Urheberrecht: § 52a

"Eiskalte Enteignung der Wissenschaftsverlage"

Der Paragraf 52a des Urheberrechts soll um zwei weitere Jahre verlängert werden. Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, spricht in einem Interview im aktuellen "Börsenblatt", das wir hier wiedergeben, von einem politischen Skandal.

Zum vierten Mal soll der Paragraf 52a, der die öffentliche Zugänglichmachung von Werken zu Unterrichts- und Forschungszwecken befristet regelt, verlängert werden. Halten Sie das für sinnvoll?
Alexander Skipis: Überhaupt nicht. Das ständige Wiederbefristen zeigt nur, dass der Gesetzgeber keine Entscheidung treffen will.

Wäre eine Entfristung, wie die SPD sie vorschlägt, die Lösung?
Einer Entfristung steht schon die Art und Weise entgegen, wie der Paragraf bisher gehandhabt wird. Zu der angemessenen Vergütung, die der Gesetzgeber für die Leistung der Verlage vorgesehen hat, ist es nach wie vor ja nicht gekommen. Hierin sehe ich den eigentlichen Skandal: Die Praxis läuft auf eine eiskalte Enteignung von Wissenschaftsverlagen hinaus – und zwar mit Billigung der Justizministerin, die ihren Aufgaben in diesem Fall wieder einmal nicht nachkommt.

Was fehlt, damit die Zugänglichmachung angemessen vergütet werden kann?
Es fehlt vollständig an einer Erfassung genutzter Werke mit Autor und Titel, es fehlt an Nutzerzahlen und an der Feststellung der genutzten Umfänge. Auf derart dreiste Weise vereitelt die öffentliche Hand seit neun Jahren mutwillig, dass Urheber und Verlage für die Nutzung ihrer Texte vergütet werden. Die Schutzbehauptung, eine solche Evaluation sei den Hochschulen administrativ nicht zuzumuten, hat bisher vor keinem Gericht standgehalten. In den USA, und nicht nur dort, sind werkbezogene Lizenzierungen von elektronischen Semesterapparaten, den sogenannten Coursepacks, seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit.

Fürchten Sie nicht, dass die öffentliche Meinung sich auf die Seite der Bildung und Wissenschaft schlägt, weil sie sich am Gemeinwohl orientiert?
Die Diskussion wird an einem falschen Ort geführt. Wissenschaftsverlage sind, genauso wie Einrichtungen der Bildung und Wissenschaft, systemrelevante Institutionen einer Gesellschaft. Wir dürfen deren Interessen nicht gegeneinander ausspielen. Der Staat muss seinen Sonntagsreden, wie wichtig ihm die Bildung sei, auch Taten folgen lassen und sein Wissenschafts- und Bildungssystem finanziell entsprechend ausstatten. Derzeit versucht der Staat, sich zulasten der Verlage aus seiner Finanzierungspflicht zu stehlen.

Trägt vielleicht die gelegentlich obszöne Preisgestaltung für wissenschaftliche Zeitschriften dazu bei, dass in der Debatte die Problemverursacher eher auf Seiten der Verlage gesehen werden?
Hier sprechen Sie Einzelfälle an, die allerdings misslich sind. Ich kann nur appellierend darauf hinweisen, dass Fälle überzogener Preise für bestimmte Titel einer sachdienlichen Diskussion um das Urheberrecht, auch um den Paragrafen 52a, schaden. Die Preisfindung auf diesem Markt hat immer auch eine politische Seite und muss nachhaltig gestaltet werden.

Was fordern Sie in Bezug auf den 
Paragrafen 52a vom Gesetzgeber?
Der Börsenverein fordert, die Geltungsdauer des Paragrafen nicht zu verlängern, sondern die Vorschrift auslaufen zu lassen. Wenn aber jetzt doch wieder verlängert wird, sind zumindest zwei Korrekturen am Text notwendig: Entsprechend der bereits vorhandenen Regelung für Schulbücher ist eine Bereichsausnahme für wissenschaftliche Publikationen und Lehrbücher aufzunehmen. Außerdem sollte der Text zwingend voraussetzen, dass in den begünstigten Einrichtungen die genutzten Werke erfasst werden.

Interview: Torsten Casimir

 

Paragraf 52a in Auszügen

"(1) Zulässig ist, 
1. veröffentlichte kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften zur Veranschaulichung im Unterricht (...) oder

2. (...) für einen bestimmt abgegrenzten Kreis von Personen für deren eigene wissenschaftliche Forschung
öffentlich zugänglich zu machen (...)

