Verdi fordert gleiche Gehälter für alle Thalia-Mitarbeiter

"Hungerlöhne bei Grüttefien"

Wer bei der Thalia-Tochter Grüttefien arbeitet, verdient bis zu 40 Prozent weniger als die Kollegen in den Thalia-Läden, kritisiert die Gewerkschaft Verdi in Bremen. "Wer die gleiche Arbeit erledigt, sollte auch genauso entlohnt werden", fordert der Bremer Verdi-Sekretär Richard Schmid im "Weser-Kurier".

© creativ collection

Nach Informationen von Verdi erhalten Grüttefien-Buchhändler zwischen 7,20 und 8,90 Euro pro Stunde, Thalia-Mitarbeiter, die nach Tarif bezahlt werden, erhalten 13,52 Euro pro Stunde, zuzüglich Zuschläge. Zur Thalia Grüttefien GmbH mit Sitz in Varel gehören 29 Buchhandlungen mit rund 250 Mitarbeitern, acht Filialen davon in Bremen und Bremerhaven.

Die regional-unterschiedlichen Gehälter begründet Unternehmenssprecherin Mirjam Berle mit der dezentralen Struktur der Thalia-Gruppe. Die Firma Grüttefien sei "hinsichtlich ihrer Strukturen nicht direkt mit anderen Vertriebsgesellschaften in der Thalia Gruppe vergleichbar", so Berle. Außerdem sei Grüttefien von je her nicht Tarif gebunden: "Daher halten wir einen direkten Vergleich mit Tarif gebundenen Unternehmen für irreführend und nicht sinnvoll und möchten die Aktion, zu der Verdi aufgerufen hat, nicht kommentieren".

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6 Kommentar/e

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  • branchenkenner

    branchenkenner

    Tja, was nur leisten die Kollegen bei Thalia-Grüttefien so viel weniger als die normalen Thalia-Buchhändler?

    Irgendwie ist das alles "irreführend".

    Mal sehen:

    Sortimentspflege... gleich.
    Disposition... gleich.
    Kundenberatung... gleich.
    Multichannelberatung... gleich.
    Freundlichkeit... gleich.
    Engagement... gleich.
    Wochenstundenzahl... mehr.
    Überstunden... mehr.

    Weitere Vergleiche scheinen mir irgendwie "wenig sinnvoll".

    Wo also sind die Unterschiede?

    Über dem Eingang steht Thalia dran, auf den Tüten steht Thalia drauf und auf den Namensschildern steht Thalia. Man möchte die Kundschaft ja nicht "irreführen", das wäre "wenig sinnvoll". Und natürlich landen auch die Umsätze größtenteils bei Thalia, somit auch ein Teil der unglaublich enttäuschenden 5 Millionen Gewinn im letzten Geschäftsjahr.
    Nach der Bekanntgabe dieser Zahlen und dem daraus resultierenden Pressewirbel sprach Herr Busch in einem internen Rundschreiben zudem noch von "gemeinsamen Anstrengungen". Ober damit auch die Grüttefien-Mitarbeiter gemeint hat? Ganz bestimmt, alles andere wäre "irreführend und wenig sinnvoll".

    Aber warum nur sollte man nun die betreffenden Kollegen, die ja auch ihren Anteil an der Erwirtschaftung dieses Gewinnes hatten, mittels dieser Ungleichbehandlung "irreführen"? Das ist doch eigentlich "wenig sinnvoll".

    Genug der Rätselei. Niemand, der klaren Verstandes ist und ein wenig Herz in der Brust hat, wird das jemals verstehen können. "Irreführend und wenig sinnvoll" ist demnach nur, dass man nicht die tatsächlichen Gründe für die unterschiedliche Behandlung benennt:

    Viele der Grüttefien-Buchhändler mühen sich an struktur- und sozialschwachen Standorten, teils auch mit wenig buchaffinem Publikum (z.B. Bremen Hansa Carree, Waterfront), die nicht selten "irreführend und wenig sinnvoll" gewählt sind. Zudem haben sie massiv unter den "irreführenden und wenig sinnvollen" Verfehlungen der insolvenzerfahrenen Grüttefien-Zentrale in Varel zu leiden.

    Würde man nun die Löhne angleichen, müsste man zwangsläufig viele Filialen aufgrund der nicht mehr gegebenen Wirtschaftlichkeit schließen.

    Ergo: Bei läppischen 5 Millionen Gewinn muss natürlich die Maxime gelten "Besser wenig Gewinn als gar kein Gewinn". Und da wäre eine solche Maßnahme natürlich "irreführend und nicht sinnvoll".

    Grüttefien ist somit ein leidiges Überbleibsel aus der Zeit, als Thalia noch um jeden Preis wachsen wollte.
    In der Rückbetrachtung eine "irreführende und wenig sinnvolle" Strategie.

    Das also sind die Gründe, eindeutig und unzweifelhaft, kein bischen "irreführend".

    Sollte man nun annehmen, dass die Thalia-Geschäftsführung mit den "gemeinsame Anstrengungen" sich selbst auch meint und irgendwelche Lehren daraus zieht...?

    ...das wäre höchstwahrscheinlich "wenig sinnvoll".

  • Düsselbarsch

    Düsselbarsch

    Bei den Löhnen können sich die wahrscheinlich einige Kollegen bei den HARTZ IV-Empfänger (hier: Aufstocker!) einreihen.

    Ich wünsche viel Erfolg im Kampf für eine (tarif-) gerechte Entlohnung.

  • wettbewerber

    wettbewerber

    können eigentlich kleine und mittlere Buchhandlungen nach Tarif bezahlen?? wohl kaum.

    Bei uns gibts je nachdem gestaffelte Stundenlöhne von 7 euro bis 11,50 Euro

  • Buchkünstlerin

    Buchkünstlerin

    Alles altbekannt. Weiß in der Branche doch jeder, dass nur bei Thalia Nord und Thalia West Tarif nach gezahlt wird. Frag nach bei Buch-Kunst, Gondrom u. s. w. Von Thalia Schweiz und Thalia Österreich wollen wir gar nicht erst reden.

    @branchenkenner: Ganz toller Post. Danke.

  • branchenkenner

    branchenkenner

    @ 3. wettbewerber: bedeutender unterschied - thalia könnte - will aber nicht.

    @ 4. Buchkünstlerin: danke bzw. gerne.

  • Aushilfe

    Aushilfe

    Ich arbeite in einer Thalia Filiale (West) als Aushilfe. Inzwischen auf dem 10. Arbeitsvertrag, ohne Anspruch auf Urlaub (Filialleitung sagt, Urlaub sei mit dem Urlaubsgeld abgegolten), ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (wer krank ist, wird nicht eingeplan), mit 5 Tagen Kündigungsfrist, der Betriebsrat schluckt das so... und ich hab zu viel Schiss mich zu beschweren, weil ich den Job brauche. Und weil das Arbeitsklima gut ist. Trotz unter 8 Euro in der Stunde. Und das ist weniger als festangestellte Kollegen mit gleichem Arbeitsgebiet verdienen.

    Es ist nicht nur Grüttefien. Und es war nicht nur 2012.

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