Börsenverein

Speed-Dating für Verleger und Journalisten

Made in SaSaThü: Kurz vor der Leipziger Buchmesse hebt der Landesverband des Börsenvereins heimische Verlage und ihre Programme auf die Medienbühne. VON NILS KAHLEFENDT

Es ist ein Termin der etwas anderen Art, irgendwo zwischen Speed-Dating, Börse und Familientreffen – das Pressegespräch des Landesverbandes Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, das Medienvertretern seit zehn Jahren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse einen kompakten Streifzug durch die mitteldeutsche Verlagslandschaft ermöglicht.

Für Journalisten die ideale Chance, sich mit den Programmen der Verlage vor ihrer Haustür bekannt zu machen, Interviewtermine und Rezensionen zu planen. Für manche der kleineren Häuser eine der raren Gelegenheiten, vor Ressortleitern oder Literaturredakteuren ihre aktuellen Neuerscheinungen persönlich ins rechte Licht zu rücken.

Die Beschränkung auf drei Minuten pro Verlag zwingt zur Fokussierung; mancher Verleger sucht sein Heil in Beschleunigung und spricht so schnell wie beim obligaten Nachsatz in der Fernseh-Arzneimittelwerbung. Überziehen, wie bei „Wetten, dass...?“ zu seligen Gottschalk-Zeiten, ist nicht drin, die Glocke des Landesverbands-Vorsitzenden Helmut Stadeler (Bussert & Stadeler, Jena) ist unerbittlich. 

Grippe-Welle und Autobahn-Staus schränkten den Kreis diesmal auf 28 Verlage aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein. Jubilare wie Mark Lehmstedt, dessen Verlag in diesen Tagen so alt wird wie die 2003 begründete Institution "Pressegespräch", waren ebenso vertreten wie frisch Ausgezeichnete (Buschfunk aus Leipzig etwa ist Träger des Deutschen Hörbuchpreises) oder Neugründungen, die sich zum ersten Mal mit eigenem Stand auf der Buchmesse präsentieren. Zu diesen Newcomern gehörte der Zeitbrücke Verlag (Aue) mit einem ambitionierten Hörbuch-Programm, aber auch der Verlag Open House aus Leipzig, der auf junge, zeitgenössische Belletristik, vergessene Klassiker und Sachbücher setzt – und der (Achtung, liebe Redaktionen!) zur Abwechslung mal keinen Roman über das Ende der DDR, sondern jenes der alten Bundesrepublik vorlegt. 

Wer sich, wie Wilko Müller (Projekte-Verlag Cornelius, Halle), verkehrsbedingt verspätete, startete die Performance schon mal direkt aus dem Koffer: Die Hallenser werden im Richard-Wagner-Jahr, zusammen mit dem Axel-Dielmann-Verlag (Frankfurt), eine zwölfbändige Wagner-Ausgabe starten. Wobei wir schon bei den von Journalisten so heiß geliebten thematischen "Trends" wären: Der 1813 in Leipzig geborene Musik-Erneuerer spielt in einigen Programmen die erste Geige, auch die Völkerschlacht wird, ob in Romanen, Sach- oder Hörbüchern, eifrig ausgefochten.

Am Ende waren nicht nur die Notizblöcke und Bandgeräte der Medien-Leute gut gefüllt – auch neugierige Buchhändler, denen die Teilnahme an der Veranstaltung selbstverständlich offen steht, fuhren mit Insider-Tipps nach Hause, die das Geschäft in der laufenden Saison beflügeln können.

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