Börsenverein

BuchCamp 2013: Digitale Netzwerker bei der Arbeit

Ein Pilot, eine Online-Managerin der Drogeriekette dm, ein Buchhändler aus Eutin: Beruflich haben diese drei kaum eine Chance, sich jemals zu begegnen. Das BuchCamp des Börsenvereins hebelt solche Branchengrenzen locker aus.

 

150 BuchCamp-Gäste trafen sich am Wochenende in Frankfurt  –  darunter auch Autoren, Blogger, Social-Media-Redakteure aus Verlagen, digitale Dienstleister, Studenten, eine Bibliothekarin. In der digitalen Welt sind sie alle zuhause. Deshalb sind es auch ganz ähnliche Themen, die sie umtreiben: etwa die Tücken der Social Media-Werbung oder die Möglichkeiten des Selfpublishing.

Die Quote der Twitter-Nachrichten, die den Mediacampus Frankfurt pro Tag verlassen, dürfte am Wochenende jedenfalls rasant in die Höhe geschnellt sein.

Das WLAN-Passwort wurde gleich am Anfang für alle auf die Leinwand geworfen, Smartphones, Notebooks und Tablet-PCs waren als Kommunikationsmittel im Dauereinsatz. Neben dem persönlichen Gespräch, versteht sich. Allein eineinhalb Stunden Kaffeepause zeigen, dass es beim BuchCamp nicht zuletzt um neue Kontakte, um Austausch, ums Ideensammeln geht. Netzwerken im doppelten Sinn.

Die Tagesordnung geben sich die Teilnehmer selbst, so wie bei BarCamps üblich. 24 „Sessions“ standen am Ende auf der Agenda. Und viele nutzten dabei auch die Gelegenheit, eigene Projekte vorzustellen und Feedback aus der Runde einzuholen:

  • Christian Zickler und Fabio Brait beispielsweise, die für eine Fluglinie arbeiten, präsentierten in Frankfurt eine Gründungsidee:  „Buchschwarm“, eine Crowdfunding-Plattform für Bücher. Das Duo nutzte das gesammelte Knowhow auf dem BuchCamp, um das Projekt auf Standfestigkeit zu prüfen.
  • Kathrin Huemer und Karin Hartmeyer, beide aus Österreich, holten sich Anregungen für einen Vortrag zum Thema Aus- und Weiterbildung, den sie demnächst für den Hauptverband des österreichischen Buchhandels halten.
  • Detlef Bluhm, beim Börsenverein Geschäftsführer des Landesverbands Berlin-Brandenburg, lud zur Session „Futurelab“ ein – er arbeitet gerade an einem Buch zur Zukunft der Buchkultur, das 2014 erscheinen soll.
  • Kristina Auer stellte das Projekt „Innobox“ vor, das in der aktuellen ProtoType-Werkstatt des Börsenvereins geboren wurde und eine Innovationsplattform für Verlage und Buchhandlungen werden soll – Camp-Anregungen erwünscht. Die gab es vor allem zum Thema Finanzierung.
  • Der junge E-Book-Verlag Grin zog gleich mit fünf Mitarbeitern ins BuchCamp ein und warb vorab mit Twitter-Fotos für seine Session „Vorsicht eBook! Der Nachwuchs und das digitale Publizieren.“ Ähnlichkeiten mit „Vorsicht Buch!“, der Buchmarketing-Kampagne des Börsenvereins, sind rein zufälliger Natur...

Gleich drei Sessions widmeten sich dem Börsenverein. Wie müsste der Verband der  Zukunft aussehen? Welche Mitglieder und Mitgliedschaften sollte, könnte es geben? Und wie sieht ein zeitgemäßes Veranstaltungsdesign aus?

