Die Buchhandelszahlen von Januar bis Juni 2013

Im Buchhandel läuft es rund

Die Halbjahresbilanz des Buchhandels kann sich sehen lassen: Nach den ersten sechs Monaten ist beim Barumsatz über die Vertriebswege Sortiment, E-Commerce und Warenhäuser ein Zuwachs von 2,2 Prozent erreicht worden. VON CHRISTINA SCHULTE

Das geht aus dem Branchen-Monitor Buch hervor, den Media Control GfK International im Auftrag des Börsenvereins erstellt. Und das, obwohl das Juni-Ergebnis um 3,1 Prozent hinter dem Wert des Vorjahresmonats zurückgeblieben ist und damit für einen Dämpfer gesorgt hat. Jedoch war das Polster der ersten fünf Monate groß genug, um das Minus aufzufangen.

Im Juni haben alle drei Editionsformen, Hard- und Softcover, Taschenbücher sowie Hörbücher Umsatz verloren, am meisten die Taschenbücher mit 6,5 Prozent. Ein Rückgang von 1,8 Prozent schlug bei den Hard- und Softcovern zu Buche, Hörbücher schnitten mit minus 0,6 Prozent nur minimal schlechter ab als im Juni 2012.

Bei den Warengruppen konnten Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft mit einem Plus von 2,7 Prozent das beste Ergebnis vorlegen, gefolgt von den Ratgebern, die 2,6 Prozent hinzugewinnen konnten und ohnehin gerade einen guten Lauf haben. Die meisten Warengruppen jedoch blieben im Minus. Am deutlichsten die Kinder- und Jugendbücher mit 6,9 Prozent und die Belletristik mit 4,3 Prozent.

Der Blick auf die kumulierten Werte des ersten Halbjahres zeigt: Primus von Januar bis Juni waren die Ratgeber, deren Umsatz um 6,4 Prozent nach oben kletterte. Ebenfalls eine schöne Aufwärtsbewegung zeigten Geisteswissenschaft, Kunst, Musik mit 5,3 Prozent und Reisebücher mit 4,4 Prozent. Die Schlusslichter bildeten Kinder- und Jugendbücher mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent und die Sachbücher, die ihre Vorjahresbasis um 3,2 Prozent verfehlt haben.

Betrachtet man im Juni nur den Vertriebsweg Sortimentsbuchhandel, so steht auch hier beim Barumsatz ein Minus unter dem Strich. Mit 2,4 Prozent fällt es allerdings geringer aus als das der drei Vertriebswege gemeinsam. Der Rechnungsumsatz verlor zweistellig und fiel um 13 Prozent.

Das Halbzeitergebnis für die stationären Buchhändler liegt beim Barumsatz bei plus 1,9 Prozent, ein Hauch unter dem Zuwachs der gesamten Absatzkanäle.

Dabei haben sich die Buchhändler von Januar bis Juni wirklich wacker geschlagen. Im März, Mai und Juni haben sie jeweils besser abgeschnitten als die Vertriebskanäle in Summe. Dafür gibt es mehrere Erklärungen, zum Beispiel: Der Start der Buchmarketing-Kampagne im März, die Buy-local-Bewegung und die wochenlange schlechte Presse für die Amazon nach der Fernsehdokumentation über Leiharbeiter.

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38 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Theo58

    Theo58

    Na Frau Schulte, ob Sie da so richtig liegen. Ich kann es nicht glauben. Sieht ein wenig nach Schönrederei aus.
    Fakten: Buchhandlungen schließen - Flächen werden verkleinert. Außendienste zusammengestrichen. Und dann Ihr Pluszeichen. Da stimmt was nicht.

  • Pegasos

    Pegasos

    Da möchte ich mich Theo58 gerne anschließen ... frei nach dem Motto "Traue nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast"

  • Christina Schulte

    Christina Schulte

    Lieber Theo58, lieber Pegasos,

    gern lege ich Ihnen das Panel dar, auf das sich der Branchen-Monitor Buch bezieht. Mehr als 3.500 Verkaufsstellen aus dem Handelspanel Buch, das die Absatzwege Sortiment, Kaufhaus und E-Commerce umfasst, übermitteln täglich ihre Daten via Kassensystem an Media Control GfK International. Die Marktabdeckung des Panels liegt bei 80 Prozent.

    Es sind also nicht meine Zahlen, mit denen ich munter jongliere, sondern die Werte entstammen der größten Stichprobe der Buchmarktforschung.

  • Theo58

    Theo58

    Na, dann brauche ich mir ja keine Sorgen zu machen und alle negativen Schlagzeilen entstammen dann anderen " Zahlenjonglierereien". Wenn ich mir die doch sehr unterschiedlichen Ergebnisse der Umsatzerhebungen für den Monat Juni anschaue, dann (vom leichten Plus bis tief ins Minus) zweifele ich an der "Buchhandelsmathematik", die ja bekanntlich schon immer eine andere Mathematik war und wohl auch noch ist.

