E-Commerce

"Buchhandel.de soll für alle Buchhändler geöffnet werden"

Die MVB stellt das Geschäftsmodell von buchhandel.de um und bietet künftig allen öffentlichen Bibliotheken die Möglichkeit, ihre Kataloge direkt auf buchhandel.de zu verlinken. MVB-Geschäftsführer Ronald Schild über die neue Lösung, die allen Buchhändlern offen steht.

Was war der Anlass für diese Initiative?
Ein Pressebericht über die Universität Heidelberg, die ihre Buchkataloge exklusiv auf Amazon.de verlinkt, hatte für Wirbel gesorgt. Wir fanden sehr schnell heraus, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist. Die Verlinkung auf Amazon.de ist gängige Praxis bei der Kaufvermittlung – für öffentlich finanzierte Einrichtungen rechtlich grenzwertig, denn Bibliotheken sind zur Neutralität verpflichtet.

Welches Angebot machen Sie den Bibliotheken?
Wir haben in einem konstruktiven Gespräch mit dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv) eine Lösung gefunden, von der sowohl die Bibliotheken als auch der unabhängige Buchhandel profitieren: Künftig können die Bibliotheken und andere öffentliche, nicht-kommerzielle Einrichtungen Kauf-Links auf buchhandel.de in ihren Onlinekatalogen einrichten. Um eine möglichst große Verfügbarkeit der Titel auf der Plattform zu erreichen, soll buchhandel.de für alle Buchhändler geöffnet werden. Die Gebühr für die Listung als Partnerbuchhandlung entfällt dauerhaft. Um die Attraktivität des neuen Verlinkungsmodells für die Bibliotheken zu erhöhen, stellen wir im Gegenzug allen Einrichtungen, die mitmachen, ausgewählte Metadaten aus dem VLB kostenfrei zur Verfügung.

Wie wollen Sie die Kosten für diesen Service decken?
Das Angebot wird über eine geringe, umsatzabhängige Verkaufsprovision refinanziert, die aber erst ab 1. Juli erhoben wird. Aus kartellrechtlichen Gründen müssen wir die Plattform für alle Buchhändler öffnen, nicht nur Mitgliedsunternehmen. Wer nicht im Verband organisiert ist, zahlt allerdings eine deutlich höhere Transaktionsgebühr.

Welchen Vorzug hat die Kooperation gegenüber der bisherigen Lösung?
Es ist eine ernsthafte Alternative zu großen Online-Versendern, die zudem einen entscheidenden Vorteil hat: In den Bestellvorgang sind die teilnehmenden Buchhandlungen durch eine Umkreis-Suche eingebunden. Je mehr Buchhändler mitmachen, desto größer wird auch die Flächenabdeckung sein.

Planen Sie noch weitere Veränderungen an buchhandel.de?
Wir wollen gemeinsam mit dem Buchhandel die Plattform in den nächsten Monaten komplett überarbeiten. Das betrifft zum Einen die Darstellung, die Suche und den Bestellprozess, zum Anderen aber auch viele Features, bei denen wir die Mitarbeit des Sortiments benötigen. Zum Beispiel soll die Warenkorbfunktion um eine Verfügbarkeitsanzeige ergänzt werden, die dem Kunden sagt: Das gewünschte Buch ist in einer bestimmten Buchhandlung im Umkreis verfügbar und kann persönlich im Laden abgeholt werden. Ein klarer Vorteil gegenüber einem Online-Buchhändler, aber hierzu benötigen wir Lagerbestandsdaten der beteiligten Buchhändler.

Was ist auf dem Weg zu einer echten Alternative zu den großen Plattformen noch zu tun?
Wir müssen in einem ersten Schritt die Liefer- und Zahlungsbedingungen der teilnehmenden Buchhändler vereinheitlichen. Unser Produktmanagement versucht hier in enger Abstimmung mit der Branche und dem Buchhandel zusammenzuarbeiten. Langfristig soll so ein Angebot entwickelt werden, das die Stärken des lokalen Sortiments mit der Convenience eines ausgereiften Online-Angebots verbindet. Es gibt also noch alle Hände voll zu tun.

Interview: Michael Roesler-Graichen

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15 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Endlich wieder eine gute Nachricht für uns Buchhändler,
    sollte man aber nicht die Seite auch mit einem
    internationalen Namen benennen? Buchhandel.de -
    aber wird es auch woanders verstanden?
    Vielleicht den Zusatz Germany-books oder ähnliches?
    Bestimmt haben einige bessere Vorschläge als ich.

  • Lockenwickler

    Lockenwickler

    @ Kleine Sortimenterin

    "...sollte man aber nicht die Seite auch mit einem
    internationalen Namen benennen?..."

