Die Sonntagsfrage

Speed-Meeting in Leipzig: Wer kriegt den Job, Frau Dörrich?

Der Verbund Verlage der Zukunft und die Leipziger Buchmesse laden nächsten Freitag zum Speed-Meeting – und geben damit Nachwuchskräften die Chance, sich zehn Verlagen von ihrer besten Seite zu präsentieren. Jeder der zehn Bewerber hat dafür allerdings gerade einmal acht Minuten Zeit. Ob das reicht? Und worauf Unternehmen derzeit besonders achten? Antworten von Sabine Dörrich von der Personalagentur Dörrich.

Sabine Dörrich

Sabine Dörrich © privat

Wer wenig Zeit hat, muss sich auf das Wesentliche konzentrieren. Das macht Speedmeeting als Methode schwierig – und zugleich sehr reizvoll: Effizienter als durch ein persönliches Gespräch, auch wenn es nur acht Minuten dauert, lässt sich kaum herausfinden, ob ein Bewerber dieses gewisse „Etwas“ hat, das wir suchen.

Was mich angeht: Ich werde in Leipzig tatsächlich einige konkrete Angebote dabei haben, vor allem für die Bereiche Herstellung und Vertrieb. Und auch wenn es etwas abgetragen und banal klingt: Die fachliche Qualifikation muss stimmen, aber die persönliche Ausstrahlung ist ebenfalls wichtig. Personalentscheider legen viel Wert auf diesen menschlichen Faktor.

Mich interessiert in erster Linie, wie jemand auftritt, wie aktiv er wirkt, welche Fragen er stellt und wie viel Verantwortung er dafür übernimmt, dass ein guter Dialog in Gang kommt. Daran lässt sich eine ganze Menge ablesen, vor allem – wie engagiert jemand an seine Aufgaben herangehen wird, wie team- und kommunikationsfähig er ist.

Gerade bei jungen Nachwuchskräften erlebe ich es leider recht häufig, dass sie an Bewerbungs- und Karrieregespräche ziemlich passiv rangehen. Auf Fragen antworten sie oft einsilbig, wollen umgekehrt nur wenig wissen, wirken introvertiert oder schüchtern. Man überlegt dann schon, ob so jemand zum Beispiel im Kundenservice oder einem anderen Job mit viel Anforderung an die Kommunikationsfähigkeit richtig ist.

Junge Leute haben eigentlich einen Sympathiebonus, aufgrund ihrer oft erfrischenden Art und ihrer Neugier. Mit diesem Pfund können sie wuchern. Dass sie bei allem manchmal etwas unsicher agieren, nimmt ihnen kein Personalentscheider übel. Mir jedenfalls ist eine schräge oder vielleicht auch falsche Antwort lieber als eine regelkonforme 0815-Antwort. Ich rate deshalb immer dazu, möglichst authentisch und unverkrampft aufzutreten.

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8 Kommentar/e

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  • Marie

    Marie

    "Effizienter als durch ein persönliches Gespräch, auch wenn es nur acht Minuten dauert, lässt sich kaum herausfinden, ob ein Bewerber dieses gewisse „Etwas“ hat, das wir suchen."
    in ACHT Minuten trauen Sie sich zu, einen Menschen zu beurteilen, Frau Dörrich? Ich nenne so was anmaßend, um nicht zu sagen menschenverachtend. Aber bei der derzeitigen Wirtschaftslage werden sich genug Bewerberinnen finden, die bei Ihnen vorstellig werden.

  • Lutz-Jochen

    Lutz-Jochen

    @ Marie

    "Aber bei der derzeitigen Wirtschaftslage werden sich genug Bewerberinnen finden, die bei Ihnen vorstellig werden."
    -----
    Glaube ich nicht. Erstens bewerben sich wirklich gute und talentierte Köpfe nicht im Buchhandel und zweitens gehen sehr viele junge Talente ins Ausland und denken nicht mal entfernt daran, sich im deutschen Buchhandel zu bewerben. Schon gar nicht bei einem Speed-Meeting.

