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Auch in den USA weiterhin ein Thema: DRM

Der eigentliche Grund, Konferenzen wie die eben zu Ende gegangene digital book world 2012 zu besuchen, liegt für mich darin, Entwicklungen, die uns in Europa erst in einigen Monaten oder gar Jahren bevorstehen, frühzeitig zu erkennen und zu verstehen. Aber ich muss gestehen, dass ich eine gewisse Genugtuung verspüre, wenn auf einer der wichtigsten US-Konferenzen zum Thema E-Books Themen diskutiert werden, die wir bei libreka! nicht nur seit Jahren propagieren, sondern bereits mit (zumindest gewissem) Erfolg umgesetzt haben.

Konkret geht es um das Thema DRM. Wenn der Mit-Organisator der Konferenz, Mark Shatzkin, es als die Sensation der digital bookworld bezeichnet, dass ein von großen Verlegern gesponsorter Buchhändler sich für einen Verzicht auf DRM ausspricht, wenn Romance-Verlegerinnen zum Besten geben, dass DRM-freie Titel zwar nur 8% ihres Kataloges ausmachen, dafür aber 96%(!) ihres Umsatzes, wenn Bibliotheken anstreben, mit nur drei Klicks jedes E-Book verleihen zu können und wenn sich dann eine fast ausufernde Diskussion anschließt, merkt man, dass hier etwas im Gange ist.

Natürlich merkt man auch die Verunsicherung vieler Verleger, selbst wenn Piraterie in den USA nicht mehr als wesentliches Thema angesehen wird. Dabei müsste die Verunsicherung gar nicht sein: Seit Jahren propagieren wir bei libreka! Social DRM oder konkreter die Nutzung von Wasserzeichen.

Konkret sieht das so aus, dass in EPUBs wie in PDFs sichtbare und unsichtbare Wasserzeichen eingebaut werden. Die sichtbaren dienen der Abschreckung, bzw. der Schaffung von Aufmerksamkeit, die unsichtbaren werden in verschiedenen Formen und in unterschiedlicher Häufigkeitkeit versteckt im Text hinterlegt. Ich persönlich halte dieses Verfahren für deutlich sicherer als beispielsweise Adobe DRM oder die DRMs der großen Internetplattformen. Denn Social DRM erzeugt Verunsicherung. Kein 'Pirat' kann sicher sein, ob er wirklich alle Wasserzeichen entfernt hat und ob nicht doch noch persönliche Informationen von ihm im Dokument hinterlegt sind.

Die harten DRMs hingegen sind in Sekundenschnelle zu knacken. Wer es ausprobieren mag: einfach mal 'Adobe', 'DRM' und 'crack' googeln! Die Installation von Calibre und Plug-Ins dauert keine 5 Minuten, das Entfernen des DRM keine 30 Sekunden!

Dass Social DRM sicher ist, können wir mittlerweile auch belegen. Hierzu arbeiten wir mit dem Unternehmen CoSee zusammen, einer Ausgründung des Frauenhofer Instituts für IT Sicherheit. Speziell für den Buchbereich haben wir mit CoSee ein Programm aufgelegt, dass mehr als 600 bekannte Piraterie-Sites scannt. Untersucht werden Raubkopien, insbesondere auf ihre Herkunft hin.

Die Ergebnisse sind recht eindeutig: Raubkopien sind weit verbreitet. Während noch vor einem Jahr im wesentlichen Bücher gescannt werden, nehmen aktuell gecrackte DRM-geschützte EPUBs stark zu. Und: Raubkopien, die Wasserzeichen enthalten, sind bisher bei keiner einzigen Suche gefunden woren!

Solche Ergebnisse bedürfen kaum einer Kommentierung; weitere Diskussionsbeiträge sind aber natürlich hocherwünscht ...

Ihr
Ronald Schild

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6 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Kai Weber

    Kai Weber

    Herr Schild, Sie sagten, dass sich ein Pirat, der Wasserzeichen aus einem Buch entfernt, nicht sicher sein könne, ob er/sie nicht das ein oder andere Wasserzeichen beim Entfernen übersehen hat. Umgekehrt würde mich nun aber auch bei der CoSee-Statistik interessieren, wie Sie denn da zweifelsfrei sicher sein können, dass die in Piratennetzen gefunden E-Books Titel sind, deren hartes DRM geknackt wurde und nicht Titel, bei denen die Wasserzeichen (vollständig) entfernt wurden.
    Ich bin Ihren Ausführungen zum Wasserzeichen gegenüber gar nicht abgeneigt, aber ich habe selbst schon EPUBs mit Wasserzeichen über Libreka! erworben und nach kurzer Prüfung der Dateien wüsste ich, wie ich die Wasserzeichen entfernen würde, wenn ich das wollte. Das ist auch nicht so viel schwieriger als das Entfernen von hartem DRM.
    (Disclaimer: Ich drücke hier meine persönliche Meinung aus, arbeite aber selbst in einem Verlag, der seine E-Books mit hartem DRM anbietet.)

  • Matthias

    Matthias

    Wie unpraktisch für "Social DRM", dass es nur wenige Klicks sind, bis ein an einen "Freund" verliehener E-Reader mit 500 ehrlich erworbenen E-Books bald der ganzen Tauschbörsenwelt zur Verfügung steht. So schnell ist der eigene Name in der Tauschbörse und man selbst als ehrlicher Käufer kann nichts dagegen tun.