    Warum? Der deutsche Buchhandel ist doch nicht international bloß weil die Buchhändler ausländische Titel beim Importeur oder Amazon bestellen...
    Das kann man sich sparen.

  • anderer Leser

    anderer Leser

    Abgesehen davon, dass dieser Schritt viel früher hätte kommen müssen, sind dies tatsächlich gute Neuigkeiten. Jetzt sind aber auch die Buchhandlungen und Barsortimente gefragt dieses Projekt mitanzugehen.

  • Hübler

    Hübler

    Warum kommt das ganze erst jetzt? Der MVB hat seinen gigantischen Startvorteil (Daten) im Onlinehandel damals vollkommen verspielt, der MVB ist stehengeblieben, hechelt jetzt den großen Onlinebuchhändlöern hinterher, wundert sich, dass in Heidelberg und anderswo ganz Unglaubliches geschieht und zieht nicht einmal personelle Konsequenzen. Vielleicht wäre die beste Werbung fürs Buch, wenn endlich ein Modell in Zusammenarbeit aller Beteiligter (Verlage, Barsortimente, Off- & Onlinebuchhandlungen und Bibliotheken) gefunden würde, dass einen hohen Standard der Titeldaten kostengünstig liefert und allen Marktbeteiligten diskriminierungsfreien Zugang sichert. Es werden daten für das VlB erhoben, die deutsche Bibliothek erhebt die Daten, die Barsortzimente ebenso und so weiter. Der MVB ist scheinbar überfordert und interessengeleitet, dahingehend, dass die verantwortlichen Personen ihre Arbeitsplätze sichern wollen, dies ist aber nicht im Interesse der Branche.

  • Sabrina Jirschikowsky

    Sabrina Jirschikowsky

    Besser spät als nie! Noch vor zwei Wochen hatte ich mich mächtig aufgeregt, dass man monatlich 20 Euro zahlen muss, wenn man sich auf Buchhandel.de listen lässt.
    Ich freue mich sehr, dass der MVB endlich kapiert, dass dieser Schritt längst überfällig ist. Im Netz werden viele Alternativen zu Amazon gesucht und hier können wir alle unseren Teil dazu beitragen, dass Buchhandel.de eben diese Alternative sein wird.
    Dann wird der Buchhandel wohl doch nicht so schnell aussterben ;).

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Lockenwickler, buchhandel de sollte schon bleiben,
    aber in Zeiten des Internets sollten unsere Seiten auch
    international gefunden werden, auch in anderen Ländern
    werden deutsche Texte gelesen.

  • Tobias Dietrich

    Tobias Dietrich

    Eine Verständnisfrage von einem Nicht-Branchenangehörigen:

    Die Verlage, deren Titel 95% des Gesamtumsatzes ausmachen, verfügen doch vermutlich sowieso über Artikeldaten im ONIX-Format. Außerdem haben sie ein Interesse daran, diese Daten so breit wie möglich zu streuen.
    Der Betrieb einer Online-Datenbank entsprechenden Ausmaßes kostet im Monat maximal einige hundert Euro und ist in Zeiten von "Big Data" wirklich kein Hexenwerk mehr.
    Würde man jetzt also den Verlagen anbieten, die bereits im ONIX-Format vorhandenen Daten außer zum VLB noch (kostenlos) an eine weitere Datenbank zu übertragen und diese Daten dann wiederum jedem Interessierten gegen eine Gebühr von beispielsweise 20 EUR im Jahr zur beliebigen Verwendung zugänglich machen, wäre das Daten-Problem doch gelöst. Oder übersehe ich da etwas?

  • WD

    WD

    @ Tobias Dietrich, ja, da übersehen Sie was. Leider sind die Verlage - auch die großen - nicht in der Lage vernünftige Daten zu liefern und zu pflegen. Wie oft schon habe ich z.B. beim Randomhouse (Bertelsmann) vergeblich nachgefragt, weil Kunden via Buchhandel.de Bücher bestellen, die längst nicht mehr lieferbar sind und "vergessen" wurden zu löschen.

    Die MVB hat viele Fehler (scheint sich aber zu bessern). Die mangelhafte Datenqualität wird jedoch von den Verlagen verursacht. Dagegen hilft nur ein kostenintensives Redaktionsteam - wie bei den Barsortimenten oder Amazon.

  • René Kohl

    René Kohl

    Mir gefällt diese Funktion bei Amazon:
    "Möchten Sie die Produktinformationen aktualisieren oder Feedback zu den Produktabbildungen geben?
    Ist der Verkauf dieses Produkts für Sie nicht akzeptabel?"

