Standpunkt: Wissenschaftsförderung

Planwirtschaft

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft stärkt weder den Eigensinn des Wissenschaftlers, noch stellt sie sich schützend vor ihn. Die Auswirkungen sind katastrophal. Meint der Stuttgarter Verleger Matthias Ulmer.

Matthias Ulmer

Matthias Ulmer © Ferdinando Iannone

In Berlin veranstalteten Anfang Juli fünf Personen, der Geisteswissenschaftler Roland Reuß, der Jurist Volker Rieble, der Bibliothekar Uwe Jochum sowie die Verleger Georg Siebeck und KD Wolff, ein Tribunal, auf dem sie in vier ausführlichen Anklagereden grundsätzliche Kritik an der DFG, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, vortrugen. Sie kritisieren, dass die DFG entgegen ihrem Auftrag in einer Weise in die Wissenschaft eingreift, dass eine freie, unabhängige Forschung nicht mehr möglich ist, dass eine ideologisch motivierte Wissenschaftslenkung stattfindet, die verfassungswidrig ist und sich gegen jede Kritik und jede Überprüfbarkeit ihres Handelns mit satzungsrechtlichen Begründungen immunisiert.

Die DFG wurde 1951 gegründet um die Forschungsförderung der Selbstverwaltung der Wissenschaft zu überlassen und sie von politischer Einflussnahme abzuschirmen. Das war eine Reaktion auf die Erfahrungen des Dritten Reichs, in dem Forschung gleichgeschaltet worden war und Wissenschaftler nur noch dann eine Chance hatten, wenn sie der herrschenden Ideologie nach dem Mund redeten.

Es war folgerichtig, die Vergabe von Geldern der Politik zu entziehen, um Ideologien von der Forschungsförderung fernzuhalten. Wenn allerdings die Ideologie nicht mehr von politischen Parteien ausgeht, sondern von der Spitze der DFG selbst, dann bekommen die Strukturen der DFG, ihre Kritikfähigkeit, ihre Offenheit, ihre Transparenz und die Freiheitsgrade, die sie Wissenschaftlern lässt, besondere Bedeutung.

Oberstes Ziel jeder Wissenschaftsförderung sollte die Stärkung des Eigensinns der forschenden Individuen sein. Die in der DFG ausgeübte zentrale Planung gibt dagegen originellen Forschern keine Chance mehr, auf neue Herausforderungen schnell zu reagieren. Die DFG gibt zentral Normen vor, nach denen Forschung gefördert werden kann. Und diese Normen basieren auf Gegebenheiten aus der Vergangenheit.

Da die Existenz von Forschern und ihren Mitarbeitern von den finanziellen Mitteln der DFG abhängig ist, weil diese fast den gesamten Forschungsetat von Bund und Ländern verwaltet, muss der Wissenschaftler seine Forschungsvorhaben genehmigungsfähig gestalten, sein Wissenschaftsethos dem Zwang unterwerfen, um im System Überlebenschancen zu haben.

Worin besteht nun die Ideologie? In den 70er Jahren waren die Naturwissenschaften gegenüber den Geisteswissenschaften vernachlässigt. Eine Verschiebung der Förderung war notwendig und führte zu Anpassungen der Vergaberichtlinien, die etwa die Anschaffung von Geräten für Labors förderte, die Arbeitsmittel für Geisteswissenschaftler, die Literatur, dagegen nicht.

Das Aushungern der Geisteswissenschaften hat inzwischen absurde Züge angenommen, wenn etwa Universitäten geisteswissenschaftliche Lehrstühle auflösen, um durch Umwidmung der Gelder auf die Naturwissenschaft bessere Chancen bei ihren Anträgen für die Exzellenzinitiative zu bekommen. Oder wenn die in den Naturwissenschaften zweifellos wichtigen digitalen Medien so gefördert werden, dass den Bibliotheken für die Anschaffung der für geisteswissenschaftliche Forschung notwendigen gedruckten Medien keine Gelder mehr bleiben.

In den 80er Jahren wurden die Wissenschaften zusätzlich dem Diktat der Ökonomisierung unterworfen. Die Gesellschaft erwartete höhere Effizienz von den Universitäten und diese ergaben sich in Ranking- und Evaluierungsprozesse, die den Wert einer Forschung nur noch am Output von Veröffentlichungen und der internationalen Zitationshäufigkeit dieser Veröffentlichungen maß.

Dieses Bewertungssystem mag in gewissem Maß Aussagen über naturwissenschaftliche Forschung treffen. Es erzwang in jedem Fall einen Wechsel in die international rezipierbare Wissenschaftssprache Englisch und erzeugte eine Abkehr von der angewandten Forschung hin zur Grundlagenforschung. Die Geisteswissenschaft blieb dabei weiter auf der Strecke.

Die DFG betreibt mit ihrer Mittelvergabe und den Anforderungen an Forschungsvorhaben eine gezielte Stärkung der Naturwissenschaften gegenüber den Geisteswissenschaften; sie greift in das Publikationswesen der Wissenschaftler ein, indem sie einen Wechsel vom gedruckten auf das digitale Medium erzwingt; sie arbeitet an der Errichtung einer zentralen wissenschaftlichen Publikationsplattform mit dem Zweck einer Eliminierung des wissenschaftlichen Verlagswesens. Und statt sich dem Wahn der Evaluierungen, Rankings und Exzellenz­initiativen aus der Politik zu erwehren und sich schützend vor ihre Wissenschaftler zu stellen, erzwingt sie die Unterordnung des Einzelnen unter diese wissenschaftsfernen Ideen.

Ein Gegensteuern, ein Ausbrechen aus dem Wahn des Rankens und Evaluierens, ist zwar Wunsch der meisten Wissenschaftler, die Vorgaben der Geldvergabe durch die DFG lassen ihnen aber keine Chance. Angesichts größter Ratlosigkeit in Politik und Wirtschaft bedarf die Gesellschaft der Geisteswissenschaften mehr denn je. Bei dem bestehenden System der Forschungsförderung wird sie diese aber, wenn überhaupt, dann erst in vielen Jahren bekommen.

Die Strukturen der Planwirtschaft in der DFG lassen eine schnelle Anpassung nicht zu. Sinnvoll wäre eine Zerschlagung dieser Planwirtschaft und eine Rückgabe der Verantwortung und der Gelder für die Forschungsförderung an die Universitäten und ihre Forscher. Ob mit der kleinen Lösung, der Forderung nach mehr Transparenz auf der einen Seite und weniger ausgeübter Forschungslenkung auf der anderen, eine Besserung erzielt werden kann, muss man sehen.

Die Reaktion auf die Kritik der vier Akteure erfolgte prompt. Der Präsident der DFG und einzelne in der DFG zusammengeschlossene Amtsträger verwarfen sie pauschal und ohne die Vorträge im Einzelnen zu kennen. Die angestoßene Diskussion wird die DFG aber kaum durch Dekrete zum Verstummen bringen können.

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38 Kommentar/e

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  • Leserin

    Leserin

    Lieber Herr Ulmer,
    bitte bieten Sie diesen Text auch einmal der FAZ oder einem vergleichbaren Medium zum Abdruck an!

  • Volker Hühn

    Volker Hühn

    Chapeau, lieber Herr Ulmer! Obwohl im eigenen Verlag der Naturwissenschaft verpflichtet, zeugen Ihre Zeilen von großem Weitblick. Denn darum soll es ja gerade NICHT gehen: die Wissenschaften gegeneinander auszuspielen.

  • Hugo

    Hugo

    Ich korrigiere mal den Artikel:

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft stärkt weder die Gewinnmaximierung der Verlage, noch stellt sie sich schützend vor sie. Die Auswirkungen sind katastrophal, eine Umverteilung von unten nach oben is alternativlos. Meint der Stuttgarter Verleger Matthias Ulmer.

  • Andrea Kamphuis

    Andrea Kamphuis

    Die Website der DFG ist klar gegliedert und macht allen, die ihre Informationen nicht ausschließlich aus den Artikeln von Herrn Jochum, Herrn Reuß und Herrn Ulmer beziehen möchten, zahlreiche Daten und Fakten zugänglich. Hier gibt es beispielsweise den 300-seitigen Jahresbericht 2010 (http://www.dfg.de/dfg_profil/jahresbericht/index. html), der Angaben zum Haushalt und zu den Förderprogrammen enthält. Der Statistik auf S. 162 ist beispielsweise zu entnehmen, dass die jahresbezogenen Bewilligungen für Projekte des Wissenschaftsbereichs Geistes- und Sozialwissenschaften von 2007 bis 2010 nicht nur absolut (219,7 Mio. -> 286,7 Mio. €) sondern auch relativ (14,0% -> 14,6%) kontinuierlich zugenommen haben - auf Kosten des Wissenschaftsbereichs Naturwissenschaften )25.4% -> 23,9%).

    Ein "Aushungern der Geisteswissenschaften"? Eine "gezielte Stärkung der Naturwissenschaften gegenüber den Geisteswissenschaften"? Oder doch eher das Gegenteil? Mein Tipp: nicht immer nur FAZ lesen!

  • Harald Leinweber

    Harald Leinweber

    Guten Tag!

    <Die DFG [] greift in das Publikationswesen der Wissenschaftler ein, indem sie einen Wechsel vom gedruckten auf das digitale Medium erzwingt>

    Na, Gott sei Dank! Endlich wird damit angefangen, die Unsitte zu beenden, zur Übermittlung von ein bißchen Text einen Wald abzuholzen, die Flüsse zu vergiften und die Straßen mit Fahrzeugen zu verstopfen, deren Ökobilanz auch nicht die zeitgemäßeste ist.

    Herrn Ulmer stört also, dass die DFG sich bemüht, zur Kenntnis zu nehmen, dass es heutzutage weit bessere (schnellere, billigere, einfachere) Wege des Informationsaustauschs gibt.

    Ob das wohl damit zusammenhängen könnte, dass Herr Ulmer ein Geschäftskonzept setzt, für das tote Bäume unabdingbar sind?

    Ja, wenn es Kalender gäbe, dann könnte an vieleicht wissen, dass wir im 21. Jahrhundert leben, aber leider gibt es die ja nicht.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

    Harald Leinweber

  • Peter Kamper

    Peter Kamper

    Der Verleger Ulmer schreibt: "Oder wenn die in den Naturwissenschaften zweifellos wichtigen digitalen Medien so gefördert werden, dass den Bibliotheken für die Anschaffung der für geisteswissenschaftliche Forschung notwendigen gedruckten Medien keine Gelder mehr bleiben."
    Alle geisteswissenschaftlichen Forscher, die ich kenne, arbeiten mit digitalen Medien. Herr Ulmer, kommen Sie bitte im 21. Jahrhundert an!

  • janna

    janna

    @ Andrea Kamphuis
    Super, danke für den Link!

    @ Harald Leinweber
    Genau das wollte ich sinngemäss schreiben, aber besser als Sie kann man es nicht auf den Punkt bringen und die Empörung des Herrn Ulmer relativieren.


  • Fred Weizenkeim

    Fred Weizenkeim

    @Harald Leinweber
    Nutzen Sie denn wenigstens Endgeräte aus nachwachsenden Rohstoffen und nutzen nur Serverkapazitäten, die mit Windenergie betrieben werden? Wegen der Ökobilanz...

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Alle geisteswissenschaftlichen Forscher die Sie kennen, Herr Kamper, arbeiten vermutlich auch mit Kaffeemaschinen.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Liebe Frau Kamphuis, das ist so toll an der Statistik, dass man alles damit darstellen kann. Ein erster Zweifel an Ihren Beispielzahlen könnte auftauchen, wenn man sieht, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften mit 280 Mio Euro von der jährlichen Fördersumme von 2,8 Mrd Euro kein sehr üppiges Stück bekommen. Dann könnte man prüfen, ob das in etwa der Relation der Studentenzahlen entspricht (natürlich nicht). Man könnte sich weiter fragen, warum eigentlich in der Statistik die Geisteswissenschaften mit den Sozialwissenschaften zusammengefasst werden. Und weiter, warum die Naturwissenschaften von den Life Science getrennt werden. Um nicht alles in der DFG Hochglanzpublkation nachzulesen könnte man mal bei Wikipedia unter Exzellenzinitiative nachlesen, um die Fördergewichtung zu prüfen. Dort finden sich auch weitere aufschlussreiche Links. Oder für die ganz eiligen wäre ein googeln nach Geisteswissenschaften und Exzellenzinitiative im Vergleich zu einer Suche nach Naturwissenschaften und Exzellenzinitiative möglich, ein Überfliegen der Titel gibt schon einen ersten Eindruck. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, das Thema Forschungsförderung und Geisteswissenschaften sich zu erschließen (das Thema Drittmittel wäre eine weitere Fährte). Entscheidend wäre aber, dass man das überhaupt will und nicht reflexartig reagiert, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

  • Leser

    Leser

    @ Kommentar Nr. 9
    Zitat Matthias Ulmer 20.7. 10 Uhr 55:
    "Manchmal ist es besser, man macht sich länger Gedanken und schreibt dann auch länger, als dass man etwas einfach so raushaut. "

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Hübsch. Aber am Ziel vorbei. Ich erkläre es Ihnen gerne: die Tatsache, dass heute jeder Forscher, auch Geisteswissenschaftler, mit digitalen Medien umgehen können sagt nichts darüber aus ob sie es wollen. Die Argumentation von Herrn Kamper war deshalb ebenso nichts sagend wie mein Hinweis auf Kaffeemaschinen. Gut, hab ich vielleicht zu viel gedacht. Ich mach's nächstes Mal einfacher.

  • janna

    janna

    Herr Ulmer, als Geisteswissenschaftlerin interessiert es mich: Warum glauben Sie, dass Geisteswissenschaftler nicht mit digitalen Medien umgehen wollen? Warum sollte jemand aus diesem Bereich - im Gegensatz zu den Naturwissenschaftlern - einem gedruckten Buch einem digital zugänglichen Buch den Vorzug geben?

  • Leser

    Leser

    Dank an Herrn Ulmer, jetzt habe ichs verstanden:
    die Geisteswissenschaftler würden auch lieber Filterkaffee trinken, sind aber Opfer des Zeitgeistes, der sie zu Maschinensklaven macht.
    Brilliante Analogie!

  • Peter Kamper

    Peter Kamper

    @ Herr Ulmer,

    mit dieser Art der Arroganz kann man natürlich auch Diskussionen abwürgen...

    Dass ein Verleger, der sein Geld mit teuer gedruckten Büchern verdient, nicht so die rechte Freude an den billigeren digitalen Büchern hat, ist verständlich.
    Aber für die Behauptung, die Geisteswissenschaftler WOLLEN das teuer gedruckte Buch und nicht die digital zugänglichen Versionen, hat ich schon gerne eine Begründung. Und ja, ich bin Geisteswissenschaftler.

  • Andrea Kamphuis

    Andrea Kamphuis

    "Entscheidend wäre aber, dass man das überhaupt will und nicht reflexartig reagiert, weil nicht sein kann, was nicht sein darf." - Ganz gleich, wie ich darauf nun wieder reagiere: Es wird sicher ein Reflex sein.

    Während die Diffamierung der DFG als verfassungsfeindliche Organisation, gefolgt von der Forderung nach ihrer Zerschlagung, offenbar voll in Ordnung geht und sicherlich eine kultivierte Debatte über Forschungsförderung in Gang setzen wird.

    Ich habe übrigens nie Fördermittel der DFG erhalten, bin auch nicht mit ihr blutsverwandt oder verschwägert. Mit Exzellenzinitiativen oder Förderantragsbürokraten bin ich nicht mal bei Facebook befreundet.

