Börsenverein erforscht Unrechtsbewusstsein von Jugendlichen im Internet

Illegal, aber egal?

Kinder und Jugendliche sind intensive Mediennutzer: Sie hören Musik und Hörbücher, schauen Filme, spielen Online-Games, surfen im Internet und lesen Bücher. Diese Medien digital an Freunde und Fremde weiterzugeben, ist für sie heute eine Selbstverständlichkeit – auch wenn es illegal geschieht. Das zeigt eine Umfrage unter Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren, die der Börsenverein auf der Leipziger Buchmesse 2010 durchgeführt hat.

© Jaimie Duplass / istockphoto

Mehr als zwei Drittel der Befragten haben angegeben, schon einmal urherrechtlich geschützte Werke an andere weitergegeben zu haben - obwoh 87 Prozent wissen, dass dieser Datentausch im Netz verboten ist.
 
„Die Umfrage zeigt, wie wichtig es ist, über die Konsequenzen von File-sharing und Datendiebstahl zu informieren. Junge Leute sind die Zukunft des Buchmarkts. Wir müssen Wege finden, ihnen die Folgen ihres illegalen Handelns klar zu machen“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Neben Musik und Filmen werden zunehmend auch Hörbücher und E-Books illegal getauscht. Jeder fünfte Jugendliche hat ausgesagt, auch die persönliche Bibliothek durch Filesharing zu erweitern. Das verdeutliche auch die Dringlichkeit eines wirksamen Urheberschutzes im Internet. 
 
„Viele junge Leute glauben, sich Bücher illegal im Netz zu besorgen, sei etwas anderes, als einen Roman in der Buchhandlung zu stehlen. Da fehlt ihnen jedes Unrechtsbewusstsein. Hier müssen wir Aufklärungsarbeit leisten“, so Skipis. Auch wenn 87 Prozent der befragten Jugendlichen bewusst ist, dass sie beim Filesharing gegen das Gesetz verstoßen, empfinden rund 45 Prozent den Datentausch nicht als falsch. Doch: Rund zwei Drittel fürchten strengere Verfolgungen, wenn sie entdeckt werden, und haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie Daten unerlaubt weitergeben. Gleichzeitig hat Bestrafung für Filesharer unter Jugendlichen aber durchaus Akzeptanz: Mehr als die Hälfte würde es befürworten, wenn andere Filesharer erwischt würden. 
 
Die Umfrage des Börsenvereins ist Teil eines aktuellen Forschungsüberblicks zum Unrechtsbewusstsein von Jugendlichen. Sie wurde auf der Leipziger Buchmesse 2010 durchgeführt, 313 Jugendliche haben teilgenommen. Der Forschungsüberblick mit den zentralen Ergebnissen der Umfrage kann heruntergeladen werden unter:

Schlagworte:

Mehr zum Thema

5 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Jan

    Jan

    "Datentausch im Netz verboten"
    Das ist doch totaler Unsinn. Datentausch ist doch nicht generell verboten. Auch Filesharing ist nicht generell verboten.

  • Lächerlich! Sollen sie sich doch dem Gejammer von Burda und der Musikindustrie anschließen.

    Aber sie sehen ja nur was sie sehen wollen. Dass Filesharer im Schnitt mehr Produkte kaufen will die Industrie ja auch nicht kapieren. Stattdessen wird unverkäuflicher Ramsch auf den Markt geworfen, und danach wird der schlechte Umsatz auf die pösen Filesharer abwälzt.

  • KeinSharer

    KeinSharer

    Was für ein Witz! Aufklärungsarbeit leisten! Das funktioniert schon bei Rauchern nicht und soll nun den Buchhandel vor den Internetgewohnheiten Halbwüchsiger schützen? Diese Meldung ist doch wohl eine Karikatur ihrer selbst...

  • cri

    cri

    Legal, aber egal?
    http://subkontent.at/stories/2197/

  • Thomas Knip

    Thomas Knip

    "Wir müssen Wege finden, ihnen die Folgen ihres illegalen Handelns klar zu machen"

    Es wäre für eine weitere Argumentation hilfreich, die Folgen dieses Handels auch klar zu benennen. Nur ist das eben die Krux. was sollen die Folgen denn sein?

    Dass weniger Menschen schreiben? Das ist unwahrscheinlich. Allen medialen Zerstreuungen zum Trotz (seit Einführung des Kinos) wird mehr geschrieben als zuvor.
    Dass Verlage und Buchhandlungen ihre Pforten dicht machen? Das tun sie bereits seit Jahren, schon lange, bevor illegale Kopien überhaupt ein Thema waren.
    Dass weniger veröffentlicht wird? Bei 90.000 Neuerscheinungen pro Jahr mit viel Ausschuss kann man nur sagen: Zeit wird's!
    Dass Verlage ihren Autoren weniger zahlen können? Das ist möglich. Es kann allerdings ohnehin nur ein Bruchteil aller heute tätigen Autoren alleine vom Schreiben leben. Der größte Teil muss auch ohne Filesharing einem geregelten Beruf nachgehen. Für die meisten ist es kaum mehr als ein nettes Zubrot.

    Natürlich hat die illegale Verbreitung von Büchern Auswirkungen. Aber zuerst sollte überprüft werden, welche Auswirkungen das sind, bevor man argumentativ aktiv wird. Jugendliche alleine mit der Angst vor Strafe zu "überzeugen", das funktioniert nicht. Das wäre auch das erste Mal in der Geschichte der Menschheit ...

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld