Siegeszug der Netzwerke?

Vernetzen ist Trend! Seien es die Fachschaften der Buchwissenschaftsstudiengänge, „Oldies“ wie die Bücherfrauen oder Initiativen wie "Ich mach' was mit Büchern"  –  immer mehr Buchmenschen suchen sozialen Anschluss nicht nur in der digitalen, sondern auch in der realen Welt. Dass auch hier nicht alles Gold ist, was glänzt, zeigt Hanna Hartberger am Beispiel der Gruppe Franken der Jungen Verlagsmenschen.

Hanna Hartberger

Hanna Hartberger © Cornelius Wachinger

Das Netzwerk der Jungen Verlagsmenschen, das vor kurzem seine zweite Mitgliederversammlung durchführte, ist im Moment äußerst erfolgreich: Mailinglisten mit Jobangeboten, Stammtische, Exkursionen, die Facebook-Gruppe – gerade junge Menschen sind begierig darauf, sich mit Gleichaltrigen, die in der selben Branche arbeiten, auch außerhalb der Buchmessen zu treffen. Einerseits, weil alle ähnliche Probleme haben und sie sich hier Rat holen oder zumindest austauschen können, und andererseits, weil sie ganz nebenbei auch nützliche Geschäftskontakte knüpfen können.
 
Immer weniger "Brancheninterne“
Problematisch ist das allerdings in strukturschwachen Gegenden. Der regelmäßig in Erlangen stattfindende Stammtisch Franken erfreut sich zwar ebenso wie das Gesamtnetzwerk reger Beliebtheit – jedoch vor allem von Studenten des Erlanger Buchwissenschaftsstudiengangs. Die „richtigen“ Verlagsmenschen, die Volontäre, Azubis oder Young Professionals, waren bei den letzten Treffen – anders als zu Beginn – nur spärlich vertreten. Grund dafür ist laut Daniela Bertram aus dem Orga-Team, dass die Terminfindung schwierig ist, da die Verlage vieler Teilnehmer über ganz Franken verstreut angesiedelt sind und die Gäste teilweise eine weite Anfahrt zurücklegen müssen. Eine weitere Erschwernis ist die Tatsache, dass Franken nicht gerade eine "Verlagshochburg“ ist.
 
Viel Hype um nichts?
Aber sind Entfernungen und andere Termine wirklich das einzige Problem? Oder überdauerte die anfängliche Begeisterung einfach nicht? Es scheint, als wäre Netzwerken ein gehypter Trend, einer, den zwar alle total wichtig finden, aber der letztendlich doch nur zweimal jährlich auf den Buchmessen wirklich vollzogen wird. Das Alltagsgeschäft besiegt das ehrenwerte Ziel, das auf Dauer nur unterstützenswert erscheint, wenn es keine zusätzlichen Ressourcen fordert. Was sich in Großstädten durch eine viel größere Zahl potenzieller Teilnehmer überdecken lässt, kommt in strukturschwachen Regionen deutlich zum Vorschein.
 
Prinzipiell wäre das Internet eine gute Alternative zu realen Stammtischen. Immer mehr spielt sich im digitalen Raum ab, wo insbesondere räumliche Entfernungen nicht mehr ausschlaggebend sind.
 Doch dort zeichnet sich auf lange Sicht lediglich eine sehr oberflächliche Auseinandersetzung ab: So sind Grüße Hinterlassen und Selbstmarketing durch Statusmeldungen ein allseits beliebter Sport, während intensivere Auseinandersetzungen mit Branchenthemen in sozialen Netzwerken oder Foren nur selten zu verfolgen sind. Blogs erfüllen zwar eine wichtige Funktion zur Meinungsbildung, haben aber im Bereich von Meinungsaustausch nur eine begrenzte Wirkung.
 
