Meinung: Autorennamen

MüllerMeyerSchmidt

Wie ein gewöhnlicher Name großen Klang bekommt. Von Jochen Jung.

Nicht Müller-Stahl, nicht Müller-Westernhagen, nicht einmal Lange-Müller oder Kumpfmüller, nein, einfach Müller. Und ebenso einfach Schmidt. Nicht Harald, nicht Helmut, sondern einfach Schmidt, Kathrin. Im Filmgeschäft würde man so nicht heißen, heutzutage nicht. Zwar hat es auch im deutschen Film schon mal eine Müller und einen Schmidt gegeben, zu denen, die man nie vergisst, haben sie jedoch nicht gehört. Aber Film ist ja auch Illusionstheater, da sollte am besten schon der Name Klang und Zauber haben.
Die Welt der Literatur ist dagegen irgendwie dichter am Alltag, somit auch härter und direkter. Bei Grimmelshausen etwa zeigt der Name schon, dass da der Heimat Grimmiges widerfährt. Nomen est omen, wie wir gelernt haben. Und als ein gewisser Göte zwei überflüssige Buchstaben in seinen Namen schummelte, tat er nichts anderes, als sich ein wenig aufzuplustern, um sich bereits im Schriftbild als Geheimrat kenntlich zu machen. Schiller war da schon bescheidener, wie überhaupt alle diese biederen Zweisilbler à la Keller, Stifter und Walser nicht viel hermachen. Einsilbige wie Storm, Holz, Grass, Kisch, Frisch oder Fritsch sind allerdings geradezu armselig, und wenn man Mann heißt, kommt man ohne Vornamen schon gar nicht aus, jedenfalls nicht, wenn Mann wiedererkannt werden will.
Der Adel hat dieses Problem in der Regel nicht. Heinrich von Kleist kann preußischer nicht klingen und Hugo von Hofmannsthal nicht habsburgisch-kakanischer. Bisweilen wird da aber doch stark übertrieben, und es war gescheit, dass Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau sich auf Nikolaus Lenau herunterkürzte, von einem gewissen Johannes Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnon-court-Unverzagt ganz zu schweigen. (Es sei denn, dass man findet, als Dirigent könne man ruhig ein bisschen mehr Musik im Namen haben.)
Als übrigens Peter Esterházy einmal gefragt wurde, was ihm denn sein Adel bedeute, da meinte er, man fühle sich eben gut aufgehoben in einer alten Familie. Ich nehme aber an, dass die Müllers auch schon eine ziemlich alte Familie sind.
Womit wir wieder beim Nobelpreis wären: Wer den hat, kann ruhig Müller heißen, schließlich hat ihn sogar Mann bekommen. Man sieht, der Name allein verhindert nichts, aber er sanktioniert auch nichts, von wegen Namen sind Amen. Das will alles erst mal geleistet werden, und es heißt ja auch nicht von ungefähr »sich einen Namen machen«. In der Wiege liegt da nämlich gar nichts, auch nicht bei Grafen und Prinzen. Und wenn man von einer sagt, ihr Name habe Klang, dann kann dieser Name gern auch Schmidt sein, Hauptsache, es steht etwas Besonderes dahinter.
Und das ist bei Katharina Schmidt durchaus der Fall, und Herta Müller ist überhaupt ganz und gar unvergleichlich einzigartig. Drum sind den beiden ja auch viele, viele Leser zu wünschen, ob mit oder ohne Preis, und wenn das zugleich bedeutet, möglichst viele Bücher über den Ladentisch zu bringen, kann uns das nur recht sein. Die Verkaufszahlen von Frau Meyer, Stephenie werden sie allerdings nicht erreichen.

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1 Kommentar/e

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  • Katrin Schmidt

    Katrin Schmidt

    Sehr geehrter Herr Jung,

    mit große Freude habe ich - als Fast-Namensvetterin der diesjährigen Buchpreisträgerin - Ihren Artikel gelesen. Im letzten Absatz haben Sie "uns" leider dann doch noch einen falschen Vornamen verpasst, dabei schafft man es doch offensichtlich mit einem ganz normalen "Kathrin" auch ganz nach oben.

    Über eine Änderung würde ich mich sehr freuen, herzliche Grüße,
    Ihre Katrin Schmidt

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