Kommentar

Von Abstaubern und "Enablern"

In der wogenden Urheberrechtsdebatte werden Verleger von einer Seite gern als "Verwerter" bezeichnet – ein Zerrbild der Arbeit von Verlagen. "Ohne Verlage gäbe es einen großen Teil unserer Literatur und unseres Wissens nicht", meint Börsenblatt-Redakteur Michael Roesler-Graichen.

Michael Roesler-Graichen

Michael Roesler-Graichen © Nicole Hoehne

Kritiker des Urheberrechts sprechen gern von "Verwertern", wenn sie Verleger meinen. "Verwerter"! Was für ein hässliches, unelegantes, eben nicht neutrales Wort! Es hat den Charme von Abfallverwertung und liefert nur ein Zerrbild dessen, was ein Verleger tut. Aber im Streit um das Urheberrecht ist die Vokabel bestens dazu geeignet, einen Keil zwischen Autoren und Verlage zu treiben. Natürlich verdienen Verlage mit ihren Produkten Geld, manchmal auch sehr viel Geld. Aber in erster Linie sind sie keine Raffkes oder Schmarotzer, sondern Initiatoren, Editoren, Investoren, die Autoren und Werke überhaupt erst ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Sie sind Partner, Förderer – oder, pointiert englisch: "Enabler", Möglichmacher.

Denn mit der Veröffentlichung eines Manuskripts ist es ja nicht getan; das kann im Netz jede Self-Publishing-Plattform. Ein Förderer (im Lateinischen übrigens die zweite Bedeutung des Worts "auctor") macht aus dem Text ein Buch mit all seinen Qualitätsmerkmalen. Und verschafft ihm durch Öffentlichkeitsarbeit und Marketing das passende Umfeld. Er fügt es in ein Programm ein und sorgt für seine Verbreitung. Die geschmähten "Verwerter" tragen so zur kulturellen Wertschöpfung bei und prägen im Idealfall die Kultur unseres Landes. Ohne Verlage gäbe es einen großen Teil unserer Literatur und unseres Wissens nicht – gesammelt und aufbereitet in vielen historisch-kritischen Ausgaben etwa.

"Verwerter" im eigentlichen Sinn sind hingegen die großen "Player", die Content aggregieren, um ihre Suchmaschinen und Anzeigenprogramme zu schmieren. Da ist es beinahe egal, um welche Inhalte es sich handelt, und auf welchem Wege sie beschafft wurden. Die Googles, Facebooks und Yahoos dieser Welt gehen dabei nicht ungeschickt vor: Sie sind richtig gute "Chancenverwerter" – im Fußball nennt man Spieler, die im richtigen Moment vor dem Tor stehen, "Abstauber". Und – das sollte man nicht vergessen – wir Nutzer sitzen in der virtuellen Arena und jubeln mit.

Lesen Sie zum Thema den Beitrag "Großbaustelle Urheberrecht" im aktuellen Börsenblatt, Heft 19, Seite 16/17.

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