dotbooks

Old school publishing mit Digitalkompetenz

Beate Kuckertz (49) war viele Jahre bei Heyne und Droemer Knaur in leitenden Positionen tätig, jetzt hat sie dotbooks gegründet, einen Verlag, der das klassische Verlagsgeschäft ins Digitalgeschäft übertragen will. Nicola Bardola hat Beate Kuckertz für boersenblatt.net besucht. VON NICOLA BARDOLA

dotbooks – der unabhängige E-Book-Verlag mit der Qualität des „old school publishing", mit diesem Slogan tritt die Neugründung auf. Der Verlag verbindet Aufgaben herkömmlicher Buchverlage mit den neuen verlegerischen Herausforderungen. Als Beate Kuckertz 2010 Droemer Knaur verließ, nahm sie sich nämlich Zeit, grundsätzlich über ihre Zukunft und die Zukunft des Verlagswesens nachzudenken.

"Für mich stand fest, dass ich nicht mehr konzernabhängig arbeiten wollte. Die Beobachtungen, die ich in den USA gemacht habe, führten fast zwangsläufig zu der Idee, einen eigenen Verlag zu gründen, der den Schwerpunkt auf E-Books setzt", sagt Beate Kuckertz und verweist auf den Zusammenbruch des Taschenbuchmarktes in den USA zugunsten des stetig weiter wachsenden E-Book-Marktes. "60 Prozent hat das Taschenbuch dort verloren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis uns diese Entwicklung erreicht."

dotbooks soll aber nicht ein weiteres "Self-E-Publishing"–Angebot sein: Von Kindle Direct & Co unterscheidet sich dotbooks vor allem durch ein professionelles Lektorat, für das u.a. Kuckertz‘ langjähriger Weggefährte bei Droemer Knaur zeichnet, Timothy Sonderhüsken. „Gemeinsam haben wir über 40 Jahre Erfahrung im Veröffentlichen guter Unterhaltung. Mit dotbooks wollen wir die verlegerische Kernkompetenz im E-Publishing einführen“, sagt Beate Kuckertz. „Selfpublishing-Verlage versuchen, Geld vom Autor zu nehmen, statt es mit ihm und für ihn zu verdienen, nehmen Manuskripte an, die sich anderswo nicht verlegen lassen, und verkaufen Lektoratsleistung als Zusatzoption“, so Kuckertz. dotbooks hingegen werde Autoren den gleichen Service und die gleichen Qualitäten bieten wie die großen Printverlage, sie aber darüber hinaus stärker an den Gewinnen beteiligen, verspricht Kuckertz.

Im April dieses Jahres hat das bislang fünfköpfige Verlagsteam in der Nähe des  Münchner Goetheplatz seine Räume bezogen, direkt neben den Büros der K5 Publishing GmbH, zu der unter anderem auch der GRIN Verlag gehört. Mit diesem besteht eine enge Kooperation. „Mit GRIN Solutions stellen wir die gesamte Software für dotbooks zur Verfügung, die auch das Abrechnungssystem mit den Autoren beinhaltet“, sagt Gregor von dem Knesebeck, Geschäftsführer des GRIN Verlages, der seit über zehn Jahren Fachbücher, Diplom- und Hausarbeiten als eBook und gedrucktes Buch veröffentlicht.

Das dotbooks-Programm reicht von allgemeiner Belletristik bis Kinder- und Jugendbuch, von Krimi bis Erotik; im Sachbuchprogramm setzt Kuckertz auf Ratgeber, Spaßbücher sowie die Themen Gesundheit, Partnerschaft und Spiritualität. Zum Auftakt sollen im Sommer gut 50 Titel erscheinen, die sich in einer Preisspanne von 99 Cent bis 9,99 Euro bewegen: „Das Angebot wird dem eines guten Publikumverlages entsprechen, allerdings werden die Preise deutlich niedriger sein.“ Der technische Aufwand werde sich in Grenzen halten, zumal auf Multimedia-Elemente verzichtet wird. „dotbooks verlegt keine enhanced E-Books. Wir setzen auf lineares Lesen und starke Geschichten, nicht auf technische Spielereien. Wichtiger ist uns, unseren Autoren größere Flexibilität zu ermöglichen – wenn die Qualität des Textes stimmt, kann auch aus 30 Seiten Manuskript ein gutes E-Book werden. Damit berücksichtigen wir auch das sich stetig verändernde Leseverhalten unserer Kunden", erklärt Beate Kuckertz. Im traditionellen Buchverlag könne man neue Formen schneller U-Bahn-Lektüre nicht kultivieren – bei dotbooks sind neben herkömmlichen Romanen und Novellen auch Kolportageromane und Fortsetzungsgeschichten geplant, von denen regelmäßig neue digitale Kapitel erscheinen sollen.

