Börsenverein

Der Buchmarkt 2008: Mehr Umsatz, weniger Neuerscheinungen

"Die Weltwirtschaftskrise ist noch nicht bei uns angekommen": Dieses Fazit zieht Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder mit Blick auf die Branchenzahlen 2008, die der Verband jetzt in Frankfurt vorstellte. Mit einem Umsatzplus von 0,4 Prozent machte die Branche im Vorjahr zwar keine großen Wachstumssprünge. Doch zumindest nominal geht die Kurve weiter nach oben.

Das Sortiment: Immer noch stärkster Vertriebsweg

Das Sortiment: Immer noch stärkster Vertriebsweg © Oliver Rüther

Die Preisfrage: Der Durchschnittspreis für Bücher hat sich verringert

Die Preisfrage: Der Durchschnittspreis für Bücher hat sich verringert © pg

Das gilt bislang auch für das laufende Jahr: Laut Branchen-Monitor Buch können die drei Absatzkanäle Sortiment, E-Commerce und Warenhäuser von Januar bis Mai 2009 ein kumuliertes Umsatzplus von 1,4 Prozent verbuchen: "In schwierigen Zeiten sparen die Verbraucher offenbar nicht beim Buch«, sagte Honnefelder. Bücher, so auch Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis, seien "preiswerte Genussmittel mit hoher Wertschätzung". Von starken Ausschlägen der Konjunktur blieben sie deshalb weitgehend unberührt – was für 2009 allerdings mit aller Vorsicht gesagt werden müsse. Denn die weitere Entwicklung auf dem Buchmarkt hänge nicht zuletzt von der Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt ab.

Den Gesamtumsatz der Buchbranche beziffert der Börsenverein 2008 auf 9,614 Milliarden Euro. Im Sortiment werden davon rund 5 Milliarden erwirtschaftet – ein Level, auf das sich der stationäre Handel seit Jahren eingependelt hat. Dennoch musste dieser Vertriebsweg im vergangenen Jahr weitere Umsatzanteile abgeben: Mittlerweile liegt sein Stück vom Umsatzkuchen bei 52,6 Prozent. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es noch 55,8 Prozent.

Einen kräftigen Satz nach vorn machte erneut der Versandbuchhandel, der 1,35 Milliarden Euro umsetzte (Anteil am Gesamtmarkt: 14 Prozent). Der Löwenanteil davon (rund eine Milliarde Euro) entfällt auf den reinen Internetbuchhandel, der um satte 20 Prozent zulegen konnte. Platzhirsch ist dabei Amazon, gefolgt von Weltbild.

Verlangsamt hat sich dagegen der Konzentrationsprozess im Handel. Das machte Jürgen Horbach deutlich, Schatzmeister und Wirtschaftssprecher des Börsenvereins: »Die großen Filialisten kommen beim Flächenwachstum an das Ende der Fahnenstange". Der Rationalisierungsdruck bei den Ketten sei groß, der Einkauf verhalten: "Im Moment sind die kleinen und mittleren Sortimente die Umsatzstütze der Verlage«.

Weiter gesunken ist Horbach zufolge der Durchschnittspreis für Bücher – und zwar auf unter 13 Euro. Geichzeitig stünden die Verlage unter Kostendruck, zumal die Auflagenzahlen im Schnitt eher rückläufig seien – von den absoluten Topsellern abgesehen, die sich in immer größeren Mengen verkaufen würden.

Noch keine Zahlen hat der Börsenverein zum E-Book-Markt, der wirtschaftlich bislang keine Rolle spielt: »Wir verdienen unser Geld nach wie vor mit Büchern und Zeitschriften«, so Horbach. Nichtsdestotrotz werde sich der Markt in Deutschland entwickeln. Gefahren sieht der Verband dabei vor allem in der Internetpiraterie, die Wissenschaftsverlage und Hörbuchverlage längst treffe. Die Branche brauche Rechtssicherheit, forderte Skipis: "Wir wollen dabei nicht gegen die User vorgehen, sondern gegen die Rapidshares dieser Welt". 