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    Ich kenne die Media-Control-Erhebung für den Buchhandel seit deren Anfangstagen. Die Studie/das Panel sind wirklich breit aufgestellt, gerade im stationären Buchhandel. Aber natürlich sind auch dies am Ende Durchschnittszahlen. Insofern wird es -wie überall- Gewinner und Verlierer geben.

  • Branchenbeobachter (nicht Branchenkenner)

    Branchenbeobachter (nicht Branchenkenner)

    Die Überschrift "Im Buchhandel läuft es rund" klingt ein wenig seltsam, wenn man diesen Absatz aus dem Artikel liest: "Betrachtet man im Juni nur den Vertriebsweg Sortimentsbuchhandel, so steht auch hier beim Barumsatz ein Minus unter dem Strich. Mit 2,4 Prozent fällt es allerdings geringer aus als das der drei Vertriebswege gemeinsam. Der Rechnungsumsatz verlor zweistellig und fiel um 13 Prozent.". Aber ich bin nur ein trolliger Branchenbeobachter und kann das vielleicht nicht richtig beurteilen.

  • Theodor.Meschede@t-online.de

    Theodor.Meschede@t-online.de

    ZU Branchenbeobachter
    Genau das ist Buchhandel. Erstmal alles Super und dann im Text mehrere Male der Begriff Minus, Verloren etc. und dann ein großes Plus. Sehr gut beobachtet. Ich erlebe das schon über 20 Jahre und kann mir da keinen Reim rausmachen.

  • Pegasos

    Pegasos

    Sehr geehrte Frau Schulte.

    Zuerst: Entschuldigen Sie bitte meinen unüberlegten, aus einer gewissen Frustration heraus, formulierten Kommentar.
    Selbstverständlich bezog sich dieser nicht auf Sie, bzw. "Datenschönungen" Ihrerseits, sondern auf eventuell nicht der tatsächlichen Alltagssituation vieler Buchhandlungen entsprechenden Datensammlungen. Im Prinzip herrscht an dieser Stelle m.E. das alljährlich nach dem Weihnachtsgeschäft zu beobachtende Phänomen einer teils verzweifelt anmutenden "Schönfärberei" vor.
    Wohlgemerkt: Im Hinblick auf die Ihnen vorliegenden Daten, ergibt sich (leider) per se das in Ihrem Artikel gezeichnete Bild.

  • Arbeitsloser Buchhändler

    Arbeitsloser Buchhändler

    Ich bin eine von drei Buchhändlern, die in der ersten Jahreshälfte entlassen wurden. Im gleichen Betrieb natürlich. Wir waren alle Vollzeitkräfte. Und jetzt sollen sich die Statistiker mal den Spass machen und nach Stellen schauen-na dann mal viel Vergnügen!

  • Heinzi

    Heinzi

    Wieder und wieder kann ich nur vor der Fixierung auf Vergleiche mit Vorjahreszahlen warnen. Ein Blick ins Archiv zeigt, dass drei ziemlich verheerende erste Halbjahre hinter uns liegen:
    Hier die Zitate aus den entsprechenden Meldungen der letzten 3 Jahre:
    "Ein Umsatzrückgang von 2,6 Prozent über alle Vertriebswege hinweg: So lautet die Bilanz des ersten Halbjahres 2012. Das Sortiment hat gut fünf Prozent verloren."

    "Laut Branchen-Monitor Buch, den Media Control GfK International im Auftrag des Börsenvereins erstellt, ist damit zum Ende des ersten Halbjahres beim Barumsatz 2011 ein Minus von 1,3 Prozent zu verbuchen."

    "Von Januar bis Juni 2010 sind die Einnahmen der stationären Buchhändler um 4,2 Prozent gesunken."

    Man könnte also allenfalls von einem "Stoppen der Abwärtstendenz" reden, da es 2013 nicht ganz so verheerend war wie 2012, aber schon von "Guter Konjunktur" und "es läuft rund" zu reden, ist doch ein wenig beschönigend!

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Danke, Heinzi, für diese Recherchearbeit! Die Vorjahres-Basis ist die eine Sache, die stets mitgesehen werden sollte. Eine andere sind die Zahlen selbst: Wenn man sich mal die kleine Grafik mit der Kurve anschaut, dann zeigt sich, dass es im Sortiment nur in 2 von 6 Monaten eine Umsatzsteigerung gab! Nämlich der Mai mit 6 %, der vermutlich das April-Minus von ebenfalls 6 % wett machen dürfte. Ansonsten reduziert sich das vermeintlich Hoch auf den exorbitanten und bis heute unerklärlichen singulären März-Höhenflug. Daraus die Überschrift zu bilden, "Im Buchhandel läuft es rund" halte ich, liebe Frau Schulte, für, vorsichtig ausgedrückt, oberflächlich. Das ist eine spektakuläre Überschrift, gibt aber absolut keine aus den Zahlen zu lesende Tendenz wieder, Natürlich ist das keine Fälschung der Statistik, aber auch keine sorgfältige Interpretation.

  • Sucher

    Sucher

    Hey super, dann müssten ja die Stellen für Buchhändler/innen nur so aus dem Boden sprießen...