(4) Für die öffentliche Zugänglichmachung nach Absatz 1 ist eine angemessene Vergütung zu zahlen."

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17 Kommentar/e

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  • Ruth Schell

    Ruth Schell

    Diese Antwort ist die ärgerlichste: "Die Diskussion wird an einem falschen Ort geführt. Wissenschaftsverlage sind, genauso wie Einrichtungen der Bildung und Wissenschaft, systemrelevante Institutionen einer Gesellschaft. Wir dürfen deren Interessen nicht gegeneinander ausspielen. Der Staat muss seinen Sonntagsreden, wie wichtig ihm die Bildung sei, auch Taten folgen lassen und sein Wissenschafts- und Bildungssystem finanziell entsprechend ausstatten. Derzeit versucht der Staat, sich zulasten der Verlage aus seiner Finanzierungspflicht zu stehlen."

    Der Beitrag der Verlage sieht in der Realität so aus: Der Wissenschaftler wird vom Steuerzahler bezahlt von dem er auch die Einrichtung und Infrastruktur erhält. Der Verlag greift vom Wissenschaftler das Wissen ab und privatisiert es ohne selbst sich am wissenschaftlichen Prozess finanziell zu beteiligen.

    Es ist angesichts der Subention der Lobbyarbeit (http://www.internet-law.de/2012/11/der-staat-subv entioniert-den-urheberrechtslobbyismus-auch-unmitt elbar.html) überhaupt nicht lustig, wenn Herr Skipis ständig die Regierung polemisch angreift.

    Das derzeitige parasitäre Verlagsgeschäft gehört nicht mehr in die heutige Wissensgesellschaft, weil es den Wissenschaftsbetrieb nicht nur stark finanziell belastet (Entzug von Geldern in die private Tasche, s.o.), sondern auch durch den Entzug von Wissen, welches nur mit dem Kauf von Nutzungsrechtenrechten wenigen Menschen vergönnt ist.

    Das ist ekelhafter Kapitalismus, aber keine soziale Marktwirtschaft, der sich angeblich aller verpflichtet fühlen.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Liebe Frau Schell, durch Wiederholen werden Fehler nicht richtig. Der Prozess der Bereitstellung wissenschaftlicher Informationen besteht aus verschiedenen Teilen: der erste ist die Forschung, der zweite das Schreiben, der Dritte die Begutachtung, der Vierte Produktion und Vertrieb.
    Im Normalfall zahlt der Käufer mit seinem Kaufpreis die Leistungen aus den Stufen eins bis vier. In der Wissenschaft dagegen zahl der Käufer NICHT die Stufen eins bis vier, sondern nur die Stufe vier und die Organisation der Stufe drei. Wenn der Staat die Wissenschaftler niicht selbst finanzieren würde, dann wären die Zeitschirften erheblich teurer. UNd wenn die Begutachtung nicht ebenfalls von staatlich finanzierten Personen übernommen werden würde, dann auch.
    Es ist also vollkommen falsch zu behaupten, dass hier irgend jemand irgend etwas doppelt zahlt und die Verlage sich damit ungerechtfertigt bereichern. Oder anders gesagt: beim Bruchrechnen wird aus ein Viertel plus ein Viertel plus ein Viertel plus ein Viertel auch nicht vier sondern eins. Mit etwas weniger parasitären Kapitalismusphantasien bekommen sie den Kopf fürs klare Denken wieder frei.