    Ich bin auf das erste arme Opfer gespannt, dass in den USA mit den dort bekannten Unsummen an Schadensersatzforderungen von einem großen Player virtuell am Baum aufgeknüpft wird. Insbesondere bin ich auf die Beweisführung gespannt.

    Daher gibts nur eine ernsthafte Möglichkeit: DRM (in allen Formen) abschaffen - oder untergehen. Wer Books schnell, günstig und ohne jede DRM-Gängelei verkauft, machts dem Kunden einfach. Der Kunde nimmt den Aufwand und das Risiko einer Tauschbörse gar nicht in Kauf, wenn die Alternative attraktiv genug ist.

    Die Industrie sollte nicht denken: "Wie kann ich meine bisherigen Vetriebswege erhalten und auf E-Books umlenken" sondern "Was will der Kunde? Lasst uns ganz neue Wege schaffen".

    Die Lehre aus Megaupload und Kim Schmitz sollte lauten: Warum kann er Millionen mit der Verteilung von Content verdienen - und nicht wir? Es geht doch! Aber nicht auf den herkömmlichen Wegen.

  • Ronald Schild

    Ronald Schild

    Lieber Kai Weber, lieber Matthias,

    so richtig widersprechen kann und möchte ich gar nicht, aber ein paar Klarstellungen sind vielleicht zum Verständnis hilfreich:

    Es exisitieren verschiedene Wasserzeichen, sowohl sichtbare (sehr leicht zu entfernen, da EPUBs mit jedem Texteditor geöffnet und verändert werden können) wie auch unsichtbare Wasserzeichen. Bei unsichtbaren Wasserzeichen werden verschiedene Elemente im E-Book minimal so verändert, dass ein Code in den Content integriert wird. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass auch solche Wasserzeichen gefunden werden, aber es ist um ein Vielfaches schwieriger als Adobe DRM zu knacken, erfordert viel technisches Know-how und beinhaltet für einen Piraten immer den Unsicherheitsfaktor, doch nicht alle Wasserzeichen entdeckt zu haben. Bei libreka verwenden wir mehrere sichtbare wie unsichtbare Wasserzeichen.

    Wir verwenden Wasserzeichen weiterhin auch überhaupt nicht mit dem Ziel, juristisch Ansprüche durchzusetzen. Vielmehr bietet Social DRM einen psychologischen Schutz, indem den Nutzer darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um urheberrechtlich geschützten Content handelt. Oder platt formuliert: wenn ein E-Book Ihren Namen enthält, ist die Hemmschwelle, es weiter zu geben, viel, viel höher.

    Es kann im Übrigen auch nie darum gehen, Piraterie komplett zu unterbinden. Das ist ohnehin unmöglich. Es muss vielmehr darum gehen, die berechtigten Schutzinteressen von Autoren und Verlagen in Einklang zu bringen mit dem Anspruch unserer Leser auf größtmöglichen Komfort.

  • Reinhard Matern

    Reinhard Matern

    Die Hardware (Pappe / Papier) hat auch keinen Schutz! Und jedes Copyshop nimmt Bücher zum Kopieren entgegen. Aber auf die Idee, Fachbuchtitel bloß noch mit einem Vorhängeschloss auszuliefern, ist nach dem Mittelalter (Kirche) niemand mehr gekommen.

    Und: Ein 'weicher Schutz', den man nicht sieht, der wird auch niemanden psychisch belasten.

  • Frank R.

    Frank R.

    Warum um alles in der Welt stecken die Verlage, Lobbyorganisationen und - ja - auch die Autoren nicht all(e) ihren Geist, ihr Geld und ihre "Manpower" in die Entwicklung guter, günstiger Bücher bzw. eBooks? Warum werden so viele Ressourcen im Kampf gegen (digitale) Windmühlen verschwendet und Sätze wie "Social DRM erzeugt Verunsicherung" - die man dann auch noch als Qualitätskriterium ausweist. Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe, dass zumindest die Autoren diesen Mist nicht auch noch goutieren und unterstützen, sondern die Sache selber in die Hand nehmen, ohne DRM, im Idealfall vielleicht sogar mit freien, offenen Lizenzen. Es gibt doch schon ein paar Vorbilder, die sowas getan haben. Haben die schlechte Erfahrungen gemacht? Ich glaube nein. Cory Doctorow spricht in seinem Craphound-Blog sehr offen über die Vorteile des Verschenkens der digitalen Bücher, und hierzulande treten die Quandary Novelists ganz offen für ein Copyleft ihrer Bücher ein. Das schafft Platz für Ressourcen, die dann ins Eigentliche fließen können: Ins Schreiben, Herstellen und Vertreiben von Büchern, die andere mit Genuss lesen können. Ohne Wasserzeichen oder anderen Quatsch.

  • Buchleser

    Buchleser

    Wir haben uns gerade unseren ersten eReader (der Günstige mit dem kirchlichen Segen) zugelegt. Als wir das erste eBook kaufen wollten, kam die ganze Odyssee mit Adobe und dem Autorisieren von Geräten dazu. Als in diesem Bereich eher unerfahrene Nutzer haben wir eine Weile gebraucht, um das alles zu verstehen und zu installieren. Das ist alles nicht sehr einladend und wirkt eher abschreckend wie ein Stacheldrahtverhau und nicht wie das Portal zu einem netten Einkaufserlebnis. Wir werden uns umschauen nach Alternativen ohne solche Gängelung!

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