    Tun sie aber nicht, schade...

  • Theo58

    Theo58

    Vielen Dank allen, die sich an der Diskussion beteiligen. Zum guten Schluß noch einen Hinweis. Wenn es denn so Super ist, warum, Frau Schulte, die vielen Versuche- Buy Local etc.? Läuft doch alles rund!? Bitte in Zukunft etwas mehr Genauigkeit und einen fundierten Blick für die Wirklichkeit. Denken Sie doch bitte auch an unsere Außenwirkung, denn ihre Seite lesen nicht nur Buchhändler. Vielen Dank.

  • Dietrich zu Klampen

    Dietrich zu Klampen

    Der Branchenbeobachter hat es doch geschrieben: Mag es im BARUMSATZ ein kleines Plus gegeben haben, so wird es doch durch das fulminante Minus im RECHNUNGSGESCHÄFT in sein Gegenteil verkehrt. Der Gesamtumsatz einer Sortimentsbuchhandlung besteht ja schließlich aus beidenTeilen.
    Ich halte es für unlauter, das Minus im Rechnungsgeschäft im Kleingedruckten zu vermerken und nur das Plus im Barumsatz zu feiern.
    Dass sich da einige KollegInnen aus dem Sortiment vergackeiert vorkommen, verstehe ich sehr gut!

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    Ich möchte an dieser Stelle gar nicht erst an den Zahlen rumkritteln, da die Berechnungsmethoden sicherlich nicht jeder Grundlage entbehren - auch wenn die mangelnde Aussagekraft aufgrund der eindimensionalen Rückschau auf das jeweilige Vorjahr unbestreitbar ist.

    Mir geht es viel mehr um die Überschrift: "Im Buchhandel läuft es rund".
    Es zeugt geradezu von vorsätzlicher Ignorranz, einer rein an statistischen Erhebungen bemessenen Markteinschätzung eine solche Überschrift zu verpassen.

    Ist man beim Verband denn wirklich so naiv, dass man die Situation in einem derart positiven Lichte wahrnimmt?
    Und ist man tatsächlich dermaßen unwillig, eine ganzheitliche Betrachtung der Lage vorzunehmen, bevor man sich erdreistet, eine derartige Überschrift zu formulieren?

    Ich persönlich mache die Branchenverfassung ja an ganz anderen Indizien fest:
    • Zum Beispiel an den flächendeckend aufgezwungenen Lohn- und Sonderzahlungs-Verzichterklärungen der Angestellten nahezu aller Buchhandelsketten.
    • Oder am massiven Flächenrückbau bei den besagten Filialisten und den damit einhergehenden Entlassungswellen.
    • Oder auch an der immer deutlicher verschwindenden Sortimentstiefe in nahezu allen allgemeinen Sortimenten.
    • Oder an der kontinuierlich rückläufigen Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse.
    • Oder an der traurigen Regelmäßigkeit, mit der man im Börsenblatt von Schließungen traditionsreicher, inhabergeführter Buchhandlungen lesen muss.
    • Oder an der Anzahl der freien Stellen im Buchhandel

    Oder, oder, oder ...

    Natürlich gibt es darüber hinaus auch viel Positives, völlig unbestreitbar.
    Viele unabhängige Kleinsortimente können gerade in dieser Situation von ihrer Flexibilität enorm profitieren ...wenn sie wollen, und wenn sie nach den schweren Jahren der expansiven Politik der Filialisten noch die Mittel übrig haben, um das Ruder herumzureißen.

    Alles in allem ist es aber schlicht und ergreifend unzutreffend und vermessen zu behaupten, im Buchhandel laufe es "rund".

    Es ist vielmehr geradezu ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die in den letzten Wochen und Monaten in irgendeiner Form zu Leitragenden der tatsächlichen Situation geworden sind.

    Vielleicht sollte Frau Schulte ihre Rechtfertigungen nicht gegenüber den Kommentarschreibern hier vorbringen, sondern ihre Sichtweise mal denjenigen erklären, die seit kurzer Zeit aufgrund von Lohnkürzungen nahe der Armutsgrenze leben oder wegen der beschriebenen Flächenverkleinerungen ganz ihren Job verloren haben und aufgrund der Stellensituation auch so bald keine neue Anstellung mehr finden werden.

    Nur auf diese Weise kann man die verschiedenen Aspekte der tatsächlichen Realität erfassen und erkennen, dass es bei einer verantwortungsvollen Betrachtung immer auch um den menschlichen Faktor bzw. um Einzelschicksale gehen muss, die man nicht so einfach pauschal wegdiskutieren kann.

    Wenn man dann aber doch noch zu dem Ergebnis kommt, dass es im Buchhandel "rund" läuft, hat man etwas ganz grundlegendes nicht begriffen.
    Und genau das ist auch das eigentlich Erschütternde an der zum wiederholten Mal völlig einfältig vorgetragenen Begleitprosa zum neuesten Branchenmonitor-Zahlengebilde.

  • Heinzi

    Heinzi

    @15 volle Zustimmung!
    nur: Frau Schulte (und auch das Börsenblatt) ist nicht "der Verband"!