  • Julia Kaufhold

    Julia Kaufhold

    @ Lutz-Jochen:

    "Erstens bewerben sich wirklich gute und talentierte Köpfe nicht im Buchhandel ..."
    Genau, im Buchhandel arbeiten keinerlei gute Köpfe – was ist das bitte für ein Vorurteil?
    Davon abgesehen geht es beim Artikel oben um Nachwuchskräfte für Verlage – auch alles Blödmänner bzw. -frauen?

  • C.D.

    C.D.

    Was ist eigtl mit Absolventen/Bewerbern, die von Haus aus keine Draufgänger, Schauspieler oder Selbstbewußtler sind? Die fallen durch solche Maßnahmen nur noch mehr hinten runter. Nicht alle Menschen sind gleich und trauen sich eine solche Art von Meeting zu oder KÖNNEN sich dann dort entsprechend verkaufen. Diese Meetings fördern nur Bewerber, die bereits über ein hohes Maß an Selbstbewußtsein verfügen. Was ist mit den anderen, die vielleicht genau so oder noch leistungsfähiger sind, sich aber einfach nicht so präsentieren KÖNNEN oder mal ein bißchen "Starthilfe" brauchen. Wäre es nicht sinnvoller diesen Menschen mal eine Plattform zu schaffen? Und nicht immer nur dem gleichen Charakteren, die durch ihre Art so oder so die Chancen auf ihrer Seite haben. (Was ein natürlicher und logischer Prozeß ist und auch kein Vorwurf an die Menschen, die Selbstbewußt sind.) Wäre nur schön wenn Bemühungen dahin gehen würden, ALLEN eine Chance zu geben und nicht die Zurückhaltenden noch mehr auszugrenzen. Sollte man vielleicht mal drüber nachdenken oder eben lieber doch in ein Gespräch von 30 bis 40 min investieren, da bleibt nämlich vielleicht genügend Zeit auch die "anderen" Bewerber mal aus der Reserve zu locken, die vielleich 20 min brauchen, um aufzutauen und kein acht.

  • Eule

    Eule

    @ Julia Kaufhold

    "...auch alles Blödmänner bzw. -frauen?...."

    Naja, es geht ja nicht um blöd oder nicht. Auch der Buchhandel möchte ja am liebsten nur die Besten der besten und keinen Durchschnitt oder unter Durchschnitt. Und ob die High-Potentials wirklich in den Buchhandel gehen? Bei den Gehältern? Also ich weiß nicht.

  • Angelika Rausch

    Angelika Rausch

    Mir ist das zuviel Pessimismus in den Kommentaren. Die Buchbranche bietet durchaus ein attraktives Aufgabenfeld für alle möglichen Menschentypen. Und Sabine Dörrich traue ich voll und ganz zu, sich in aller Kürze ein realistisches Bild von der BewerberIn zu machen. Nur zu, nutzt die Chance!

  • Sabine Dörrich

    Sabine Dörrich

    @ 4. C.D. Sie haben sicher Recht, dass etwas introvertiertere Persönlichkeiten in Gefahr laufen unterschätzt werden. Aber erfahrene Personalentscheider wissen durchaus zu differenzieren und auf Zwischentöne zu achten. Übrigens hat der extrovertierte "Selbstdarsteller" nicht per se die besseren Karten!
    Bei dem Speed-Meeting wird niemand ausgegrenzt. Ich persönlich freue mich auf jedes einzelne Gespräch. Und wer daran nicht teilnehmen kann oder will, findet bei mir auch auf anderem Wege jederzeit ein offenes Ohr.

  • Linda

    Linda

    @Marie: Ich würde das keinesfalls als anmaßend oder menschenverachtend bezeichnen. Ich finde es unpassend, das Sie das Frau.Dörrich vorwerfen. Sie sagte nicht, dass Sie Menschen sofort danach beurteile. Ich denke, dass Speed-Meeting ist eine tolle Chance, einen guten Eindruck zu hinterlassen.

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