Zweite Tarifrunde in Bayern

Keine Einigung am Münchner Verhandlungstisch

In Bayern haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter am Donnerstag zur zweiten Tarifrunde für Buchhandlungen und Verlage zusammengesetzt. Noch liegen die Positionen weit auseinander. Update: ver.di ruft zum 1. Adventwochenende zum Warnstreik bei der Verlagsgruppe Weltbild auf.

Der Arbeitgeberverband der Verlage und Buchhandlungen in Bayern (AGV) hat dabei ein erstes Angebot abgegeben – "nach nochmaliger kurzer Diskussion der wirtschaftlichen Ausgangslage", wie es in einer Mitteilung des AGV heißt. "Vor dem dargestellten Hintergrund und den unsicheren Perspektiven ist es dem Arbeitgeberverband wichtig, verlässliche Rahmenbedingungen anzubieten", so der Vorsitzende Thomas Nitz. Das Angebot:

  • Die uneingeschränkte Anwendbarkeit des Manteltarifvertrags für weitere 24 Monate
  • Erhöhung der Entgelte um 1,2 Prozent zum 1. Oktober 2013.
Dieses Angebot entspreche dem Tarifabschluss von 2006, so der AGV. Dieser sei damals "unter günstigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als heute abgeschlossen" worden.

Die Gewerkschaft Verdi dagegen hatte schon am Vortag der Verhandlung deutlich gemacht, dass sie andere Vorstellungen hat. „Bisher haben wir von den Arbeitgebern nur Schwarzmalerei gehört – jetzt erwarten wir ein konkretes und abschlussfähiges Angebot“, so Verhandlungsführer Stefan Kraft im Vorfeld. Verdi fordert für die Beschäftigten eine Lohn- und Gehaltserhöhung um 6 Prozent (mindestens aber 110 Euro) und 55 Euro mehr im Monat für Auszubildende – bei einer Laufzeit von 12 Monaten. 

Die Tarifrunde steht bei Verdi unter dem Motto „Ohne uns gibt es keine Bücher“. Kraft: "Für ihre gute Arbeit sollen die Beschäftigten jetzt das bekommen, was ihnen zu Recht zusteht: eine kräftige Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen".

Nach Angaben des AGV brach die Gewerkschaft die Verhandlungsrunde am Donnerstag "abrupt ab" - offenbar, weil die Positionen beider Seiten zu weit auseinanderlagen. Die Arbeitgeberseite wirft der Gewerkschaft "Verweigerungshaltung" vor, bot jedoch kurzfristig einen weiteren Verhandlungstermin an, den Verdi schließlich annahm. Die Gespräche sollen nun am 19. Dezember weitergeführt werden

Warnstreik bei der Verlagsgruppe Weltbild

Inzwischen hat die Gewerkschaft Verdi zur Durchsetzung ihrer Forderungen die Arbeitnehmer der Verlagsgruppe Weltbild in Bayern am 1. Adventwochenende zu einem zweitägigen Warnstreik aufgerufen. "Die Arbeitgeberseite hält nach wie vor unvernünftiger Weise den Geldbeutel zu und beklagt sich, dass der Buchhandel in einer tiefen Krise steckt", so Stefan Kraft. "Sie wollen nicht erkennen, dass gut ausgebildete und qualifizierte Buchhändler jetzt eine kräftige Lohnerhöhung benötigen, um sie in der Branche zu halten." Der stationäre Buchhandel könne sich zukünftig nur mit Service und Kompetenz durch qualifiziertes und motiviertes Personal am Markt behaupten.

Die wirtschaftliche Situation der Verlage, allen voran Weltbild, sei nach wie vor von Gewinnen geprägt. "Hier bei Weltbild werden Jahr um Jahr riesige Gewinne erzielt und an die Eigentümer abgeführt und die Beschäftigen will man mit Almosen ganz billig abspeisen", klagt Kraft. Zudem wird die durch die Arbeitgeber angedrohte Aufkündigung des Manteltarifvertrags scharf kritisiert. 
 

