Bibliotheken

Eichstätter Bibliotheksleiterin Angelika Reich freigesprochen

Angelika Reich, Leiterin der Eichstätter Universitätsbibliothek, die sich wegen des Vorwurfs der Untreue vor einem Schöffengericht in Ingolstadt verantworten musste, ist gestern "aus tatsächlichen Gründen" freigesprochen worden.

Das berichten "Augsburger Allgemeine" und "Donaukurier" in ihren aktuellen Online-Ausgaben. Die 'Causa UB Eichstätt' ist damit auch juristisch abgeschlossen – in bibliothekarischer Hinsicht hatte bereits Anfang 2008 eine Prüfung der Bayrischen Staatsbibliothek in München Angelika Reich weitgehend entlastet. Gegen Reich, seit 2005 Leiterin der Eichstätter Universitätsbibliothek, war dennoch von der Staatsanwaltschaft Ingolstadt Anklage wegen Untreue auf Grund einiger "klärungsbedürftiger Sachverhalte" erhoben worden.

Hintergrund der Angelegenheit ist der von Reich (und ihrem Vorgänger) verantwortete Umgang mit umfangreichen, zum Teil in sehr schlechtem Zustand befindlichen Altbeständen aus übernommenen Kapuzinerbibliotheken an der Universitätsbibliothek Eichstätt (siehe Links unten), der bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, nicht zuletzt in Folge eines Beitrags von Klaus Graf in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Februar 2007 ("83 Tonnen als Müll. Die Universität Eichstätt vernichtet eine Klosterbibliothek"; der Beitrag berief sich unter anderem auf Aussagen von Reichs Amtsvorgänger Hermann Holzbauer und einen "anonymen Hinweisgeber".

Ausdrückliche Unterstützung für ihre Vorgehensweise erfuhr Reich dagegen gestern noch einmal von der Bayerischen Staatsbibliothek. So seien die von Reichs Vorgänger Holzbauer als längerfristiges Bücherzwischenlager angemieteten Räumlichkeiten tatsächlich ungeeignet gewesen ("höchstens zur vorübergehenden Lagerung von bis zu fünf Jahren grenzwertig möglich", so die Staatsbibliothek), weshalb Handlungsdruck bestanden habe. Während der Verhandlung hatten sich außerdem mehrere Zeugen widersprüchlich geäußert. Harald Jung schreibt dazu in der "Augsburger Allgemeinen": "Vor dem Schöffengericht blieben ganze zwei Bücher übrig, im Laufe der Beweisaufnahme reduzierte sich der Untreuevorwurf dann auf ein zerfleddertes Werk mit dem Titel 'Das Leben der Heiligen'. Das hat Reich für den Papiercontainer bestimmt, aber andere leitende Mitarbeiter hielten es zurück und verkauften es angeblich für 400 Euro. Aber Belege dafür gibt es nicht und der angebliche Käufer sagte vor Gericht aus, er habe das Buch nie angekauft – vieles deutet in diesem Fall auf Intrigen hin."

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