Urheberrecht: "Handelsblatt"-Aktion

Kreative gegen Umsonstkultur

Die Debatte ums Urheberrecht schlägt weiter hohe Wellen: In der Osterausgabe des "Handelsblatts" protestieren 100 Autoren, Künstler, Werbeschaffende, Softwareentwickler und Unternehmer "gegen die Umsonstkultur im Internet". Die Aktion "Mein Kopf gehört mir!" füllt vierzehn Seiten der Ausgabe.

© Handelsblatt

Sven Prange stimmt mit seinem Beitrag "Kreative, hört die Signale!", in dem er sich insbesondere mit der Urheberrechtspolitik der Piraten befasst, auf die Aktion ein. Sein Fazit: "Der Schutz des geistigen Eigentums ist daher auch Freiheitspolitik. Wir sollten es laut und deutlich sagen: Mein Kopf gehört mir!"

Unter den 100 Protestlerin, die auf den folgenden zwölf Seiten für die Handelsblatt-Aktion ein Statement abgaben, sind aus der Literaturszene und Buchbranche unter anderem vertreten: die Autorinnen Katrin Burseg, Julia Franck, Julia Friedrichs, Gaby Hauptmann, Brigitte Kronauer und Juli Zeh, Anselm Grün, der Verleger und Journalist Christian von Zittwitz, der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands Michael Konken, Philipp Welte (Vorstand Hubert Burda Media), Bernd Buchholz (Vorstandschef Gruner + Jahr), Torsten Casimir (Börsenblatt), Rainer Moritz (Literaturhaus Hamburg), die Verlegerin Antje Kunstmann, der Verleger Wolfgang Ferchl (Knaus) und der Vorsteher des Börsenvereins Gottfried Honnefelder.

Gottfried Honnefelder schreibt in seinem Statement: "Permanenz, Öffentlichkeit und Auswahl unter vielen – das sind die Standards, die das Buch- und Verlagswesen zum unverzichtbaren Element neuzeitlicher Kultur haben werden lassen." Wenn dies infrage gestellt würde, würde viel aufs Spiel gesetzt. "Deshalb kann eine aufgeklärte Kulturnation auf das Urheberrecht nicht verzichten."

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7 Kommentar/e

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  • Peter Pan

    Peter Pan

    Was für ein Hohn - Bernd Buchholz, dessen G+J-Verlag seinen Autoren gerne im total buyout sämtliche Rechte für lau abzwingt, gibt sich als "Kreativer gegen Umsonstkultur". Selten so gelacht!

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Dann lachen Sie gleich noch mal: die Kritik an angeblich zu niedrigen Honoraren kommt von Leuten, die die Honorierung ganz abschaffen wollen.

    Dass im Dreieck Autor - Verlag - Konsument der Konsument das Urheberrecht abschaffen will und alles für lau möchte, ist so blöde wie verständlich. Dass die Autoren und Verlage es nicht wollen ebenfalls. Fragt sich nur, wieso das so ein Grund für Aufregung sein soll. Wenn Piraten die teilweise Abschaffung des Eigentums durchsetzen wollen ist das auch nicht originell. Originell ist nur, dass aufgeregte Politiker aller Parteien aus Angst um ihr Wahlergebnis ihr Gehirn abschalten und ein Piratenfähnchen hissen. Irgendwann werden sie aufwachen und einen schlimmen Kater haben.

  • Silke Bicker

    Silke Bicker

    @ulmer:

    Nur das gegen diesen Kater dann weder Tomatensaft noch Rollmops eine Linderung verschaffen werden. Irgendwie kommt mir das alte Bild diverser Asterixhefte in den Sinn: das Schiff kracht auseinander, Piraten krallen sich an treibenden Balken fest und der Ausguck im Korb fragt freundlichblöde "Was is los, war was?"

  • saguenay

    saguenay

    "Mein Kopf gehört mir"

    Das Recht auf den eigenen Kopf mag man den Unterzeichnern auf keinen Fall nehmen - im Falle der meisten möchte man wohl auch gar nicht so genau wissen, was in deren Kopf so vorgeht, geschweige denn denselben sich in gut mittelalterlicher Tradition auf eine Pike gepflanzt vors Haus/die Burg stellen. Insofern ist die Angst der Unterzeichner vor Kopflosigkeit vielleicht ein wenig viel des Guten.

    Nun bin ich selbst davon überzeugt, dass das Urheberrecht eine sehr nützliche und sinnvolle Sache ist, und definitiv nicht abgeschafft werden sollte, bzw habe ich keinerlei Probleme damit, dass jemand mit Kopferzeugnissen Geld verdienen will. Ich selbst rühre ohne Geldkarotte vor der Nase nur in den seltensten Fällen einen Finger (ok, Böblatt Spamposts sind die Ausnahme von der Regel) und kann den pekuniären Drang anderer also gut verstehen.

    Der eine oder andere Aspekt der Kampagne stört denn aber doch.

    Dass der "Mein Bauch gehört mir"-Slogan aus den 70ern, hier schamlos aber in urheberrechtlich wohl sauberer Weise abgekupfert bzw. auf andere Körperteile hin uminterpretiert wurde, ist weiter kein Problem.

    Dass eine Anzahl der Unterzeichner allenfalls kreativ im Verwerten der Arbeiten von Kreativen ist, ist zwar verständlich, im Sinne des Slogans aber nicht ganz so korrekt. Für Bernd Buchholz u.a. würde z.B. eher gelten: Die Köpfe meiner Autoren gehören mir.

    Nun gehört zum Recht auf den eigenen Kopf auch die Freiheit, diesen an jemand anderen abzugeben. Den Kopfverwerter selbst aber als "Kreativen" zu bezeichnen, ist aber dann doch etwas viel des Guten. Auch wenn sogar klassisches Management mitunter ein nicht unbeträchliches Mass an Kreativität erfordert, kämen doch die wenigsten auf die Idee etwa Josef Ackermann als einen typischen "Kreativen" zu bezeichnen.

