Konzentration im Schweizer Buchhandel

Lawine auf dem Schweizer Buchmarkt

Reaktion auf massive Umsatzeinbußen: Orell Füssli und die Thalia Holding GmbH wollen in der Schweiz zu einem neuen Joint Venture zusammenwachsen. Beiden Partner wären mit je 50 Prozent beteiligt – vorausgesetzt, die Kartellbehörden spielen mit.

© Christine Strub

„Es findet eine nachhaltige Verlagerung vom stationären zum online Buchhandel statt. International operierende Online-Anbieter weiten ihr Sortiment laufend aus, haben auch in der Schweiz immer mehr Kunden und verdrängen zunehmend lokale Anbieter. Diese Veränderungen spüren sowohl Thalia als auch Orell Füssli gleichermaßen.“ Mit dieser Erklärung (hinzu kommt die wachsende Rolle von E-Books) begründen die Unternehmen die geplante Verschmelzung zur größten Schweizer Buchhandelskette.

Orell Füssli will Teil der Tolino-Allianz werden
Mit dem Joint Venture wollen Thalia und Orell Füssli die Herausforderungen im Schweizer Buchmarkt gemeinsam meistern und auf die sinkenden Umsätze reagieren. Es entstünde ein in weiten Teilen der Deutschschweiz präsentes Buchhandelsunternehmen mit gemeinsamem Internetgeschäft. Ziel der Verschmelzung ist es, auch einen neuen, starken Onlineshop zu etablieren, „damit den internationalen Anbietern eine Schweizer Alternative entgegengesetzt werden kann.“ Maßgeblich zu dieser Strategie soll vermutlich die jüngst angekündigte E-Book-Plattform Tolino beitragen. Die E-Reader sind in den Schweizer Thalia-Filialen bereits verfügbar („innert 1-3 Tagen“) – bald könnte auch Orell Füssli Teil der Allianz werden, die sich vor allem gegen Amazon richtet.

Die beiden Partner haben laut Pressemitteilung für das Joint Venture bereits eine Vereinbarung unterzeichnet. Der Vollzug der Transaktion ist abhängig von der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden. Diese könnte bis zu fünf Monaten auf sich warten lassen. Welchen Namen das Joint Venture dann tragen wird, wollen die Partner erst nach der Freigabe festlegen und kommunizieren.

Konsequenzen für Filialnetz und Mitarbeiter unklar
Die Unternehmen sind in drei Städten (Basel, St. Gallen und Winterthur) mit unmittelbar konkurrierenden Filialen präsent, ansonsten ergänzt sich das Filialnetz der beiden größten Schweizer Buchhandelsfilialisten. Welche Einschnitte es an diesen Standorten geben könnte, darüber machten bislang weder Thalia noch Orell Füssli Angaben.

"Durch den Zusammenschluss können in zentralen Bereichen Doppelfunktionen reduziert werden. Wir rechnen mit einer Reduktion des Personalbestandes von 40 – 50 Stellen im Laufe des Jahres 2014", bestätigte eine Sprecherin von Orell Füssli aber due naheliegende Vermutung, dass bei beiden Unternehmen Arbeitsplätze wegfallen dürften.

Die Orell Füssli Buchhandlungs AG betreibt in der Schweiz 14 Buchhandlungen sowie den Inernetshop books.ch und beschäftigt 400 Mitarbeiter. Der Umsatz belief sich 2011 auf rund 114 Millionen Franken. Hugendubel ist mit 49 Prozent am Unternehmen beteiligt

Die Thalia Bücher AG unterhält 22 Filialen mit 650 Mitarbeitern. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 131 Millionen Schweizer Franken Umsatz erwirtschaftet. Seit dem Jahr 2000 ist Thalia auf dem Schweizer Buchmarkt tätig.

 

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4 Kommentar/e

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  • kleiner buchhändler

    kleiner buchhändler

    "An Orell Füssli ist Hugendubel mit 49 Prozent beteiligt". Fungiert Tolino als Katalysator für eine Mega-Fusion der Großfilialisten Thalia und Weltbild/Hugendubel? Sieht so die Anti-Amazon-Allianz aus? Der Kunde hätte also die Wahl zwischen Skylla und Charybdis!

  • mensch

    mensch

    Ein joint-venture zwischen Thalia.ch und Orell Füssli, hat nichts mit einer Fusion zwischen Thalia und Weltbild/Hugendubel zu tun.

  • Stefan Müller

    Stefan Müller

    Also ich verspüre wenig Mitleid mit den Abzocker von OF und Thalia - welche nachweislich Bücher immer noch zu überhöhten CH-Preisen verkaufen, wie man selbst auf billigbuch.ch und auch thalia.de überprüfen könnte.

    Soll der Markt doch nur für etwas Bereinigung unter den Profiteuren des Zwischenhandels sorgen, sie haben uns unter dem Diktat der Buchpreisbindung schliesslich jahrzehntelang genug geschröpft.

    Der mündige Bürger bestellt und informiert sich halt selbst im Internet heutzutage - wir leben schliesslich nicht mehr in den 1980er Jahren, als Computer noch teuer und wenig benutzerfreundlich waren und man zwangsläufig über den Buchhandel bestellen musste, den Göttern sei dank!

  • Zange

    Zange

    @ 1. kleiner buchhändler 07.03.2013 14:13h

    >>>Fungiert Tolino als Katalysator für eine Mega-Fusion der Großfilialisten Thalia und Weltbild/Hugendubel?<<<

    Sehe ich auch so. Dann treten mit Amazon und Thadubel zwei Einäufer gegenüber den Verlagen auf, die den anderen Nachfragern aus dem Buchhandel die Einkaufskonditionen versauen werden. Amazon und Thadubel sind dann in der Summe als Nachfrager größer als die Summe der Barsortimente. Das wird den Buchmarkt stärker verändern als die Flächenexpansion der Filialisten. Der unabhängige Handel wird in die Zange zwischen Verschlechterung der Einkaufskonditionen und unmittelbarer Standortkonkurrenz geraten.

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