Lesestudie

Deutsche sind E-Book-Skeptiker

Welche Rolle spielt das Buch im Medienportfolio der Bürger? Eine neue Studie analysiert die unterschiedlichen Vorlieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

© Börsenblatt (Quelle: D.A.CH-Studie)

© Börsenblatt (Quelle: D.A.CH-Studie)

Wie viele Stunden werden am Tag medial genutzt? Mehr als vermutet: 11,2 Stunden verbringen die Österreicher am Tag mit Medien, elf Stunden die Deutschen und 9,8 die deutschsprachigen Schweizer. Beliebtestes Medium ist das Fernsehen, das bei allen Befragten 32 Prozent der täglichen "Medienzeit" in Anspruch nimmt. Internet und Radio besetzen je 28 Prozent des Zeitbudgets, was rund zweieinhalb Stunden entspricht. Alle drei Medien laufen oft nebenbei. Lediglich fünf Prozent werden mit der Tageszeitung verbracht, vier Prozent mit Büchern, drei Prozent mit Zeitungen und Illustrierten. Das Hörbuch spielt mit 0,3 Prozent keine Rolle mehr.
Die verbrachte Zeit sagt aber noch nichts über die Beliebtheit des Mediums aus. Fragt man nämlich, auf was man am wenigsten verzichten mag, wird zuerst das Internet genannt (46 Prozent in Österreich, 36 Prozent in der Schweiz und 30 Prozent in Deutschland), dann folgt  Fernsehen. An dritter Stelle steht das Buch, bei den Deutschen mit 18 Prozent, bei den Österreichern mit 13 und bei den Schweizern mit neun Prozent. Bücher werden weniger wegen ihres Informations- und mehr wegen ihres Unterhaltungswerts geschätzt; sie werden als "aufregend", "grenzenlos" und "entspannend" empfunden.
Sieben unterschiedliche Mediennutzungstypen hat die Ad-hoc-Studie in den drei Ländern ausgemacht:

  • Unter den unterhaltungsorientierten Leseratten (9,7 Prozent aller Befragten) finden sich vor allem Frauen. Sie haben in den vergangenen zwölf Monaten rund 26 Bücher gelesen, verbringen pro Woche im Schnitt acht Stunden mit der Lektüre. Fernsehen finden sie eher langweilig, Bücher sind für sie ein Statussymbol.
  • Die E-Book-interessierten Internet-Freaks (14,7 Prozent) sind ­jünger als 50 Jahre und surfen bis zu fünf Stunden täglich im Netz. Fernsehen ist für sie von vorgestern, sie lesen neun Bücher im Jahr.
  • Die Entspannung suchenden Vielseher (21 Prozent) sind meist weiblich und schätzen das Fernsehen. Sie lesen zehn Bücher pro Jahr, am liebsten Liebesromane.
  • Die Konservativen Zeitungsleser (11,8 Prozent) sind vor allem Männer zwischen 50 und 70 Jahren, die zu Informationszwecken zehn Bücher im Jahr lesen – vor allem Nachschlagewerke, Sachbücher, Reiseführer.
  • Bei den fantasy-begeisterten Online-Lesern (12 Prozent) sind besonders Männer bis 40 Jahre vertreten, die gern im Web lesen, Manga, Fiction und Fantasy bevorzugen.
  • Die Regelmäßigen Radiohörer (19 Prozent), meist Frauen zwischen 40 und 60, lesen neun Bücher pro Jahr, vor allem zur Entspannung.
  • Die meist männlichen "Lese-aversen Fernsehfans" (12,3 Prozent) empfinden Bücher als anstrengend und langweilig; sie schaffen ein Buch pro Jahr.

 

Betrachtet man die Gesamtheit der Mediennutzungstypen, kristallisiert sich als Hauptmotiv für das Lesen der Wunsch nach Entspannung heraus. Rat und Informationen hingegen werden tagesaktuell auf kostenlosen Internetseiten gesucht.