  • André Förster

    André Förster

    @ Matthias Ulmer

    Wolfgang Marquardt, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, hat vor einiger Zeit in der FAZ darauf hingewiesen, dass die öffentliche Hand nicht nur die Forschung finanziert, sondern anschließend durch den Ankauf der in Fachbüchern und Fachzeitschriften verschriftlichten Forschungsergebnisse ein zweites Mal für diese Leistungen zahlt. Dass die großen Wissenschafts- und Fachverlage wirtschaftlich so exzellent dastehen und von Krise nichts spüren, das lässt sich jedenfalls nicht leugnen. Bei einer Fristverlängerung des § 52a UrhG von einer "eiskalten Enteignung" zu sprechen ist insofern nichts anderes als platte Polemik. Bin jedenfalls gespannt, ob Springer und Wolters Kluwer demnächst ihre deutschen Fachverlage verkaufen werden, da sich deren Geschäft ja nicht mehr lohnt.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Und was sagt uns das, dass auch Herr Marquardt vom Wissenschaftsrat nicht rechnen kann?
    Man kann jetzt entweder von massiven Defiziten im Kopfrechnen oder beim logischen Denken sprechen.
    Man kann auch die Schuld darin sehen, dass Herr Marquardt nicht kapiert, dass die Finanzierung von Forschung nicht gleichbedeutend mit der Verfügbarkeit von Informationen ist. (Vorausgesetzt, Herr Marquardt kapiert den Unterschied zwischen Forschung, Information und Wissen überhaupt.)
    Man kann - und dazu tendiere ich - auch vermuten, dass er das schon kapiert, dass es aber einfach nützlich ist Dinge falsch darzustellen, weil das in der Presse und "auf der Straße" gut ankommt.

    Dass es Wissenschaftsverlage gibt, die gut verdienen, finde ich natürlich auch einen absoluten Skandal. Schließlich sind wir hier in Deutschland allemal noch die Erfinder des Protestantismus und da ist jeder Reichtum zunächst mal ein ganz ganz schlechtes Zeichen, geradezu eine Sauerei. Erst wenn keiner mehr Geld verdient haben wir die gerechte und ethisch unbedenkliche Phase erreicht. Und wenn niemand mehr in der freien Wirtschaft (bei den Kapitalismusparasiten) arbeitet, sondern alle staatlich apanagiert sind, dann ist alles gut.

    Wenn die Preispolitik einiger Verlage den Verdacht auf den Missbrauch von Marktmacht nahelegt, dann wäre der richtige Weg, über die Wettbewerbsbehörden dagegen vorzugehen. Frage: sind unsere Wissenschaftsorganisationen dazu nicht in der Lage? Können sie sich bei über 6 Mrd. Euro Budget keinen Anwalt leisten? Auch hier gibt es eigentlich nur zwei Antworten: entweder schätzen die Wissenschaftsorganisationen die Sachlage so ein, dass ein Missbrauch von Marktmacht nicht vorliegt und deshalb ein Verfahren nichts bringt. Oder sie finden die Situation, in der sie wegen vermuteter Preisüberhöhungen von drei oder vier Verlagen gleich eine gesamte Branche anklagen können und durch alle Zeitungen immer die gleichen Klagen vortragen können so günstig, dass sie gegen Überhöhte Preise eigentlich gar nichts tun wollen.

    Ob 52a oder nicht, verlängert oder entfristet, mit oder ohne Lehrbuch, kleine oder kleinere oder größere Teile, auch das lässt sich alles diskutieren und das wird ja vom BGH auch in Bälde geklärt. Dass über zehn Jahre, wenn man sich an den Schiedsspruch des Deutschen Patentamts hält, ein Betrag von rüber 500 Mio. Euro aufgelaufen ist, den die Kultusministrerkonferenz den Autoren und Verwertern schulden und den sie einfach nicht auszahlen, das ist der Skandal. Zehn Jahre säumige Zahler gibt es nur in wenigen Bereichen. Staatliche Institutionen können sich das scheinbar leisten. Und bekommen im Wissenschaftszirkus auch noch gute Presse und viel Verständnis dafür. Es lebe die Narrenzeit.

  • Ruth Schell

    Ruth Schell

    Lieber Herr Ulmer,

    "durch Wiederholen werden Fehler nicht richtig" warum wiederholen Sie denn dann ständig Ihre Fehler?

    Ich bin nur der Meinung, dass derjenige, der Wissenschaft "produziert", bzw. die Produktion bezahlt, auch "vermarkten" und nutzen soll. Und das ist nunmal der Steuerzahler und nicht Sie als Verleger (Schon allein dieser Begriff ist falsch, da gar nichts mehr vorgelegt wird (außer die minimalen Druckkosten.) Bezahlen Sie die Wissenschaftler, bezahlen Sie die Forschungseinrichtungen und ich bin der erste, der sich dafür einsetzt, dass Sie daraus die finanzielle Wertschöpfung geniessen.

    Opel lässt auch nicht seine Autos von Steuerzahler produzieren und malt dann nur noch die Farbe drauf und verkauft die Autos.



