Kommentar

iBooks: Verleger im Glück

Verlage haben die Chance, iBooks zu Preisen zu verkaufen, die Spaß machen. Ein Kommentar von Börsenblatt-Redakteur Michael Roesler-Graichen.

Michael Roesler-Graichen

Michael Roesler-Graichen © Nicole Hoehne

Die Vorfreude ist groß. Viele deutsche Verlage können es kaum abwarten, bis die neue Apple-Wunderwaffe iPad im März in den Handel kommt. Dem neuen Multimediagerät mit integriertem Reader wird zugetraut, den Markt für E-Books deutlich zu beleben. In den Augen vieler Verleger leistet das iPad endlich das, was die Käufer von einem solchen Gerät erwarten. Und auch für die Weiterentwicklung des elektronischen Buchs selbst erwarten die Verlage Impulse: Neue Mischformen mit Video- und Audiosequenzen werden entstehen, vierfarbige Ratgeber mit Online-Anbindung, Lehrbücher mit animierten Grafiken und vieles mehr. Hinzu kommt die einfache Shop-Lösung, die Apple mit dem neuen iBook Store bietet. Sie gibt Verlagen die Chance, ihre iBooks über eine unkomplizierte, komfortable Plattform zu verkaufen – und dies zu Preisen, die Spaß machen, weil sie für einen wesentlich höheren Deckungsbeitrag sorgen. Mit dem iPad könnte zudem, das hoffen auch Zeitungsverleger, ein ganz neues Paid-Content-Zeitalter anbrechen, in dem über die freien Inhalte­ im Netz etwas gelassener diskutiert werden darf.

Ein bisschen Wasser muss man allerdings in den Apple-Wein gießen: Noch ist völlig unklar, wie groß der Markt für das iPad wirklich ist und ob es eine klar umrissene Zielgruppe gibt. Andere befürchten, dass sich wegen des speziellen Kopierschutzes von Apple nicht alle E-Books im offenen EPUB-Format auf dem iPad lesen lassen. Wie auch immer, Steve Jobs’ Instinkt hat selten getrogen. Und er gibt einer Branche Hoffnung, die fürchtete, von Monopolisten wie Amazon und Google aufgerieben zu werden.

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15 Kommentar/e

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  • Alter Schwede

    Alter Schwede

    Na, ob sich Herr Roesler-Graichen auch noch freut, wenn Apple die Verlage zwingt, HC-Neuerscheinungen für 9,99 anzubieten?

  • Hansen Pansen

    Hansen Pansen

    Au weia, wie kann man nur so weltfremd und naiv sein.

    Die Realität wird Euch bald einholen und dann werdet Ihr noch weniger zu lachen haben als jetzt.

    Schaut Euch die Musikindustrie an, statt aus deren Fehlern zu lernen, wiederholt Ihr sie.

  • Joachim Losehand

    Joachim Losehand

    Johannes Haupt (lesen.net) hat gerade dazu getwittert: "Mit Abstand naivster Kommentar, den ich bislang auf/im Börsenblatt gelesen habe".

    Ich muß mich anschließen: Man fürchtet sich, von den Monopolisten Amazon und Google aufgerieben zu werden und fällt damit begeistert in die offenen Arme von Apple?

    "In den Augen vieler Verleger leistet das iPad endlich das, was die Käufer von einem solchen Gerät erwarten" - nur leider ist "völlig unklar, wie groß der Markt für das iPad wirklich ist und ob es eine klar umrissene Zielgruppe gibt." Ist das jetzt Kritik an der Realitätsferne der Verleger, oder in seiner Unlogik ein Beispiel für die Realitätsferne der Verleger?

    Apple hat noch nie gemacht, "was Kunden wünschen", sondern seine Ideen und technologischen Entwicklungen der lechzenden Fangemeinde aufgedrückt. Und die haben das dann gekauft oder nicht.

    Das iPad ist wohl eher kein Gerät für den Massenmarkt und kein Manna vom Himmel für die Verleger. Ich empfehle, auf offene Standards und offene Geräte zu setzen. Erst die Vielfalt erschließt Märkte.

  • Ralf B

    Ralf B

    Danke @Joachim Losehand.

    Warum sollte das "Heil der Branche" gerade von jemanden kommen, der einen proprietären Monopolismus vorlebt, von dem Amazon beim Kindle doch nur gelernt hat (ehrlich gesagt, ist der Kindle offener als das iPad sein wird)?

    Ich will aber nicht schwarz sehen: Mit dem iBook Store bringt Apple in jedem Fall eine Lösung, die dem iPhone App-Bücher-Durcheinander (gibt's außer Porno noch andere Inhalte? Und wie finde ich die? <-- rhetorische Frage ...) ein Ende setzt. Das war höchste Zeit.