    Aber jedes derart durchschaubare Manöver zur Demontage des von der DFG geforderten Zweitveröffentlichungsrechts für die vom Steuerzahler finanzierten Wissenschaftler (sprich: Open Access) löst bei mir ... nein, keinen Speichelfluss, sondern Widerspruch aus, weil ich in meiner wissenschaftspublizistischen Arbeit - ganz überwiegend im Auftrag von Buchverlagen - dringend auf Open Access angewiesen bin. Wie übrigens Abertausende weiterer Publizisten, Ärzte, Dozenten, Studenten, Patientengruppen usw. auch.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Liebe Frau Kamphuis, ich hab im Artikel nicht über das Zweitveröffentlichungsrecht geschrieben, meine ich. Ich habe über Förderung geschrieben. Und die Entscheidung der DFG, die Publikationsweise zu beeinflussen und eine bestimmte Form vorzugeben ist ein Eingiff in verfassungsmäßige Rechte, die Wissenschaftsfreiheit. Indem man Geisteswissenschaftlern zunächst die Publikation als gedrucktes Medium nicht mehr gefördert hat, dann die benötigten Arbeitsmittel, nämlich Literatur, nicht förderte, dann Druck auf die Etats ausübte und gezielt den Etat für digitale Literatur deutlich anhob und den für gedruckte deutlich kürzte und schließlich Forschung nur noch fördern will, wenn sie Digital publiziert wird: damit findet keine Forschungsförderung mehr statt, sondern es wird in die Publikationsweise lenkend eingegriffen, was die Aufgaben der DFG so überschreitet, dass sie hier in Konflikt mit der Verfassung gerät. Es ist letztlich eine Frage von Freiheit: darf jeder Forscher so publizieren wie er will oder darf jemand ihm diese Freiheit nehmen? Die Verfassung ist an diesem Punkt eindeutig: man darf ihm die Freiheit nicht nehmen. Es gibt zwei Seiten: die Publizierende und die Lesende. Sollte es nicht so sein, dass der Autor seine eigenen Entscheidungen treffen darf? Wären Sie damit einverstanden, wenn Sie jemand zwingen würde ihre Werke in einer bestimmten Form zu veröffentlichen? Das genau macht die DFG, indem sie die existenzielle Abhängigkeit der Forscher von ihr gezielt zur Durchsetzung ihrer Ideen ausnutzt. Das finden Sie wirklich gut? Eine ganz andere Frage ist, ob man als Leser sich wünscht, an alle Veröffentlichungen zu geringst möglichen Kosten zu kommen. Aber das gilt ja genau so für gutes Essen, schöne Wohnungen, teure Kleidung. Klar wäre es schön, wenn man das alles kostenlos bekommt. Aber man weiß auch, warum das nicht geht. Das ist bei der Literatur nicht anders. Wer verschenken will, der darf das und ich kenne niemanden, der da irgend etwas dagegen haben könnte. Aber gezwungen werden etwas zu verschenken, nur weil andere nicht einsehen, warum sie dafür zahlen sollen, das ist keine Lösung, die auf dem Boden unserer Verfassung steht. Ich versuche nicht mehr zu vermitteln als die Information, dass es Wissenschaftler gibt, die anders publizieren wollen, dass es Geisteswissenschaftler gibt, die gedruckte Medien für ihr Arbeiten als wichtig erachten und dass es Geisteswissenschaftler gibt, die die von der DFG erzwungene Änderung des Publikationssystems als schädlich für ihre Disziplin sehen. Ich plädiere dafür, auch deren Rechte zu respektieren. Wenn man den Menschen ihre Freiheit lässt kommt offensichtlich nicht das heraus, was die DFG will. Man kann daraus die Konsequenz ziehen, dass die DFG ihre Ziele und Mittel überdenken sollte. Oder man kann daraus die Konsequenz ziehen, dass man den Menschen ihre Freiheit nimmt. Das ist eine prinzipielle Frage zu Grundrechten und Gesellschaftssystemen.

  • Eberhard R. Hilf

    Eberhard R. Hilf

    lieber Herr Ulmer,
    dass Sie als kommerzieller Verleger für die Erhöhung der (DFG-)Forschungsmittel kämpfen, ehrt sie. Wie Sie als Aussenseiter dabei Geistes- gegen Naturwissenschaften gegeneinander ausspielen ist allenfalls amüsant, denn weder sind sie aktiver Forscher in einem der Gebiete, noch sind sie als kommerzieller Verleger gedruckter Werke für diese Abwägung besonders unabhängig.

    Allerdings geht es Ihnen dabei ja auch nicht um die förderungswürdigen Forschungsinhalte, sondern um die Wahl der MIttel bei dem Transfer der Forschungsergebnisse zu anderen Forschern.
    Sehr wohl ist hier die DFG als Treuhänderin von für die Förderung der Wissenschaft vorgesehenen Steuermitteln verpflichtet, Forschung zu ermöglichen und zu fördern, dabei aber Geld sparsam und angemessen auszugeben. Und das heisst:
    1. Die Kosten zu übernehmen, um neue Forschungsergebnisse barrierefrei online aufs Netz zu stellen (Open Access) (und für die Langzeitarchivierung und Verfügbarkeit zu sorgen). So kann jeder andere Forscher die Ergebnisse in seinen Arbeiten zeitnah und kostenfrei nutzen. Die Wissenschaft wird so optimal gefördert. Wenn der Autor darüber hinaus seine Werke papieren gedruckt haben möchte, ist dies für den Fortschritt der Wissenschaft nicht essentiell, es steht ihm aber frei. Wenn es sich gut verkaufen lässt, werden Sie es drucken. Aber Steuermittel dafür? Und dann noch als Verfassungsauftrag???
    Ein Musterbeispiel ist ja immer Ihr Herr Kollege Reuß, der mit Ihnen wettert, aber selbst seine eigenen wissenschaftlichen Publikationen alle Open Access online aufs Netz stellt, unabhängig davon, dass er die Werke parallel auch gedruckt publizieren lässt.
    Ihrem Verlag viele gute, für die Forschung auch nützliche innovative digitale Dienste wünschend

  • Roland Reuß

    Roland Reuß

    Lieber Herr Hilf,

    Sie schreiben:

    > Ein Musterbeispiel ist ja immer Ihr Herr Kollege Reuß, der mit Ihnen wettert, aber selbst seine eigenen
    wissenschaftlichen Publikationen alle Open Access online aufs Netz stellt, unabhängig davon, dass er die Werke parallel auch gedruckt publizieren lässt.