  • Weck, Worscht und Woi

    Weck, Worscht und Woi

    @ Branchenkenner

    Es ist eben der übliche Mainstream-Bericht.... der Versuch, in schwierigen Zeiten gute Stimmung zu machen obwohl jeder weiß, das die Realität anders aussieht.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Der Bericht über gute Zahlen hier erzeugt also jede Menge erboste Hinweise darauf, dass alles ganz beschissen ist.
    Wenn dann der Vorsteher oder Hauptgeschäftsführer klagen, dass es ganz beschissen ist, dann prügelt man sie, für die negative Darstellung der Branche.

    Weist der Umsatz nach unten und die Entwicklung sieht ganz düster aus, dann befrage ich meist Kollegen, wie es bei ihnen ist. Und, oh Wunder, ich höre durch die Bank nur, dass sie nicht klagen können, es liefe wunderbar. Stellt der Vorsteher oder Hauptgeschäftsführer die Lage dann als gar nicht so schlecht dar, dann werden sie grün und blau geprügelt, weil man damit der Politik ja signalisiere, dass die Branche keine Unterstützung braucht.

    Wird die Lage positiv geschildert, dann gaukeln wir den Mitgliedsbetrieben vor, sie müssten nichts ändern, was total gefährlich wäre. Stellen wir die Lage negativ dar, dann steigern wir nur das Nachwuchsproblem, weil in einer Branche mit schlechten Prognosen niemand seine Zukunft sieht.

    Es ist egal, wie man es macht, man wird sowieso beschimpft. Echte, wahre und aussagekräftige Zahlen könnte nur der Betriebsvergleich bieten, aber daran nimmt kaum mehr einer Teil. Ich frage mich, warum wir im Verband überhaupt noch in Marktstudien und einen Branchenmonitor investieren. Offensichtlich will niemand die Zahlen wissen. Da könnte man Geld sparen und die leidigen Diskussionen gleich mit.

  • saguenay

    saguenay

    @Branchenkenner
    @Weck,Worscht und Woi

    Kann Ihnen nur zustimmen. Eine Sichtweise, nach der es im Buchhandel "rund läuft" geht völlig an der Realität vorbei. Der Buchhandel kämpft ums Überleben, und wieviel von ihm in ein paar Jahren noch übrig sein wird, steht in den Sternen.

    Ich bin sicher, dass sich auch die BB-Redaktion darüber völlig im klaren ist. Dass man entgegen dieser Erkenntnis immer wieder solch merkwürdige Aussagen wie in o.g. Artikel findet, liegt wohl an dem allzumenschlichen Versuch, den Patienten mit kleinen optimistischen Nachrichten aufzumuntern, die bei näherer Betrachtung ebenso gutwillig wie irreführend sind.

    Es herrscht wohl die Ansicht vor, dass auf der buchhändlerischen Intensivstation die ungeschminkte Wahrheit den armen Patienten nur unnötig belasten würde und die Verabreichung von Placebos zumindest keinen Schaden anrichtet.

    Kann man sehen wie man will. Ich denke, dass allen guten Absichten zum Trotz, diese Vogel-Strauss Politik letztlich nur Zeitverschwendung darstellt. Es weiss ohnehin jeder über die kritische Verfassung des Buchhandels Bescheid - immerhin heisst der Beruf Buch-HÄNDLER, und die Leute sind als solche durchaus imstande, Zahlen zu interpretieren.

    Ich bin zwar davon überzeugt, dass der Buchhandel in diesen Veränderungsprozessen nicht völlig untergehen wird, aber was in welcher Form von ihm übrig bleiben wird, zeigt mir auch meine Kristallkugel nicht.

    Über eines bin ich mir aber sicher: "rund" wird in der Branche für längere Zeit erstmal nicht allzu viel laufen. Und anstatt sich und anderen etwas vorzumachen, würde es weit mehr Sinn machen, sich über die Ursachen, die diesen Veränderungsprozessen zugrunde liegen, im klaren zu werden. Nicht zuletzt, weil sich hier evtl. Lösungsstrategien genauso wie deren Möglichkeiten und Grenzen zeigen können.

    Alternativ kann man natürlich auch weiter staunend darüber berichten, dass das Antiquariat Dr. Klöbner in Kokenhusen von der linken auf die rechte Strassenseite gezogen ist.

  • Sonnenschutzfaktor 50

    Sonnenschutzfaktor 50

    @ Matthias Ulmer

    "Es ist egal, wie man es macht, man wird sowieso beschimpft."

    Wäre es dann nicht schlauer, gar keine Zahlen zu veröffentlichen? Glaubt doch sowieso keiner dran.
    Und die Kollegen, die Sie befragen, würden den Teufel tun zuzugeben, das es bei ihnen mies läuft. Keine gute Publicity. Da fangen die Geschäftspartner ja an zu "denken" ;-)

  • Branchenbeobachter (nicht Branchenkenner)

    Branchenbeobachter (nicht Branchenkenner)

    Lieber Herr Ulmer, Sie mögen nicht ganz Unrecht haben, jedoch legt die Überschrift "Im Buchhandel läuft es rund" nahe, dass im Buchhandel gerade alles optimal läuft. Dass dies nicht so ist, ist offensichtlich (siehe auch den Kommentar von Branchenkenner). Deshalb hatte ich - wie andere auch - ein Störgefühl bei dieser Überschrift. Wenn es geheißen hätte "Im Buchhandel läuft es besser" oder "Im Buchhandel läuft es aktuell nicht schlecht" hätte es vielleicht weniger Protest gegeben.