Auf der Wunschliste der Camp-Teilnehmer für den Börsenverein von morgen standen beispielsweise die Stichwörter „Zuhören können“, konkrete Unterstützung für die Mitglieder, mehr Transparenz bei Themen und Strukturen, kürzere Entscheidungswege, neue Veranstaltungsformate.  Andy Artmann, freier Social-Media-Redakteur, brachte das Problem auf seine Weise auf den Punkt: „An den Verband werden Heilserwartungen gestellt, die er gar nicht erfüllen kann“.

Bei der Session zum zeitgemäßen Veranstaltungsdesign tauchte vor allem der Begriff „Nachhaltigkeit“ auf. Die Teilnehmer wollen wissen, was mit all den Diskussionen, Thesen und Projekten passiert, die bei einer Börsenvereins-Tagung angerissen werden.

Das lässt sich beim BuchCamp leicht beantworten: Alle Sessions werden ausführlich dokumentiert, Anregungen fließen in die Verbandsarbeit ein, etwa in die Strategie-Entwicklung des neuen Vorstands, der im Juni gewählt wird, oder ins buchhändlerische Fachprogramm der Frankfurter Buchmesse, die das Camp ebenfalls als Ideenlabor nutzte.

Frank Krings und Alexandra Strohmeier von der AuM warfen bei ihrer Session einen Blick ins Jahr 2020 – mit den beiden Protagonisten „Lisa Local“ und „Carl Cloud“. Die eine ist klassische stationäre Buchhändlerin, der andere ein digitaler „Content-Berater“. Wem gehört die Zukunft? Das Camp lieferte darauf seine eigene Antwort: Am besten würden beide heiraten.

Ein Best-Practice-Beispiel aus dem stationären Buchhandel von heute hatte Jan Hoffmann im Gepäck: Der Buchhändler aus Eutin, einer von drei Sortimentern beim BuchCamp, berichtete unter anderem von seinen Erfahrungen mit dem Libri-Regalmanager, der einzelne Warengruppen automatisch bestückt: Manga, Reiseführer, Gartenbände – Themen, bei denen das Team der Buchhandlung Hoffmann keine besondere Kompetenz hat, werden über einen komplexen Algorithmus aus regionalen Verkaufszahlen, Bestsellerlisten und aufkommenden Trends bedient und vom Zwischenbuchhändler regelmäßig mit neuen Titeln versorgt. Hoffmann berichtete zum Teil von zweistelligen Umsatzzuwächsen in den einzelnen Segmenten: „Zentrale Warengruppen wie Kinderbuch, Krimi und Belletristik würden wir aber niemals aus der Hand geben. Hier liegt unsere Kernkompetenz“.

Auch online macht die Buchhandlung gute Geschäfte – mithilfe einer großen Titeldatenbank, die sich aus KNV, Libri, Umbreit und dem eigenen Lagerbestand speist. Fast 10.000 Online-Verkäufe hat Hoffmann 2012 abgewickelt, Tendenz 2013 kräftig steigend. Die Schattenseiten verschweigt Hoffmann nicht:  Fehler, so sagt er, dürfe man sich dabei eigentlich nicht leisten. Und auch der Niedergang des Fachhandels in der Kreisstadt macht ihm Sorgen.

Noch offen ist die Frage, warum die Online-Managerin einer Drogeriekette das BuchCamp besucht. Antwort von Tanja Starck: „Der Erfolg von Zalando zeigt, was passieren kann, wenn man benachbarte Branchen nicht im Blick hat“. Starck reist, wie viele BuchCamp-Gäste, von Frankfurt weiter nach Berlin: Zur re:publica13, der großen Konferenz rund um die digitale Welt, die vom 6. bis zum 8. Mai stattfindet.

Auch der Börsenverein ist in Berlin dabei: Der Arbeitskreis Elektronisches Publizieren und die MVB bieten am Dienstag auf der re:publica13 zwei Sessions zu den Themen "Encoding a Book - was ist Buch?" und "It's Meta Baby - Bücher, Metadaten und Discoverability" an.

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