    Das ist einfach falsch, und Sie können das leicht verifizieren, wenn Sie sich die Mühe machten.

    Und genauso falsch ist, daß die DFG dazu verpflichtet sei, »neue Forschungsergebnisse barrierefrei online auf Netz zu stellen«. Das ist keineswegs ihr Auftrag, sondern Ihre sehr eigenwillige Sichtweise der Dinge.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Herr Hilf, auch von mir kleine Anmerkungen:

    die Trennung der Welt in eine kommerzielle Sphäre und eine andere und die Zuordnung von Menschen und Argumenten in die eine oder andere scheint mir etwas vereinfachend. Es wäre sicher ergiebig dieses Weltbild etwas komplexer zu gestalten.
    Auch die Trennung in Aussenseiter und Insider halte ich für etwas flach, wenn Sie sich damit gegen Argumente von Aussenseitern immunisieren, dann ist das (verzeihen Sie das Wortspiel) ein Ansatz, der Sie in der Wissenschaft zum Aussenseiter macht.
    Über OA wurde und wird an anderer Stelle genug diskutiert. Viele haben an den beiden von Ihnen hier vorgebrachten Punkten Zweifel: dass OA die optimale Verbreitung darstellt und dass es die kostengünstigste Variante ist.

    Es ist mir klar, dass Sie von beiden Punkten überzeugt sind. Es ist Ihnen klar, dass es viele gibt, die davon nicht so überzeugt sind. Ich bitte Sie zu überdenken, ob es redlich ist, diese anderen Meinungen einfach als unqualifiziert abzutun und zu ignorieren, statt bei unterschiedlichen Meinungen einfach jeden nach seiner Façon glücklich werden zu lassen, ohne Zwang.

  • Maria Hilf

    Maria Hilf

    Was die Verleger in solchen oder anderen Runden betrifft: Klammern sich mit aller Gewalt an Geschäftsmodelle des letzten Jahrhunderts. Solange diese u. a. glauben, man könne angehenden Programmleitern (!) en passant "verlegerisches Know-how" vermitteln (Hauptsache Habil! siehe z.B. http://jobs.zeit.de/jobs/baden_baden_programmleite r_sozialwissenschaften_m_w_62732.html ) müssen diese sich nicht wundern, wenn es irgendwann eng wird bzw. die alten Symbiosen nicht mehr funktionieren. Dann kann eine Abhängigkeit vom Wissenschaftszirkus, von launigen Uni-Bibliothekaren und von businessunerfahrenen Post-Doc-Mitarbeitern (die ohnehin lieber Forschung & Lehre betreiben, wenn man sie ließe) zum Verhängnis werden. Mein Rat an Siebeck & Co.: Innovationen zulassen, sachkundiges Personal einstellen, moderne Programmarbeit und Ruf lesen, dann kann ich solchen "Tribunalen" fern bleiben.

  • Markus Groß

    Markus Groß

    Weshalb wird eigentlich hier ständig mit so einem süffisanten ja abwertenden Unterton u.a. dem Herrn Ulmer vorgeworfen, dass er 'kommerzieller Verleger'sei und sein Geld mit 'teuer gedruckten Büchern verdient' etc.

    Mir liegt einiges auf der Zunge um darauf zu antworten, Sie ... Geisteswissenschaftler, Sie!

    Wenn Herr Ulmer Recht hat, mit seiner Aussage, dass die DFG 'einen Wechsel vom gedruckten auf das digitale Medium' erzwingen will, dann ist das nicht in Ordnung und sollte insbessondere die Damen und Herren Geisteswissenschaftler auf die Palme treiben ... so von wegen Verfassung, Freiheit der Wissenschaft, den Anfängern wehren etc...statt hier willfährig das Geschäft interessierter E-Commerce Firmen zu besorgen und 'Geiz ist Geil' Slogans in die Wissenschaft einführen zu wollen...
    ... nicht dass mir noch grausen muss vor den heutigen Geisteswiss....

  • Wenke Richter

    Wenke Richter

    Hier wird in der Diskussion ja einige Punkt schön durcheinander gewürfelt. Punkt 1: Geisteswissenschaften benötigen die DFG zur Finanzierung ihrer Projekte, Naturwissenschaften haben mit Drittmitteln aus der Wirtschaft mehr Spielraum. Punkt 2: natürlich kann letztlich der Steuerzahler fordern, daß mit seinem Geld Publikationen barrierefrei zugänglich gemacht werden soll (wie auch Unternehmen genau steuern, wie ihr Geld eingesetzt wird >>> s. Verlage ;-)). Daß dieser Punkt der Publikationsfreiheit widerspricht, ist ein ursächliches Problem. Nur alles kann man als Wissenschaftler nicht haben. 3. Ich habe mit dem Begriff "Planwirtschaft" in diesem Zusammenhang arge Bauchschmerzen, Herr Ulmer. Aus meiner Biographie heraus suche ich gerade nach dem 5-Jahres-Plan bei der DFG, die das "Zentralkomitee" beschlossen hat. Solche Begriffe hier zu verwenden, finde ich polemisch. Bitte beweisen Sie da mal mehr Fingerspitzengefühl. Planwirtschaft ist etwas ganz anderes, als hier im Zusammenhang verwendet!