  • Michael Dreusicke

    Michael Dreusicke

    Abgesehen davon, dass mir die angesprochene Urheberrechtsfrage in die völlig falsche Richtung zu zeigen scheint, fände ich es schön, wenn der Börsenverein und seine Repräsentanten durch kluge Wortwahl zu einer Versachlichung des Themas beitragen würden.

    Sollten sie jedoch heimlich meine Meinung teilen, nach der das Thema Urheberrecht viel mehr Energie bindet als freisetzt und die Diskussion insofern nicht zu Lösungs-, sondern überwiegend zu Unterhaltungszwecken verfolgen, kann ich ihre lustvoll polemischen Einlassungen bestens nachvollziehen.

  • saguenay

    saguenay

    Schön, dass eine Diskussion, in der es im wesentlichen um die verschiedenen Aspekte einer zeitgemässen Wissenschaftspolitk und deren Finanzierung geht, derart schnell auf Biertischniveau abrutscht. Mag daran liegen, dass manch Angehöriger der bedrohten Buchbranchen-Spezies verdrängte Wut und Ängste recht freizügig und ungefiltert auf derlei Fragen projiziert. Vielleicht aber auch nur der übliche Umgangston unter den Kulturindustriellen (nein halt, -Industrie will man ja um keinen Preis sein).

    Nachdem ich nun selbst meinen Beitrag zum Biertischniveau gegeben habe, zurück zum eigentlichen Thema: Das Problem ist nicht, dass Verlage Geld für "systemrelevante" Dienstleistungen verlangen, sondern dass der Steuerzahler hier mehrfach zur Kasse gebeten wird für Leistungen, deren Wert mittlerweile sehr in Zweifel steht: Er finanziert den wissenschaftlichen Apparat, der die Forschung betreibt, die peer reviews erledigt und wird vom Verlag, der Herstellung und Distribution beisteuert, nochmals zur Kasse gebeten, wenn die Ergebnisse dieses Prozesses von den Universitätsbibliotheken angekauft werden.

    Klamme Kassen und die durch digitale Formate hervorgerufenen Umbrüche haben genauso wie die grosszügige Preispolitik mancher Verlage dieses etablierte und für manche profitable System in Frage gestellt. Der diesbez. Verweis auf "Einzelfälle" ist amüsant, wenn man bedenkt, dass damit zumeist Elsevier gemeint ist, ein Unternehmen, das angesichts seiner Umsatzzahlen schon einen riesengrossen "Einzelfall" darstellt.

    Der Beitrag der Wissenschaftsverlage ist letztlich alles andere als systemrelevant. Sie mögen in der Vergangenheit eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben, aber die Frage ist, welche Leistung sie erbringen, die es auch in Zukunft rechtfertigt, dafür Geld zu investieren, bzw. ob es diesbez. nicht effektivere und kostengünstigere Alternativen gibt.

    Ich würde nicht so weit gehen, sie als überflüssig zu brandmarken. Nur ist angesichts der o.g. Prozesse die Frage nach dem konkreten, nicht substituierbaren Nutzen den sie erbringen akut, bzw. damit natürlich auch die nach dem damit verbundenen Preis. Eine Frage, die alles andere als klar beantwortet ist.

    Bedenkt man, dass die kritisierte Preispolitik mancher Verlage angesichts knapper Budgets sogar tendentiell eher schädlich ist, sollte man sich nicht wundern, dass mancher sich eine Zukunft ohne Wissenschaftsverlage rosiger ausmalt als mit.

    Mit einem "Wir sind systemrelevant und damit Schluss" kommt man heute auf keinen grünen Zweig mehr, sondern erntet allenfalls mitleidige bis vergrätzte Lacher.

  • franz wanner

    franz wanner

    Aus der Diskussion ergibt sich eine einfache Frage:
    Wie wird Wissen allgemein und breit zugänglich gemacht?

    Dann kann darüber debattiert werden, was gewünscht und wie solches finanziert wird!

    Ein Buch kann jeder kaufen. Wenn nur die es nicht bezahlen müssen, die es auch brauchen. scheint mir das mißlich. Käme man ohne Publikation aus?

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Saguenay,

    "Das Problem ist, dass der Steuerzahler mehrfach zur Kasse gebeten wird..." Nein, nein und noch mal nein. Kann man beim Lesen wirklich das Gehirn so komplett abschalten?

    Der Käufer eines Romans wird genau so unverschämt "mehrfach" zur Kasse gebeten: Erst bezahlt er das Autorenhonorar, dann bezahlt er die Lektoratsleistung, dann bezahlt er die Produktion und am Ende auch noch den Buchhändler! Das ist doch wirklich ein Skandal!