Die fleißigsten Leser finden sich der Studie zufolge in der Alpenrepublik. Hier werden in der Freizeit jährlich 11,2 Bücher verschlungen, während es bei Deutschen (8,9 Bücher) und Eidgenossen (acht Bücher) deutlich weniger sind. Da verwundert es nicht, dass das Buch in Österreich einen höheren Wert als Statussymbol hat, während für die Schweizer ein Bücherregal kein »Muss« bei der Wohnzimmereinrichtung ist. Dazu passt, dass 44 Prozent der Österreicher bei Informationen das gebundene Buch dem Taschenbuch vorziehen; in der Schweiz präferieren nur 32 Prozent Hardcover und in Deutschland 29 Prozent. In der Unterhaltungs­literatur hat das Taschenbuch mit rund 70 Prozent die Nase klar vorn.

Was die Genres betrifft, stehen die Krimis bei allen mit 54 Prozent ganz oben, dicht gefolgt von Sachbüchern (50 Prozent), Koch- und Backbüchern (46 Prozent), Fachbüchern (45 Prozent), Ratgebern (42 Prozent) und historischen Romanen (41 Prozent). In den belletristischen Genres sind die Vorlieben der drei Länder relativ ähnlich. Nur zum Liebesroman greifen die Eidgenossen (41 Prozent) öfter als die Deutschen (29 Prozent) und die Österreicher (26 Prozent).  Im Gegenzug bevorzugen österreichische (31 Prozent) und deutsche Leser (30 Prozent) Kinder- und Jugendbücher – die Schweizer kommen gerade mal auf 21 Prozent. Die Österreicher sind mit 66 Prozent auch die größten Sachbuchliebhaber, was bei Schweizern (57 Prozent) und Deutschen (49 Prozent) weniger der Fall ist.

Und wie sieht es mit den E-Books aus? Ein Drittel aller Befragten hat zwar schon davon gehört, aber mehr als die Hälfte kann sich nicht vorstellen, in den nächsten zwölf Monaten ein E-Book zu lesen. "Wenn, dann würden 31 Prozent als digitale Inhalte vor allem Sachinformatio-nen bevorzugen – Unterhaltungs­literatur wollen höchstens 18 Prozent auf einem Reader lesen", sagt Christoph Kochhan, Leiter des Referats Marketing und Marktforschung beim Börsenverein. Betrachtet man die Einzelauswertungen, zeigen sich als Sachinformationsleser die Österreicher mit 45 Prozent besonders offen für E-Books, danach kommen die Schweizer mit 38 Prozent.
Die Deutschen dagegen sind mit 29 Prozent die größten E-Book-Skeptiker; im belletristischen Bereich wird dieser Trend mit einem Anteil von nur 16 Prozent noch deutlicher.  Österreicher (23 Prozent) und Schweizer (25 Prozent) können sich da schon eher mal vorstellen, einen Roman im E-Book-Format zu lesen.

 

Lesestudie D.A.CH
Der Börsenverein, der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband haben im März die Gesellschaft für Konsumforschung mit der Ad-hoc-Studie über Mediennutzungstypen und das Buch im Medienportfolio beauftragt. An der Online-Befragung nahmen 729 Personen in Deutschland, 500 in Österreich und 504 in der Schweiz teil.

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2 Kommentar/e

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  • Molly chills

    Molly chills

    Dass fast 30% der Befragten in Deutschland sich vorstellen können, eBooks zu nutzen, finde ich eine erstaunlich hohe Zahl. Gerade wenn man bedenkt, dass erst 2% der Bevölkerung eBook-Käufer sind. Die Zahl zeigt, dass das Interesse an eBooks durchaus da ist und nach oben noch viel Platz für diese Branche besteht.

  • Susi

    Susi

    Was dabei grundsätzlich gerne vergessen wird:
    eBook ist nicht gleich eBook!
    Ein PDF fürs Laptop ist etwas ganz anderes als für einen sog. "Reader" wie das Kindle!
    Wo ist die Zukunft der Bücher?
    Ein wunderbar polarisierende Ansicht zu dieser Frage habe ich im Bücher-Manifest gefunden:
    http://karlmani.jimdo.com/

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