ihre Existenzgrundlage finden. Und daher ist diese Diskussion wichtig, gerade hier. Und auch die Aufregung, letztlich. Weils nämlich um was geht.

  • Michael Schmid

    Michael Schmid

    Eins sollte wohl klar sein, das "Buch" wird nicht sterben, nur wo es gekauft wird ist die Frage...

    Der stationäre Buchhandel hat sicher sowas wie Amazon zu verkraften, was sicherlich nicht jedem gelingt. Ferner sind da noch ebay und booklooker zu nennen, die auch einen Teil des Bedarfs abdecken.

    Zum Thema E-Books: Sie werden gelesen, keine Frage, aber von wem? Wer danach giert und sie unbedingt auf was ich lesen will, der wird einen Buchladen höchstens betreten um das Inhaltsverzeichnis zu lesen. Hier könnte man also zusätzlichen Umsatz generieren, wenn man ein ansprechendes Angebot hat, sowohl in Preis als auch in Leistung. Auch ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand ein 500 Seiten Buch auf einem Ipod liest, dann schon eher auf einem Notebook.

    Unterm Strich WIRD es diesen Markt geben, nur wer ihn bekommt ist für mich noch sehr fraglich, libreka jedenfalls im Moment nicht...

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Es geht um die Einschätzung einer Marktentwicklung. Nicht mehr, nicht weniger. Und das ist eben Bestandteil des unternehmerischen Handelns: richtig liegen oder falsch liegen.

    Ich setze mich dafür ein, dass unsere Branche einen offenen, optimistischen Blick auf die Zukunft hat. Das tue ich auch deshalb, weil ich weiß, wie träge, behäbig konservativ wir sind. Tausend Zungen finden sich, um zu rechtfertigen, warum man nichts ändern muss. Meine Einschätzung der Zukunft ist eben eine andere.

    Ich habe das oben schon dargestellt: es wird keine Schulbücher mehr geben. Und es wird keine Lehrbücher mehr geben. So trocken sehe ich das. Vielleicht ist meine Vision von einem Bildungs-Reader gewagt. Aber man kann es nicht offen genug sagen: Es wird schamlos digitalisiert. Es soll an einigen Unis Anweisungen geben, dass keine Bücher mehr eingekauft werden, sondern voll auf elektronische Medien gesetzt wird, entweder gekaufte, oder eben selbst erstellte.

    Als Fachbuchverleger kenne ich die Gespräche live, in denen große Firmen ihren Einkauf auf elektronische Produkte umstellen. Digitale Bibliotheken im Firmennetzwerk globaler Unternehmen. Ich prophezeie dem Fachbuch einen elektronischen Anteil von über 60%.

    Der gesamte Klassikermarkt wird elektronisch sein. Hüten Sie ihre alte Bibliothek, neue Ausgaben wird es nicht geben.

    Der Lexikon-Bereich wird elektronisch sein, wo er es nicht schon ist. Das gilt auch für Wörterbücher.

    Der Reiseführermarkt wird elektronisch sein, die Navigation über Karten stirbt, der Stadtplan stirbt, der Restaurantführer usw.

    Das sind mal nur die Änderungen, die mir auf der Hand zu liegen scheinen. Und die kommen innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre.

    Nun prüfe jeder für sich, wie ein Einzelhandel, ein Vertriebssystem aussieht, dem die genannten Warengruppen entzogen sind. Was bleibt übrig, welche Struktur kann unter den Bedingungen bestehen? Und ist meine Buchhandlung ohne diese Bereiche lebensfähig? Bei steigendem Konkurrenzdruck und steigenden Bezugskosten?

    Und als Verlag steht man vor der Frage, wie ein Vertrieb der verbleibenden Programmteile aussieht. Trägt das ein Vertretersystem? Ist man dann noch als Lieferant ausreichend groß? Wie deckt man seine Gemeinkosten?

    Auf all das haben Sie
    - entweder die beruhigende Antwort, dass es Sie tatsächlich nicht betrifft, dann ist das toll.
    - oder Sie bemühen sich rechtzeitig um alternative Geschäftsfelder, schlimmstenfalls eben auch um E-Books.
    - oder sie träumen von der Haptik der Bücher und der Unsterblichkeit des Gedruckten und gehen gemeinsam mit Ihrem letzten Kunden in den Ruhestand.