    Dass Sie wissenschaftliche Verlage nicht brauchen, das leuchtet mir ein. Dass aber die Mehrheit der Wissenschaftler anders denkt, das könnte Ihnen zeigen, dass die wissenschaftliche Community nicht mehrheitlich so denkt wie Sie. Und ganz toll ist doch, dass heute noch jeder Wissenschaftler selbst entscheiden darf, wie er veröffentlichen möchte. Noch.

    Dass die Leistungen der Verlage nicht ganz wertlos sind, das könnten Sie auch daran erkennen, dass ohne die Nutzung der Verlagsinhalte über die Schranke des 52a nach einhelliger Äußerung von Bibliotheken und Wissenschaft E-Learning in Deutschland zusammenbrechen würde. Soo schlecht scheint die Leistung dann nicht zu sein und soo systemirrelevant sind wir dann doch nicht. Eine angemessene Vergütung für die Inhalte, die die Lehre vor dem Zusammenbruch bewahren schreibt das Gesetz ja auch vor. Wäre nur schön, wenn die auch mal käme.

  • Dr. Wolfgang Philipp Müller

    Dr. Wolfgang Philipp Müller

    Aha! Oberlehrer Ulmer wieder mal in voller Fahrt: "beim Bruchrechnen wird aus ein Viertel plus ein Viertel plus ein Viertel plus ein Viertel auch nicht vier sondern eins" (Ulmer). Sehr nett andere als blöd zu degradieren. Alle, die nicht zufälligerweise Ulmer heissen, können ja sowieso nicht mehr klar denken (Ulmer). Herr Marquardt vom Wissenschaftsrat zum Beispiel kann noch nicht einmal rechnen (Ulmer) So, so, dem fehlt also schon die Grundschulbildung. Und kapieren tut der schon gar nichts (Ulmer). Und logisches Denken hat anscheinend auch niemand außer Ulmer (Ulmer). Und ihr Gehirn beim Lesen abschalten tun alle außer Ulmer (Ulmer).
    Hat Oberlehrer Ulmer nicht eine offizielle Funktion beim Börsenverein? Peinlich, peinlich dieser Herr Verleger.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Hallo Herr Müller, schön mal wieder von Ihnen zu lesen!

  • Klaus Wrede

    Klaus Wrede

    Meiner Meinung nach sind die Verleger selbst schuld, wenn sie aus diesen Marktbedingungen kein Geschäftsmodell machen.

    Ich bin kein Wissenschaftsverleger,nehme jedoch an, dass sich die Aufregung sich unter anderem auf die Kursreader bezieht, die den Studenten zur Verfügung gestellt werden. Es dürfte wohl nicht so schwer sein, dafür bessere (und damit verkaufbare) Lösungen zu entwickeln, denn:
    - die Erstellung, Vervielfältigung und Verbreitung solcher Reader verursacht doch lästigen Aufwand für die Universität
    - das gedruckte Format bietet keine der Möglichkeiten, die ein digitales Format bieten würde (z.B. Kooperation mit anderen Kursteilnehmern und dem Lehrenden)
    - die Auszüge sind bessere Leseproben, mit denen all diejenigen, die ein Referat halten oder eine Hausarbeit schreiben wollen, zum Kauf animiert werden können.

    Fällt den Verlegern und Verbandsvertretern denn wirklich nichts anderes ein, als sich zu Urheberrechtsexperten weiterzuentwickeln in der Hoffnung, eine versinkende Welt doch noch irgendwie zu bewahren oder das Ende wenigstens so lange wie möglich zu verzögern? Das erscheint mir weder verantwortungsvoll noch innovativ.

    Im übrigen würde ich unterstreichen, was Herr Dreusicke zu diesem Thema gesagt hat: Es hilft gar nicht weiter andere zu beschimpfen.

  • saguenay

    saguenay

    Lieber Matthias Ulmer,

    ein wenig amüsant ist es ja schon, dass sie so schnell das HB Männchen rauskehren, aber es wird doch recht schnell langweilig. Vor allem, wenn ausser Polemik nicht viel geboten wird.