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20 Kommentar/e

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  • Weltbild/Hugendubler

    Weltbild/Hugendubler

    2-tägiger Streik bei Weltbild/Augsburg: Arbeitskampf zum Advent

    Gerade inmitten der Krise von Teilen des Sortiments benötigten gut ausgebildete und qualifizierte Buchhändler jetzt eine kräftige Lohnerhöhung, um sie in der Branche zu halten.
    „Denn der stationäre Buchhandel kann sich zukünftig nur mit Service und Kompetenz durch qualifiziertes und motiviertes Personal am Markt behaupten“.
    (Stefan Kraft, ver.di-Landesbezirk Bayern, Buchhandel und Verlage)

    mehr Infos:

    http://weltbild-verdi.blogspot.de/2012/11/streik-b ei-weltbild.html

    http://www.hugendubel-verdi.de

    http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verla ge_nachricht/datum/2012/11/29/arbeitgeber-beissen- auf-granit.htm

    auf Twitter: VERDI-STREIK-NEWSTICKER
    https://twitter.com/intent/user?screen_name=Streik _Ticker&tw_i=274347112156786688&tw_p=embed dedtimeline&tw_w=271741809489743872

  • H. M.

    H. M.

    Aus dem "Angebot" der Arbeitgeber spricht eine unglaubliche Verachtung der Beschäftigten; man muss jetzt diesem Zynismus mit arbeitskämpferischen Mitteln begegnen und dringend die Öffentlichkeit/Kunden über dieses skandalöse Verhalten informieren.

  • Münchner Kollege

    Münchner Kollege

    Warnstreik bei Hugendubel am Stachus/München: heute nachmittag 13-15 Uhr Kundgebung, im Anschluss an die Betriebsversammlung (die soeben läuft).

  • streikender Weltbildler

    streikender Weltbildler

    Bereits mehrere Hundert Streikende bei Weltbild in Augsburg!

    ver.di meldet über Twitter:
    Streik voller Erfolg!
    Über 450 Kolleginnen und Kollegen sind dem Aufruf gefolgt.
    Wir zeigen es den Arbeitgeber:
    So nicht mit uns!

    https://twitter.com/intent/follow?screen_name=Stre ik_Ticker

  • Knallharter

    Knallharter

    Wenn gestreikt wird kaufe ich eben bei Amazon. Meine Bücher bekomme ich so oder so....

  • Buchhändler

    Buchhändler

    @Knallharter
    Hättest Du sowieso gemacht. Sei stolz auf Dich, dass Du so knallhart bist!

  • Insider

    Insider

    Streik bei Amazon kommt auch noch! Es sieht schlecht aus für all die Riesen!

  • Ungläubiger

    Ungläubiger

    @ streikender Weltbildler

    Man fragt sich, wo all die streikenden Arbeitnehmer denn arbeiten würden, wenn kein Arbeitgeber mehr Lust hätte, ein Unternehmen am Laufen zu halten.
    Wo arbeiten dann all die Streikenden? Naja, sicher keine Frage, die sich die Streikenden stellen. Der Streik fordert schließlich volle Aufmerksamkeit.

  • Fight for your Right !

    Fight for your Right !

    Dann würden wir vielleicht einen Verlag oder einen Buchhandel aufmachen! Du hast wohl die letzten Jahre hinterm Mond gelebt. Selbst die konservative Regierung fordert höhere Löhne. Schlaf weiter !

  • Münchner Hugendubler

    Münchner Hugendubler

    Streik bei Hugendubel beginnt um 13 Uhr.
    Kundgebung am Münchner Karlsplatz/Stachus.
    Belegschaft kämpft für Entgelttarifvertrag - und gegen Tarifflucht.
    Info über http://www.hugendubel-verdi.de

  • Theo

    Theo

    Wer trotz Streik Bücher kaufen möchte, kann mal hier schauen:

    http://www.amazon.de

  • Spätzle

    Spätzle

    Amazon bei Augsburg wird bald ne Betriebsrat wählen und in ne anderes Amazon-Lager wird grad ne Tarifvertrag verhandelt....auch dort kann es eventuell zu Aktionen kommen.

  • A.Z.

    A.Z.

    Hugendubel schließt die Hälfte der Filialen:

    in Dresden, Berlin (Potsdamer Platz), Bad Homburg, München (OEZ, Stachus), Kempten, Amberg, Schweinfurt, ehem. Weiland-Filialen in Heide, Husum,
    Neubrandenburg, etc.

    Bald sind wir fast alle arbeitslos, weil die Leitungsebene bei Weltbild/DBH am laufenden Band nur Fehlentscheidungen trifft. Doch das interessiert ja keinen!

  • Buchkäufer

    Buchkäufer

    Ich kaufe immer bei http://www.thalia.de - Pünktliche Lieferung, Sendungsbenachrichtigung per E-Mail, freundliche Mitarbeiterinnen am Telefon, was will man mehr.