  • Lars Fischer

    Lars Fischer

    "Weshalb wird eigentlich hier ständig mit so einem süffisanten ja abwertenden Unterton u.a. dem Herrn Ulmer vorgeworfen, dass er 'kommerzieller Verleger'sei und sein Geld mit 'teuer gedruckten Büchern verdient' etc. "

    Das lässt sich nun sehr einfach erklären: Der Herr Ulmer äußert sich hier in unsachlicher und polemischer Weise, und das um seine eigenen kommerziellen Interessen zu vertreten. Dass er sich dadurch angreifbar macht, kann nicht verwundern.

    Dass die Geisteswissenschaften gegenüber den Naturwissenschaften ins Hintertreffen geraten liegt auch nicht an der DFG, sondern am allgemein wissenschaftsfernen gesellschaftlichen Klima. Die Naturwissenschaften arbeiten dagegen an, während in den Geisteswissenschaften Mittel, Institutionen und meist auch der Wille dazu fehlen. Das Problem ist schlicht hausgemacht, und an der DFG rumzumäkeln ist keine Lösung

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Liebe Frau Richter,

    die Überschrift ist da ja nicht zufällig gelandet. Im Kern trägt das Handeln der DFG natürlich Züge der Planwirtschaft: zentrale Zielsetzung und Planung, die nicht von Bedürfnissen des Individuums ausgeht, sondern sich über diese hinweg setzt und sie in Pläne zwingt.

    Im Grundstudium VWL lernt man, dass das Problem der Planwirtschaft wie jeder Wirtschaft unvollständige Information ist. Eine Marktwirtschaft überlässt dem Einzelnen die Freiheit zur unternehmerischen Entscheidung und erreicht damit eine wesentlich schnellere, genauere, effizientere Anpassung an Veränderungen sowie eine größere Kreativität, Leistungsfähigkeit und Motivation der beteiligten Individuen. Zusätzlich tendieren Planwirtschaften zu Ineffizienzen, indem große administrative Apparate durch die mangelnde persönliche Betroffenheit der Beteiligten mit den Geldern ineffizient umgehen (und was es sonst noch so an Problemen der großen Bürokratie gibt).

    Das können SIe nun fast 1:1 auf die DFG übertragen. Um nur ein paar skurrile Beispiele zu nennen:
    Die Exzellenzinitiative ist ja wohl die Wiedergeburt der 5-Jahres-Pläne. Und wie diese ist auch sie ein finanzielles Desaster. Gott sei Dank wird es keine Neuauflage geben. Immerhin ist die DFG bedingt lernfähig (oder war es hier die Politik?).
    Ineffiziente Zuteilung von Geldern: während an vielen Unis die Gelder so knapp sind, dass nicht mal das Nötigste gemacht werden kann, gründet man in Konstanz aus den Geldern der Exzellenzinitiative sogar einen Verlag, der Bücher macht! Man weiß nicht wohin mit dem Geld.
    In der Physik hieß es noch vor kurzem: wenn man Fördergelder bei der DFG beantragt, dann muss man nur im Antrag den Begriff "Nano" verwenden, dann bekommt man sie bewilligt. Heute reicht es OA oder Digitalisierung zu verwenden. Mit dem Titel "Untersuchung zur Förderung des nachhaltigen Familien-Tourismus unter Zuhilfenahme von Open-Acces-Informationssystemen zu Hause und vor Ort" hat man vermutlich gute Chancen sich einen Strandurlaub für die Familie zu finanzieren.
    In unseren Fachbereichen der angewandten Naturwissenschaften ist die angewandte Forschung fast ausgestorben, weil man Fördergelder nur noch nach Ranking bekommt und für Rankings Impact Faktoren entscheidend sind und man hohe Impact Faktoren nur bei internationalen Publikationen bekommt und internationale Publikationen nur Grundlagenforschung nehmen, weil angewandte Forschung zu regional ist. Die Wissenschaftler beklagen das, aber ohne Geldern können sie gar nichts forschen.

    Es gibt in der Planwirtschaft drei Typen von Arbeiten oder Angestellten: die einen machen was die Zentrale Planung bestellt und denken sich nichts dabei. Das sind Mitläufer. Dann gibt es diejenigen, die gegen das System revoltieren und rausfliegen. Und es gibt die, die an der Absurdität verzweifeln, sich eine Narrenkappe aufsetzen und kopfschüttelnd abliefern, was man verlangt.

  • Markus Groß

    Markus Groß

    @Lars Fischer "Der Herr Ulmer äußert sich hier in unsachlicher und polemischer Weise, und das um seine eigenen kommerziellen Interessen zu vertreten"
    Entschuldigen Sie, ist für einen Geisteswissenschaftler sicher schwer zu verstehen, aber: dies ist das Börsenblatt.net. Hier sind nun mal Buchhändler und Verleger vertreten, die alle ihre kiommerziellen Interessen haben. Notwendigerweise. Denn sonst könnten Sie bald weder Bücher noch E-Books kaufen oder veröffentlichen ...
    ..und wissen Sie: Man darf in diesem Land sogar kommerzielle Interessen verfolgen ... echt! Hoffe Ihnen mitr dieser Neuigkeit gedient zu haben ...
    Mann!

  • Lars Fischer

    Lars Fischer

    Groß,

    erstens bin ich Naturwissenschaftler, wie jeder halbwegs befähigte Mensch binnen Sekunden herausgefunden hätte. Zweitens geht es nicht darum, dass Herr Ulmer legitime kommerzielle Interessen hat, sondern dass er sich hier als Retter der Wissenschaft in Pose schmeißt um eben jene zu verschleiern. Auch das ist nicht eben schwer zu erkennen.

    Ich schlage vor, Sie leben ihren Hass auf Geisteswissenschaftler anderswo aus. Der ist hier fehl am Platze.