    Aber wenn Sie mir sagen, wieviele der geschätzten deutschen Romanautoren ihre schriftstellerische Arbeit mit Steuergeldern finanziert bekommen, dann spiele ich vielleicht wieder mit. Denn ich habe nicht neutral von Käufern gesprochen, sondern konkret von Steuergeldern, die mehrfach für ein und die selbe Leistung kassiert werden, deren Wert im Zweifel steht, und das macht einen Unterschied.

    Bislang ist mir jedenfalls entgangen, dass Leute, denen wir so epochale Werke wie etwa die "Wanderhure" verdanken, ihre schöpferische Tätigkeit analog zum Wissenschaftsbetrieb auf Staatskosten betreiben - von den vielen übersetzten ausländischen Autoren ganz zu schweigen. Sieht man von den wenigen Schriftstellern ab, die wirklich öffentliche Fördergelder erhalten, bzw. gelegentlich mit Preisen bedacht werden, dachte ich bislang immer, dass die Mehrheit dieser Leute selbst zusehen muss, wie sie finanziell über die Runden kommt.

    Ein Dasein als systemrelevante Staatsdrohne mag ja der Wunschtraum mancher Autoren und Verleger sein, aber ich fürchte, die Wirklichkeit sieht ein wenig anders aus....

    Ob die Mehrheit der Wissenschaftler anders denkt, wage ich mal stark zu beweifeln, oder haben Sie die alle persönlich befragt? Meiner Erfahrung zufolge geht die Tendenz ganz eindeutig weg von dem traditionellen restriktiven und teuren Modell hin zu freiem Online-Zugang, sonst hätten die entsprechenden Initiativen nicht so starken Zulauf. Und die Panik mancher Leute sagt mir ganz klar, dass die Gegenwart zwar noch von dem alten Modell dominiert wird, die Zukunft aber ganz anders aussehen kann.....

    Es wird auch in Zukunft jeder Wissenschaftler seine gesammelten Werke in einer ihm genehmen Form veröffentlichen können - meinethalben in Keilschrift auf Tontafeln. Der Frage, wieso man sich dem Nutzen, den digitale Formate mit freiem Onlinezugang für den Wissenschaftsbetrieb bieten, verweigern will, wird man sich jedoch nicht entziehen können.

    Genauso wie die Verlage nicht um die Beantwortung der Frage herumkommen werden, was ihre Leistung denn nun so einzigartig - oder im Vergleich zu den alternativen Modellen besser - macht, und was konkret unter dem schwammigen Begriff "angemessen" zu verstehen ist. Sie leben zwar derzeit noch von der Vergangenheit, i.e. profitieren von dem traditionellen Modell, ob sie aber in Zukunft gebraucht werden ist eine andere Frage - und bislang habe ich auf diese keine Antwort erhalten.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Sanguenay, ich merke schon, dass das mit der Leistungserstellung doch nicht so leicht verständlich ist, wie ich dachte. Also versuche ich es erneut:

    Im Endprodukt ist eine bestimmte Zahl von Leistungen enthalten, die vom Käufer bezahlt werden muss. Im Falle eines Buches gehören dazu die Autorenleistung und die Verlagsleistung und die Handelsleistung (stark vereinfacht). Wenn jetzt einer dieser Teile von einem Dritten bezahlt wird, etwa vom Staat durch Druckkostenzuschüsse, dann führt das dazu, dass der Käufer am Ende nicht mehr alle drei Leistungen zu bezahlen hat, sondern nur die, die noch unbezahlt sind.
    Wenn jetzt im Falle der Wissenschaft die Autorenleistung durch Gehalt vom Staat bezahlt wird und das Reviewing auch, dann muss der Käufer das nicht mehr bezahlen, sondern er muss nur noch die Verlagsleistung und Vertriebsleistung zahlen. Wenn der Käufer jetzt der Staat in Form einer Bibliothek ist, dann hat der Staat für dieses Produkt die Autoren- und Review-Leistung per Gehalt, die Verlags- und Handelsleistung per Kaufpreis bezahlt. Er zahlt dann (auf verschiedenen Wegen) den vollen Preis für die Leistungserstellung.
    Wenn dagegen eine privatwirtschaftliche Firmenbibliothek das gleiche Produkt kauft, dann kommt sie in den Genuß des Vorteils, dass sie nur die Verlags- und Vertriebsleistung zu zahlen hat, weil Autor und Reviewing bereits vom Staat bezahlt wurden.

    Wenn es jetzt immer noch unklar ist, vergessen Sies.

