Matthias Ulmer über die Zukunft der Buchbranche

"Eine Sanierungsaufgabe"

Content und Kanäle: Welchen Weg zum Kunden nimmt das Buch? Antworten sucht die Branche am 12. und 13. September bei der Zukunftskonferenz auf dem mediacampus frankfurt. Matthias Ulmer wurde 2011 mit seinen "55 Thesen zur Zukunft der Buchbranche" zum Initiator der ersten Zukunftskonferenz. Im Interview mit dem Börsenblatt erläutert der Verleger und Vorsitzende des Verleger-Ausschusses, was die Teilnehmer bei der Fortsetzung erwartet.

Matthias Ulmer

Matthias Ulmer © Claus Setzer

Zukunftskonferenz die zweite: Worum geht es? 

Die neue Zukunftskonferenz baut auf den Strukturen der ersten Konferenz auf. Moderatoren, Arbeitsgruppen und eine Matrix als Diskussionsgrundlage haben sich bewährt. Dieses Mal wird jedoch der Fokus stärker auf die Absatzwege gelegt. 2011 standen eher die Produkte im Mittelpunkt.

Welche heißen Eisen werden diesmal angepackt?

Unser Problem heute ist, dass der Buchhandel in weiten Teilen sowohl für Verlage als auch für das Sortiment unrentabel geworden ist. Auch die sogenannten Nebenmärkte bieten dem Produkt Buch aktuell keine Perspektive.

Bleiben aus Verlagssicht der Direkt­vertrieb und der Versandhandel …

Der Direktvertrieb der Verlage an den Endkunden war vermutlich nie besonders margenstark und dürfte so rückläufig sein wie der Versandhandel über die Kataloge. Die Akteure kommen hier an die Grenze der Rentabilität.

Mit welcher Konsequenz?

Es gibt seit Längerem einen Druck in Richtung Internet. Doch auch hier haben wir es mit einer enorm teuren Logistik zu tun. Die Steuersparmodelle, Sozialstandards und Konditionen des Marktführers Amazon halte ich nicht für eine auf Nachhaltigkeit angelegte Absatzorganisation für das Buch.

Wo müsste man bei der Neujustierung des Vertriebs ansetzen?

Defizitäre Absatzwege werden langfristig nicht beibehalten. Es wird eine Verlagerung des Absatzes auf andere Wege oder eine Reform geben, die wir sehr weit denken müssen. Wenn man den Buchverkauf an Endkunden als neues Geschäftsmodell erfinden würde − wie würde man den Absatzweg und die Logistik einrichten, sodass sie kostenfreundlich und zugleich rentabel funktionieren können? Ich würde mich wundern, wenn das Geschäftsmodell so aussehen würde wie unsere Realität.

Zum Beispiel?

Handelsvertreter, Auswüchse bei den Vorschauen, Übernachtlieferung, Remissionsrecht, Bestellbuch: Wir gönnen uns viel Service, für den die Kunden gar nicht mehr bereit sind, zu zahlen. Wir müssen also nicht über Reformen sprechen, es handelt sich um eine Sanierungsaufgabe.

Die Logistik beim E-Book ist kosten­günstiger. Ein Segen für die Verlage?

Nein. Der Wandel vom Buch zum E-Book ist aus der schieren Not der Akteure geboren und überhaupt nicht lesergetrieben. Grund ist der enorme Kostendruck bei der Logistik des gedruckten Buches.

Wo steht das Sortiment im Jahr 2020?

Ich würde mich an das Szenario der 55 Thesen halten. Die These vom erheblichen Verlust bei Einzelhandelsflächen ist unwidersprochen. Die Frage ist: Wen trifft es? Besonders Kleinfilialisten und Familienbetriebe können schnell an den Stellschrauben drehen. Der Kleinste ist sehr überlebensfähig und hartnäckig. Das Problem bei ihm ist aber die Alterssicherung − der Verkauf des Geschäfts diente der Versorgung. Das ist in einer Branche mit Strukturproblemen nicht mehr so einfach. Helfen kann wie gesagt eine rentablere Logistik. Ein Hoffnungsschimmer: Solange es Kostentreiber gibt, existieren Einsparmöglichkeiten.

