Azubi-Projekt

Jobsurfing zwischen Sortiment und Verlag

Das Nachwuchsparlament, das gerade in Berlin getagt hat, ist eine Austauschbörse von Ideen. "Ich zeige Dir meinen Job, und Du mir Deinen", hatten Eva Enzinger, Auszubildende in der Osianderschen Buchhandlung, und Nina Wolfframm, Werbeleiterin im Gmeiner-Verlag, sich vorgenommen. VON CB

„Wir sind eine Branche“, lautete das Thema des Nachwuchsparlaments auf den Buchtagen Berlin 2011. Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Bereichen tauschten sich über die Kommunikation zwischen den einzelnen Sparten aus und entwickelten Ideen, wie man trotz teilweise unterschiedlicher Interessen und Ziele den Austausch untereinander verbessern könne. Mit dabei: Eva Enzinger, Auszubildende in der Osianderschen Buchhandlung, und Nina Wolfframm, Werbeleiterin im Gmeiner-Verlag. Die beiden stellten fest, dass sie grundsätzlich die gleiche Idee hatten: Jobsurfing. „Ich zeige Dir meinen Job, und Du mir Deinen“, erklärt Nina Wolfframm, was sich hinter dem Begriff verbirgt. „Ich bin von der Uni direkt in den Verlag gekommen und wollte erfahren, wie es im Buchhandel zugeht“, beschreibt die Absolventin der Medienwirtschaft ihre Motivation. Und auch Eva Enzinger wollte hin zu einem gegenseitigen Austausch, von dem beide Seiten gleichermaßen profitieren.

„Im Arbeitsalltag fällt es leicht, sich übereinander aufzuregen“, meint die angehende Buchhändlerin, „aber wenn man mal einen Einblick in die Tätigkeit des Anderen gehabt hat, kann man einerseits mehr Verständnis füreinander entwickeln, andererseits kann man seine eigene Arbeit besser reflektieren und Anregungen mitnehmen.“ Da auch die Chefs auf beiden Seiten positiv auf die Idee reagierten, konnte einige Zeit später das Jobsurfing in den Praxisphase gehen. Zwei Tage lang hatte Verlagsmitarbeiterin Nina Wolfframm die Möglichkeit, hinter die Kulissen eines großen Buchhändlers zu blicken: ins Logistikzentrum, ins Servicecenter und natürlich in einzelne Filialen. Einen Tag davon verbrachte sie in der Filiale Rottenburg an der Seite von Eva Enzinger. „Es war wahnsinnig spannend“, sagt Wolfframm, „die größte Überraschung für mich war zu sehen, wie vielseitig ein Job im Buchhandel ist und wie kompetent Buchhändler in der Beratung sind.“

Auch Enzinger hat aus den zwei Tagen im Gmeiner-Verlag viel mitnehmen können. Ihr Eindruck nach der Teilnahme an einer Vorschauenkonferenz: „Es ist wirklich beeindruckend, wie viele Gedanken dahinter stecken!“ Beide Seiten haben besonders die Gelegenheit zum direkten Austausch mit einem konkreten Ansprechpartner geschätzt. Rückfragen des „Jobsurfers“ haben Denkanstöße gegeben und führten dazu, Entscheidungen zu hinterfragen. Eine Maßnahme wurde im Gmeiner-Verlag sogar umgehend umgesetzt. Auf Anregung von Eva Enzinger werden Leseexemplare seither für den Buchhandel deutlich auf dem Titel als solche markiert, damit sie nicht im großen Büchermeer einer Buchhandlung untergehen.

Die beiden Bücherfrauen profitieren bis heute von dem Austausch. Über eine gewachsene Wertschätzung und einen größeren Weitblick hinaus hat sich zwischen ihnen auch ein „Kontakt auf kurzem Wege“ etabliert, für kurze Rückfragen zur Meinung in Verlag oder Buchhandlung genügt der Griff zum Telefonhörer. „Die Aktion ist eine tolle Sache, die im Grunde für alle machbar und für alle ein Gewinn ist. Die Initiative dazu müssen die Azubis ergreifen“, empfiehlt Eva Enzinger, die ihre Ausbildung gerade erfolgreich abgeschlossen hat.

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3 Kommentar/e

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  • Konsument

    Konsument

    > „die größte Überraschung für mich war zu sehen, wie vielseitig ein Job im Buchhandel ist und wie kompetent Buchhändler in der Beratung sind.“

    Wenn mir das mal passieren sollte, würde es mich auch sehr überraschen.

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Dieses Beispiel zeigt doch einmal mehr, dass so ein Austausch zwischen Sortiment und Verlag gelingen kann, wenn die Vorgesetzten damit einverstanden sind. Da profitieren dann beide Seiten in der Umsetzung ihrer Kenntnisse in der Praxis und Anwendung. So gesehen ging vom Nachwuchsparlament eine gute Idee aus, die auch umgesetzt wurde. Und der Einsatz war doch hier eine Art von runder Sache, wenn man die Begeisterung sieht und da ist sicher wieder einmal eine Wiederholung in so Bereichen vielleicht möglich.
    H. Kraft

  • Bettina Gähle

    Bettina Gähle

    In meiner Zeit als Ausbilderin bei Buch Habel Wiesbaden (2000-2010) habe ich zusammen mit dem Gabal Verlag Offenbach einige Male einen einwöchigen AzubiTausch organisiert.

    Dieser Austausch hat allen Beteiligten großen Spaß gemacht, den beruflichen Horizont erweitert und den in diesem Fall sowieso schon sehr guten Kontakt zum Verlag noch besser werden lassen!

    Leider konnte damals nicht jeder unserer Azubis an dem Austausch teilnehmen, da die zeitliche Organisation oft schwierig war (zu wenig Personal...).

    Mal den Arbeitsplatz und die Aufgaben anderer Menschen kennenzulernen ist nicht nur für Auszubildende interessant, sondern auch für Leute, die schon länger im Berufsleben stehen.

    Solche Aktionen sollte es viel öfter geben!

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