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»Wir bringen den schnellsten Reader auf den Markt«

Das Berliner Unternehmen Wizpac, das demnächst unter dem Namen txtr firmieren wird, bringt im Herbst einen neuen Reader auf den deutschen Markt und startet eine umfangreiche Content-Plattform. Boersenblatt.net hat in Berlin mit Geschäftsführer Andreas Steinhauser über den Stand der Entwicklung und weitere Pläne gesprochen. VON INTERVIEW: MICHAEL ROESLER-GRAICHEN

Herr Steinhauser, ist es Zufall, dass Ihr Unternehmen im selben Haus residiert wie der Berlin Verlag?

Steinhauser: Ja, da besteht keine geschäftliche Verbindung. Wir reden natürlich miteinander.

Liegen Sie mit der Entwicklung Ihres txtr Readers im Zeitplan?

Steinhauser: Wir haben im Januar 2008 damit begonnen und wollen das Gerät zur Frankfurter Buchmesse im Oktober herausbringen. Wir sind „on track“. Derzeit laufen noch sehr aufwendige Testverfahren. Die Hardware muss auch extremen mechanischen Belastungen gewachsen sein. Auch die Software-Entwicklung ist ein äußerst komplexer Prozess. Wir verwenden ein Betriebssystem auf Linux-Basis, das den schnellsten Kaltstart aller derzeit erhältlichen Geräte schaffen soll: In 2,6 Sekunden ist der Reader klar zum Lesen.

Wie steht es mit dem Energieverbrauch?


Steinhauser: Der soll so effizient wie möglich sein. Wir haben das Gerät mit einem Ein- / Aus-Schalter versehen, der das Gerät bis auf eine absolut notwendige Minimalversorgung komplett abschaltet. Bei Konkurrenzgeräten wird auch im abgeschalteten Zustand Energie verbraucht. Wenn man mit dem Txtr Reader täglich drei bis vier Stunden liest, kann man das Gerät bis zu drei Wochen ohne Aufladen verwenden.

Wenn man von einer WLAN-Version des Iliad absieht (und dem Kindle in den USA), bringen Sie mit dem txtr Reader das erste Lesegerät mit einer drahtlosen Schnittstelle für den deutschen Markt heraus …

Steinhauser: Das Gerät hat sogar vier Schnittstellen: für WLAN, Edge, Blutooth und zusätzlich für eine Suchfunktion, die andere, „befreundete“ Reader erkennt. Ziel ist es, eine mobile Peer-to-Peer-Funktionalität herzustellen, um im Endeffekt vernetztes Lesen möglich zu machen. Der txtr Reader soll auch mit einer Funktion ausgestattet werden, die das Einwählen in ein Netz, beispielsweise das Intranet einer Bibliothek, ermöglicht. Wenn man also beispielswiese einen Lesesaal betritt, kann man auf dem Gerät automatisch die elektronischen Dokumente, die zur Benutzung freigegeben sind, lesen. Wenn man die Bibliothek verlässt, wird die Verbindung wieder unterbrochen.

Auf der Plattform txtr.com wollen Sie in Zusammenarbeit mit Anbietern wie Ciando und libreka! ab Herbst bis zu 200.000 kommerzielle und etwa eine Million freie Dokumente zum Download anbieten. Wird es dafür jeweils eigene Bereiche auf der Plattform geben?

Steinhauser: Die kommerziellen Titel werden im Bookstore angeboten, während die kostenlosen Dokumente im Community-Bereich zugänglich sind.

Wie finanzieren Sie die Plattform?

Steinhauser: Von den kommerziellen Anbietern erhalten wir eine Provision, während der freie Bereich mit Anzeigen finanziert werden soll.

Wie können die Reader-Kunden auf die Website txtr.com zugreifen, um Titel auf ihr Lesegerät herunterzuladen?

Steinhauser: Der txtr Reader hat keinen eigenen Webbrowser, sondern greift über eine Web-Applikation auf die Bücher zu. Die Software funktioniert wie eine Art iTunes für Texte.

Welche DRM-Lösung bevorzugen Sie?

Steinhauser: Ich bin Anhänger des Social DRM. Unsere Textdateien werden mit digitalen Wasserzeichen versehen, wir arbeiten aber auch mit Handelspartnern zusammen, die harten DRM-Schutz favorisieren.

Glauben Sie, dass E-Reader eine Zukunft haben?

Steinhauser: Wer gezielt längere Texte lesen will, wird einen Reader kaufen. Unser Gerät ist nicht nur das schnellste auf dem Markt – es kann bereits kleinere Animationen abspielen. Ich habe inzwischen auch schon Farbdisplays in Asien gesehen, von deren Farbqualität man bisher nur träumen konnte.

Können Sie schon den Preis für Ihr Gerät nennen?

Steinhauser: Wir setzen uns nicht dem Preiskampf aus, sondern wollen das beste Gerät auf den Markt bringen. Der txtr Reader  hat Zusatzfunktionen, die bisher kein E-Ink-Reader hatte. So können Sie zum Beispiel das Display um 90 Grad drehen und weiterlesen, weil der Text automatisch die Drehung mitvollzieht.

Wieviele Geräte wollen Sie verkaufen?

Steinhauser: Zunächst warten wir den Marktstart ab. Wir haben aber Kapazitäten bei unserem Hersteller in Asien reserviert, die die Produktion einer sechsstelligen Gerätezahl in kürzester Zeit ermöglicht.

Wer sind Ihre Vertriebspartner? Sie arbeiten ja mit Libri und Ingram Digital zusammen …

Steinhauser: Dazu kann ich mich noch nicht äußern, aber wir wollen langfristig auch international im Geschäft mitmischen.

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