Aufbau und Eichborn gehen zusammen

Liebesheirat oder Ertrinkende

Es war eine kuriose, unterhaltsame Pressekonferenz, zu der die Verlage Aufbau und Eichborn nach Berlin eingeladen hatten. Denn es wurde viel geredet, aber wenig gesagt. VON HOLGER HEIMANN

Ludwig Fresenius und Matthias Koch

Ludwig Fresenius und Matthias Koch © Eberhard Schorr

Stephan Gallenkamp, Eichborn-Vorstand

Stephan Gallenkamp, Eichborn-Vorstand © Eberhard Schorr

Tom Erben, Geschäftsführer Aufbau Verlag

Tom Erben, Geschäftsführer Aufbau Verlag © Eberhard Schorr

Eichborn-Mehrheitsaktionär Ludwig Fresenius erzählte davon, dass er seiner Frau zuliebe immer mehr Eichborn-Aktien gekauft habe. Und dass er diese nicht an den Erstbesten verkaufen wolle. Seine Frau möge nun einmal Bücher, so wie er den Wein. Und sein Weingut, das veräußere er schließlich auch nicht.  Ein bisschen verkaufen will er aber doch und in Aufbau-Mehrheitsgesellschafter Matthias Koch hat er offenbar seinen Lieblingskäufer gefunden. Seit rund zwei Jahren seien beide Verlage schon im Gespräch – über Kooperationsmöglichkeiten zunächst. Jetzt haben sich die Dinge beschleunigt, weil sich die Gerüchte über die dramatische Schwäche von Eichborn und mögliche Käufer, zuletzt soll Lübbe ein Angebot gemacht haben, nicht mehr eindämmen ließen. Die Flucht nach vorn führte nun am Freitagmorgen direkt in einen der Räume des zur Zwischenmiete bezogenen Aufbau-Sitzes in der Lindenstraße in Kreuzberg.

Es könnte ganz einfach sein, „eine Liebesheirat“, wie Koch, der dabei beinah wie ein Verliebter dreinblickte, sagte. Wäre da nicht die komplizierte Aktionärsstruktur der Eichborn AG. So könnte Fresenius zwar seinen Aktienanteil veräußern („75 Komma“, wie er sagte), aber dann blieben immer noch knapp 25 Prozent, die sich in Streubesitz befinden. Diese Aktionäre müssen nun gleichsam davon überzeugt werden, dass es sich lohnt, mit Aufbau zusammenzugehen und den Verlag nach Berlin zu transferieren.

Es muss also einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden beziehungsweise ein gutes Übernahmeangebot zum Kauf der anderen Aktien, deren Wert jetzt nach oben gehen dürfte, auf den Tisch. Den kompliziertesten Balanceakt in der Berliner Runde hatte Eichborn-Vorstand Stephan Gallenkamp zu vollführen, die Anspannung war ihm durchaus anzumerken. Er begrüßte zwar ganz offiziell die Kooperation von Aufbau und Eichborn (zunächst nur auf Vertriebsebene) und auch die Absichtsbekundung seines Mehrheitsaktionärs zu mehr als nur einer Kooperation. Er ist aber auch den anderen Aktionären verpflichtet und muss also erst deren Votum auf der nächsten Aktionärsversammlung, die jetzt einberufen wird und in ca. zwei Monaten stattfinden soll, abwarten. Zudem hat er sich gegenüber einem Aufsichtsrat zu behaupten, der dem Vernehmen nach die Entscheidung für Aufbau und Berlin nicht einstimmig begrüßt.

Matthias Koch muss sich um derlei Dinge nicht im Detail kümmern. Sein Ziel ist es, beide Verlage unter einem Dach, dem des Aufbau-Hauses am Moritzplatz, das Koch gerade umbauen lässt,  zu versammeln, möglichst noch in diesem Jahr. Schon im Mai soll hier die Aufbau-Belegschaft einziehen. Welche Struktur für den Verbund der GmbH & Co. KG Aufbau und der Aktiengesellschaft Eichborn gefunden werden kann und passend ist, das sollen Anwälte ausklügeln.

Wie viele seiner Anteile Fresenius vorerst und zu guter Letzt verkaufen, wie viel Koch kaufen will, war vorerst nicht zu erfahren. Offenbar aber plant Fresenius sich zunächst nicht ganz aus dem Verlagsgeschäft zurückzuziehen. Als „Berater“ oder „Aufsichtsratsmitglied“ könnte er fungieren. Das aber sagte Matthias Koch.

Für Koch und den Aufbau Verlag ist das Investment beinah ebenso notwendig, wie für Fresenius und Eichborn der Verkauf. Zwar sagte Koch: „Wir sind nicht zwei Ertrinkende, die sich aneinander klammern.“ Doch auch Aufbau braucht nach der Sanierung des Verlags dringend weitere Impulse. Für das Haus mit einem geplanten Jahresumsatz von 14 Millionen Euro werde es immer schwieriger, sich gegenüber den Buchhandelsfilialisten zu behaupten und im Gerangel um lukrative Lizenzen mit den Konzernverlagen mitzuhalten, sagte Programmgeschäftsführer René Strien. Gemeinsam mit Eichborn könne man aber schon 2011 einen Umsatz von 25 Millionen Euro erreichen und somit deutlich mehr Gewicht in die Waagschale werfen. Fraglich ist nur, ob das schon als Schwergewicht anerkannt wird.

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