Buchcamp 2012

Hausbesuche vom Buchhändler

Vom E-Reader-Support bis hin zur Facebook-Selbsthilfegruppe: Seit gestern läuft das dritte Buchcamp auf dem Mediacampus in Seckbach. Einblicke in den ersten Veranstaltungstag.

Auftaktveranstaltung in der Mensa

Auftaktveranstaltung in der Mensa © Claus Setzer

Teilnehmer präsentieren ihre Session-Vorschläge

Teilnehmer präsentieren ihre Session-Vorschläge © Claus Setzer

Viele Azubis und Studenten, viele Buchhändler, gute Frauenquote: Das ist der erste Eindruck bei der Auftaktveranstaltung Samstag Mittag in der Lyx-Mensa. Noch gibt es kein Programm, nur einen Zeitrahmen mit leeren Veranstaltungs-Slots. Gleich werden einige der 140 Teilnehmer im Minutentakt ihre Sessionvorschläge vorstellen. Und eine halbe Stunde später einen frisch gedruckten Veranstaltungsplan in der Hand halten. Willkommen im Barcamp.

Die Prämisse: Jeder weiß etwas und kann zur Erschließung eines Themas beitragen. Wenn der Buchhandelsazubi mit der Marketingleiterin diskutiert und der Programmier-Profi mit dem Texter, führt das im besten Fall zu neuen Sichtweisen und kreativen Lösungen.

In der Gruppe "E-Reader und E-Book-Support" profitierte Nickolai Eckerlein, Carlsen Verlag, vom den Erfahrungen der anwesenden Buchhändler. Zusammen mit seiner Projektgruppe, die im Rahmen der Börsenvereins-Initiative ProtoTYPE entstanden ist, will Eckerlein ein zentrales, an Sortimenter gerichtetes Hilfesystem für Reader und Software entwerfen. Bedarf ist vorhanden: Besonders DRM-geschützte Dateien bereiten Schwierigkeiten, da Kunden neue E-Books nur am eigenen Rechner runterladen können. "Ich bin jetzt schon so weit, dass ich Hausbesuche anbiete", klagt Buchhändlerin Susanne Martin. Oft sei auch nicht klar, wohin man defekte Lesegeräte schicken soll. "Hier wäre hilfreich, wenn wir eine komplette Adressliste hätten", so Martin. Selbst für Amazon sollen stationäre Buchhändler noch Support leisten: "Wir haben häufig Kunden, die mit ihrem Kindle zu uns in den Laden kommen", berichtet Marie Birkert vom Kulturkaufhaus Dussmann. Und, ja, es gibt Kunden, die nachfragen, wie schwer ein Reader wird, wenn man E-Books darauf lädt.

In der Gruppe "Skills und Ausbildung im elektronischen Publizieren" tauschten 27 Azubis, Studenten und Jobneulinge mit den "Dinos" ihre Erfahrungen aus. Wie passen Lehre und Anforderungen im Verlag zusammen? Fazit: Vor allem bei den Themen Projekt- und Produktmanagement gibt es in der Ausbildung ein deutliches Defizit. Die Azubis und Studenten wünschen sich mehr Aktivitäten vom Verband, der Workshops initiieren oder Praktika in Unternehmen unterstützen könnte. Hilfreiche Anregungen für Gruppenmoderator Hans Huck, der im Arbeitskreis Elektronische Publizieren (AKEP)  für das Thema Ausbildung zuständig ist.
 