    Eins aber noch: "zu Preisen, die Spass machen"??? Denkt mal über die Preisbindung für E-Books nach und hört auf, Eure Preise an den Printversionen festzumachen (auf welcher Basis eigentlich). Die Aufgabe liegt bei den Verlagen, nicht bei Apple oder Amazon oder sonst wem. Für 16 (20, 30 ...) Euro wird auch auf dem iPad die Masse der User keine E-Books kaufen (auf dem iPhone liegt der Durchschnittspreis pro App bei ca 3 US-Dollar).

  • Christoph Kaufmann

    Christoph Kaufmann

    Alles wird gut! Die Verlage müssen sich in Zukunft nicht mehr groß um das ungeliebte Thema eBooks kümmern. Apple und Steve Jobs machen das schon.

    Wenn sich da mal einer nicht gewatlig täuscht.

  • Hans-Joachim Schulz

    Hans-Joachim Schulz

    Ich verstehe den Jubelgesang nicht. Was soll schon gut daran sein, wenn so eine einfache Tätigkeit wie das Lesen - dazu benötigte man bisher nur das Tageslicht, und das war kostenlos - nun einer weiteren Abhängigkeit unterworfen wird, der Stromversorgung sowie damit verbunden, der Abhängigkeit von künstlicher Kommunikationstechnik.
    Was macht derjenige, dessen Energiequelle versiegt? dessen iPad den Geist aufgibt? Setzt der sich dann auf ein Fahrrad um den Strom zu erzeugen? Hat er genug Geld um sich ein neues iPad zu kaufen?
    Nee, die Elektronikverwurschtung des Buches wird nur einen Teil des Buchmarktes betreffen, und dann wird auch nur ein Teil der Interessierten auf beide Leseformen zurückgreifen, niemals nur alleine auf das iBook....
    Übrigens: iBook-Reader sind so etwas von unsinnlich.... Notbehelfe.... Etwas für Roboter aber nichts für Menschen.

  • Michael Manske

    Michael Manske

    Wer es bis jetzt - mit den angeblich noch so primitiven technischen Möglichkeiten - noch nicht geschafft hat in größerem Umfang ordentliche (sprich fehlerfreie) eBooks zu realistischen Preisen anzubieten, wird jetzt mit weiteren technischen Möglichkeiten, zu denen die Voraussetzungen in den Verlagen noch mehr fehlen, plötzlich zum Riesen-eBook-Produzenten mit "Preisen, die [den Verlegern] Spaß machen"?! Naiver und realitätsferner geht es wirklich kaum. Erstens wird die Technologiehürde in der Erstellung noch höher (also die Erstellung wieder teuer auslagern - warum nicht gleich an Apple selbst?) und zweitens sind "Preise, die Spaß machen" nur die Preise, die auch Kunden in großem Umfang ansprechen und zum Kauf verleiten. Regulationszyklus von Nachfrage und Angebot - schon mal gehört? *ungläubig Kopfschüttel*

  • Stefan Holzhauer

    Stefan Holzhauer

    Man kann hier eigentlich nur Realitätsverlust oder Weltferne vermuten. Die Aussage von Johannes Haupt ist absolut korrekt.

    Einzige Chance der Verlage sind definitv nicht proprietäre Geräte von Einzelherstellern sondern offene Standards und vor allem vernünftige und nachvollziehbare Preise statt eBook-Wucher.

  • Thomas Knip

    Thomas Knip

    Wenn die Printverlage glauben, dass mit dem iPad jetzt endlich alles gut wird, braucht man sich nicht wundern, warum sie das bisherige Geschäft so gründlich in den Sand gesetzt haben.

    Viel ehrlich wäre es zu sagen "Stimmt, wir haben eigentlich keinen blassen Schimmer, was wir tun sollen und hoffen, dass Apple das für uns regelt."

  • Michael Marten

    Michael Marten

    Na ja, man sollte vielleicht die Bewertung des iPads nicht 1:1 aus dem Appel-Marketing übernehen. Der Ipad wird weniger bewundert als kritisiert, bringt kaum Innovation und ist in vielem auch einen Schrit hinter der Konkurrenz zurück. Es darf bezweifelt werden, ob dies tatsächlich den E-Book Verkauf fördert. Im Geschäft der Aggregatoren (denn über diese, nicht über den Buchhandel, wird ja das Hauptgeschäft im E-Book laufen) würde Apple natürlich gerne mitmischen. Das muss man der Firma mit einen neuen propriteären Format, als iBook, nicht auch noch erleichtern.
    Und wenn wir schon bei diesen unsäglich naiven kommentaren sind: wenn es tätsächlich zu einer digitalen Revolution kommen würde, dann würden die E-Reader verlieren, aber nicht, ohne vorher jede Menge Porzellan zu zerschlagen. Die Anbieter sind da wohl klüger und setzen eher auf eine Prozess, der eine Anpassung von Kunden, Anbietern, Gesetzen und Märketen erlaubt und so dem E-Book zumindest ein überleben in der Nische erlauben wird. Eine Revolution aufzurufen ist wirklich ausgesprochen kurzsichtig.
    Aber vielleicht gibt es ja in Zukunft wieder kompetente Kommentare.