    Vermutlich wäre mir die laufende Kampagne um einiges sympathischer, hätten nicht kürzlich auch die betriebskreativen Drehbuchschreiber der Tatort-Reihe rotzfrech zugunsten ihrer mit öffentlichen Zwangsgeldern finanzierten "Produkte" lautstark aufs Urheberrecht gepocht. Nun lässt sich gerade im Falle einer unverlangt erbrachten und mittels einer pauschal erhobenen Zwangsabgabe finanzierten Leistung einwenden, dass diese der Allgemeinheit unentgeltlich zur Verfügung stehen muss, und der Versuch, beim Finanzier doppelt abzukassieren so seriös ist, wie der Vertrieb von Raubkopien (die Diskussion hatten wir hier kürzlich).

    Das Wissen, dass der Zwist ums Urheberrecht auch derartige Trittbrettfahrer mit sich zieht, bzw. die Materie als solche weitaus komplexer ist, als man mit solch holzschnittartigen Kopfjägerslogans ausdrücken kann, lässt mich das Ganze mit einer gewissen Skepsis sehen.

    Davon abgesehen hätte das Urheberrecht einfach Besseres verdient als das hohle, vorzeitliche Pathos Sven Pranges und diesen s.....dummen Kopfnussslogan.

  • Michael Kehrer

    Michael Kehrer

    @saguenay:
    Interessant, wie sich Ihre Argumentation entwickelt, sehen Sie doch das Urheberrecht, zumindest in den ersten Absätzen nicht gleich als Teufelswerk oder Knebel der "Contentmafia"
    Und sicher sind auch die Einwände berechtigt, daß manch ein Verwerter erst einmal vor der eigenen Tür zu kehren hätte.
    Ihnen aber das Recht auf eigene Meinung abzusprechen, und dann mit dem in den einschlägigen Lausaugerforen immer wieder durchgekauten Argument der "betriebskreativen Drehbuchschreiber" die "mittels einer pauschal erhobenen Zwangsabgabe finanziert" werden zeigt dann doch die wahre Gesinnung. Glauben Sie denn, daß die Tatortautoren alle festangestellt sind, einmal im Jahr ein Drehbuch abliefern und dann wieder auf ihre Karibikinsel fliegen? Und wenn's so wäre, darf man seine Meinung dazu blos noch äussern, wenn man selbst schon durch Raubkopien zum Hartz4-Empfänger wurde?

    Die hätten es wohl besser wie Sie gemacht, einfach schön anonym "s....dumme" Stammtischparolen abgesondert...

  • mod1965

    mod1965

    @saguenay & Michael Kehrer:
    Dieses Gespräch erinnert mich an AStA-Diskussionen: Nur für niedrigere Studiengebühren demonstrieren? Oder gleich auch noch für Abrüstung, Minderheitenrechte und mehr Bürgerrechte in Ost-Timor und Solidarität mit der KP Albaniens in einem Abwasch? Ich würde raten: Lasst uns über das Essentielle zuerst verhandeln, und das ist as Urheberrecht. Die "Nebenwidersprüche" kommen danach dran. Alles andere freut nur Cpt. Jack.

  • saguenay

    saguenay

    @Michael Kehrer

    Ich spreche diesen Leuten nicht das Recht ab, ihren Unsinn in die Welt hinaus zu posaunen, sondern nur, für Produktionen, die bereits mittels einer Zwangsabgabe finanziert wurden, nochmals kassieren zu wollen.

    Sie erwarten schliesslich auch nicht, dass die Angestellten der Stadtverwaltung Ihnen Ihren neuen Pass erst dann aushändigen, wenn sie einen Briefumschlag mit Bakschisch über den Tresen wandern lassen.

    Nun mögen die Drehbuchschreiber keine Festangestellten sein, aber das System des ÖR ist nun einmal mit öffentlichen Geldern finanziert, weshalb die Allgemeinheit auch ein unentgeltliches Nutzungsrecht für die in diesem Rahmen produzierten Arbeiten verlangen kann. Ob die quengeligen Drehbuchschreiber in einem freien von Angebot und Nachfrage bestimmten System überleben würden, oder doch nur Dauergäste der Arbeitsagentur wären, lassen wir mal dahingestellt.

    Der ÖR verschlingt jährlich ca- 7,5 Mrd. Euro. Vergleicht man dies mit den Umsatzziffern der Buchbranche, dann drängt sich der Gedanke auf, dass der grösste Klau offenbar nicht von Seiten der Raubkopierer stattfindet.

    Was die Hartz IV Bemerkung betrifft: Ein Merkmal dieser Debatte ist, dass manchmal gerade die am lautesten schreien, bei denen man sich fragt, ob sie nun unter den Folgen des Klaus leiden, oder eher unter der Erkenntnis, dass ihre Arbeiten nicht einmal dann Abnehmer finden, wenn sie kostenlos auf irgendwelchen Plattformen angeboten werden.

    All dies rechtfertigt den Diebstahl an sich natürlich noch lange nicht, genausowenig wie andere, subtilere Formen des Diebstahls, siehe ÖR.

    @mod1965

    Da haben Sie durchaus Recht. Man sollte das Eine sauber vom anderen trennen. Abgesehen davon ist wg. der politischen Implikationen der ÖR ohnehin das dickere Brett, das einiges Mehr an Bohraufwand erfordert, als der Schutz des Urheberrechts.

    Wenngleich mit der Gedanke einer "Kulturflatrate" schon allein deshalb nicht gefällt, weil er mir zu sehr nach ÖR aussieht ;-)

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