Kommentar

Manege frei für den Börsenzirkus

Bei der Douglas-Hauptversammlung in der vergangenen Woche in Hagen äußerten sich "mehr oder weniger ernst zu nehmende Charaktere zur Zukunft des Buchhandels", meint Börsenblatt-Redakteurin Christina Schulte.

Christina Schulte, stellvertretende Börsenblatt-Chefredakteurin

Christina Schulte, stellvertretende Börsenblatt-Chefredakteurin © Werner Gabriel

Sie waren alle anwesend: Die Krekes, die Oetkers und die Müllers – mithin jene Personen, die bei Douglas ganz entscheidend den künftigen Kurs bestimmen. Sie hätten in der vergangenen Woche bei der Hauptversammlung Licht ins Dunkel der Essener Grugahalle bringen können. Aber sie taten es nicht. Stattdessen taten, zumindest die Oetkers und Drogerie­unternehmer Erwin Müller, der mit Sohn angereist war, das, was sie gewöhnlich zu tun pflegen: schweigen. Selbst die vehementen Aufforderungen der versammelten Ak­tio­näre, endlich Farbe zu bekennen, wer welche Pläne mit seinen Douglas-Anteilen hegt, verhallten unbeantwortet.

Sprechen, qua Amt, mussten Henning Kreke, der Vorstandschef, und sein Vater Jörn Kreke, der Aufsichtsratsvorsitzende. Doch auch aus ihren Worten war es schwer, Details, etwa für den Einstieg von Finanzinvestoren, abzuleiten. Sprechen und wenig sagen – das schließt sich bekanntermaßen nicht aus.

Klare Worte in Sachen Thalia fanden hingegen Anteilseigner und Aktionärsschützer. Sie hätten lieber die Variante gesehen, Thalia abzustoßen, statt Millionen in die Restrukturierung des Filialisten zu buttern. Wenig Verständnis also haben viele Anteilseigner für das Buchgeschäft – und nur rudimentäre Kenntnis davon, wie es funktioniert: vom Selbstdarsteller über den Kritiker, der mal hart mit der Unternehmensführung ins Gericht gehen will, bis hin zum Quasi-Kabarettisten, der selbst über seinen Auftritt lachen muss – es äußerten sich mehr oder weniger ernst zu nehmende Charaktere zur Zukunft des Buchhandels. Aber: Was in Essen während der fünfeinhalbstündigen Hauptversammlung geboten wurde, gehört zum Börsenzirkus dazu.

Insofern ist es durchaus verständlich, dass sich die Gründerfamilie lieber ohne Diskutanten und ohne den Druck der Börse um die weitere Strategie von Douglas kümmern würden. In Ruhe eben, wie immer wieder betont wird.

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2 Kommentar/e

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  • Mohammed Chang

    Mohammed Chang

    Es ist, wie es immer war hier beim Börsenblatt. Dies ist kein Kommentar.„Der Kommentar nimmt im Regelfall zu einer aktuellen Nachricht Stellung. Er erläutert die Wichtigkeit des Themas, interpretiert die Bedeutung, macht mit Zusammenhängen vertraut, stellt Kombinationen an, wägt unterschiedliche Auffassungen ab, setzt sich mit anderen Standpunkten auseinander und verhilft dem Leser dazu, sich ein abgerundetes Bild über das Ereignis zu machen.“ Projektteam Lokaljournalisten (Hg.), ABC des Journalismus, 6. Aufl. 1990, S. 109. Gefunden bei Wikipedia.

  • Bruna

    Bruna

    Liebe Heide, Lieber Erich,Vor zwei Tagen bin ich mit 4 von Heides Bfcchern hier Zuhause in Vancouver, Britisch Kolumbien angekommen. Kennengelernt habe ich Euch auf der Boot im Januar, wdieer gesehen habe ich Euch in Dfcren. Zur Schiffstaufe und zu Euren Geburtstagen we4re ich gerne gekommen, es bleibt bei Besten Wfcnschen aus der Ferne. Auch ich glaube an die 3 der guten Dinge, und so hoffe ich bei Euch auf der Freydis auch mal mit Hand anzulegen.Gutes gelingen!Lieben GrudfAndreas

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