Urheberrecht

Börsenverein: Urheberrechtsverständnis von Hochschulen gefährdet Zukunft von Lehr- und Fachbüchern

Der Börsenverein begrüßt die Klage des Alfred Kröner Verlags gegen die Fernuniversität Hagen, mit der grundsätzlich geklärt werden soll, welche rechtlichen Vorgaben Hochschulen beachten müssen, wenn sie urheberrechtlich geschützte Werke für Forschung und Lehre zugänglich machen.

© René Mansi/ istockphoto

Der Verlag wehrt sich dagegen, dass mehrere Kapitel des von ihm veröffentlichten Fachbuchs „Meilensteine der Psychologie“ Tausenden von Studenten im Intranet der Fernuniversität ohne Genehmigung kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Im Internet hatten sich Studenten zuvor darüber ausgetauscht, dass eine Anschaffung des betroffenen Titels aus diesem Grund nicht nötig sei. „Wenn wissenschaftliche Autoren und Verlage hochwertige Lehr- oder Fachbücher entwickeln und diese von den Hochschulen verwendet werden, sollten sie dafür auch gerecht vergütet werden“, sagt Dr. h.c. Karl-Peter Winters, Vorsitzender des Verleger-Ausschusses im Börsenverein. „Alles andere ist eine Enteignung geistigen Eigentums unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit.“
 
Im konkreten Fall hatte ein Autorenteam ein neuartiges Fachbuchkonzept zur Geschichte der Psychologie umgesetzt, das der Kröner Verlag mit hohem Aufwand in den Markt eingeführt hatte. Die Fernuniversität Hagen hatte ihren Psychologie-Studenten den Zugang zu 91 Seiten – rund einem Fünftel – dieses Fachbuchs ermöglicht, ohne dafür die Genehmigung des Verlages zu haben. Die entsprechenden Inhalte konnten dabei nicht nur über eine eigene Lernplattform aufgerufen, sondern auch auf eigene Speichermedien kopiert werden. Die Fernuniversität berief sich darauf, dass dieses Vorgehen durch § 52a Urheberrechtsgesetz gedeckt sei. Der Verlag reichte nach erfolgloser Abmahnung jetzt eine Unterlassungsklage gegen die Fernuniversität Hagen ein.
 
Das Lehr- und Fachbuchgeschäft der Wissenschaftsverlage hat sich seit dem Inkrafttreten von § 52a Urheberrechtsgesetz im Jahr 2003 in dramatischer Weise verschlechtert. Der Grund: Der Paragraf erlaubt Bildungsinstitutionen, kleine Teile von veröffentlichten Werken ohne vorherige Erlaubnis durch den Rechteinhaber zu Unterrichts- und Ausbildungszwecken zu nutzen. Umstritten ist dabei, welche Reichweite die Vorschrift hat und wie sie im Einzelnen zu verstehen ist. Problematisch für Autoren und Verlage ist auch, dass Bund und Länder trotz der im Gesetzestext verankerten Pflicht zur angemessenen Vergütung der Rechteinhaber bislang kein Geld für die Nutzungen von Lehr- und Fachbüchern gezahlt haben. Der schon vor seinem Inkrafttreten heftig umstrittene § 52a Urheberrechtsgesetz ist vorerst bis Ende 2012 gültig. Börsenverein und Wissenschaftsverlage haben in der Zwischenzeit alternative Lizenzmodelle entwickelt und erwarten vom Gesetzgeber, dass die Vorschrift ersatzlos gestrichen wird.
 
Link zur Klageschrift:

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7 Kommentar/e

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  • Ruth Schell

    Ruth Schell

    Jetzt schlägt eben das Pendel zurück. Jahrzehnte lang haben Verlage von verbeamteten Professoren Bücher verlegt, die dann von der eigenen Universitätsbibliothek gekauft werden mussten.

    Verlage haben somit jahrelang Steuergelder kassiert. Sie brauchten fast bis keine Autorengelder zahlen - die Damen und Herren bekommen ja Dienstbezüge - und boten dann die Werke auch noch zu unverschämt hohen Preisen an.

    Man stelle sich dies in der freien Wirtschaft vor. Dort ist es üblich, dass der Angestellte die Verwertung seiner Werke grundsätzlich dem AG überlässt.

    Hoffen wir das auch nun endlich die Verlage und vor allem der Börsenverein begreift, dass wir im Internetzeitalter leben.

    Mögen Sie nun begreifen, dass ihr Geschäftsmodell - klassisches Buch eine Inovationsbremse ist und das Festhalten daran nunmehr die Presse-, Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit enorm behindert.

  • InternetKannNichtMehrAusgeschaltetWerden

    InternetKannNichtMehrAusgeschaltetWerden

    Ja, vielleicht sollte man einfach von solchen Verlagen nichts mehr erwerben. Wenn keine Bibliothek kein Student mehr ein Buch von Kröner kauft hat dies sicher Signalwirkung in die richtige Richtung.