  • Horst-Werner Dumjahn

    Horst-Werner Dumjahn

    Ach, Herr Ulmer, Sie haben mit Ihren Einschätzungen ja so recht. Für uns iPhoner gilt das meiste (Klassiker, Lexika, Reiseführer, Wörterbücher, Telefonbücher usw.) ja schon heute. Und das ist erst der Anfang! Ihrem Diskussionsbeitrag (den ich als "Weckruf" für die Branche gelesen habe) wünsche ich jedenfalls eine weite Verbreitung und eine rege Debatte. Danke für Ihre klaren Worte.

  • Carsten Vogt

    Carsten Vogt

    Das Ende der Gutenberg-Galaxis ist mal wieder nahe. Heute, am vermeintlichen Tag 7 nach Gutenberg, muß das mal gesagt/geschrieben werden.
    Scherz beiseite: Das E-Book ist zur Zeit ein Hype-Thema. Es ist Risiko wie Chance zugleich. Die Reader sind ingesamt nicht wirklich ausgefeilt. Es fehlt eine Killerapplikation - die nicht aus dem Buch (Content) alleinig besteht, vermutlich auch nicht bestehen kann. (Warum kann ich meine E-Books nicht drahtlos weitergeben? Lies Du doch mal die Passage! Mach mal Deine Anmerkungen. Geht nicht.) Wären Handys in Deutschland ohne die Killerapplikation SMS so erfolgreich geworden? Vermutlich nicht.
    Aber was scheren den Sortimenter eigentlich die Sorgen der Verleger, der Hersteller?
    Wir sind in der Branche zu ehrlich - verkaufen wir doch skrupellos bitte künftig dem Kunden die alte Auflage bei wissenschatlichen gedruckten Fachbüchern, verkaufen wir dem Kunden doch die teuerere (gebundene) Ausgabe in allgemeinen Sortiment, auch wenn wir wissen, daß es die (preiswertere) Taschenbuchausgabe gibt oder diese nächste Woche herauskommt.
    Ich meine wirklich ernst, das gerade die Ehrlichkeit im Verkauf für weite Teile der Branche gilt. Und dies macht unsere Branche liebenswert.
    Andererseits: Wir sind Kaufleute. (Verkäufer ist für einen Buchhändler ja schließlich beleidigend.)
    Opportun ist es, sich mit dem Thema E-Book-Reader zu beschäftigen, diese zu verkaufen. Und dann den Kunden zu binden! Also: Machen Sie was daraus. (Tipp: http://www.ebook-newsletter.de.)
    Die Welten zwischen Fachbuch und Belle klaffen immer weiter auseinander. Wir als Sortimenter müssen lernen: Das richtige Medium für Kunden (Nutzer) zur richtigen Zeit.
    Vielleicht sind es irgendwann einmal tatsächlich 60 % im Fachbuchbereich. Vielleicht. Oder auch nicht.
    (Persönlich wette ich gerne auf max. 10 % in 10 Jahren. Zitieren Sie mich dann bitte in 10 Jahren.)
    Bei der Belle sieht das m.E. anders. Dort wird es viel weniger sein.
    Einer der Hauptbeweggründe für einen Buchkauf ist das Buch als Geschenk. Das geht wg. des unsinningen DRM (digitalen Rechtemanagement) bei E-Books nicht. Unsere Aufgabe NEBEN der Beschäftigung mit den neuen Medien (sic! - hierzu gehört auch weiterhin Software) ist das Printprodukt Buch. Thematisieren Sie - gerade jetzt - durchaus die Vorzüge des einen oder anderen Mediums. Zeigen Sie Medienkompetenz!
    Abschließend: Wäre ich (Zeitungs-/Zeitschriften-)Verleger, dann hätte ich wirklich Ängste. Das Buch aber hat neben der rein inhaltlichen Funktion eben auch noch andere Bedeutungen.
    Wiegen Sie sich nicht in Sicherheit - aber überstürzen Sie auch nichts ängstlich. (Das erledigen andere schon für Sie.) Nicht zu früh - und nicht zu spät: Das ist die Gratwanderung, die Sie hinbekommen müssen.

    buchvogt@gmx.de
    (angestellter Buchhändler in einer großen Fachbuchhandlung)

  • Arnim Beine

    Arnim Beine

    @ Andreas Rieck
    Endlich ein intelligenter, sachkundiger und undogmatischer Kommentar. Ich empfinde ihn als wohltuende und seltene Ausnahme.

    P.S. Wenn ich aus meinem Bekanntenkreis auf das Thema angesprochen werde, erinnere ich gerne an das "papierlose Büro". Wir lachen dann immer ganz herzlich.

