Das E-Book wird dominieren – Mit oder ohne Verlage

Die digitale Revolution hat das Buch erreicht. Die folgenden fünf Thesen zeigen  die  größten Herausforderungen auf, denen sich die Verlage stellen müssen, damit sie auf dem E-Book-Markt bestehen können – bevor die Content-Piraten es tun.

E-Books sind keine Nische sondern Kerngeschäft
 
500 Jahren nach Erfindung des Buchdrucks steht eine zweite Revolution bevor: das E-Book wird die Art und Weise wie wir lesen, dramatisch verändern – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Buchbranche: Mehr als die Hälfte der Branchenexperten erwarten einer Studie der Frankfurter Buchmesse und Publishers’ Weekly zufolge, dass die Umsätze mit digitalen Inhalten die des klassischen Buchgeschäfts binnen 10 Jahren überholen.  Zum Vergleich: im Jahr 2008 lag der Umsatzanteil von E-Books in den USA noch bei 2 Prozent. Höchste Zeit also, dass Verlage E-Books zur Chefsache machen und Strategien für digitalen Content entwickeln.
 
 
Krieg und Frieden auf dem iPhone?

 
Die für E-Book-Reader verwendete E-Ink-Technologie, mit der die Geräte eine Lesequalität erreichen, die der des gedruckten Buches ebenbürtig ist, hat enorme Fortschritte gemacht. Gleichzeitig etablieren sich Multifunktionshandys wie das iPhone als erstzunehmende Alternative. Sie ersparen nicht nur die Investition in ein weiteres Gerät sondern verringern auch die Gerätevielfalt – bei guter Lesequalität. Ob sich beide Endgeräte behaupten, ob sie miteinander oder mit anderen Gerätetypen wie Netbooks verschmelzen, ist völlig offen. Daher sind Verleger gut beraten sich nicht voreilig auf ein Lesegerät festzulegen. Vielmehr muss die Datenhaltung neutral, geräteunabhängig und in offenen Formaten erfolgen.
 
 
Piraten lieben DRM!

 
Vor wenigen Tagen ging die Meldung durch das Internet, von Dan Brown’s ‚Lost Symbol’ seien mehr als 160 illegale Kopien im Netz entdeckt worden – und dies obwohl das legal käufliche E-Book mit einem technischen Kopierschutz (DRM) versehen ist. Dieses Beispiel erlaubt zwei Schlussfolgerungen. Erstens: Piraterie entsteht durch Nachfrage und völlig unabhängig von der Entscheidung des Verlages über die Nutzung eines Kopierschutzes. Zweitens: Der Verlag kann Piraterie nicht stoppen – er kann das Problem lediglich managen. Das Eindämmen von Piraterie kann nur gelingen, wenn der Verlag attraktive und komfortable eigene Angebote bietet. Mit hartem DRM versehene E-Books sind aber das genaue Gegenteil: Der Leser wird mit Restriktionen belegt, die er beim gedruckten Buch nie akzeptieren würde. Verkaufsschlager sehen anders aus!
Die bestmögliche Balance zwischen Sicherheitsbedürfnis und Kundenkomfort bietet der psychologische Kopierschutz, bei dem das E-Book mit einem individuellen Wasserzeichen versehen wird. Dieses signalisiert dem Leser, dass er im Falle einer unrechtmäßigen Weitergabe belangt werden kann, schränkt ihn in der Nutzung des E-Books aber in keiner Weise ein.
 
 
Auswahl, Auswahl, Auswahl!
 

In jeder Buchhandlung steht dem Kunden heute mehr als eine Million Bücher zur Auswahl. Warum sollte die Auswahl an elektronischen Büchern, die ohne die Zwänge von Lagerhaltung und Logistik auskommen, geringer sein? Im Gegenteil, der Kunde erwartet eine deutlich umfangreichere Auswahl durch die Bereitstellung fremdsprachlicher oder in der Druckversion vergriffener Titel. Das zeitgleiche Erscheinen von Druck- und E-Ausgaben kann nur ein erster Schritt für Verlage sein; die Digitalisierung der Backlist und der vergriffenen Bestände muss schnell erfolgen.
 
 
Der Preis muss dem Leser gefallen, nicht dem Controller.