    Hat leider den Weg in die buchhändlerischen Katalogsysteme noch nicht gefunden.

    Könnte noch kombiniert werden mit einem Rating:
    Fehlermeldungen je Verlag innerhalb eines Monats größer als 2% der gelisteten Titel führt zu Warnschild:
    Informationen dieses Verlags sind wegen Fehlerhaftigkeit bis auf weiteres nur mit Vorsicht zu genießen.

  • Werner Beyer

    Werner Beyer

    Verschiedene Ideen zur Diskussion gestellt.

    Möglichkeiten gegen einen Verlag der seine Daten nicht pflegt Strafgebühren zu verhängen

    Möglichkeit einen Shitstorm zu organisieren

    Möglichkeiten die Daten von autorisierten Nutzern ändern zu lassen (von Wikipedia lernen)

    Möglichkeiten alternative Daten anzuzeigen miit Kennzeichnung von wem diese Daten kommen und warum ( z.B. berechnet am <Datum> vom Verlag )
    ( z.B. auf Verlagswebseite am <Datum>)

    Alernative Daten werden dem Verlag zur Prüfung zugeleitet, wenn er nicht innerhalb einer bestimmten Frist reagiert dann gelten sie oder es wird eine entsprechende Meldung angezeigt.

  • Werner Beyer

    Werner Beyer

    Mir gefällt diese Funktion bei Reuffel

    Anreicherung der Daten durch Wikipedia (Autorenartikel)
    Umsetzung ISBN in WP-Artikel auf die Metadatenbank


  • René Kohl

    René Kohl

    Könnte es eine geeignetere Infrastruktur geben als die BöBla-Kommentarspalte, um Vorschlagslisten aufzulisten?

    Könnte die diese Infrastruktur dann je empfohlenem Baustein noch eine Kommentarfunktion bekommen?

    Könnte man dort auch Screenshots und Links reinposten?

    Welche webbasierte erprobte Projektmanagement-Software gibt es für solche Dinge zum Beispiel?

    Welche Incentives gibt es für jeden gemachten bzw. realisierten Vorschlag?

    Wie riskant / lässig ist es, jeden Vorschlag in der ganz großen Runde zu diskutieren?

    Wie moderiert man so eine Infrastruktur?

    Wer macht das noch mal?

    Wann macht man die erste große Brainstorming- / Input-Runde?

    In welche Bereiche trennt man die geäußerten Wünsche?

    Wie gewichtet man die Wünsche?

    Wie priorisiert man die Wünsche?

    Wer etatisiert die genannten Wünsche?

    Wann ist ausdiskutiert und wird jeweils umgesetzt?

    Wer macht das?

    Zu welchem Zeitpunkt leistet man sich jeweils noch mal einen externen Blick?

    Wie wird dann die Umsetzung abgenommen?

    Wer schaut dann noch mal drauf und bessert nach?

  • Werner Beyer

    Werner Beyer

    Lieber Rene Kohl

    Sehr gute Fragen! Hoffen wir mal, dass jemand hier mitliest, der sie beantworten kann. Vielleicht müssen wir sie ja auch selber beantworten? Das fehlt mir übrigens schon lange: eine Form der Wissensorganisation, mit der man gemeinsame Projekte, den Informationsaustausch, und gemeinsames Wissen managen und teilen kann. Das wäre sehr wichtig um eine größere Anzahl von Buchhandlungen, Verlagen, Autoren, Kunden, Bibliotheken in die Arbeit einzubinden. Ein demokratisches Gegengewicht gegen die zentralsierte Macht des Finanzkapitals von Amazon. Die jetzigen Verbandsstrukturen können das in der jetzigen Situation unmöglich leisten, weil viel zu langsam, viel zu träge, viel zu aufwändig, viel zu ineffektiv, viel zu intransparent, viel zu unsolidarisch.Wir brauchen Transparenz, Effizienz, Beteiligung vieler jetzt noch isolierter Einzelkämpfer.

  • anderer Leser

    anderer Leser

    Hervorragende Fragen. Da wird dann jetzt ein Brainstorming fällig!

  • Sabrina Jirschikowsky

    Sabrina Jirschikowsky

    "Könnte es eine geeignetere Infrastruktur geben als die BöBla-Kommentarspalte, um Vorschlagslisten aufzulisten?"

    Bei Facebook gibt es die Möglichkeit, dies in einer geschlossenen Gruppe zu diskutieren. Ähnlich der Gruppe "Buchhandelstreff". Screenshots und Links funktionieren hier eben auch. Für das erste Brainstorming würde es sich ganz gut eignen. Außerdem hat fast jeder einen Facebook-Account.

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