  • silentjay

    silentjay

    @Markus Groß

    "Hier sind nun mal Buchhändler und Verleger vertreten, die alle ihre kiommerziellen Interessen haben. Notwendigerweise.
    ..und wissen Sie: Man darf in diesem Land sogar kommerzielle Interessen verfolgen ... echt!"

    Sicherlich. Genauso darf man sich nicht über Spott wundern, wenn man beklagt, das der DFG sich an dem Bedarf von Wissenschaften orientiert, nicht so sehr an dem Bedarf der Händler und Produzenten von bedrucktem Papier.
    Vllt. sollten wir einen Papierpfennig einführen?

  • saguenay

    saguenay

    " Zusätzlich tendieren Planwirtschaften zu Ineffizienzen, indem große administrative Apparate durch die mangelnde persönliche Betroffenheit der Beteiligten mit den Geldern ineffizient umgehen (und was es sonst noch so an Problemen der großen Bürokratie gibt)."

    Das können Sie nun fast 1 zu 1 auch auf den Börsenverein übertragen. Wer die diversen Mutationen des libreka-Projektes verfolgt hat, weiss, dass die DFG nicht die einzige Insitution ist, die sich darauf versteht, weisse Elefanten zu produzieren.

    Was dieser "wirtschaftstheoretische Exkurs" über die Erkenntnis hinaus vermitteln soll, dass die Geisteswissenschaften in einem völlig freien Wettbewerb erst recht unter die Räder gerieten, bzw. manche Leute ihre persönliche Version der Planwirtschaft nur anders nennen, bleibt dem Leser überlassen. Staatlich subventionierte Wissenschaftsförderung wird zwangsläufig immer bürokratisch/planwirtschaftliche Elemente beinhalten. I.d.R. stört das vor allem diejenigen, die glauben, dabei zu kurz zu kommen. Dass auch Marktwirtschaften manche dirigistische Elemente beinhalten (müssen) ist auch mir als überzeugtem Jünger des Kapitals klar. Genauso allerdings, dass staatlich subventionierte Wissenschaftsförderung nicht implizit die Förderung der Geschäftsmodelle von Wissenschaftsverlagen meinen muss. Auch wenn es diesen natürlich frei steht, ihre Interessen zu verteidigen, was hier auch geschieht.

    Dass in Zeiten knapper Gelder und tiefgreifender Veränderungen das Gerangel um die Plätze an den finanziellen Fleischtöpfen stärker wird, bzw. Partikularinteressen mit mehr Nachdruck vertreten werden, ist nichts Neues. Dass eine differenzierte Diskussion über Wissenschaftspolitik und -förderung wie über die Hintergründe diverser Prozesse bei einem derartigen Gepolter nicht entstehen kann, und auch das, was an sinnvollen kritischen Ansätzen vorhanden sein mag, nicht mehr wahrgenommen wird, allerdings auch nicht.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Die Diskussion um kommerzielle Interessen ist ebenso dumm wie die Diskussion um Papier oder Digitales. Wie schon mehrfach gesagt ist beides nicht mehr als ein Vorwand, sich der eigentlichen Diskussion nicht zu stellen. Intellektuelle Bequemlichkeit oder vielleicht noch schlimmer, plumpes Lagerdenken.
    Grundlage einer Diskussion sollte das Bemühen sein, zunächst die Argumente des Anderen verstehen zu wollen. Dann kann man auch antworten.
    Die Diskussion um Forschung und die DFG kann man auch als Staatsbürger führen, der man ist, egal ob man nun sein Brot mit Wissenschaft oder mit gedruckten oder elektronischen Medien verdient. Es ist doch eigentlich unsere Idee einer Demokratie, dass wir uns unabhängig von direkter Betroffenheit interessieren und engagieren. Dann ist doch schon der Vorwurf, man sei nicht betroffen als Aussenseiter, oder der Vorwurf, man sei zu betroffen als wirtschaftlicher Akteur einfach absurd. Wenn man diese ganze Schutzargumentation einfach weg lässt, dann bleibt für mich immer noch die Frage nach intellektueller Freiheit des Wissenschaftlers, die Frage nach einer Machtausübung durch wirtschaftliche Abhängigkeit, die Frage nach Defiziten zentraler Steuerung und das Problem eines den Geisteswissenschaften nicht angemessenen Förderungssystems und seinen verfassungsmäßigen Implikationen. Ich meine, da habe ich genug Fragen aufgeworfen, die mam diskutieren kann, so man das überhaupt will. Es bleibt das Gefühl, dass die Fragen einfach negiert werden, weil sie unbequem sind. Und so werden sie immer neu gestellt werden, solange sie keine Antwort finden.

  • Leser

    Leser

    wie kann eine Diskussion um kommerzielle Interessen dumm sein? Vielleicht wird sie dumm geführt, aber grundlegend kann es doch nicht falsch sein, auch die Motive der Diskutierenden zu betrachten. Und in jedem Fall scheint es mir wichtig, zu wissen, ob die, die da mit dem Schild "wir sind die Guten" voranreiten, auch eigene wirtschaftliche Interessen dabei vertreten.
    Das ist sicherlich nicht verwerflich und sicherlich ist es "dumm" wirtschaftliche Interessen zu verteufeln.
    Aber ein Blick auf die Motivlage der Meinungsträger muss doch erlaubt sein.
    Niemand sagt, dass Herr Ulmer als wirtschaftlicher Akteur nicht diskutieren darf. Aber es ist auch eine Idee unserer Demokratie, dass wirtschaftliche Interessensvertretung auch als solche kenntlich gemacht ist.

