BiblioFreak: Bibliotheken testen Imagekampange

Mettmann prescht vor

Fünf Bibliotheken im deutschsprachigen Raum sollen ab diesem Monat testen, ob sich über eine Imagekampagne die Aufmerksamkeit für Öffentliche Bibliotheken verbessern lässt. Ab Frühjahr 2014 könnte der Marketingfeldzug rollen. Probleme könnte der Name bereiten: BiblioFreak.

Die Vorbereitungen zu „BiblioFreak“, einer Aufmerksamkeitskampagne für die deutschsprachigen Öffentliche Bibliotheken, laufen auf Hochtouren, wie der weltweite Bibliotheksverbund OCLC mitteilt. Seit Juni 2012 bereitet OCLC zusammen mit dem bedeutenden Dienstleister ekz, einem internationalen Team von Bibliotheken und den Bibliotheksverbänden dbv und dem BVÖ eine deutschsprachige Version der in den USA erfolgreichen Kampagne „Geek the Library“ für die DACH-Länder Österreich, Schweiz und Deutschland vor. Der ekz ist dabei für die Werbemittelproduktion und  den Versand zuständig.

BiblioFreak im Pilottest bis Februar 2014
Fünf Bibliotheken verschiedener Größe sollen BiblioFreak in den nächsten Monaten testen: Die Stadtbibliotheken Baselland (CH), Graz (A), Leverkusen, Mettmann und Sömmerda sollen in diesem Zeitraum ermitteln, ob die Kampagne ankommt und ob es mit BiblioFreak gelingt, Aufmerksamkeit zu gewinnen und „letztendlich auch einen Beitrag für ein modernes Image“ zu leisten. Bei der Plakatgestaltung (siehe Foto) sind Parallelen zur Buchmarketingkampagne „Vorsicht Buch!“ erkennbar. Pate stand jedoch die als erfolgreich bewertete Marketingkampagne in den USA: „Geek the Library“,die flächendeckend seit August 2010 die Bedeutung der Öffentlichen Bibliotheken herausstellt – stets werden auch hier einzelne Köpfe zu Botschaftern der Institution Bibliothek.

Vom Geek zum Freak – haben sich die Bibliothekare vergaloppiert?
Die lokalen Bibliotheksteams bereiten die Durchführung jeweils für ihre Städte vor. Mit den provozierenden Plakaten sollen die Menschen in „ungewöhnlicher Form“ angesprochen und zur Reaktion gereizt werden. So sollen die Bibliothekare laut OCLC „erfahren, was die Menschen wirklich leben.“ Die Nutzer sollen ihre Leidenschaften und Passionen offenlegen. Die „Ich bin …Freak“-Aussagen werden dann direkt in der Bibliothek, über die Webseite und über Facebook gesammelt. Ergebnis wäre Aufschluss über die lokalen Nutzer und eine stärkeres Engagement und ein Dialog zwischen Bibliothekaren und Bibliotheksnutzern.

Ob alle Nutzer sich aber als „Freak“ bezeichnen lassen wollen – und ob der durchaus vorbelastete Begriff, der Assoziationen an die „Freakshows“ vergangener Jahrhunderte weckt, die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet, das wird der Testlauf ganz sicher zu Tage fördern. In den USA jedenfalls wurden die Nutzer vornehmer als „Geek“ angesprochen.

Ziel: Kampagne für alle ab Frühjahr 2014
Bei Erfolg soll die Kampagne, unterstützt durch weitere Partner, ab Frühjahr 2014 den Öffentlichen Bibliotheken in den DACH-Ländern für ihre lokale Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stehen. Ein Zwischenbericht über die Kampagne und den Verlauf des Pilottests wollen die beteiligten Partner und die Testbibliotheken am 8. Oktober diesen Jahres auf dem Bibliotheksleitertag 2013 in der Deutschen Nationalbibliothek präsentieren.

Ziel der Kampagne
Neben dem Aufpolieren des Images geht es den Bibliotheken auch explizit darum, den Druck zu erhöhen um mehr Fördermittel zu erhalten. Die Nutzer werden deshalb dazu aufgerufen, Vertreter im Gemeinderat, Bürgermeister, Verantwortliche in den Parteien, Lokale Firmenbesitzer, Nachbarn und "Entscheider" zu kontaktieren:

"Schreib einen Brief, eine SMS, ein Posting, eine E-Mail oder einen Zeitungsbericht für deine Lokalzeitung. Teile mit allen, welche 'Freaks' es in unserer Gesellschaft gibt und wie die Bibliothek jeden dabei unterstützt, seinen 'Freak“ zu leben", fordert BiblioFreak auf.


