Was kann und soll eine digitale Buchgeschichte leisten?

Mit der Zeit gehen heißt, die Vorzüge des Digitalen nutzen – auch und gerade in der Buchwissenschaft. Das Erlanger Institut beschreitet nicht nur in der Lehre neue Wege, wie der Beitrag von Dennis Schmolk vom 8. 12. 2009 gezeigt hat, sondern  orientiert außerdem seine Projekte an den Möglichkeiten des Web 2.0. Dazu gehört auch, die potentiellen Nutzer von Beginn an mit einzubinden. Ein Bericht von Sandra Rühr

Sandra Rühr

Sandra Rühr © privat

Spätestens, wenn Studierende ihre ersten Hausarbeiten schreiben, können wir Dozenten uns einer Frage nicht mehr entziehen: „Darf ich auch Wikipedia zitieren?“ Gespräche mit SchülerInnen und StudentInnen zeigen, dass es für sie eine Selbstverständlichkeit ist, Informationen im Internet zu beschaffen. Das klassische Lexikon scheint, zumindest bei der jüngeren Generation, „out“ zu sein. Doch wie sieht dies innerhalb einer Fachcommunity aus und wie geht eine generell an einer bestimmten Thematik interessierte Zielgruppe damit um? Hier setzt die Erlanger Buchwissenschaft mit ihrem Projekt „Eine digitale Geschichte des Buches“ in Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek München und der Fachinformationsplattform b2i an: Wie kann man einerseits ein Überblickswerk schaffen, das wissenschaftlich fundiert alle Bereiche rund ums Buch abdeckt und wie lassen sich andererseits die Vorzüge des Internet dafür nutzen? Oder noch anders gefragt: Was kann und soll eine digitale Buchgeschichte leisten?

Wo liegt das Potential des Digitalen?

Um diese Frage beantworten zu können, haben sich Erlanger Buchwissenschaftler mit Wissenschaftlern aus den Bereichen Buch- und Informationswissenschaft und Literaturwissenschaft sowie VertreterInnen der Bayerischen Staatsbibliothek München zusammengesetzt. Eine erste Konkurrenzanalyse zeigte, dass es bislang ein einziges Portal zu einer digitalen Buchgeschichte gibt: http://www.bibliopolis.nl. Ausgehend von diesem Vorreitermodell stellte sich die Gruppe die Frage, welches zusätzliche Potential in einer digitalen Buchgeschichte liegt. Dazu wurden auch klassische Publikationen in Printform herangezogen, die zeigen sollten, wie Buchhandels- und Buchgeschichten in Deutschland, Großbritannien und Frankreich bislang aufgebaut sind, welche zeitlichen Begrenzungen sie ziehen, welche Inhalte sie thematisieren und welche Zielgruppe sie fokussieren.

Erste Ideen

Nach dieser Analyse wurden folgende Ziele formuliert: Konzentration auf die Entwicklungen ab Beginn des Buchdrucks, Aufbrechen der Linearität zugunsten einer dreidimensionalen Darstellung und nutzerorientierte Gestaltung. Der erste Punkt ist zunächst eine pragmatische Entscheidung: Nicht Alles und Jegliches kann thematisiert werden. Dabei soll das Buch im Zentrum eines medialen Umfelds stehen und zugleich ein Einbezug der Nachbarländer Österreich und Schweiz stattfinden. Da das Ziehen epochaler Grenzen mitunter schwierig ist, wird dies anhand bekannter gesellschaftlicher Phänomene erfolgen. In Punkt zwei liegt die Stärke einer digitalen Buchgeschichte. Ausgehend von einem systemischen Zugang, der das Buch in den Zusammenhang der Buchkommunikation stellt, wurde eine Matrix mit Unterkategorien entwickelt. Damit ist es dem Nutzer möglich, anhand feststehender Schlagwörter durch die Epochen und Entwicklungen zu navigieren. Zusammenhänge ergeben sich so automatisch und müssen nicht im Nachhinein erschlossen werden, wie es bei linearen Publikationen der Fall ist. Die digitale Buchgeschichte ist somit vertikal über das Buchsystem und seine Bestandteile sowie horizontal über Epochen zugänglich. Das Verständnis vom Materialobjekt Buch wird zugunsten eines komplexen Buchmedienbegriffs erweitert.

 

Jetzt sind Sie gefragt!

Der Punkt der Nutzerorientierung und damit der technischen Umsetzung ist neben den eben genannten Ausführungen sehr wichtig. Wie lassen sich die Möglichkeiten des Internet so integrieren, dass die Nutzer optimal navigieren können, und sich zugleich die Inhalte multimedial aufbereiten lassen? Um die Erwartungen und Wünsche potentieller Nutzer abfragen zu können, hat die Erlanger Buchwissenschaft gemeinsam mit dem Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin einen Fragebogen entwickelt. Darin werden Ihnen Fragen zu Ihrem Nutzungsverhalten beim wissenschaftlichen Arbeiten im Internet gestellt und es wird danach gefragt, welche Inhalte und Funktionen Ihnen bei der Arbeit mit Onlinequellen wichtig sind.

Die Umfrage ist bis zum 31. März 2010 unter folgendem Link abrufbar: http://tiger.ibi.hu-berlin.de/digibuch/

Unter allen Teilnehmern verlosen wir zehn Amazon-Gutscheine im Wert von je 20 Euro. Hinterlassen Sie uns dazu bitte Ihre eMail-Adresse am Ende der Befragung. Selbstverständlich werden alle Ihre Daten anonym behandelt. Um eine möglichst breite Streuung zu erhalten, weisen Sie bitte auch andere Personen auf die Umfrage hin.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

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