Goodreads

Der größte Buchclub der Welt

Die US-Buch-Community Goodreads hat ihre Nutzerzahl innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt – von 6,5 auf 11 Millionen. Boersenblatt.net traf Gründer Otis Chandler, der die Frankfurter Buchmesse besuchte. VON INTERVIEW: SANDRA SCHüSSEL

Sie haben Goodreads vor fünf Jahren von Ihrem Wohnzimmer aus aufgebaut. Was waren die Meilensteine?
Wir starteten mit der Vision eines sozialen Netzwerks rund um Bücher. Schnell haben wir gemerkt, dass es nicht nur darum geht, Freunde zu vernetzen. Buchkäufe werden stark getrieben von passenden Empfehlungen. Vor einem Jahr haben wir "Discoverreads" gekauft, ein preisgekröntes Start Up, das ein Programm für Buchempfehlungen entwickelt hat.

Was macht ein gutes Empfehlungs-Tool aus?
Der Leser muss genau die Bücher sehen, die zu seinem Profil passen. Buchempfehlungen bei Amazon sind nicht das Maß der Dinge. Es geht um Buchentdeckungen, so, als würde ich vor dem Bücherregal eines Freundes stehen. Für ein gutes Empfehlungs-Tool braucht man zwei Zutaten: Einen klugen Mathe-Studenten, der einen Doktortitel im Fach "Machine Learning" hat. Zweitens: gute Profile und Buchdaten. Über elf Millionen Nutzer haben bei Goodreads fast 400 Millionen Bücher in ihre virtuellen Regale gestellt. Fünf Prozent davon sind Harry Potter und Twillight. Der Rest ist Long Tail.

Erklärt das Empfehlungs-Tool die vielen neuen Nutzer?
Einen großen Effekt hatte auch die Integration von Bookreads auf Facebook im Januar 2012. Wenn man seinen Facebook-Account mit Goodreads verknüpft, kann man Bücher, Rezensionen, Lesefortschritt und Zitate mit anderen teilen.

Womit macht Goodreads Umsatz?
Die Zusammenarbeit mit Verlegern ist unser Geschäft. Interessant ist das tiefe Targeting. Wenn Random House einen neuen Murder Mistery Thriller launcht, bewerben wir es bei Lesern, die Dan Brown oder Stieg Larsson gelesen haben. Wir kennen die Profile und Leseverläufe genau und können die Anzeigen direkt bei den richtigen Leuten zeigen.

Wie sieht eine typische Werbekampagne aus?
Ein großer Teil unserer Nutzer sind Vielleser und Early Influencer, die eine Empfehlungswelle maßgeblich initiieren können. Wir starten eine Kampagne zwei Wochen vor Erscheinungstermin. Bereits einen Monat vorher arrangieren wir ein Gewinnspiel mit Leseproben, daraus entstehen Rezensionen. Wenn das Buch auf dem Markt ist, laden wir nochmal zu Leserunden ein. Zielgerichtete Anzeigen, Newsletter-Anzeigen oder Mobile Ads ergänzen das Marketing. Wenn alles gut läuft, erscheint das Buch auf den Leselisten der Nutzer, etwa unter "beste Murder Mistery Thriller". Wenn die Nennungen eine kritische Masse erreicht haben, erscheint es in unserem Empfehlungs-Tool.

Welchen Stellenwert haben Autoren?
Wir haben 50.000 Autorenprofile auf der Site, darunter auch große Namen. Die Herausforderung für Autoren liegt darin, sich mit den Lesern zu verbinden und diese Beziehung bis zum nächsten Buch zu halten. In einer Umfrage unter Mitgliedern sagten 96 Prozent der Leser, dass sie Bücher von Autoren lesen, die sie bereits kennen. Deshalb zahlt es sich für Autoren aus, eine loyale Fangemeinde aufzubauen.

Wie funktioniert der Kauf von Bücher über die Site?
Der Nutzer kann auf einen Anbieter seiner Wahl verlinken. Bedingung: Die Site muss eine ISBN-Suche besitzen, damit wir den Titel richig zuordnen können. Und sie sollte einen großen Titelkatalog haben, also ein Buchhändler oder eine Bibliothek sein. Man kann einen Anbieter einfach selbst hinzufügen oder einen bereits gelisteten auswählen. 

Welche nächsten Schritte planen Sie?
Goodreads soll DER Ort sein, an dem man Bücher entdeckt. Wenn jemand ein neues Buch sucht, muss Goodreads die Antwort sein. Wir wollen weitere Nutzergruppen hinzugewinnen. Bei den Viellesern sind wir schon stark,  aber für die Gelegenheitsleser kann noch viel getan werden. Wir bauen die Technik weiter aus und suchen dringend Software-Ingenieure. 

Wie interessant ist Deutschland für Goodreads?
Sehr interessant. Deutschland steht bereits jetzt in Europa bei den Nutzerzahlen auf Platz 2 hinter Großbritannien. Ziel ist zunächst, unsere deutschen Buchdaten zu erweitern.

Die Buch-Community Goodreads mit Sitz in San Fancisco beschäftigt 34 Mitarbeiter. Gegründet wurde das Unternehmen Anfang 2007 mit Hilfe von Investoren. Firmengründer Otis Chandler hat einen Hintergrund als Software-Entwickler. 

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1 Kommentar/e

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  • Yingxin

    Yingxin

    Sehr interessantes Interview, allerdings stimmt der Titel "Der grösste Buchclub der Welt" nicht so ganz, es sei denn, man meint, China gehöre nicht zu dieser Welt.

    Etwas groesser als "der grösste Buchclub der Welt" ist die chinesische Website http://www.douban.com auf jeden Fall– der Marktführer im Bereich Deep Social Media für Bücher, Filme, Musikkritiken und Empfehlungen im chinesischen Sprachraum. (Das Wort douban bedeutet so etwas wie Sojabohne.) Die Seite wurde im Jahr 2005 (also ein Jahr vor Goodreads) von einem chinesischen Informatiker begründet, und hat nach 7 Jahren Wachstum ca. 60 Millionen aktive User. Aufgrund der Ähnlichkeiten (u.a. Hintergrund des Gründers, Club der Viellesenden, Social Media Charakter) haben chinesische Medien Goodreads neulich scherzhaft als Doubans amerikanischen "Klon" bezeichnet. Diese Dopplung ist vielleicht nur ein Zufall, oder eventuell auch Gedankenübertragung?

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