    Zu Mehrheitsfragen bei der Präferenz von Wissenschaftlern für bestimmte Publikationswege: da geht es nicht um meine oder Ihre Bauchvermutung, da reicht ein Blick in die Studien (etwa die zitierte PEER Studie der EU) oder in die kontinuierlichen Klagen, dass die Wissenschaftler nicht in dem Maße von Zeitschriften auf OA-Publikation umstellen, wie man das gerne hätte.
    Zum Begriff der Angemessenheit gibt es zahlreiche Literatur und demnächst auch eine weitere höchstrichterliche Entscheidung. Das müssen nicht die Verlage beantworten.

    Im übrigen halte ich die Statements von Herrn Dreusicke und Herrn Wrede für richtig. Der lustige Streit hier bringt herzlich wenig außer (vielleicht) Unterhaltung. Die Sachfragen werden an anderer Stelle geklärt. Und das Lernen und die Informationsversorgung an Hochschulen werden grundsätzlich anders aussehen, als heute. Sich darauf vorzubereiten ist die Kernaufgabe. Und da sind Verlage erst mal in der Poolposition und die großen (bösen) haben ihre Hausaufgaben schon längst erledigt. Wenn die kleinen und mittleren auch noch aus den Startlöchern kommen, dann werden sie dabei sein. Sonst halt nicht.

  • saguenay

    saguenay

    Lieber Matthias Ulmer,

    na das sieht doch schon mal um einiges besser aus - und klingt auch ganz anders. Auch wenn die Frage nach der Notwendigkeit der Verlags- und Vertriebsleistung nicht wirklich beantwortet ist, kann man sich das für diesmal sparen. Neben dieser liegen noch viele weitere Minen in dem Gelände, in das sich Wissenschaft und Verlage gleichermassen begeben, und wir alle werden noch viel Zeit und Gelegenheit haben, auf diese zu treten.

    Ihren Satz bez. des Lernens und der Informationsversorgung an Hochschulen kann man guten Gewissen unterschreiben. Wir stehen erst am Beginn einer Entwicklung, die die Forschungsinfrastruktur fundamental verändern wird. Zudem handelt es sich um einen Prozess, der nicht isoliert, sondern in einem internationalen Kontext stattfindet. Unter diesem Aspekt sind sämtliche Antworten, die wir (und alle anderen) diesbez. finden, nur Provisorien. Über deren Halbwertszeit zu spekulieren, können wir uns für heute sparen.

    Insofern brauchen wir uns aber auch kein schlechtes Gewissen zu machen, wenn wir hier gelegentlich ein wenig Paintball spielen.

  • Autor

    Autor

    Ich melde mich als "Betroffener" zu Wort, der auf der anderen Seite der hier diskutierten Wertschöpfungskette steht: als Autor von wissenschaftlichen Beiträgen kann ich den Kritikern von Herrn Ulmer nur beipflichten. Das Wissenschaftsverlagswesen hat sich mit dem ungeheuren Publikationsdruck, der auf Wissenschaftlern lastet, offenbar zu einem hochprofitablen Unternehmenszweig entwickelt. Und zwar allein durch die dreiste Privatisierung der ungeheuren, teils in der Tat redundanten Fülle an Forschungsliteratur, die weder unter Beteiligung dieser Verlage entsteht, noch halbwegs angemessen von diesen betreut wird (dazu später mehr). Worin die Leistung der Wissenschaftsverlage genau besteht, ist mir leider nicht bekannt. Die gesamte Betreuung der Publikationen leisten, wie bereits beschrieben, die meist mit öffentlichen Geldern bezahlten Redaktionen bzw. Gutachter - also Kollegen im Rahmen ihrer Arbeit an Universitäten oder Forschungseinrichtungen. Die dann wiederum die Produkte ihrer Arbeit von diesen Verlagen zurückkaufen müssen. Die Kosten dieses in sich geschlossenen, elliptischen Geschäftsmodells trägt komplett der Steuerzahler; reich daran, und zwar richtig reich, werden allein die Wissenschaftsverleger. Dass die Verlage es verstanden haben, die im Wissenschaftsbetrieb wichtigen Peer-Review-Journale zu usurpieren, ist wohl weniger dem marktwirtschaftlichen Geschick der Verleger zu verdanken, sondern vielmehr althergebrachten, den Zeitläuften längst nicht mehr gewachsenen Strukturen. Dass die Wissenschaftsverlage zu den einzigen Profit Units der deutschen Forschungslandschaft werden konnten, ist ja auch auf ein durchaus gewissenloses Outsourcing zurück zu führen. Oder wie soll man es finden, dass für einen Großteil der deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Literatur die gesamte Produktion in Indien stattfindet, wo sprachunkundige Korrektoren oder Produktionsassistenten die Druckfahnen von soziologischen Aufsätzen bearbeiten? Was dabei schiefläuft, wird ja von den willigen Gratis-Kräften daheim verbessert: jenen Wissenschaftlern, die den Umbruch der aus Indien versandten Druckfahnen in drei oder vier Durchgängen selbst überprüfen müssen. Es kostet ja nichts. Dass eine programmatische, inhaltliche Betreuung durch den Verlag nicht stattfindet, braucht hier kaum noch erwähnt zu werden. Es wird schlichtweg alles gedruckt, was irgendwie Buchstaben hat und sich als Pflichtexemplar in den Bibliotheken absetzen lässt.
    Doch es entstehen immer mehr Foren, Blogs und Open-Access-Plattformen, auf denen sich allmählich eine Publikations- und Diskussionskultur entwickelt, die sich dem gnadenlosen Zugriff der Wissenschaftsverlage selbstbewusst entzieht.

