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Zusatzgeschäft, aber kein Ausverkauf

Kommerzielle Leihangebote für E-Books kommen – neben der "Onleihe" in Stadtbüchereien – vor allem Viellesern zugute. Die Anbieter werben mittlerweile mit unterschiedlichen Flatrate-Modellen. "Allerdings sollte man nicht einer schrankenlosen Flatrate-Strategie das Wort reden", meint Börsenblatt-Redakteur Michael Roesler-Graichen.

Michael Roesler-Graichen

Michael Roesler-Graichen © Nicole Hoehne

E-Books haben ihren Preis. Doch der Kunde, der im Onlineshop ein elektronisches Buch kaufen soll, zögert nicht selten, wenn er den Eurobetrag liest, mit dem sein Konto belastet werden soll – obwohl dieser den Preis für ein gedrucktes Buch meist unterschreitet. Ist das E-Book einmal gekauft und gelesen, kann der Käufer nicht viel mehr mit ihm anfangen. Er kann es in der Regel nicht verleihen, er kann es nicht verschenken und er kann es – da er nur eine Lizenz erworben hat – nicht weiterverkaufen.

Die E-Book-Leihe – ob über die "Onleihe" in Stadtbüchereien oder auf den Plattformen kommerzieller Anbieter – ist da möglicherweise eine Alternative. Digitale Vielleser können sich dort ihren Lesestoff für eine befristete Zeit beschaffen und müssen in der Regel nur wenig dafür bezahlen. Branchenbeobachter sehen in dieser Zielgruppe ein klares Potenzial für eine Markterweiterung.

Seit kommerzielle Anbieter wie Skoobe und PaperC mit sogenannten Flatrate-Modellen in den Markt gehen oder diese ankündigen, wird zudem die Frage gestellt, ob die E-Book-Leihe am Ende nicht das zweckmäßigere Distributionsmodell für digitale Inhalte sein könnte – nicht nur aus Preisgründen, sondern weil sie dem Bedürfnis der Leser nach "Convenience" entgegenkommt und zugleich pirateriehemmend wirken könnte.

Allerdings sollte man nicht einer schrankenlosen Flatrate-Strategie das Wort reden. Zum einen sind Gelegenheitskäufer mit einem E-Book, das sie dauerhaft in Besitz nehmen, meist besser bedient. Volumenunabhängige Content-Angebote bergen zudem die Gefahr, dass das Bewusstsein für die Wertigkeit eines E-Books verloren geht. Die Folge könnte ein unaufhaltsamer Preiswettbewerb unter Flatrate-Anbietern sein, der zu einem Preisverfall führt. Kommerzielle E-Book-Leihe sollte eher als Zusatzgeschäft gedacht und in Maßen vorangetrieben werden – sonst würden dem Ausverkauf der Inhalte Tür und Tor geöffnet.

Lesen Sie dazu im aktuellen Börsenblatt, Heft 13, auch die Beiträge "Chance zur Marktausweitung" (S. 16/17) und "Wachstumsschmerzen bei der Onleihe" (S. 18).

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1 Kommentar/e

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  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    Interessantes Thema, das ich aber etwas anders sehe. Ich habe es hier (leider mit etwas Verspätung) kommentiert: http://www.alles-fliesst.com/?p=290

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