Österreich

April, April: Fehlerhaftes Kafka-Buch war Aktionstheater

Eine extrem fehlerhafte Edition von Kafkas "Das Schloss", finanziert mit Mitteln der EU und kostenlos an Schulen verteilt, versetzte die Medien in den vergangenen Wochen in helle Aufregung. Doch so schlimm scheint es um die Bildungspolitik doch noch nicht bestellt zu sein: Hinter dem Kafka-Buch steckt die österreichische Aktionsgruppe "The BirdBase".

© The BirdBase

1000 Exemplare von Kafkas "Schloss", versehen mit insgesamt 1850 (!) Fehlern, will The Bird Case an Schulen und Medien verteilt haben, inklusive Pressematerial vom fiktiven Verleger Adrian Schulz vom Verlag Gehlen & Schulz. Zwei Millionen Exemplare will man gedruckt haben, gefördert mit 345.000 Euro von der EU. Von "Bild" bis "FAZ", und auch das Börsenblatt, alle haben über den Kafka-Skandal berichtet. Jetzt stellt sich heraus:

"Das Buch war ein Hoax, ein 'Grubenhund', wie ihn Karl Kraus einst praktizierte. Ein practical joke, eine scherzhafte Aktion mit ernstem Anliegen. Und alle, die sich mit dem Thema befasst haben, sind darauf hereingefallen", schreibt "Die Presse“. Die Aktionsgruppe "The BirdBase" wollte mit der Aktion Kritik am österreichischen Bildungssystem üben. "Wenn sich nichts ändert, werden solche Bücher der Normalfall sein", heißt es der Zeitung zufolge in einem Schreiben der Gruppe, die etwa 100 Teilnehmer haben soll, darunter viele Lehrer. 

Über die Entstehung des Buches gibt The BirdBase in einem You-Tube-Video auf ihrer Facebook-Seite Auskunft.

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4 Kommentar/e

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  • Markus Pfeffer

    Markus Pfeffer

    Successful troll is successful. Eine gute Sache - vielleicht kommt die Kritik ja bei den richtigen Adressaten an.

    Und vielen Dank für diesen wundervollen Satz: "Das Buch war ein Hoax, ein 'Grubenhund', wie ihn Karl Kraus einst praktizierte. Ein practical joke, eine scherzhafte Aktion mit ernstem Anliegen." Da spart man sich jedes Synonym-Lexikon.

  • buecherfrau

    buecherfrau

    hehehe, sag ich doch! ;-)

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    Juhu, jetzt wissen wir endlich, was wir ändern müssen, damit dergleichen nicht zum "Normalfall" wird.
    Äh... was genau ist denn nun die Aussage dieser ebenso intellektuellen wie avantgardistischen Selbstdarstellungsprofis? "So kanns nicht bleiben, aber wies besser wär, sagen wir nicht, und tun auch nichts um es zu erreichen"? Grandios...

    @Pfeffer Schön, dass die 4chan-Gülle es mittlerweile auch ins Börsenblatt schafft.

  • Markus Pfeffer

    Markus Pfeffer

    @Thorben-Finn: Sie outen sich mit dieser Aussage allerdings auch als Kenner der Materie. Wobei zwischen modernen Redewendungen der Netzgemeinde und der angesprochenen Digital-Kloake immer noch ein gewisser Unterschied besteht ;)

    Nichts anderes als erfolgreiches Trolling im wahren Leben ist es aber nunmal: Ein Versuch, Menschen und Medien an der Nase herumzuführen, der eindeutig funktioniert hat. Angenehmerweise allerdings ohne Kollateralschäden. Das kann man originell finden, dass kann man auch kindisch und albern finden - jedenfalls wird jetzt plötzlich über Schulbuchinvestitionen und die Involvierung externer Sponsoren (zuerst der EU, dann namenloser Gönner) diskutiert. Die Folgen wurden, wenn auch überzeichnet, dargestellt, und der Vorschlag zur Besserung ist meines Erachtens offensichtlich: Sponsoren aus der Schulbuchproduktion heraushalten, und es den Profis überlassen. Zumindest ist das die Botschaft, die ich aus der Aktion lese. Was man daraus macht, und ob das der richtige Weg ist, darüber kann ich nicht urteilen, die Aktion selbst finde ich gut.

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