 
Zahlt der Kunde für digitale Inhalte und wenn ja, wieviel? Der von Verlagen häufig vertretene Standpunkt, aus betriebswirtschaftlichen Gründen müsse für elektronische Ausgaben der gleiche Preis wie für das gedruckte Buch erzielt werden, besticht lediglich durch seine Kundenferne. Ob eine solche Preisstruktur kundengerecht ist, muss in umfangreichen Marktbeobachtungen, Marktforschungen und durch Experimentieren erforscht werden. Als Ergebnis sind auch durchaus völlig neue Preismodelle vorstellbar. Unstrittig ist dabei der Grundsatz: der Preis muss dem Leser gefallen, nicht dem Verlags-Controller.

8 Kommentar/e

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  • Klaus Scheld

    Klaus Scheld

    TRACKBACK: ...Es gibt durchaus gute Gründe, das Gerät selbst für nicht so toll zu halten. Der Trend zum eBook dürfte aber unaufhaltsam sein. Die aktuellen Verkaufszahlen des neuen Dan Brown-Bestsellers in den USA weisen bereits in diese Richtung: Auf zwei gedruckte Exemplare des Wälzers kommt schon ein eBook.

    Allerdings ist auch die Vertriebspolitik von Amazon etwas eigenartig. Gerne ist ja in den Medien diese Woche oft darauf verwiesen worden, dass derzeit im europäischen Kindle-Shop nur die FAZ zu überteuerten Preisen elektronisch erhältlich ist - und sonst nichts. Das stimmt zwar nicht ganz, aber auch im amerikanischen Kindle-Shop gibt es durchaus schon einiges an deutschsprachiger Literatur. Etliche Bücher und auch einige Weblogs. Darunter seit einigen Monaten auch "Aktion Störtebeker"....

  • Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    And now to something completely different:

    Im Netz zirkuliert ein PDF namens "libreka ungeschminkt". Leider ohne Angaben über den oder die Autoren des Textes.

    Weiss jemand mehr?
    (mathias.schindler@gmail.com)

  • Usul

    Usul

    Zitat aus dem Text oben:
    "Die bestmögliche Balance zwischen Sicherheitsbedürfnis und Kundenkomfort bietet der psychologische Kopierschutz, bei dem das E-Book mit einem individuellen Wasserzeichen versehen wird. Dieses signalisiert dem Leser, dass er im Falle einer unrechtmäßigen Weitergabe belangt werden kann, schränkt ihn in der Nutzung des E-Books aber in keiner Weise ein."

    Wie muss man sich das konkret vorstellen, dieses belangen? Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass man die rechtmäßig erworbenen Bücher "abgenommen" bekommt, sei es durch Diebstahl oder Verlust der Hardware (USB-Stick, Laptop etc.) oder durch andere Umstände. Wenn solche eBooks dann im Netz landen, muss ich mit Ärger rechnen? Bei einem Papierbuch würde ich das nicht riskieren ...

  • Ralf Stockmann

    Ralf Stockmann

    Mein SONY eBook ist randvoll mit Büchern. Von libreka wird sich dort sicher keins finden, auch wenn ich gern Geld dafür ausgeben würde.
    Diese DRM-Anleitung kann man im Jahr 2009 nur noch als Realsatire begreifen:
    http://www.libreka.de:80/help#drm
    Wenn uns Amazon und iTunes doch eines gelernt haben dann: man kann SEHR viel Geld im Internet machen wenn es den 1click Einkauf gibt. Ich zähle hier: 30 Klicks? Und dann bin ich immer noch weit entfernt davon etwas auf dem SONY zu haben, da benutze ich auf dem MAC lieber calibre.

    Ich schau dann in 2 Jahren noch mal vorbei - wenn es das Projekt hier dann noch gibt.

  • Peter

    Peter

    eBook zum Xten ...
    Solange der Vertrieb und das Pricing allen gefällt - ausser den Kunden - da wird das nix mit dem eBook.
    Der Kunde soll 250 Euro in Vorleistung treten, um dann digitale Bücher zum gleichen Preis herunterladen zu dürfen zu dem er auch die physische Distribution erhält? Und wenn sein Gerät kaputtgeht oder ein ein neues kaufen möchte, sind alle eBooks weg?
    Solange die Verlage und der Verband darauf bestehen, dass eBooks preisgebunden sein sollen bzw. den gleichen oder nur minimal geringeren Preis haben sollen wie gebundene Bücher wird ein legaler Markt nicht entstehen.
    Die Verweise auf die Verkäufe des neuen Dan Brown in USA als eBook (je nach Quelle mehr oder 1/2 des gedruckten Buches) ziehen hier nicht, weil eben dort das eBook je nach Angebot z.T. nur 1/3 der gebundenen Ausgabe gekostet hat.
    Solange es nicht möglich ist, dem Kunden spezifische Angebote zu machen, zB. auch Abos mit dem Lesegerät als Dreingabe, wird das (wieder mal) nichts werden.