  • Klaus Wrede

    Klaus Wrede

    Das Verlagsbashing, das hier von einigen betrieben wird, erscheint mir unfair. Es ist eine große Leistung eine renommierte Zeitschrift aufzubauen, oder einen anerkannten Verlag. Das kann nur gelingen, wenn Nutzen gestiftet wird. Es gibt ja durchaus Gründe, warum hervorragende Autoren ihre Beiträge bevorzugt bei solchen Verlagen und in solchen Zeitschriften unterbringen wollen.

    Das Modell kippt aber irgendwann dann, wenn die Preisgestaltung als unangemessen empfunden wird und wenn die verlegerische Leistung, die nicht zuletzt in gutem Lektorat und Copyediting besteht, mehr und mehr an die Autoren wegdelegiert wird.

    Solche Fehlentwicklungen sollten eigentlich, den Marktgesetzen zufolge, Gegenreaktionen hervorrufen und tatsächlich gibt es diese ja auch. Je überflüssiger sich Verlage machen, umso erfolgreicher werden die Alternativen sein. Aber nicht alle Alternativen werden erfolgreich sein, vor allem die nicht, die verkennen wie hart es im Allgemeinen ist erfolgreich zu publizieren. Ich jedenfalls habe größte Hochachtung vor Verlagen wie De Gruyter, Klostermann, Meiner, Mentis oder Springer, um nur einige zu nennen.

    Ein großes Problem scheint mir durch die Digitalisierung verursacht: die Menge an leicht zugänglicher Information schwillt immer mehr an und der gefühlte Wert von Information sinkt. Eine inflationäre Entwicklung. Und genau in dieser Situation machen manche Verlage und Verbandsvertreter den Fehler Urheberrechtsdiskussionen zu führen, die darauf hinauslaufen, dass Nutzungsrechte immer weiter eingeschränkt werden, so dass letztlich die Nutzung digitaler Information mehr Restriktionen unterliegt (und damit teurer wird) als die Nutzung gedruckter Information. Das ist kontraintuitiv und ein Irrweg. Wenn der Verlagsprozess konsequent auf digitale Produkte ausgerichtet wird, dann kann Information für die Kunden dramatisch viel preisgünstiger werden. Nicht unbedingt indem nominal Preise gesenkt werden (die werden sicher sogar steigen), sondern indem mehr Nutzer leichter auf mehr Information zugreifen können und diese Information mit besseren Funktionalitäten nach ihren individuellen Bedürfnissen organisieren können. Funktionalitäten, die überraschen und einen WOW-Faktor haben, der den Preis als guten Deal erscheinen lässt.

    Ich bin davon überzeugt, dass die Verlage, wenn sie sich auf ihre wirkliche Aufgabe besinnen, in dieser Entwicklung eine bedeutende Rolle spielen werden, denn an keiner staatlichen Einrichtung, in keiner Universität und in keiner Non-Profit Organisation ist mehr Kompetenz zur Aufbereitung und zur Verbreitung von wissenschaftlicher Information vorhanden, als in den Verlagen. Nur die Verlage selber könnten diese perfekte Ausgangslage verspielen.

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