  • Heinzi

    Heinzi

    @Matthias Ulmer
    Keiner stellt die Erhebung und Veröffentlichung der Zahlen in Frage. Nur gibt es bei ihrer Interpretation unterschiedliche Auffassungen. Und die Interpretation in den Überschriften von Frau Schulte wird wohl von einigen als etwas schönfärberisch empfunden.
    Und dass Sie die Diskussionen hier als "leidig" empfinden ist auch kein Zeichen gegen die Verbandsverdrossenheit!

  • Arbeitsloser Buchändler

    Arbeitsloser Buchändler

    Zum Thema die Kollegen behaupten, dass alles wunderbar liefe: Lachhaft! Die Azubis meines ehemaligen Betriebes erzählen da aus ihren jeweiligen Berufsschulklassen was ganz anderes. Da stöhnen alle Buchhändler, bzw. müssen sich ein paar Auszubildende neue Ausbildungsplätze suchen. Nur wo sollen die her kommen? Ach ja, läuft ja alles rund, dann dürfte die Suche sich nicht allzu schwierig gestalten. Ich habe auch mit Kollegen gesprochen und da war die einhellige Meinung, dass sie sehen müssen wo sie bleiben. So driften Realität und Statistik auseinander.

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    @ 18. Matthias Ulmer:

    Ich fühle mit Ihnen, lieber Herr Ulmer, dass Sie die Diskussionen Leid sind und so starken Verdruss darüber empfinden, dass die jeweilige Sichtweise der Marktsituation aus Sicht der "Vorsteher" und "Hauptgeschäftsführer" so oder so nicht vermittelbar ist.

    Das sind ja wirklich unglaubliche Sorgen!
    Da wird auch ganz bestimmt die uneingeschränkte Solidarität der hunderten, in den letzten Monaten entlassenen Buchhändler geweckt.
    Die armen Hauptgeschäftsführer, die sich immer mit der Interpretation der Zahlen rumschlagen müssen!
    Und dann auch noch das fiese "Fußvolk", dass sich immer so unvorhersehbar gegen den Wind stellt.

    Mal ganz ehrlich, das ist Elfenbeinturm-Rhetorik.
    Es geht hier doch gar nicht um die Richtigkeit der grundsätzlichen Zahlen.
    Es geht hier um die grundsätzliche Notwendigkeit, den Problemen auch mal ins Auge zu sehen. Und nicht mit seinen Verlautbarungen wie bisher immer nur zu taktieren und abzuwägen, was bestimmte Leute hören wollen und was eben nicht.
    Natürlich weiß jeder, das längst nicht alles in der Branche optimal läuft, aber gerade als Verband bzw. als angeschlossenes Medienorgan muss man auch mal Tacheles reden. Und damit meine ich explizit die (von mir in meinem vorherigen Kommentar teilweise bereits angesprochenen) Sachverhalte, die sich eben nicht ausschließlich in Zahlen ausdrücken lassen.

    Dass das nicht immer bequem ist, sollte klar sein. Aber alles andere ist nunmal Augenwischerei.

    Im Übrigen, wenn Sie "durch die Bank" bei Kollegen nur hören, dass es nichts zu klagen gibt, frage ich mich, aus welchem Umfeld Sie Ihre "Kollegen" rekrutieren.
    Ausschließen kann man definitiv unabhängige kleine und mittlere Verleger und auch den überwiegenden Teil des stationären Buchhandels. Da werden Sie mit absoluter Sicherheit nicht "durch die Bank" nur Gutes hören.

    Um auf ihren letzten, arg beleidigt klingenden, Satz zurückzukommen:
    Wir wollen die Zahlen sehr wohl wissen. Aber wir wollen auch, dass sie von denjenigen, die eigentlich den großen Gesamtüberblick haben sollten, in den richtigen Kontext gesetzt werden.
    Das ist der Job, dafür zahlt man Beiträge. Alles andere ist keine Hilfe, weder für den einzelnen noch für die Branche an sich.
    Und in der Folge ist das Glück bald schon nur noch mit denjenigen, deren einziges Problem darin besteht, sich mit der schwierigen Interpretation von Zahlen zu befassen. Mein Beileid!

  • Herr Weber

    Herr Weber

    @ Branchenkenner # 25

    Also ich finde auch das es vom Fußvolk absolut unverschämt ist, nicht mit BB und Herrn Ulmer übereinzustimmen und erkennen zu wollen, das es im Buchhandel absolut rund läuft. Das geht ja gar nicht....