  • Olivera Wahl

    Olivera Wahl

    Gerne möchte ich den Vergleich zwischen eBook und Buch auch aus ökonomischen Gesichtspunkten ziehen:

    Wer sich einen Sony PRS 505 gekauft hat, kann den Break even SOFORT erreichen:
    Man gehe einfach auf http://www.herdershop24.de/index.php?sid=8ca89dad2 45a9055fa4c59d9a7357ad4&cl=alist&cnid=1850 526 und lade sich 15 kostenlose, deutsche eBooks aus den Bereichen Krimi / Historisches runter. Die 15 eBooks gibt es auch als Druckversion zu einem Gesamtpreis von 283,50€. Da auf dem Sony PRS 505 zwei eBooks vorinstalliert sind, die einen Wert von 30€ haben, hat man seine Anschaffungskosten bereits mit einer einzigen Aktion herausgeholt. Das digitale Lesen machts möglich. Mir hat jedenfalls noch kein Buchhändler jemals 15 Bücher geschenkt.

    Das sich ein Reader erst nach 21 Jahren rechnet, ist damit eine nicht haltbare Aussage - es kommt darauf an, welche eBooks man sich kauft und das bestimmt man selber.

    Ich habe jetzt jedenfalls genug Lesestoff bis Ende des Jahres und werde mir gleich bei Libri noch 3 eBooks kaufen, die mich schon länger reizen.

    So gibt es auch jetzt schon eBooks, die 10-20% günstiger sind als die gedruckte Version. Beispiele:
    Der Chinese von Henning Mankell kostet als eBook 21€ statt 24,95€. Auch der dritte Band von Eragon ist zumindest 2€ günstiger. Wobei ich auch die Edgar Wallace eBooks nicht schlecht finde, die bei Libri.de nur 2,50€ kosten.

    Und wer keine Zeit hat, nach günstigen oder kostenlosen eBooks zu suchen, kann sich auch einfach z.B. in der Sony Reader Community unter http://reader-club.sony.de informieren, welche eBooks es wo günstig gibt.

    Wenn man kostenlose, günstige und normalpreisige eBooks geschickt miteinander kombiniert, kann man schon viel Geld sparen. Und das geräte-unabhängig. Auf meinem iPod Touch habe ich 12 eBooks, die mich insgesamt ca. 3€ gekostet haben. Das liegt daran, dass es bei eBooks immer wieder als Marketing-Aktion kostenose eBooks gibt. So habe ich weder für "Puder" noch für "Schlafende Hunde" etwas im App Store bezahlt. Inzwischen kosten die Titel zwischen 5 und 6 €, sind aber immer noch viel günstiger als die gedruckte Variante.

    Ich war übrigens in den vergangenen 12 Monaten sehr froh, dass ich zwei eBook-Reader habe, da es noch nicht annähernd so viele tolle eBooks gab wie aktuell. So hatte ich zumindest immer auf einem Reader etwas passendes zu lesen.

    Für mich ist die Frage Hardcover oder Taschenbuch keine mehr. Für mich hat das eBook bereits vor einem Jahr gewonnen und mit dem Start der Kooperation zwischen Sony und Libri hat sich das Angebot sehr positiv weiter entwickelt.

    Wer glaubt, dass eBooks und eBook-Reader in Deutschland keine Chance haben, braucht sich nur im oben genannten Sony-Forum die Beteiligung und die Zugriffe auf einzelne Threads anzuschauen. Die sprechen für sich.

  • Olaf Schilgen

    Olaf Schilgen

    Na, die Rechnung geht so natürlich nicht auf.

    Es könnte aber doch noch ein positives Ergebnis rausspringen:
    Die Kosten für das durchschnittliche Bücherregal sollte man schon noch mit in die Rechnung einbeziehen ...
    im Schnitt lassen sich in einem guten Regal, das vielleicht auch in etwa 160 Bücher unterbringen. Der Anteil an Wohnungsfläche für das Regal kann auch noch mit berücksichtigt werden ... und schwupps - schon ist man im positiven Bereich ...

    Im Ernst:
    Ich halte es definitiv für eine interessante Sache. Ich hab einige Bücher schon lange als pdf auf dem Rechner - zusätzlich zum Original im Regal - und beide schon mehrfach gelesen.
    Das reinlesen am Bildschirm geht so schön einfach ...

    Was mich momentan noch sehr stört: die Umblätterzeiten bei sony, die sind mir zu lang.

    Und der Preis: wenn ich nicht das Gefühl habe, dass ich die Druckkosten, die sicher nicht nur 10% des Buches ausmachen, sparen kann, dann fühle ich mich verschaukelt.
    Dann würde ich mir lieber das Buch kaufen, scannen, per Texterkennung behandeln, als pdf speichern - und das Buch wieder weiterverkaufen.

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