  • H. Kraft

    H. Kraft

    In der Buchbranche ist eine große Strukturkrise sichtbar.
    zu 13.) AZ: ,Hugendubel schließt die Hälfte der Filialen` -
    Da sollte man eigentlich schon hellhörig werden, was da jetzt im Buchhandel abläuft.
    So wie es aussieht, funktioniert diese Fusion Weltbild/Hugendubel nicht so rchtig. Also eventuell ein falscher Weg? Und dies läuft dann gegen die Kollegen/innen. Da steht doch ein riesengroßes Buchimperium auf dem Spiel? Strategien müssten da jetzt sehr unter die Lupe genommen werden. Und diese ganzen Entwicklungen sind sicher nicht im Sinne von Heinrich Hugendubel, der 2005 mit erst 68 Jahren gestorben ist.
    Geschäftsmodelle sollten nicht nur auf Kosten des Profits verbogen werden. Auch Streiks wären erst einmal zu überdenken, als gleich loszulegen. Der Börsenverein des Dt. Buchhandels sollte sich auch hier wieder mehr mit den Buchhandelsunternehmen zusammensetzen, um Lösungen zu suchen.
    Auch wäre die innerbetriebliche Kommunikation und Information in manchen Filialen von Hugendubel und auch bei anderen Buchhandlungen besser gefragt.
    H. Kraft

  • H. Kraft

    H. Kraft

    ,Warnstreik bei Weltbild am 1. Adventswochenende`
    Im Einleitungstext steht u. a., dass dieses derzeitige Angebot dem Tarifvertrag von 2006 entspreche, der unter den günstigeren damaligen Rahmenbedingungen abgeschlossen worden ist`.
    Diese Rahmenbedingungen haben sich aber nach sechs Jahren sicher verschlechtert. Auch das Verhalten der Kunden im Buchhandel hat sich gewaltig geändert. Man soll jetzt nicht alles auf Streik setzen, denn langfristig gesehen schadet ein Streik dem Unternehmen. Besser wäre es also weitherhin Gespräche von beiden Seiten zu suchen. Streiks könnten vielmehr dazu beitragen, dass große Unternehmen auch im Buchhandel zerschlagen werden. Es wäre u. a. auch zu überlegen, ob Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Buchhandlungen sich einmal mit Vorschlägen (sei es innerhalb einer besseren Unternehmenskultur) einbringen könnten. Auch wäre eine Transparenz in den Entscheidungen zu überlegen, um eben auch gemeinsam Ziele zu erreichen. Und dies ist sicher nur durch Offenheit von allen Seiten möglich und auch zu realisieren. Nur sollte da nicht immer fünf Minuten vor .Zwölf Uhr` damit in den Buchhandlungen begonnen werden. Alle Beteiligten sollten aber ihre Grenzen kennen.
    Es geht um die Sicherheit der Arbeitsplätze und deshalb wären auch Forderungen zu überlegen.
    H. Kraft

  • Hugendubler, der das nächste Mal auch mitstreikt

    Hugendubler, der das nächste Mal auch mitstreikt

    Gut, dass endlich was gemacht wird!
    Gut gemacht, Verdi!

    Ab heute bin auch ich aktiver dabei und komme auf jeden Fall zum nächsten Streik! Courage ist gefragt!

    Das Angebot der Arbeitgeber ist inakzeptabel.

    Und ich glaube wirklich, dass Hugendubel langsam von der Gl kapputtgemacht wird - schade, da Hugendubel einen hohen Markenwert besitzt und man mit Service und Angebotsqualität bestimmt noch gut Geld verdienen kann.

  • H.

    H.

    Neueste Filialschließungen bei Hugendubel: In Bad Homburg werden die "Schlecker"-Räumlichkeiten bald zum neuen, engen, dunklen Standort für einen Mini-Hugendubel (2013).

    In Berlin wird in der Filiale Potsdamer Platz die komplette Belegschaft entlassen; danach wird 2013 (für 1 weiteres Jahr) der Standort mit "Billigpersonal" weiterbetrieben.

    Noch vor Jahresende 2012 wird die Filiale in Dresden geschlossen und abgewickelt.

    Hugendubel, quo vadis?

  • Buchhändler

    Buchhändler

    Super, dass die Mitarbeiter von Weltbild so effektiv streiken.
    Gratulation und weiter so! Anders verstehen die Arbeitgeber nix.

  • Knecht Rupprecht

    Knecht Rupprecht

    Respekt vor verdi und den Buchhändlern bei Hugendubel. Wir versuchen auch bei Rupprecht einen Betriebsrat zu bilden, damit wir auch unsere Rechte durchsetzen können.

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