Praktische Tipps lieferte die "Selbsthilfegruppe für Facebook-Administratoren", moderiert von Stefanie Leo und Wibke Ladwig (hier die Präsentation). "Die erste Euphorie ist verschwunden, die Anforderungen der Nutzer sind gestiegen", bemerkte Frank Krings, Social-Media-Experte bei der Frankfurter Buchmesse. Geschichten erzählen statt bloßer Produktinfos, ein informeller Schwatz genau wie an der Ladentheke – damit machen Gruppenteilnehmer gute Erfahrungen. "Die meiste Kommunikation findet dann statt, wenn die Einträge persönlich werden – auch, wenn sich jemand nur in den Finger geschnitten hat", berichtet Buchhändlerin Dorothee Junck vom Buchladen Neusser Stasse in Köln. Es gelte der alte Spruch: "People like people". Wichtig sei es, so Stefanie Leo, sich mit aktiv mit anderen zu vernetzen und auch Einträge auf anderen, thematisch passenden Facebook-Sites zu machen. Die Frage, ob jede Buchhandlung eine Facebook-Seite braucht, wurde kontrovers diskutiert. Allerdings sollte man nicht halbherzig aktiv werden. Denn dann wird es auch nichts, so der Rat der Expertinnen.
 
Veranstaltet wird das Buchcamp vom Forum Zukunft im Börsenverein. Mehr als die Hälfte der etwa 140 Teilnehmer sind dieses Jahr zum ersten Mal dabei, darunter viele Buchhändler. Am Samstag und Sonntag finden 24 etwa einstündige "Sessions" statt, die von den Teilnehmer selbst vorgeschlagen wurden. Das Organisationsteam rund um Katharina Liehr (Börsenverein) und Anke Naefe (Media Campus) hat den Veranstaltungsplan und mehrere Videos online gestellt. Bei Twitter ist die Veranstaltung unter dem Hashtag #buchcamp zu finden.

Einen ausführlichen Bericht finden Sie in der nächsten Ausgabe des Börsenblatts, die am Donnerstag erscheint. 

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3 Kommentar/e

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  • S.

    S.

    Ich hätte Geld drauf setzen sollen, dass Dorothee Junck in ihrem Beitrag namentlich erwähnt wird. Hat es irgendeinen Grund, dass sie zur Dauerfigur im Börsenblatt geworden ist?

  • milena

    milena

    Und Susanne Martin und Stefanie Leo, Leander Warrig, Rene Kohl, Jan Hoffmann, Wibke Ladwig - natürlich tauchen Menschen immer wieder auf, die was vorantreiben möchten.
    Bist Du auch auf dem Buchcamp gewesen? Wir hätten S sicherlich auch gerne befragt. Einfach melden.

  • René Kohl

    René Kohl

    Mir hat am Buchcamp sehr gut gefallen, daß dort deutlich mehr Buchhändler als vor einem Jahr involviert waren.
    Es gab mindestens 4 Sessions mit explizit buchhändlerischen Themen.
    Diskutiert wurde sehr fachlich, sehr konkret, sehr kompetent und in alle Richtungen (was bedeutet "Anpassungen an den digitalen Wandel", "Weiterentwicklung der stabilen Warengruppen", "Erweiterung auf neue Sortimente"?).
    Einen Hang zur Selbstdarstellung konnte ich nicht erkennen, aber die Bereitschaft, sich tief in die eigenen Karten schauen zu lassen, um Impulse zu geben, Fehleranalyse zu betreiben, Alternativen zu diskutieren.
    Jan Hoffmann hat hier für 2 Sessions hervorragenden Input gegeben.
    Beinahe ungewollt entstanden in einer der Sessions z.B. nebenbei Ideen für eine eine Einkaufsgemeinschaft Nonboooks.

    Die Session über eBook-Reader/eBook-Support brachte für meinen Geschmack vor allem Klarheit darüber, daß in Bezug auf digitale Güter ("eBooks") unsere Verkehrsordnung dringend überholungs- oder ergänzungsbedürftig ist. Vielleicht läßt sich diese Erkenntnis in die entsprechenden Gremien tragen.

    An den "Buchhändlerthemen" beteiligten sich auch viele KollegInnen aus anderen Sparten - und konnten viele wertvolle Hinweise geben (und unsere Buchhändlersicht korrigieren und ergänzen). Das scheint mir ein weiteres Plus am Buchcamp.

    Das Bemerkenswerte am Buchcamp ist der Workshop-Charakter. Weniger Frontalpräsentation, weniger "Top-Down"-Wissensvermittlung - mehr Augenhöhe. Ich finde, wir haben in dieser Hinsicht nicht zu viele Angebote auf dem Markt.

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