  • Christina Schulte

    Christina Schulte

    Eine rege Diskussion mit Argumenten, die an vielen Stellen gut nachvollziehbar sind. Gegeben sind die Zahlen mit Ausreißern nach oben und unten, eine andere Formulierung hätte ich bei der Überschrift wählen können (wie mehrfach angemerkt). Eine Formulierung, die nicht suggeriert, dass im Buchhandel wirklich alles im Lot ist.

  • Jörg H.

    Jörg H.

    Lieber Herr Ulmer, lieber Branchenkenner,

    ich denke, jeder von uns hat die Schnauze voll davon, wenn immer alles gleich 'Ganz Schlimm!' oder 'Ganz Toll' ist. Und so sehr ich es auch zu schätzen weiß, dass beim Börsenblatt - das sicherlich nicht jede Überschrift vom Hauptgeschäftsführer absegnen lassen muss - Leute sitzen, die journalistisches Schreiben gewöhnt sind, muss ich feststellen, dass gerade die journalistische Angewohnheit, in Überschriften zuzuspitzen, hier immer wieder für die erhitztesten Debatten sorgt. Vielleicht sollte in einem Branchen-Fachblatt etwas zurückhaltender mit diesem Stilmittel gearbeitet werden, dann bliebe uns viel Streit erspart.
    Vielleicht sollten wir alle noch einmal die Fakten betrachten und die beinhalten, wie Heinzi bereits gesagt hat, eine Konsolidierung auf immer noch besorgniserregendem Niveau. Aber immerhin eine Konsolidierung, die allen Marktteilnehmern die Atempause verschaffen kann, sich neu aufzustellen und an ihrer Zukunftsfähigkeit zu arbeiten. Es ist weder alles GUTnoch alles SCHLECHT, sondern vor allem ist immer noch viel zu tun.
    Und verglichen mit dem lustigen Versuch, den März-Ausreißer nach oben unmittelbar dem Erfolg der "Vorsicht Buch!"-Kampagne zuzuschreiben ist der kleine Formulierungs-Fauxpas doch eher bedeutungslos.

  • Schon raus aus dem Buchhandel

    Schon raus aus dem Buchhandel

    @ Arbeitsloser Buchhändler

    "Ich bin eine von drei Buchhändlern, die in der ersten Jahreshälfte entlassen wurden..."

    Sie sollten die Chance nutzen und versuchen, aus dem Buchhandel raus in eine andere Branche zu wechseln!
    Kann ich nur empfehlen wenn man die Zukunft des Buchhandels realistisch sieht!

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Statistik gibt einen Mittelwert wieder. Wenn es heißt, dass ein leichter Aufschwung erkennbar ist, dann gibt es immer noch rund die Hälfte der Betriebe, bei denen das anders ist. Aber es sind eben mehr, als bei der letzten Erhebung, die über dem letzten Mittelwert liegen. Natürlich können die, bei denen sich nichts verbessert hat klagen, dass das für sie nicht stimmt. An der Statistik ändert das nichts. Man kann sich auch über die positiven Signale freuen. Oder nachdenken, was die anders machen oder was in deren Region besser läuft. Dass die Überschrift eine zu positive Beurteilung ist, das wurde ja mehrfach angemerkt. Deshalb den positiven Trend wegzureden, das ist aber auch nur eine Übertreibung ins Gegenteil. Sein Geschäft in Ordnung bringen kann jeder nur selbst tun. Der Verband muss sich um Rahmenbedingungen kümmern. Dazu gehört auch Pressearbeit. Beim nächsten Bankgespräch bringt es auch nichts, wenn eine Branche als Ganzes negativ da steht. Und als Kunde geht man auch nicht gerne in Geschäfte, von denen man in den Medien überall liest, dass sie in der Krise stecken.
    Ich glaube nicht, dass ein Unternehmer, der schlechte Zahlen hat, die Hände in den Schoß legt und nichts tut, nur weil die Gesamtbranche einen leichten Aufschwung verspürt.
    Der Kern des Problems des stationären Buchhandels wird auch in der kommenden Zukunftskonferenz thematisiert. Dort wären die Stimmen der unteren Hälfte der Statistik sehr hilfreich.

  • Theo58

    Theo58

    Herrn Ulmer
    Ach so!!!

  • Spundekäs'

    Spundekäs'

    "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!"

    Mein Lesetipp zum Thema:

    Walter Krämer
    So lügt man mit Statistik
    Piper-Taschenbuch
    ISBN-10:3-492-26413-1
    EAN:9783492264136

  • Grillgut

    Grillgut

    Der deutsche Buchhandel ist in einem tiefgreifenden Strukturwandel befindlich, der sich noch ein paar Jahre fortsetzen wird. Am Ende wird es Gewinner und Verlierer geben. Die Verlierer sehe ich hauptsächlich und ganz klar auf Seiten des stationären Sortiments. Das ist auch durch den gesellschaftlichen Wandel begründet, der sich zum Internet hinwendet. Das ewige schönreden, nachdenken und einberufen von "Zukunftskonferenzen" kommt mir vor wie das letzte Aufbäumen einer Branche, die dem Wandel einfach nur hilflos gegenüber steht.

