Kommentar

Mehr Leben vor der Ladentür

Die Einkaufsstraßen vieler Innenstädte zeichnen sich durch ein gewisses Einerlei aus. Gerade der inhabergeführte Einzelhandel kann dieser Verödung entgegenwirken. Und: "Eine Buchhandlung, die sozialer Treffpunkt ist, hat auch mehr Kundenfrequenz", meint Börsenblatt-Redakteur Stefan Hauck. 

Stefan Hauck

Stefan Hauck © Werner Gabriel

So langsam dämmert vielen Kommunen, dass sie mit der großzügigen Förderung von Einkaufszentren auf der grünen Wiese nicht nur auf den Segen sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen gesetzt haben. Denn gleichzeitig geht damit in vielen Fällen der Fluch der Verödung der Innenstädte einher. Vermieter in 1-a-Lagen, die nur nach den höchsten Mietpreisen schielten, haben ein Übriges dazugetan: Wer heute in Einkaufsstraßen immer gleiches Einerlei vorfindet, mag weder flanieren noch verweilen – die spannenden Schaufenster fehlen.

Die bieten Buchhandlungen zur Genüge, aber wem nicht gerade die Immobilie gehört, der hat es als unabhängiger Buchhändler nicht leicht. Viele von ihnen haben erkannt, dass sie nicht nur ihr eigenes Geschäft, sondern auch das der Nachbarn im Blick haben müssen. Sie engagieren sich in Gewerbevereinen und Marketingverbünden, heben Aktionen für die Einkaufsstraße oder den Stadtteil aus der Taufe und sorgen dafür, dass das Leben vor der Ladentür erhalten bleibt. Denn nur Kunden, die sich in ihrer heimischen Umgebung wohlfühlen, werden die Einkaufsstraßen auch als ihr Lebensumfeld begreifen, in dem sie Freunde und Bekannte nebenbei zum Plauschen treffen. Die Buchhandlung, die auch sozialer Treffpunkt ist, muss sich um Kundenfrequenz weniger Gedanken machen.

Allein kann sie jedoch weniger ausrichten als im Verbund mit anderen Einzelhändlern. Im Konzert der vielen Interessen muss man sich heute schon ausdauernd bemerkbar machen, um gehört zu werden: Die Stadt als Ansprechpartner darf nicht aus der Pflicht genommen werden. Kluge Köpfe in den Magistraten haben begriffen, dass es auch einer ernsthaften Entwicklung der Innenstädte bedarf, um dem Einzelhandelssterben entgegenzuwirken. Denn die Einzelhändler sind die Motoren eines Orts – und Buchhandlungen die kulturelle Tankstelle.

Lesen Sie zum Thema City-Marketing auch den Beitrag "Stadt, Land, Frust" im aktuellen Börsenblatt, Heft 20, Seite 16/17.

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1 Kommentar/e

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  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    Guter Kommentar, vor allem der Aspekt des Einerlei hat mich zum Weiterdenken animiert. Das Ergebnis findet sich hier:

    http://www.alles-fliesst.com/individualitat-schlag t-einerlei/

    • ...

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