Wie es weitergeht …

Lohnt es sich also, die Idee eines fränkischen Netzwerks weiterzuverfolgen? Bisher beantwortet das engagierte Orga-Team um Sebastian Sabors diese Frage eindeutig mit „Ja“. In dem einen Jahr des Bestehens wurden bereits zwei Exkursionen organisiert, zu denen es jeweils positive Rückmeldungen seitens der Teilnehmer gab. Bei den Stammtischen ist die Atmosphäre freundlich und angenehm und Ideen der Teilnehmer werden gerne aufgegriffen. Trotzdem sind jetzt gerade die Teilnehmer gefragt – solange sie nicht wieder zahlreicher einen langen Weg auf sich nehmen, kommt das Konzept eines Netzwerks nicht mehr zum Tragen.

7 Kommentar/e

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  • Tine Mikliss

    Tine Mikliss


    Netzwerken als Hype zu begreifen, ist meines Erachtens etwas kurz gegriffen. Denn Netzwerken hat es schon immer gegeben, in bestimmten Branchen mehr, in anderen weniger, nur die "Austragungsorte"
    haben sich verändert bzw. sich zB dem Social-Media-Trend angepasst.
    Zudem finde ich den doch pessimistischen Ton nicht ganz angemessen. Es ist klar, dass ich als aktiver "Junger Verlagsmensch" eine Lanze für das ganze Unternehmen breche, aber dies auch aus dem Brustton der Überzeugung, denn ich kann beim besten Willen nichts schlechtes daran erkennen.
    Weder an der Tatsache, dass sich bei den Treffen der Jungen Verlagsmenschen mal mehr, mal weniger Branchennachwuchs zusammenfindet, noch an dem zweiten Umstand, dass die Teilnehmerzahl dieser Treffen schwankt.
    Zum ersten Punkt: Das Netzwerk Junger Verlagsmenschen trägt zwar den Branchennachwuchs im Namen, richtet sich aber an sämtliche Interessierte, also auch Studenten etc., denn gerade diese offene Struktur ist ein wesentliches Merkmal des Netzwerks und soll einen regen und vor allem vielseitigen Austausch befördern und verhindern, dass man nur "inzestuöse" Vernetzung betreibt.
    Zum zweiten Punkt: Gerade Ortsgruppen wie Franken oder auch Hildesheim-Hannover-Göttingen profitieren einerseits von dem Zusammenkommen verschiedener Städte/Verlage in ihrer Region, aber natürlich birgt dies auch Probleme der Infrastruktur, was zur Folge hat, dass mal mehr, mal weniger kommen und mal diese, mal jene.
    Aber das ist das "Schicksal" eines Netzwerks.
    Es lässt sich nicht festlegen, ist in Bewegung und ist nur das, was Ihr draus macht!

  • Marion Voigt

    Marion Voigt

    Netzwerken ist überlebenswichtig, ganz klar. Ob Junge Verlagsmenschen, Alte Buchmänner oder Bücherfrauen: jedem sein Gewebe. Am besten mehrere und auf verschiedenen Ebenen, gerade auch über die Region und den eigenen Arbeitsbereich hinaus. Es kommt nicht so sehr darauf an, wie viele an einem Abend zusammenkommen, sondern was jeder Einzelne mitbringt - und weiterträgt, oder?

  • Frauke Ehlers

    Frauke Ehlers

    Ein Blick auf die BücherFrauen Regionalseite kann vielleicht auch Anregung sein, um in den "strukturell - schwächeren" Gebieten, den einen oder anderen Themenabend gemeinsam zu gestalten.Bei den Stuttgarter BücherFrauen und den JVM gibt es da schon regen Austausch und in anderen Städten meines Wissens auch.
    http://www.buecherfrauen.de/index.php?seite=Region al

