Gespräch mit dem Schriftsteller Pyotr Magnus Nedov

Eine georgische Teedose in Italien

Zum dreizehnten Mal findet im März in München das Festival für junge Literatur „Wortspiele“ statt. Zum ersten Mal dabei: der Schriftsteller Pyotr Magnus Nedov. VON INTERVIEW: ANDREAS TROJAN

Sie nehmen zum ersten Mal beim Literaturfestival „Wortspiele“ teil. Was erwarten Sie sich von diesem Forum?
Ich freue mich über diese Gelegenheit, in den Süden zu reisen und meinen Roman „Zuckerleben“ auch bei den „Wortspielen“ vorzustellen. Ich bin gerne in Bayern – und das nicht nur beim Oktoberfest! Die zweite Station der „Wortspiele“ ist Wien, wo ich lange gelebt habe. Natürlich freue ich mich auch darauf.  Außerdem gibt es ja bei den „Wortspielen“ etwas zu gewinnen, etwa das Stipendium nach Los Angeles.  In dieser Stadt war ich noch nie.

Ihr Debütroman „Zuckerleben“ erscheint im DuMont Verlag, bei der lit.Cologne sind Sie für den Silberschweinpreis nominiert und Sie lesen eben bei den „Wortspielen“.- Kein schlechter Start, oder?
Ja, ich habe mich sehr über die positive Resonanz zu „Zuckerleben“, die es bis jetzt gab, gefreut.

In Ihrem Debütroman ist ein junger Moldawier im krisengeschüttelten Italien unterwegs auf der Suche nach seiner georgischen Teedose. Und der junge Spekulant Pitirim findet 40 Tonnen Zucker und verarbeitet sie zu Schnaps, um seine Ausreise nach Italien finanzieren zu können. Sind das Themen für junge Leser wie man sie bei den „Wortspielen“ antrifft?
Unbedingt. Ich denke, dass die Herstellung von Schnaps und Road Trips in krisengeschüttelten Ländern durchaus einen gewissen Reiz auf junge Leute ausüben können - aber sicher auch auf ältere Leser! Übrigens: Die georgische Teedose gibt`s als Schmankerl dazu.

Sie sind in der damaligen Sowjetunion geboren, aufgewachsen sind Sie in Moldawien, Rumänien und Österreich, heute leben Sie in Köln. Wie kamen Sie dazu, auf Deutsch Literatur zu schreiben?
Ich habe das Glück gehabt, viele Länder auf allen Kontinenten zu bereisen und in einigen davon Station zu machen. Ich habe zum Beispiel längere Zeit im Nordosten von Brasilien verbracht, habe in Paris an der Sorbonne studiert, in Kanada und Russland geforscht, habe Filme auf dem Balkan und im Baltikum gedreht, bin mit dem Zelt durch Island unterwegs gewesen und derlei mehr. In den letzten 16 Jahren ist aber stets der deutschsprachige Raum die Basis für all diese Erkundungen geblieben. Deswegen Deutsch. Und Literatur, weil es mir Spaß macht, Geschichten zu erzählen und sie als Roman oder als Film zu verpacken.

In Ihrem Roman „Zuckerleben“ spielt Italien eine große Rolle. Eigentlich ist Italien seit Goethe das Sehnsuchtsland der Deutschen. Was bedeutet bella italia für Sie?
Italien ist seit Gorbatschow auch das Sehnsuchtsland der Moldawier und als solches interessiert es mich. Übrigens habe ich Gorbatschow meine „Ode an Italien“ in „Zuckerleben“ gewidmet. Außerdem war ich schon als Zehnjähriger ein großer Fan der italienischen Serie „La Piovra“. Ich habe damals vom Bildschirm meines moldawischen Nachbarn in Bukarest den alternden Kommissar Corrado Cattani bei seinem abenteuerlichen Versuch begleitet, seine gescheiterte Ehe zu retten und gleichzeitig einen scheinbar aussichtlosen Kampf gegen die Cosa Nostra zu gewinnen – und das in seinem Alfa Romeo 174! Und ich habe dabei Adriano Celentano gehört, und sehr gelitten, als Commissario Cattani am Ende der zehnten Staffel erschossen wurde. Italien ist ein Land, in dem es einem nie langweilig wird.

Beim Festival „Wortspiele“ lesen die meisten Teilnehmer den Anfang Ihres neuen Romans vor – damit alle Zuhörer auch mitkommen. Werden Sie es genau so machen?
Nein. Ich werde einen Ausschnitt aus dem Kapitel „Die Schwarzhändlergilde von Dondușeni” lesen. Ich glaube, das Publikum wird Spaß daran haben.

Hier geht es zum Buchtrailer von "Zuckerleben". 

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