Weitere Branchenzahlen aus dem Jahr 2008 auf einen Blick:

  • Insgesamt hat die Branche mehr als eine Milliarde Bücher und Druckerzeugnisse produziert – und damit erneut mehr als im Vorjahr
  • Die Zahl der Neuerscheinungen dagegen ist zum ersten Mal seit Jahren wieder rückläufig. 94.276 Titel sind 2008 auf den Markt gekommen – 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Darunter sind knapp 83.400 Erstauflagen (2007: 86.000). In den Kernsegmenten Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur und Schulbuch haben die Verlage ihre Novitätenzahl allerdings weiter gesteigert.
  • Nach oben zeigt die Statistik bei den Übersetzungen: 7.340 Titel sind 2008 ins Deutsche übertragen worden, 19,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Wichtigste Sprache: Englisch mit einem Anteil von 66,9 Prozent. Mit weitem Abstand folgt Französisch (11,5 Prozent).
  • Abwärts geht es zur Zeit im Lizenzhandel. 7.605 Lizenzverträge konnten die Verlage im vergangenen Jahr mit ihren ausländischen Partnern abschließen – ein Rückgang um 17,6 Prozent. An der Spitze liegen die osteuropäischen Sprachen Polnisch, Russisch, Tschechisch.
Eine detailliertere Auswertung der Zahlen, vor allem zum Lizenzmarkt, lässt sich im nächsten Börsenblatt nachlesen – und in der aktuellen Ausgabe der Branchenstatistik »Buch und Buchhandel in Zahlen«, die noch im Juli bei der Börsenvereinstochter MVB erscheint.

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5 Kommentar/e

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  • seltsam

    seltsam

    anscheinden ist die "wirtschaftskrise" nur bei weltbild/hugendubel angekommen...
    zumindestens wurden damit die tausend-entlassenen begründet....

    schon seltsam, dass man irgendwie das gefühl nicht los wird, dass das damit garnix zu tun.
    bin mir, um so mehr ich darüber nachdenk sicher, dass das schon viel früher geplant war...
    bei weltbild gabs schließlich schon 2007/08 "testfilialen" mit dem null-personal-null-kompetenz-konzept.

  • Ansgar Warner

    Ansgar Warner

    "E-Books spielen keine Rolle", "Wir verdienen unser Geld mit Büchern": Kann man da einen gewissen kulturellen Dünkel gegenüber digitalen Produkten heraushören? Die Wortwahl verwundert auf jeden Fall, denn in Sachen Buchpreisbindung würde der Börsenverein ja sicherlich nicht zwischen "Büchern" und E-Books unterscheiden. Wie auch immer: nicht nur in formaler, auch in wirtschaftlicher Hinsicht sind E-Books eine reale Größe. Die Top 10 der E-Book-Bestseller-Listen bei buch.de oder libri enthalten z.B. mittlerweile überwiegend Belletristik-Titel, die auch im Print-Bereich sehr gut laufen. Man sollte bei E-Books übrigens nicht nur an Sony & E-Ink denken. Der Hamburger IT-Dienstleister Heubach Media etwa hat im ersten Quartal 09 nach eigenen Angaben aus dem Stand über 10.000 E-Books als iphone-/ipod-Apps verkaufen können. Die daran beteiligten Verlage wie Hoffmann&Campe, Herder etc. werden sicherlich davon ausgehen, dabei "Geld mit Büchern" verdient zu haben...

  • Klaus Philipp Mertens

    Klaus Philipp Mertens

    Die Zahlen, die Börsenvereinsvorsteher Honnefelder nennt, bedürfen der Erläuterung. Wenn der Branchenumsatz um 0,4 Prozent auf 9,614 Milliarden Euro angewachsen ist, bedeutet das einen realen Zuwachs von knapp 4 Millionen Euro. Der Internetbuchhandel hat innerhalb dieses Gefüges um 20 Prozent auf 1 Milliarde Euro zugelegt (von vorher ca. 833 Millionen Euro), real also um ca. 167 Millionen. Wer hat da Federn lassen müssen, wenn sich der Zuwachs in einem Teilsegment auf das Gesamtergebnis nur unbedeutend auswirkt? Etwa der Sortimentsbuchhandel? Oder betrifft es Verlage mit bestimmten Angebotskategorien?

  • CV

    CV

    Wer glaubt, daß da alles im Lot ist, der träumt.
    Hugendubel & Co sind nur der Anfang von (weiteren) Erdbeben im Sortiment. Egal, ob Filialist (groß) oder klein. Z.B. Libri wird immer mehr (und das als Barsortiment). Und die Direktbelieferung durch Verlage steigt auch m.W.
    Dazu kommen (m.E. gewollte Preisbindungsverstöße bzw. Wettbewerbsverstöße) durch - nennen wir es mal - Internetversender.
    Buchhändler, Ihr merkt nicht, wie das alles mehr entgleitet. Nur einige abonnierte Newsletter von ..... - und dann Meldung an den Rechtsabteilung vom Börsenverein! Aber Ihr pennt. Haltet die Augen offen, auch wg. der E-Book-Preisbindung! (So es die wirklich gibt.)

  • Cyberbob

    Cyberbob

    Es ist klar, wer da Federn gelassen hat: der kleine Buchhändler um die Ecke. Wir haben einen Umsatzrückgang von 30% in den ersten zwei Quartalen 2009.

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