  • Katharina Scholz

    Katharina Scholz

    Liebe Hanna,

    trotz mehrmaligem Lesen verärgert mich dein Beitrag. Dabei vor allem der (wahrscheinlcih absichtlich) polarisierende Text zu Beginn. Ich mochte es noch nie, wenn sich Leute über Zustände beschweren, aber dann doch nicht das Heft in die Hand nehmen, um diese zu ändern. So funktioniert ein Netzwerk aber nicht. Sondern nur durch die Mitglieder, die die Dinge auch mal selbst in die Hand nehmen, um eine Veränderung zu erzielen. Wie du in deinem Beitrag bemerkt hast gibt es viele verschiedene Netzwerke und diese als "Trenderscheinung" zu bewerten ist (wie Tine bereits anmerkte) total unterschätzt. Nicht umsonst gibt es Netzwerke sowohl im Geschäftsleben als auch an Hochschulen, die seit Ewigkeiten existieren. Durch deinen Beitrag unterschätzt du auch die Arbeit derjenigen, die eben gerade versuchen in einer "verlagsärmeren" Gegend einen Stammtisch zu etablieren.
    Aus eigener Erfahrung kann ich immer nur wieder jedem raten sich einzubringen. Das bringt einen immer weiter und das sowohl in beruflicher als auch privater Hinsicht.

    Viele Grüße aus München
    Katharina

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    Hallo zusammen,

    vielleicht sind ein paar Enden des Artikels (der durchaus polarisieren sollte, wie du richtig bemerkt hast, Katharina) zu scharf geraten. Aber ich habe eben durchaus miterlebt, dass das Orga-Team in Franken ganz viele tolle Sachen gemacht hat, die nach den ersten ein oder zwei Malen einfach nur mehr wenig von "Leuten aus der Branche" wahrgenommen wurden. Versteht mich nicht falsch, ich finde das wirklich schade, aber um meine Kommilitonen zu treffen, brauche ich keinen JVM-Stammtisch - ich hatte mir von den JVM Franken eigentlich viele interessante Kontakte erhofft und bin mittlerweile recht enttäuscht, dass da nicht mehr darauf wurde (bzw. im Moment nicht mehr ist, ich möchte nicht abstreiten, dass sich das jederzeit wieder ändern kann). Und es gab da auch nichts, was ich besser als das Orga-Team hätte machen können bzw. anders gemacht hätte, weswegen ich es hier nicht für nötig gehalten habe, mich einzubringen. Mir diesen Vorwurf zu machen, finde ich sowieso nicht fair, weil es mir u.a. auch darum geht, durch diesen Beitrag eine Diskussion anzustoßen und dadurch vielleicht ein paar zum Nachdenken oder auch zum Wiederkommen zu ermuntern.

    Kurzum: Ich bin durchaus JVM-Mitglied, das auch sehr gerne, bin nur einfach von der Durchsetzung des Konzepts in strukturschwächeren Gegenden noch nicht überzeugt. Gerade deswegen bin ich Frauke für den Vorschlag der Zusammenarbeit mit anderen Netzwerken dankbar und werde ihn gerne mal weitergeben.