  • Roland Reuß

    Roland Reuß

    @ Leser
    Wenn Sie mit jemandem zusammen wohnen, sollten Sie gelernt haben, daß eine Diskussion, die Ihrem Partner/Partnerin fortwährend irgendwelche eigennützigen Interessen unterstellt und sich auf die Sache nicht einläßt, nichts bringt. Das sagt die einfachste Lebenserfahrung. Anonyme Denunziationen sind abscheulich.
    Ich äußere mich ja auch nicht dazu, daß Sie sich hier anonym zu Wort melden, obwohl ich diese Feigheit -- als Demokrat -- verachte.
    Da ich ja die Debatte mitangestoßen habe, die Herr Ulmer kommentiert, können Sie sich ja vielleicht einmal dazu äußern, welche finanziellen Interessen ich habe. Werde ich vom Börsenverein und/oder den bösen Verlegern finanziert? Bin ich raffgierig? Verteidige ich ein altes »Geschäftsmodell« (neben dem Wort stresstest ein heißer Kandidat für das Unwort des Jahre)?
    Ich halte die Existenz autonomer Verlage für essentiell in unserem Wissenschaftssystem und staatlich alimentierte Versuche, diese Verlage mutwillig zu killen oder ihr Zugrundegehen billigend in Kauf zu nehmen, für ein Delikt, ja.
    Wenn die Exekutive putscht (und das tut sie mittlerweile an verschiedenen Ecken), sollten Demokraten das anprangern.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Leser, ich will versuchen auf Ihre Frage zu antworten: Die Frage nach Motiven ist der Versuch, die Meinung eines anderen zu relativieren. Nicht in dem Sinne, dass man sie nach Prüfung inhaltlich ablehnt, sondern man lehnt sie ab, als Äußerung der Person. Das mag auf den ersten Blick nicht so schlimm erscheinen. Es ist aber in einer freien Gesellschaft ein sehr problematischer Vorgang, der den Grundwert der Freiheit des Individuums angreift. Ich nenne Ihnen ein paar Beispiele:
    wenn man nach einer demokratischen Wahl die Mehrheitsentscheidung nicht akzeptieren will, weil man die Stimmen der anderen wegen einer ihnen unterstellten Motivation nicht ernst nimmt;
    wenn man Gegenargumente wegwischt, weil man jemandem eine ungute Motivation unterstellt;
    wenn man Menschen ihren Willen nicht lässt sondern behauptet, sie seien verblendet und man muss sie eben gegen ihren Willen erziehen;
    Womit wir im letzten Fall wieder beim Ausgangsthema der DFG wären. In jedem der Fälle tut man dem Betroffenen Gewalt an, sei es, weil man seine Meinungsfreiheit nicht respektiert, weil man ihn seiner Stimme beraubt, weil man seine Handlungsfreiheit einschränkt.

  • janna
  • Markus Groß

    Markus Groß

    @Fischer das Sie Naturwiss. sind erklärt Vieles.
    Hass auf Geisteswiss. ? Blödsinn - habe selbst Geisteswiss. studiert ... aber Spott über Ihr lächerliches Argument der 'kommerziellen Interessen' allemal. Mehr über Sie herausfinden möchte ich nicht. Ihren Blog ansehen auch nicht.




  • Leser

    Leser

    @Herrn Reuß

    "Ich äußere mich ja auch nicht dazu, daß Sie sich hier anonym zu Wort melden, obwohl ich diese Feigheit -- als Demokrat -- verachte"

    warum werde ich das Gefühl nicht los dass Sie sich doch dazu äußern, dass ich mich anonym zu Wort melde?

    Haben Sie es nicht auch ein bisschen kleiner, ohne gleich die Demokratie und sämtliche Grundwerte zu bemühen?
    Meine "Feigheit" hat Gründe: ich habe - wohl anders als Sie und Herr Ulmer - einen Arbeitgeber, der es nicht schätzt, dass ich meine Zeit damit verdaddele, hier Diskussionen mit Ihnen und Herrn Ulmer zu führen.
    Das ist sicherlich auch Feigheit, aber auch ein bisschen Lebensklugheit.
    aber noch mal zum Inhaltlichen: ich teile in weiten Teilen die Ansichten von Herrn Ulmer in den hier diskutierten Fragen.
    Und ich finde eigennütziges Handeln nichts verwerfliches, im Gegenteil, meiner Meinung nach ist Herr Ulmer als gewählter Interessensvertreter der Verlage dazu geradezu verpflichtet. Deshalb empfinde ich es auch überhaupt nicht als "Denunziation", wenn man über seine Interessen redet.
    Ich hatte nur dafür plädiert, die Diskussion um die Motivation darum nicht als "dumm" abzukanzeln.
    Allen anderen Blödsinn, für den Sie mich hier in "demokratische" Sippenhaft nehmen, habe ich nicht geschrieben.
    Zu Ihren Motiven, Ihrer "Raffgier" und den anderen von Ihnen gestellten Fragen kann ich leider nichts sagen, da ich Sie nicht kenne und mich auch mit Ihrem Lebenswerk bisher nicht befasst habe.

  • janna

    janna

    an Leser

    zu den Interessen und Motiven von Roland Reuss:
    http://philobar.blogspot.com/2009/02/die-angst-des -roland-reu-vor-open.html

  • Bört Ränolts

    Bört Ränolts

    @ Leser
    @Herrn Reuß

    "Ich äußere mich ja auch nicht dazu, daß Sie sich hier anonym zu Wort melden, obwohl ich diese Feigheit -- als Demokrat -- verachte"................. Namen sind Schall und Rauch, nur Taten zählen ;-)

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