Analyse

Die neue Dimension des E-Books

Als Steve Jobs am Mittwoch das neue Multimedia-Wunder iPad präsentierte, war dies ein geradezu epiphanischer Moment. Mit dem iPad erblickt ein neuer Gerätetyp das Licht der digitalen Welt, der sich nicht nur als "digital companion" für alle Lebenslagen anbietet, sondern auch der Entwicklung des E-Book-Markts einen ganz neuen Schub bringen könnte. Eine Analyse von Börsenblatt-Redakteur Michael Roesler-Graichen.

Das iPad ist zunächst ein konzeptionell und ästhetisch überzeugendes "All-in-One"-Gerät zwischen iPhone und Notebook: Surfen, Mails schreiben, digitale Fotoalben verwalten, Games spielen, Videos und YouTube anschauen, iTunes und AppStore, iPod-Funktion, Karten, Notizen machen, Termine und Kontakte organisieren, Suchfunktion – und schließlich die neue iBooks-Applikation, mit der man E-Books kaufen, in sein virtuelles Regal stellen und lesen kann.

Das Lesen auf dem iPad hat eine ganz andere, neue Qualität: Das Gerät ist etwas größer als ein herkömmliches Hardcover (es entspricht einem größeren Oktav-Format), die auf dem Display dargestellten Seiten entsprechen in der Größe etwa dem Seitenformat eines gedruckten Buchs. Die Darstellung auf dem hintergrundbeleuchteten LED-Bildschirm ist brillant wie auf dem iPhone. Die emotionale Ansprache und die haptischen Details, über die die iBook-App verfügt, sprechen die Sinne der Leser – und unter ihnen viele "digitale Immigranten" aus der Buchwelt - an.

Das virtuelle Regal "sieht aus" wie ein echtes, etwas altmodisches Bücherregal. Und die Seiten werden nicht sukzessive auf Knopfdruck dargestellt, sondern virtuell geblättert. Für Verlage könnte dies eine echte Chance sein, ihre Bücher besser und effektiver zu vermarkten, als dies bisher bei den E-Book-Readern (vor allem den E-Ink-Modellen) möglich war.

Zudem vereinfacht die Shop-Lösung des iBook Store den Download der Bücher, die über die drahtlose Schnittstelle (Wi-Fi oder 3 G) erfolgt. Offen ist noch, wie das Digital Rights Management funktioniert: ob man beispielsweise einen Titel auf das iPad und das iPhone herunterladen kann, und ob eine Übertragung eines einmal gekauften Titels auf ein anderes Gerät möglich ist. Für ein offenes Datei-Konzept spricht das gewählte Format: EPUB, das den Text je nach Gerät an das vorhandene Display anpasst. Damit sind prinzipiell auch für andere Geräte und in anderen Shops (beispielsweise libreka!) erworbene EPUB-Titel auf dem iPad lesbar.

Was noch für das iPad als Lesegerät spricht: seine Multimediatauglichkeit, seine Farbigkeit und seine Geschwindigkeit. Sie eröffnet E-Book- und E-Journal-Entwicklern, die das elektronische Buch mit Podcasts, Animationen oder Videos erweitern wollen, neue Möglichkeiten. E-Book-Konzepte wie die multimedialen Vooks könnten dadurch Auftrieb erhalten.

Natürlich sollte man sich davor hüten, das iPad zu einem Zaubergerät zu verklären. Im Detail, das werden Tests erweisen, gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit Schwächen. So kursiert in der Netzgemeinde schon das Gerücht, das iPad könne flash-codierte Webseiten nicht darstellen. Auch wäre es verfrüht zu behaupten, das iPad wäre der "Kindle-Killer". E-Ink-Reader als Stand-alone-Lösung für das elektronische Lesen werden ihre Existenzberechtigung behalten. Wer wirklich nur elektronische Bücher auf einem Reader lesen möchte, muss für ein Lesegerät nur noch rund 200 Euro ausgeben, Tendenz weiter fallend. Das iPad hingegen kostet in seiner Basisversion schon umgerechnet 350 Euro. Zudem sind E-Ink-Displays flimmerfrei, das Auge ermüdet auch nach mehreren Stunden Lektüre nicht. Und der Energieverbrauch ist äußerst gering, die Betriebsdauer daher wesentlich höher als beim iPad. Dort reicht die Akku-Leistung für 10 Stunden Dauerbetrieb.

Interessant ist die Frage, welche Titel und zu welchen Konditionen (auch deutsche) Verlage E-Books – oder heißt es bald iBooks? – für das iPad liefern. Dazu mehr im nächsten Börsenblatt am 4. Februar. 