  • Schelm

    Schelm

    @1) Ja, die bösen Verlage, also ehrlich: Seit es sie gibt sind die Wissenschaften in Forschung und Lehre gebremst, wenn nicht sogar blockiert. Nirgendwo Fortschritt, nirgendwo Entdeckungen, keine Entwicklung, einfach grauenhaft.

    Dann diese gerissenen Lektoren, die Professoren zwingen Bücher zu schreiben, das war wirklich unerträglich. Endlich spricht es mal jemand aus.

    Und die Buchpreise sind das allerhöchste: Statt daß die Verlage die Auflagenhöhen von Fachbüchern so machen, wie es z.B. Harry Potter vorlebt, und man dann entsprechend geringe Preise kalkulieren kann, nene, machen die einfach kleine Auflagen zu hohen Preisen. Skandal! Können die nicht betriebswirtschaftlich denken?

  • Markus Groß

    Markus Groß

    @1 ...genau .. Steuergelder kassiert. Aber Frau Schell, Sie denken nicht weit genug: Wozu soll denn der Stadt überhaupt all die (angehenden) Akademiker - selbst die Schmalspurigsten mit Steuergeldern alimentieren? Uni-Bibliotheken gehören GESCHLOSSEN, den Herren Professoren gehört die Veröffentlichung von Büchern bei Verlagen VERBOTEN (die haben doch Zeit UND werden vom Staat bezahlt...sollen sie den Studies die Texte doch vorlesen oder von ihren Assistenten ABSCHREIBEN lassen.. ODER wir machen es wie in der freien Wirtschaft ... aber von der haben Sie so OFFENSICHTLICH nicht die geringste AHNUNG, dass ich Ihnen das jetzt nicht auch noch erkläre... sonst wärs nachher ein Buch geworden ..und ohne Steuergelder, tue ich NIX

    @2 ..auch sehr SCHLAU .. nix mehr von den pösen Verlagen die für ihre verlegten Bücher auch noch richtig EKLIGES Geld verlangen ..bäh...


  • AnonymerSurfer

    AnonymerSurfer

    Die Polemik der letzten Beiträge spricht wohl für sich (und gegen die Autoren).

    Klar haben die (Wissenschafts-)Verlage in der Vergangenheit eine wichtige Funktion erfüllt. Die wird aber heute nicht mehr gebraucht. Wenn früher ein Autor gelesen werden wollt, mußte er sich einen Verlag suchen und evtl. noch dafür bezahlen, daß sein Werk gedruckt wurde. Heute kann/könnte er es einfach auf einen Hochschulschriftenserver legen.

    Leider funktioniert das noch nicht überall so wie es sein könnte aber die Tendenz geht klar in diese Richtung.
    Ich kann deshalb nur hoffen, daß die Konsequenz aus solchen Prozessen ist, daß Studenten ihre Professoren drängen, die nächsten Veröffentlichungen ohne Verlag zu machen und direkt online zur Verfügung zu stellen. Irgendwann wird es dann für Wissenschafler zum guten Ton gehören, es so zu machen und das alte Verhalten einen asozialen Beigeschmack bekommen.

    Dann ist auch das letzte Argument für die bisherige Verlagspublikation weg, nämlich daß diese bisher mehr Anerkennung bringt. Rein finanziell hat es ja noch nie einen Anreiz gegeben (ausser für absolute Star-Autoren, die wirklich Geld mit Büchern verdienen). Insofern finde ich es auch immer sehr heuchlerisch, wenn von einer Enteignung der *Autoren* gesprochen wird. Die sind ja viel eher von den Verlagen enteignet (sprich: die einzigen, die an den Werken der meisten Autoren verdienen, sind die Verlage).

    Daß solche wünschenswerten Entwicklungen den Verlagen nicht gefallen ist klar und deshalb auch die Panikmache, daß Verlage in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet seien. Das sind sie tatsächlich aber nicht durch "fair use" sondern einfach durch die technische Entwicklung. Die Klammerung an alte Besitzstände erinnert mich sehr an britische Gewerkschaften, die noch weit ins Zeitalter der E-Loks hinein durchgesetzt haben, daß ein Heizer mitfährt (und natürlich bezahlt wird). Sowas brauchen wir nun wirklich nicht mehr.

    (all das gilt natürlich nur für Wissenschaftsliteratur, für Belletristik sieht die Sache vollkommen anders aus)

  • Ruth Schell

    Ruth Schell

    Freier Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen ist nicht mehr aufzuhalten.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Freier-Zuga ng-zu-wissenschaftlichen-Veroeffentlichungen-gefor dert-1168057.html

    Wie man den Buchdruck nicht verhindern konnte, kann man auch nicht das Internet abschalten.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Wunderbar. Die Kommentare zum Thema sind genau so kenntnisarm und dumm wie 2010 und 2009 und 2008... Da ist das Jahr 2011 ganz umsonst gekommen.

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