Die Librarie St. Paul in Burundi

Die einzige Buchhandlung des Landes

Bücher sind im ostafrikanischen Staat Burundi rar, es gibt nur eine einzige Buchhandlung im Land. Die Mainzer Buchwissenschaftlerin Elisabeth Böker hat sie besucht.

Telefonkarten, Ananas, lebende Hühner oder Holzmasken - alles wird in den Straßen von Burundis Hauptstadt Bujumbura angeboten. Bücher hingegen haben Seltenheitswert in der Millionenstadt, mal taucht eine Kladde auf mit den Worten „Tu veux apprendre l’anglais?". Es handelt sich um ein Englischlernbuch, kopiert, mit Spiralbindung. Neben dem Straßenhändler stapeln sich ein Oxford-Wörterbuch Englisch und drei, vier belletristische Titel auf einem Straßenpfeiler. 

Zwei Straßen weiter befindet sich Burundis einzige Buchhandlung. "Librarie St. Paul" heißt sie und liegt unweit des Zentralmarktes der Stadt. Betrieben wird die Buchhandlung von dem Orden der Schwestern von St. Paul, einem katholischen Orden, 1932 in Italien gegründet, heute mit Sitz in den USA und in 50 Ländern vertreten. Die Buchhandlung in Bujumbura besteht seit 1969. "Rund 360 Titel haben wir vorrätig", sagt eine der Schwestern, die im Laden den Verkauf leitet. "Alle Bücher importieren wir aus Frankreich." Denn Burundi ist als ehemalige belgische Kolonie französischsprachig.

Verlage sucht man im Land vergeblich. Viele der vorrätigen Titel beschäftigen sich mit theologischen Themen, doch einzelne Titel aus anderen Bereichen wie Medien, Naturwissenschaften oder Belletristik liegen aus. Hier kaufen aber keineswegs nur Theologen, sondern Literatur- und Bildungsinteressierte, die in der Lage sind, das nötige Geld für Bücher zu haben. Die Titelbreite ist vielseitig und auch für Laien geeignet. Zum Stöbern ist der Laden nicht gedacht: An einem Tresen direkt am Eingang fragt man nach dem gewünschten Buch. Einzelne Titel liegen in der Glasvitrine unter der Kasse aus. Ansonsten werden die Bücher frontal ausgerichtet in Holzregalen im hinteren Ladenbereich aufbewahrt.

Bücher sind Luxusware in Burundi. Die meisten Titel kosten mehr, als der Durchschnitt der Burundier im Monat verdient; mehr als die Hälfte der zehn Millionen Einwohner lebt unter der Armutsgrenze. Nach zwölfjährigem Bürgerkrieg, der 1994 ausbrach und bei dem mindestens 300.000 Menschen starben, stabilisiert sich das Land erst langsam wieder. Die von der Regierung eingeführte kostenlose Grundschulerziehung, um das Analphabetentum zu bekämpfen, scheint Wirkung zu zeigen: 80 Prozent der 15- bis 24-Jährigen, so die Angabe des Auswärtigen Amtes, können heute lesen. Menschen mit Büchern sind ein seltener Anblick in Burundi, am ehesten noch vereinzelt nahe der Universität oder vor Schulen. Auf dem Weg zum Unterricht tragen einige Schüler und Studenten eine Kladde in der Hand oder balancieren sie auf dem Kopf.

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