  • Sebastian Sabors

    Sebastian Sabors

    Hallo zusammen,
    also ich finde den Ton des Artikels nicht scharf. Hanna sagt ja nicht, dass sie das Netzwerken oder die JVM schlecht findet (sonst würde sie ja selbst nicht immer zu den Treffen kommen), sondern fragt nur kritisch, warum das Netzwerk hier in der Region eben nicht richtig funktioniert. Oder tut es das? Ich resümiere mal:
    Vor dem ersten Treffen haben wir alle Verlage in Franken angeschrieben, die über die Branchenverzeichnisse zu finden waren. Mein Vorstellungstext der Franken-Gruppe (siehe Link oben) spiegelt die Vielfalt des ersten Treffens wieder, es waren wirklich die unterschiedlichsten Verlage, Abteilungen und Menschen vertreten. Wir haben abgestimmt, dass die Treffen immer sonntags stattfinden sollen, damit die Leute mit den weiten Entfernungen nach der Arbeit in der Woche keinen Stress haben. Und wg. der verlagsstrukturschwachen Region haben wir uns auf einen quartalsmäßigen Turnus geeinigt. Außerdem haben wir als Team auf dem Treffen vorgeschlagen, dass wir uns abwechselnd in den Städten bzw. direkt in den Verlagen treffen könnten, so wären wir geografisch allen entgegen gekommen und hätte immer einen neuen Verlag kennengelernt.
    Beim zweiten Treffen im November haben wir als Orga-Team, die alle im Michael Müller Verlag arbeiten, vorgelegt und ein Treffen bei uns im Haus organisiert. Sowohl dieses Treffen als auch das nächste beim Ars Vivendi Verlag in Cadolzburg im März waren erkenntnisreich, die Teilnehmer haben das bestätigt und waren sehr zufrieden. Aber wie Hanna richtig beschreibt, kamen größtenteils Buwi-Studis aus Erlangen, was wir im Orga-Team ja auch noch sind, ergo: Wir kennen uns größtenteils alle und braten somit immer etwas im eigenen Saft. Die Treffen sind immer nett, es gibt gute Gespräche und es ist auch Austausch da, aber es fehlt irgendwie der frische Wind. Klar, in der Idee eines Stammtischs steckt auch die Beständigkeit und das ist auch was Gutes. Aber ich stimme Hanna zu, meine Buwi-KommilitonInnen kann ich auch woanders treffen. Und die Leute aus den unterschiedlichen Verlagen, die beim ersten Treffen waren, haben sich auf unsere Mails zum großen Teil nicht mehr gemeldet. Ich habe mehrmals per Mail um Einmischung und Vorschläge gebeten und rumgefragt, in welche Verlage wir noch zu Besuch kommen könnten, leider keine Antworten. So ein Netzwerk lebt auch von der Beteiligung aller, sonst wird es mühsam. Oder erwarte ich zuviel?
    Ich will unsere Arbeit auch nicht unterschätzen (und das tut Hanna meiner Meinung nach auch nicht, Katharina), denn es gab auch Erfolge in der „Jobvermittlung“, ich weiß von zwei freien MitarbeiterInnen und einem Minijob, die durch unser Netzwerk vermittelt wurden.
    Aber ich weiß auch nicht mehr recht weiter. Sollen wir das dritte Mal alle Verlage in Franken anschreiben? Die info@-Mails bleiben doch trotz bitte um Weiterleitung an die jungen Leute im Verlag oft hängen. Eine Anfrage an die Bücherfrauen zu einem Koop-Abend kann sicher nicht schaden, die Idee finde ich gut. Das ganze Orga-Team steckt zur Zeit im Magisterarbeitsstress, aber ein Treffen vorm Jahresende soll es auf jeden Fall noch geben. Dann sollten wir über die Zukunft und unsere Erwartungen diskutieren. Auch in der Hinsicht, dass ich z. B. im nächsten Jahr nicht mehr in Franken sein werde und die Zukunft meine Mitstreiterinnen nach dem Abschluss ja auch noch offen ist. Spätestens Mitte 2011 muss das Team also zumindest teilweise neu besetzt werden.
    Also, das war mein Resümee. Es bleibt alles anders, aber wir arbeiten dran.
    Über weitere Kommentare mit guten Ideen würde ich mich freuen,
    Euer Sebastian

  • Marion Voigt

    Marion Voigt

    Liebe Hanna, lieber Sebastian,
    hier ein Nachtrag zum Thema "Netzwerke vernetzen". Es gibt in der Region Nürnberg sowohl die BücherFrauen (siehe Kommentar von Frauke Ehlers) als auch den Lektorenverband (http://www.vfll.de). Da sollte diversen Kooperationen nichts im Wege stehen – zumal das Jahresthema 2011 der BücherFrauen lautet: Perspektiven für den Branchennachwuchs. Also dann!
    Herzliche Grüße, Marion

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