 

 

 

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10 Kommentar/e

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  • Wesley

    Wesley

    Hört auf mit Kommentaren.
    Verlage werden kaum mitmachen. Wer soll denn dieses Gerät kaufen? Ist es Laptop- oder Handy-Ersatz? Kaum.
    Zusätzlich? Höchstens Angeber. Das Gerät wird floppen! Der iPad ist kein revolutionäres Gerät. Ich bin seit Jahren überzeugter Mac User und bin mir trotzdem sicher, dass für den iPad kein Markt vorhanden ist.

  • Daniel

    Daniel

    @Wesley: Das sehe ich genau anders herum. Ich nutze bisher keine Macs, bin aber überzeugt, dass man sich vor dem nächsten (Privat)-Laptopkauf sehr genau überlegt, ob es nicht lieber ein iPad sein sollte. Mit externer Tastatur ist es mehr als ausreichend für den Heimgebrauch, zumindest für Mail, Filme, Texte lesen. Klar, einen vollwertigen Office-Computer wird es nicht ersetzen, aber wenn ich damit nicht nur Manuskripte, Mails und E-Books lesen kann, sondern dies eben auch unterwegs und ohne Schlepperei tun kann... warum nicht?

  • Katharina

    Katharina

    Herr Roesler-Graichen, das klingt, als ob sie das iPad in der Hand hatten?! Da bin ich ja glatt neidisch!

    @Wesley: Apple ist ja dafür bekannt, sich einen Markt für ihre Produkte zu schaffen. Abwarten. Nur dürfen das die Verlage nicht machen. :)

  • Horst-Werner Dumjahn

    Horst-Werner Dumjahn

    Hallo, Herr Roesler-Graichen, volle Zustimmung. Ich freue mich auf mein iPad - und natürlich auf die "iBooks" in meinem neuen Bücherregal! Und alle Titel in Sichtpräsentation, wer kann das zu Hause schon darstellen?

    Laptop-Kauf war gestern, mein letzter ist übrigens der HP TouchSmart, den man auf den letzten BuchTagen in Berlin bewundern konnte. Unf den ich jetzt als sehr komfortablen Office-Computer nutze. Da ist der handliche iPad nur die logische Konsequenz - auch und gerade für unterwegs. Und immer dann, wenn das iPhone doch "zu klein" ist (in der Darstellung von Karten und Texten beispielsweise).

    Ich hoffe nur, dass die Libreka!-Macher jetzt endlich aufwachen und für Libreka ganz schnell ein iPhone/iPad taugliches Logo "auf die Beine" stellen. Auf dem iPhone findet man es eher zufällig - im Vergleich zu anderen Anwendungen (Amazon, eBay, Buchmarkt, SZ, meine Stadt, Stern.de oder TV Movie wirkt es schlicht mickrig, es ist "grottenschlecht"!

    Ich freue mich auf mein iPad und bin im übrigen gespannt, welche große deutsche (Abo-) Tageszeitung es als erste auf das iPad schafft. BILD ist ja schon da! Und in der Branche darf man auch gespannt sein: "Buchmarkt" oder das "Börsenblatt" - wer geht als erster iPad?