  • Theo58

    Theo58

    An Grillgut:
    Höchste Zustimmung,denn die ganze Blase mit unseren Funktionären an der Spitze explodiert förmlich und löst sich auf. Da gibt es nix zu deuteln.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Ach lieber Herr Ulmer, Sie sind doch ein kluger Kopf - normalerweise?

    Wo sehen Sie denn fürs Sortiment den 'positiven Trend'? Wenn Sie die Inflationsrate (derzeit 1,8%) von den 1,9% abziehen?

    Und auch insgesamt ist das nach all den verlustreichen Jahren maximal eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, von der wir hoffen müssen, daß sie anhält.

    NB: Welchen Vorsteher meinten Sie eigentlich? Den, dessen Firma seit 6 Jahren negative Bilanzen in sechstelliger Höhe aufweist, die von einem unbekannten Dritten aufgefangen werden? Würde der wohl sagen, es liefe rund? Aber der findet ja auch, daß Buchhändler keinen Schutz brauchen und sagt das den Politikern in Berlin öffentlich ins Gesicht. Aber Verleger wie er schon - oder wie?

    Und der Neue ist sicher klug genug, seine Sortimenterkollegen, bei denen es eben nicht rund läuft, nicht mit so einer Aussage zu verärgern.

    Der Hauptgeschäftsführer hat sich nach dem von ihm verkündeten 13%-Oster-Wunder auch nicht mehr geäußert. Denn das war ja gar keins, sondern nur ein falscher Umgang mit nichtfixen Stichtagen - wie man leicht sehen kann, ist nichts davon übriggeblieben.

    @Grillgut: Nein, da explodiert nichts. Dem darbenden Fussvolk wurde gerade eine Beitragserhöhung beschert, die absolut 20x höher ausfällt als bei den ganz Großen. Hören Sie irgendwo lauten Protest?

    Ganz nebenbei konnte man, kaum verschleiert, Kanzlerin-plus-50%-Gehälter bewundern - auch das hat niemand als irgendwie unpassend oder protestabel empfunden.

    Und insofern muss man Herrn Ulmer auch verstehen: Solange wir uns sowas leisten können, kann es uns doch gar nicht sooo schlecht gehen?

    LG LB

  • Georg M.

    Georg M.

    Gute Zahlen Schlechte Zahlen

    Vor einigen Jahren hätte ich nicht gedacht, dass es den inhabergeführten Buchhandel heute noch so geben wird. Mit Amazon, den Filialisten und Digital kamen mächtige Wettbewerber auf den Markt.

    Ich komme gerade aus der Stadt, mit zwei neuen Krimis für nächste Woche. Ich hatte Spass beim Einkauf, was mir auch wichtig ist.

    Verkaufen Sie und bleiben Sie nah beim Kunden.
    Klagen hilft nicht, verkaufen schon.

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    Herr Ulmer lebt definitiv im Land, wo Milch und Honig fließen und hat ganz nebenbei auch noch die rosarote Brille gegenüber den wahren Abgründen unserer Branche auf.

    Offenbar gefällt er sich sehr in der Rolle des großen, um Ausgleich bemühten, staatsmännischen Politikers, was man anhand der in geschniegelte Fachtermini eingepflegten verbalen Unverbindlichkeiten und des allerbestens ableiten kann.

    Ich bleibe insofern bei meiner Aussage: Reine Elfenbein-Rhetorik.
    Banales Wirtschaftstheoriezeugs, das nur so vor Gleichgültigkeit gegenüber den zahlreichen existentiell Betroffenen des Branchenwandels trieft.

    Und ich muss auch nochmal auf den Kern der ganzen Sache hier zurückkommen:
    Die gewählte Überschrift ist nicht nur grundlegend falsch, sie ist vielmehr eine bodenlose Frechheit und ein Armutszeugnis für den Verband und seine Organe!

    Punkt.