  • Thomas Dingler, Dipl.-Inf.

    Thomas Dingler, Dipl.-Inf.

    Es ist nicht viel mehr nötig als eine Entscheidung der Verlage. Gehen wir digital oder nicht, Ja oder Nein. Der Kunde will es jedenfalls, denn gerade auf dem iPhone kommen eBooks gut an, da das Gerät bereits beim Kunden vorhanden ist und er sich nicht umgewöhnen muss. Ausserdem kennt er sich z.B. mit der Akkulaufzeit seines Gerätes schon aus und hat in dieser Hinsicht nicht riesengroße Erwartungen.
    Der Anaconda Verlag könnte auf jeden Fall Krieg und Frieden ohne großen Aufwand auf das iPhone bringen. Das ganze geht zum Beispiel mit dem iAppCMS eBook (siehe Link) oder anderen Anbietern.

  • Dennis Schmolk

    Dennis Schmolk

    Die Alternative zu Piraterie? Free Content. Oder jedenfalls unschlagbar günstige Angebote. Dem Kunden wird es kaum beizubringen sein, für ein digitales Produkt ohne Individualisierung oder persönlichen Mehrwert - also für verlustfrei kopierbare Produkte - auch nur 30% des Preises einer printausgabe zu bezahlen. (Dies mag bei lehrbüchern und im STM-Bereich anders aussehen, auch bedingt bei Sach- und Fachbüchern. Im Bereich des Geschenkgutes Buch wird sich das digitale Produkt so schnell vermutlich höchstens in Form von iTunes-Gutscheinen etablieren.)

    Wer mit Free Content Geld machen will, dem sei Chris Andersons "Free" ans Herz gelegt. Die Branche ist reif dafür.

  • Sebastian

    Sebastian

    Der Kunde ist durch das DRM auf bestimmte Plattformen, und bestimmte Geräte beschränkt. Außerdem muss er eine fürchterliche Prozedur durchmachen, bevor er das eBook nutzen kann. Wechselt er den Computer, muss er diese Prozedur _noch mal_ durchlaufen.

    Eine These muss also lauten: So lange es für den Endverbraucher einfacher ist, eine Raubkopie zu nutzen, als ein gekauftes eBook, wird er eher die Raubkopie verwenden. DRM verhindert im Endeffekt, dass der Kunde das Produkt so nutzen kann, wie er es möchte.

    Ich gebe durchaus einiges an Geld für eBooks aus, bin aber nach jedem Titel wieder am überlegen, ob der Aufwand das überhaupt wert ist.

    Was die letzte These angeht: Leider ist es aktuell immer wieder so, dass sich die eBook-Preise _nicht_ an den Druckpreisen orientieren. Jedenfalls nicht zeitnah! Man muss nur mal nach dem dritten Eragon Titel bei Libreka! oder Libri suchen! Das Taschenbuch ist inzwischen auf dem Markt, der Preis der eBook-Ausgabe jedoch nicht angepasst. Das eBook kostet damit derzeit fast 9 Euro mehr! Und es ist leider keine Ausnahme...

    Wie bitte möchte mir irgendjemand erklären, dass ich für eine digitale Ausgabe 1/3 mehr ausgeben muss?

    Ein anderes blödes Beispiel: Ich habe nun auf den falschen Preis hingewiesen, es wird vielleicht noch einige Zeit dauern, aber wenn der Preis angepasst wird, und ich einige Stunden vorher das Buch zum aktuellen Preis erworben habe, wie erklärt man mir dann, dass ich auf einmal vielleicht 9 Euro zu viel gezahlt habe? Nur um das eBook, vielleicht wenige Stunden früher lesen zu können?

    Also selbst der variable Preis ist Unsinn. Eigentlich _muss_ es hier einen speziellen eBook-Preis geben, der sich dann nicht ändert, aber eben auch nicht teurer ist, als das später erscheinende Taschebuch...

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