  • Wolfgang Lehner

    Wolfgang Lehner

    Tipp: Unbedingt auf der Apple-Website die Präsentation anschauen (90 Minuten, möglichst in HD auf dem großen Monitor). Man sieht an Steve Jobs und wie er mit dem iPad umgeht, worin der große Unterschied zu Laptop und Bookreader liegt. Selbstverständlich macht das iPad Spaß: Am verregneten Sonntag durch Blogs und Zeitungen surfen ohne sich an den Schreibtisch begeben zu müssen, ohne einen unhandlichen Laptop auf den Knien balancieren zu müssen - ist doch prima. Alle großen Zeitungen und Magazine - auch internationale - ständig im Zugriff haben, ohne zum Kiosk rennen zu müssen (so man in der Stadt einen entsprechend bestückten Bahnhof hat, die Landbevölkerung wagt nicht mal an sowas zu denken). Man kann sogar ganz entspannt - wo immer man Lust hat - an seinen Memoiren arbeiten und bei Bedarf online recherchieren. Das iPad wird so schnell nicht in jedem Haushalt zu finden sein, aber der Anfang ist gemacht. Und das Potenzial für die Schule ist enorm (Ist es das, was Schwarzenegger bestellt hat?). Das iPad hat die Rechen- und Speicherkapazität um Schulbücher plus Lernsoftware eines Schuljahres aufzunehmen. Kluge Programme können dem Schüler beim Bearbeiten der Hausaufgaben helfen. Und wenn morgens die Klasse versammelt ist, kann der Lehrer an seinem Terminal per Bluetooth mit einem Klick sehen, wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.
    Außerdem: Wenn die Rede von E-Books ist, denken wir alle an die grauen Textspalten, die statt auf Papier jetzt am Display erscheinen. Aber um klassische Belletristik geht es doch gar nicht. In zwei Jahren werden wir ganz neue, definitiv undruckbare Buchtypen haben. Vermutlich heißen sie dann auch nicht mehr Buch. Die Videotauglichkeit, die Jobs so detailliert vorgeführt hat, ist ja der eigentliche Clou des Geräts. Film heißt das Medium, das jetzt schon in erheblichem Maße zur Bildung der Nicht-Lesebegeisterten beiträgt (und es ist Jobs, der sagt, dass das Lesen wirtschaftlich immer weniger von Bedeutung sein wird - das iPad ist ja sein Versuch, den Zeitungsverlagen die "Leserschaft" zu erhalten). Materielos wird cool. Wenn jetzt die Geräterückseite noch mit Solarzellen bestückt wäre ... aber auch das werden wir noch erleben.
    Der eigentliche Luxus dieses Geräts besteht nicht in der Anschaffung (man schaue mal in die modernen Kinderzimmer), es sind die schnelle Mobilfunkverbindung und das Knowhow im Umgang mit modernen Medien im Internet. Wer das eine nicht bezahlen will und das andere nicht hat, dem ist das iPad nicht schmackhaft zu machen. Natürlich hat man als modernes, gut verdienendes Mitglied der Apple-Community seine Fotos online auf irgendeinem Webspace und trägt sie nicht auf dem Speicherchip mit sich herum. Bücher und Musik lagern in iTunes und werden von iPad, iPhone oder iPod nach Bedarf abgerufen.
    Wer sein Bücherregal liebt und ein Plattencover als Kunstwerk und nicht als Verpackung betrachtet, der ist hier falsch - ist aber auch nicht weiter schlimm.

  • Sebastian

    Sebastian

    Ich persönlich würde das iPad nicht als den größten Wurf von Apple bezeichnen. Aber zumindest für mich entsprich das iPad durchaus dem Gerät, was ich schon länger suche. Größer und leistungsfähiger als ein klassischer iPod oder das iPhone, aber trotzdem mobil und einfach zu bedienen.
    Ich lese bereits seit vielen Monaten auf dem iPod Touch und habe mich oft über das doch recht kleine (wenn auch brillante) Display geärgert. Auch ermüden mir weniger die Augen, als viel mehr die Hände. Ich kann den kleinen nur 1-2 Stunden halten, danach ist es aus mit dem Spass.
    Ich denke, dass hier das iPad durchaus eine Chance hat. Insbesondere, wenn man eben nicht einen vollen PC braucht. Fotos, Filme, Musik und jetzt Bücher kann das iPad. Es ist im Endeffekt ein Gerät was den Fernseher, den Computer und das Buch ersetzen oder ergänzen kann. Und darin ist es so gut, wie bisher kein anderes Gerät...

  • Stefan B.

    Stefan B.

    Ich sage nur so viel: das iPad und all seine zukünftigen Konsorten passen einfach wie die Faust aufs Auge in unseren neuen digitalen Alltag. Also ich möchte die Zukunft nicht verschlafen - ich hoffe, den deutschen Verlagen geht es ähnlich... ;-)

  • Uwe R.

    Uwe R.

    "Zudem sind E-Ink-Displays flimmerfrei, das Auge ermüdet auch nach mehreren Stunden Lektüre nicht."

    Aus welchem Werbeprospekt ist das denn kopiert, oder gibt es da schon medizinische Studien dazu?

    Sicher, das iPad wird seine Käuferschaft finden aber das physische Buch wird es, wie schon all die anderen fantastischen Erfindungen der letzten Jahrzehnte, nicht vom Markt verdrängen.

  • Flash-Fan

    Flash-Fan

    eine traurige Veranstaltung, dass das iPad kein Flash abspielt!

  • Sebastian

    Sebastian

    Ich bin mir nicht sicher, ob Flash eine große Zukunft hat. Es wird sicherlich nicht von Heute auf Morgen abgelöst werden, aber moderne Techniken erlauben ähnliche Möglichkeiten im Browser, ohne ein Plugin zu verwenden.

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