„Wie in traditionellen Häusern werden wir hier Projekte auch gemeinsam mit den Autoren entwickeln“, so Beate Kuckertz. „Wir verstehen uns als Autorenverlag, der sicher nicht jedes Buch macht oder jede Idee umsetzt, aber jedem Text eine Chance gibt.“ Eine Chance gibt dotbooks auch den Lesern, die weiterhin auf Papier Gedrucktes lesen wollen: „Den Großteil unseres Programms wird es auch als hochwertige Print-on-Demand-Ausgabe geben.“ Klassisch vorproduzierte Auflagen und einen eigenen Buchhandelsvertrieb will Kuckertz nicht ausschließen: „Am Anfang werden wir uns auf den Vertrieb über Internetplattformen und unsere eigene Website konzentrieren. Die Print-on-Demand-Ausgaben haben aber natürlich eine eigene ISBN und können durchaus auch über den stationären Buchhandel bezogen werden.“

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10 Kommentar/e

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  • Susanne Vieser

    Susanne Vieser

    es hat lange gedauert, bis sich mal eine Gründerin an einen E-Book-Verlag wagt. Ich bin gespannt, wie das die Dynamik in der Branche verändert. Leider ist aber der Handel gar nicht auf E-books eingestellt, die verkaufen nur Bücher und haben keine Lade-Stellen für Lesegeräte. Gibt's die eigentlich schon?

    Beste grüße und viel Erfolg an dotbooks! S.V.

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Ich finde das Konzept gut, und ganz besonders zwei Aussagen: Erstens, Verlage kümmern sich um Autoren und zweitens, auch Ebooks sind Verlagsprodukte. Deshalb gehören Autoren, Lektoren und Verlage weiterhin zusammen. Und wenn es digitale Bücher gibt, die diesen Titel verdienen, die eben nicht Drittverwertungen oder Eigeninitiative von Autorenhand sind: Dann ist es gut. Dann hab ich als Buchhändler kein Problem. - Zumal, auf die Frage von Frau Vieser: Na klar, können Sie beim Buchhändler ein Ebook kaufen. Nicht überall, aber da, wo Sie ohnehin gern Bücher kaufen. Im kompetenten Facheinzelhandel.

  • Sebastian Posth

    Sebastian Posth

    Ich wünsche Frau Kuckertz viel Erfolg! Es ist ein gutes und interessantes Konzept, wenn auch mit zahlreichen Herausforderungen verbunden, die der Verlag zu lösen haben wird und die diesem Feature leider nicht angesprochen werden.

    @Susanne Vieser Das Konzept ist allerdings nicht neu, und es ist nicht das erste Mal, dass sich eine Verlegerin an die Gründung eines E-Books-Verlags macht. So hat Christiane Frohmann schon im Sommer des vergangenen Jahres den Verlag eriginals Berlin gegründet: http://www.eriginalsberlin.com.

  • Neugier

    Neugier

    "...sie aber darüber hinaus stärker an den Gewinnen beteiligen, verspricht Kuckertz."
    Im Ernst? Wieviel stärker? Wie autorenfreundlich darf ich mir die Verträge vorstellen? Im Vergleich zum Rest der Branche und im Vergleich zu KDP? Vermutlich ist hier nicht der Platz für Konkretes, aber DAS würde mich WIRKLICH interessieren.

  • Michael Dreusicke

    Michael Dreusicke

    Herzlichen Glückwunsch auch von mir :)

  • theresia kölbl

    theresia kölbl

    Schlecht lektorierte ebooks gibt es leider schon viel zu viele...Ein neuer Verlag mit Herz für Qualität sowie die Autoren und uns Leser im ebook-Geschäft hat schon lange gefehlt! Ich wünsche euch viel Glück und freu mich auf das erste dotbook :)

  • Annette

    Annette

    Ein mutiger Schritt! Auch wenn mir die USPs noch nicht ganz klar sind. Denn wie bereits erwähnt, die Idee ist nicht neu. An dieser Stelle ein wenig mehr Input würde mich freuen.

  • dgu

    dgu

    Es zeugt ja von überbordender "Digitalkompetenz", wenn die Webseite eines Verlages, der das "klassische Verlagsgeschäft ins Digitalgeschäft übertragen will", nichts anders zeigt als "Hier entsteht eine neue Internetpräsenz". Oder soll das verlagseigene Layout (anstelle des immer noch oft anzutreffenden Baustellen-Schildes) bereits als diesbezüglicher Nachweis durchgehen?

  • Sarah Mischinka

    Sarah Mischinka

    Liebe dotbooks Interessierte,

    wir stehen kurz davor, unser erstes dotbooks Programm zu launchen. Am 1. Juli ist es soweit und bis dahin muss sich auch noch die Verlagshomepage sowie der Shopauftritt etwas gedulden. Das gesamte Team arbeitet auf Hochtouren und freut sich sehr, schon bald die neuen Titel und Autoren zu präsentieren. Sehen Sie den BB-Artikel als kleine Vorabankündigung! Auf Facebook ist live mitzuerleben, wie unser Verlag Tag für Tag mehr Form annimmt: http://www.facebook.com/dotbooks

    Beste Grüße, Sarah Mirschinka
    Marketing/Vertrieb

  • Francesco Lupo

    Francesco Lupo

    Die Vorschußlorbeeren sind mittlerweile ein wenig verwelkt, dotbook erweist sich leider als nichts anderes als ein Internet-Verlag, der nicht antwortet. Es ergeht dem Autor nicht anders als bei Publikums-Verlagen wie Heyne oder Lübbe.
    Wahrscheinlich trifft die Aussage von Frau Kuckertz zu, sich an die Autoren zu wenden und nicht umgekehrt.
    Persönlich habe ich seit Otober 12 bereits drei Romane angeboten, allein, eine Antgwort bleibt dieser Verlag schuldig.
    F. Lupo

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