Klett-Cotta und Voland & Quist feiern in der Hauptstadt

Berliner Nachtschwärmer

Der Prenzlauer Berg bietet nicht nur ‚Bionade-Biedermeier’, sondern gilt auch als Homebase für viele Literaturbetriebs-Angehörige der Hauptstadt. Am Wochenende luden zwei Verlage, die noch nicht in Berlin sitzen, ein: Klett-Cotta in Michael Zöllners ehemalige gute Stube, Voland & Quist in einen Szene-Club in der Kulturbrauerei. VON NK

Wie gut, dass Michael Zöllner, mit Tom Kraushaar verlegerischer Geschäftsführer von Klett-Cotta, aus Tropen-Zeiten nicht nur einen Koffer, sondern eine ganze Wohnung in Berlin hat: So konnten Zöllner und Kraushaar ihrem argentinischen Autor Alan Pauls, der ab heute mit seinem Roman „Die Vergangenheit“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Lese-Tour geht und von manchem verschwörerisch-raunend als der „neue Javier Marias“ annonciert wurde, unmittelbar nach dessen Eintreffen in der Hauptstadt mit Berliner Charme einen kleinen Empfang ausrichten. Neben Pauls’ deutschem Übersetzer Christian Hansen waren zahlreiche weitere Übersetzerfreunde, Autoren, Journalisten und Branchenkollegen gekommen; bei argentinischem Rot-, deutschem Weißwein sowie in Zöllners Küche aufgewärmten vietnamesischen Frühlingsröllchen schwirrten alsbald auch die Gespräche vielsprachig, in Deutsch, Spanisch und Englisch, durch die Räume. Der 1959 in Buenos Aires geborene Autor mit deutschen Wurzeln, dessen Familie 1939 nur mit knapper Not den Nazis entkommen war, genoss das warme Willkommen sichtlich. 

Einige Gäste konnte man zu später Stunde ein paar Straßenzüge weiter wieder treffen: Im NBI Club in der Kulturbrauerei feierte Voland & Quist sein fünfjähriges Jubiläum. Am 21. Oktober 2004 hatten Sebastian Wolter und Leif Greinus ihren Verlag aus der Taufe gehoben; inzwischen sind mehr als 40 Titel erschienen, darunter Bücher von Jochen Schmidt, Edo Popovic, Ahne, Nora Gomringer oder der Chaussee der Enthusiasten. Dass die in Leipzig und Dresden arbeitenden Verleger zum Feiern in den Prenzlauer Berg ausrückten, hat schlicht pragmatische Gründe: Viele ihrer Autoren wohnen hier. Wer Leif Greinus in der empfindlich kalt gewordenen Berliner Luft vorm Club zufrieden seine Zigarette schmauchen sah, ahnt, dass der Verlag noch einiges vorhat. Das Zehnjährige wird dann, wer weiß, sogar in Sachsen gefeiert.

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