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6 Kommentar/e

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  • Anne

    Anne

    Sorry, aber wer kommt auf diesen Namen? Ich habe mal fix im Bekanntenkreis gefragt - Fazit von 26 Personen (Gymnasialschüler und Erwachsene - von Kassiererin bis Manager). Das geht überhaupt nicht! Das klingt einfach nur nach etwas Krankem. Schade um das Geld, was hier in die Namensfindung investiert wurde..... Mit Freak verbinden auch die Menschen heute kein positives Gefühl. Daran hat sich seit dem Mittelalter nichts geändert.... Traurig und das von theoretisch sehr belesenen und intellektuellen Personen.....

  • Der kleine Bücherheldt

    Der kleine Bücherheldt

    Laut "Wikipedia" ist "Ein Freak ... in der heutigen Umgangssprache meist eine Person, die eine bestimmte Sache, zum Beispiel ihr Hobby, exzessiv bzw. über ein normales Maß hinaus betreibt, diese Sache zum Lebensinhalt macht oder sich zumindest mehr als andere darin auskennt (beispielsweise ein Computerfreak). Lebensweise bzw. Lebensstil und Lebensführung eines Freaks können sich von der eines Durchschnittsbürgers unterscheiden und bewusst individuell, unangepasst, anders oder flippig sein." Dem kann ich nur zustimmen und wundere mich über die Spießigkeit in den Reaktionen auf die Imagekampagne, wo in der heutigen Zeit laut Werbung doch auch alles GEIL sein muss (wobei mich diese Ausdrucksweise im Gegensatz zum Freak echt stört). Man muss die Jugend von heute schon ein wenig herausfordern und auffordern, sich von der Masse abzuheben. Nicht nur dumm aufs iPhone starrend durch die Gegend latschen und an den kleinen Wundern seines eigenen Lebens vorbeilaufen. Ich hoffe, ich bin auch die nächsten Jahre noch freakig genug, um weiterhin erfolgreich meinen kleinen Kinderbuchladen führen zu können, denn ohne ein wenig verrückt und vielleicht auch von Kinder- und Jugendliteratur besessen zu sein, hätte ich wohl nie den Mut gehabt, mich in dieser Branche selbstständig zu machen :-)

  • wilh.hüttermann

    wilh.hüttermann

    Die Bemühungen deutscher Bibliotheken um mehr Interesse
    sind sicher nötig. Aber, mit Verlaub, wer kennt Mettmann?
    Für mich als Rheinländer kein Problem...Wenn man sich eine dieser Büchereien (einst Volksbücherei zubenannt)
    anschaut, fällt einerm auf, dass viel zu viel Platz für alte Schinken eingeräumt wird, die keinen appetitlichen Eindruck machen.Anstelle von Büchern, die jahrelang vor sich hinstauben, könnte man viel Platz sparen. Im Blickfang ein Regal mit aktuellen Krimis wäre effektiver! Statt des Abfalls Lesemöglichkeiten schaffen! Mehr Tagespresse und , falls vorhanden, exklusive und teure Zeitschriften, die man sich selbst nicht leisten kann.
    Und: Lesegeräte für E-BOOKS, bestückt mit "Literatur".

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    Werbung, die etwas bewegen soll, kostet Millionen. Einen Begriff durchzusetzen, der in keinem Sprachgebrauch üblich ist, sicherlich unbezahlbare Beträge. Was soll sich denn ein Jugendlicher unter Biblio mit und ohne Freak vorstellen? Und das Kampagnen-Ziel ""Schreib einen Brief, eine SMS, ein Posting, eine E-Mail oder einen Zeitungsbericht für deine Lokalzeitung. Teile mit allen, welche 'Freaks' es in unserer Gesellschaft gibt und wie die Bibliothek jeden dabei unterstützt, seinen 'Freak“ zu leben", fordert BiblioFreak auf." ist wirklich völlig an den Haaren herbei gezerrt. Das ist Werbe-Möchtegern "Jugendlichen-Sprech". Und besonders schön finde ich die Zielsetzung, "... den Druck zu erhöhen, um mehr Fördergelder zu erhalten". Es geht also nicht darum, neue Leser und Nutzer für die Bibliothek zu finden, sondern mehr Geld zu bekommen. Für wen dann? Für die SMS-, Brief-, Posting- und Mail-schreibenden BiblioFreaks? Der Begriff "Freak" war eigentlich immer mit "anders sein" besetzt. Will die Mehrheit anders sein? Anders = Außenseiter=persönliches Ziel? Oder wollen die Meisten nicht lieber "in" sein und vor allem dabei? Sorry, aber die Aktion nebst Begrifflichkeit überzeugt mich leider nicht. Aber das muß ja nix heißen.

  • Amazonkunde

    Amazonkunde

    Das letzte Roecheln der alten...

  • Michaela Müller

    Michaela Müller

    Wie schön dass Sie Mettmann kennen, Herr Hüttermann. Waren Sie in den letzten Jahren tatsächlich mal in der dortigen 'Volksbücherei', der Sie hier ach so gute Ratschläge geben, oder pflegen Sie einfach nur Ihre Vorurteile über verstaubte Bestände?

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