  • if

    if

    "Zu Preisen, die Verlegern Spaß machen" - Wenn denn dann jemand was kauft. Wir werden sehen - man darf gespannt sein. Für Leser ist das ipad definitiv ein Innovationshemmer - wie ich in meinem Blog geschrieben habe http://www.if-blog.eu/2010/02/warum-das-ipad-ein-i nnovationshemmer-ist/ - und wird wohl genau deswegen hier bejubelt.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Hier kann man schon in der Diskussion den Sprengsatz sehen, der in der Entwicklung der neuen Reader liegt. Herr Roesler-Graichen beschreibt, warum Verlage sich über diese Entwicklung freuen. Und die Kommentatoren ärgern sich darüber. Warum?

    Die einen, weil hier eine Vertriebsschiene mehr entsteht, die das Buch und den Buchhandel links liegen lässt. Aber das ist ja schon Alltag.

    Andere ärgern sich, weil ihre Vorstellung von freien Inhalten und offenen Modellen und nahezu kostenlosen E-Books offensichtlich nicht mehr der aktuelle Trend ist.

    Die nächsten konnten Apple noch nie leiden und deshalb wissen sie schon heute, was von dem allen zu halten ist.

    Und andere wiederum kämpfen gegen DRM und da ist Apple auch nicht gerade ein Verbündeter.

    Der Erfolg von Apples iPhone und iTunes mit App Store deutet vielleicht eine viel grundsätzlichere Änderung im Informationsverhalten an. Möglicherweise beginnt hier wirklich das Ende des PC und das Verschwinden des Internet. Vielleicht wird der Zugriff auf Inhalte und Informationen von der Masse der Verbraucher eben doch lieber über den Convenience-Zugang eines iPad und entsprechender Apps gewählt und eben nicht über offene, chaotische und in irgend welchen Clouds sich selbst organisierende Informations-Strukturen. Das wäre dann aber auch gleichbedeutend mit dem überraschend frühzeitigen Ende der großen Revolution, die unter Begriffen wie Open Access, Abschaffung des Urheberrechts, Freemium etc. uns so intensiv beschäftigt. Und das scheint mir vor allem der Grund, warum Herrn Roesler-Graichens Kommentar so harsch kritisiert wird.

    Es wäre nicht die erste große Revolution, die von der "Convenience" zur Strecke gebracht wird.

  • Thomas Knip

    Thomas Knip

    "Freie Inhalte und offene Modelle und nahezu kostenlose E-Books" gehören kausal nicht zwingend zueinander.

    Es gibt sehr wohl genügend Leser, die bereit sind, für eBooks einen angemessenen Preis zu zahlen, wenn das eBook "offen" ist, d.h. man vergleichsweise dieselben Rechte zur Nutzung erhält wie beim gedruckten Buch.

    Was wirklich kein Leser braucht, ist noch ein weiteres geschlossenes System. Auch Verleger sollten sich deutlich bewusst machen, dass sie sich mit einem geschlossenen System in direkte Abhängigkeit vom Vertrieb geben.

    Profitieren wird davon in allererster Linie der Anbieter des Systems. Nicht die Anbieter des Contents.

  • Marcus Kullmann

    Marcus Kullmann

    Apple beschreitet mit dem iPad einen Weg weg vom bloßen Prinzip "Reader" hin zu einem Tablet-PC, welcher den Standards des Web 2.0 Rechnung trägt. Multimedia- und Officeanwendungen, Mailfunktion, Reader, Internet etc. bieten dem Anwender umfassende Möglichkeiten aus einer Hand. Sicher wird das iPad das gedruckte Buch nicht von heute auf Morgen verdrängen. Verlage und Buchhändler tun jedoch gut daran, auf die Entwicklung ein Auge zu haben um am Markt zu partizipieren, da da die großen Akteure Amazon, Google und Apple diesen zügig vorantreiben.

  • Reischl Franz

    Reischl Franz

    Ich verstehe nicht so ganz, warum gerade diejenigen am allermeisten von den Möglichkeiten begeistert sind, die Apple mit seinem iBookstore nun darlegt, welche vorher es nicht geschafft haben, eBooks preislich attraktiv zu gestalten. Oder auch in größerem Umfang verfügbar zu machen.

    Es gibt bestimmt reichlich potentielle eBook-Käufer. Nur solange ein digitales Devirat (keine Druck-,
    Lager-, Personalkosten) soviel kostet wie eine Hardcover-Ausgabe eines Printbuches, ist es nicht die Schuld der Kunden, dass das Geschäft etwas brach liegt.

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