  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    Die Überschrift ist schon sehr grenzwertig - vor allem in diesem Umfeld. Der Buchhandel lt. Media Control (Barumsatz über die Vertriebswege Sortiment, E-Commerce und Warenhäuser) ist im ersten HJ leicht gestiegen. Das bedeutet zunächst mal eine Absatz- (vermutlich) bzw. Umsatzsteigerung im Handel mit Büchern im Vergleich zum VJ über die genannten und erfaßten Vertriebswege. Das ist doch grundsätzlich mal positiv, zeigt es doch scheinbar eine ansteigende Beliebtheit dieses Mediums. Die Schlußfolgerung daraus, die in der Headline "Im Buchhandel läuft es rund" zusammengefaßt wird, ist nun eine Frage der Sichtweise. Das ist halt das Vertrackte an diesen Statistiken - wie man die Zahlen interpretiert. Die Vorjahresbasis wurde ja schon angesprochen. Dann gibt es völlig unterschiedliche Erlebniswelten im Handel mit Büchern. Filialisten schliessen Filialen, andere eröffnen oder übernehmen ständig neue. Verbünde melden Rekord-Mitglieder und Erfolge ihrer Modelle, Internet-Buch- oder Medienhändler melden Plus und Minus und überhaupt nicht von den Statistiken erfaßt werden die CC-Märkte und andere Handelsformen, bei denen ebenfalls Bücher verkauft werden - die von den Rackjobbern bedient werden. Was hier so vehement diskutiert wird, ist eigentlich die Verteilung dieser Umsätze. Und somit sind wir wieder am Ausgangspunkt: Im Buchhandel (der hier von den meisten Schreibern mit Sortimentsbuchhandel gleichgesetzt wird) läuft es leider wirklich nicht rund. Das liegt aber eben an den immer breiter aufgestellten Vertriebswegen (was die insgesamt eher stagnierenden oder sinkenden Absätze immer breiter verteilt), am geänderten bzw. sich verändernden Käuferverhalten, am sich ändernden Leseverhalten (EBooks) und vollkommen neuen Möglichkeiten des Verlegens (POD, Eigenverlage etc.). Das eine mehr, das andere weniger tragen diese Faktoren zu einem unrunden Markt für Bücher bei. Da gibt es kein Schwarz und Weiß. Aber in welcher Branche läuft es denn bitte rund? Es gibt keine Reservate für einzelne Branchen. Letztlich werden die Leser/Käufer entscheiden, bei wem, welche Editionsformen und wie sie Bücher kaufen. Die politisch motivierte Begründung für das sich wackere Schlagen der Buchhändler "Der Start der Buchmarketing-Kampagne im März, die Buy-local-Bewegung und die wochenlange schlechte Presse für die Amazon..." ist eigentlich nur spaßig. Insofern paßt der Kommentar 35 von Georg M.

  • André Duve

    André Duve

    Die Interpretation solcher Statistiken lässt doch immens viel Spielraum zu, in wessen Auftrag wird diese Statistik erstellt? Er ist es auch, der sie interpretieren darf.

    Also was sagt sie nun in dieser Interpretation aus? Dass die vom Verband geschaffenen Rahmenbedingungen grundsätzlich gut sind, denn im Buchhandel läuft es ja "rund". Damit ist natürlich auch jeder Euro Verbandsabgabe mehr als gerechtfertigt und [Ironie an] es gibt nun wirklich nichts dran zu deuteln oder gar öffentlich dran rumzumäkeln. [Ironie aus]

    Das ist aber so gar nicht meine Wahrnehmung als Aussenstehender dieser Branche. Ich lese sehr oft von Schliessungen inhabergeführter, alteingesessener Buchhandlungen, ich lese von schlechter Bezahlung, ich lese von Perspektivlosigkeit, ich lese von Verkaufsflächenumwidmungen hin zu Non-Book um Umsätze und Erträge zu generieren. Dazu kommt, dass der Verband das Thema eBook in den letzten Jahren gründlichst vermasselt hat und die Umsätze eben genau dahin gehen wo ihn alle nicht sehen wollen: zu Amazon. Mit jedem Kunden der dort kauft, verliert der kleine Buchhändler irgendwo einen Kunden und Amazon tritt als Nahversorger an seine Stelle. Und sie bauen ihren Vorsprung dramatisch in allen Disziplinen aus, sei es mit Selfpublishing, Buchleihe....die Schlagzahl ist beeindruckend mit der ein Wettbewerber eine ganze Branche vor sich her treibt, wissentlich, dass der Verband nichts zu bieten hat, vom Shitstorm über die Arbeitsbedingungen mal abgesehen.

    Als Kunde, und da hab ich grad ein aktuelles Beispiel, kommt man sich schon ziemlich über den Tisch gezogen vor, wenn man beispielsweise den neuen Dan Brown als Buch kauft....26€ hab ich bezahlt und man einen 680 Seiten Thriller geliefert bekommt, der über 100 Kapitel hat und zwischen jedem Kapitel mindestens eine leere Seite ist. Da hab ich doch glatt den Verdacht, dass der Verlag damit den Preis rechtfertigen wollte....hat sich für mich erledigt, ich kaufe sicher kein Buch mehr von dem Verlag. Ich hätte es natürlich auch als eBook beziehen können, für 19,99€, dafür kann ich das nicht verleihen, nicht gebrauchen, wenn mein Tisch wackelt, ich kanns nicht mal weiterverkaufen...achja, ein idiotisches DRM ist auch im Preis mit inbegriffen.

    DAS sind die von Herrn Ulmer angesprochenen Rahmenbedingungen. Lange wird es nicht mehr dauern, dann helfen hier nur noch radikale Änderungen. Da gibt es dann keine heiligen Kühe mehr, inkl. Preisbindung.

    Mir tun alle stationären Buchhändler, ihre Angestellten und die anhängenden Schicksale wirklich und aufrichtig leid, sie sind nur noch Erfüllungsgehilfen für ein paar wenige Verlage, die inzwischen selber mit Wucht versuchen ihre Ware direkt zu verkaufen. Da dadurch der Handelsrabatt für Buchhändler wegfällt, reicht auch ein geringerer Umsatz aus, um auf den gleichen Gewinn wie vorher zu kommen.

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