Interview: Kai Mühleck

 

Zur Zukunftskonferenz 2013

Im Zentrum der offenen Konferenz des Forums Zukunft steht das stationäre Sortiment. Grundlage ist eine Marktbeschreibung, wie viel Prozent der Bücher heute über die verschiedenen Wege zum Kunden kommen. Wie sich die Kundenbedürfnisse bis 2020 ändern könnten, arbeiten die Teilnehmer in moderierten Arbeitsgruppen ohne Hierarchien heraus.

Die Ergebnisse werden auf zukunftskonferenz.org dokumentiert. Dort gibt es auch weitere Informationen zur Veranstaltung.

Die Anmeldung ist noch bis 31. Juli per E-Mail an forumzukunft@boev.de möglich. Die Teilnahme ist für BÖV-Mitglieder kostenlos.

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48 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Es sollte bei dieser ,Zukunftskonferenz` auch um den Erhalt der kleineren und mittleren Sortimente gehen.
    Wichtig ist, dass der stationäre Buchhandel bestehen bleibt. Eine weitere Ausbreitung der Großbuchhandlungen verzerrt auch die Aufgaben der Verlage. Und irgendwann geht es bei manchen Großbuchhandlungen nicht mehr, dass sie ihr Filialnetz weiter vergrößern können. Da muss dann zurückgefahren, Filialen geschlossen werden und dies fordert eine Begrenzung der Mitarbeiter/innen.
    Auch der Zusammenschluß von Verlagen wirkt doch auch etwas zerstörend auf Verlagsprogramme und der Eigenständigkeit mancher Verlage.
    Ein ganz anderer Aspekt ist der Verdrängungswettbewerb in der Buchbranche, der das Gesicht auch mancher Städte verändert hat. Im Grunde genommen geht es doch um ein Überleben der Verlage und vieler Buchhandlungen.
    Es ist zu hoffen, dass ab diesem Herbst mit der neuen Führungsspitze im Börsenverein manche Probleme gut angepackt werden.
    Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Ausbildung in den Fachklassen der Berufsschulen für Verlage und Buchhandlungen sowie im Campus in Frankfurt/Seckbach.
    Der Unterricht wird sicher immer mehr den betriebswirtschaftlichen Fächern angepasst und die Vermittlung der Literaturkunde bleibt langsam außen vor. Änderungen im Unterricht sind schon gut, aber man sollte auch darauf achten, dass die Inhalte der Lernfächer nicht zu überfrachtet werden. Es sollte bei jungen Auszubildenden auch noch eine Freude für ihren späteren Einsatz im Bereich des Buches vorhanden sein.
    Zum Ende hier noch ein Punkt für die nahe Zukunft:
    Der Tarif im Einzelhandel für die Verlage und Sortimente sollte sich besser entwickeln. Gute Leistung erfordert auch eine entsprechende Bezahlung.
    Und die Buchbranche sollte sich trotzdem doch gut entwickeln können. Dazu benötigt es einen Einsatz von allen Beteiligten und auch vom Börsenverein.
    Also Mut zu Veränderungen, die auch für Buchhandlungen und Verlage annehmbar sind. Es geht um die Zukunft der Buchbranche und nicht um ihren Abbau und der Verdrängung von kleineren Buchhandlungen.
    Oberstes Ziel sollte auch sein, dass der gebundene Ladenpreis für Bücher weiterhin erhalten bleibt.
    Junge Leser/innen muss man wieder mit guten Leseaktionen zum Buch zurückführen. Das Lesen von Texten fördert auch ein Nachdenken über das geschriebene Wort und gedachte Handlungen. Andere Medien sind gerade doch Läufer der schnellen und modischen Trends. Bücher sind aber auch bleibende Werte.
    Da wäre die Frage nach unserer Wertekultur, die sich doch in den letzten Jahren deutlich verändert hat.
    H. Kraft

  • Buechertisch

    Buechertisch

    Ich fasse es nicht, mir ist beim Lesen dieses Interwiews fast das Tablet aus der Hand gefallen!!!

    "Der Wandel vom Buch zum E-Book ist aus der schieren Not der Akteure geboren und überhaupt nicht lesergetrieben."

    Zigtausende (ach was, weltweit gesehen Millionen) Menschen lesen also der schieren Not heraus E-Books, ob beruflich oder privat...?!?!?

    Mit Verlaub, das ist ja wohl der groesste Unsinn, den ich seit langem innerhalb der Branche gehört habe!!!
    Nicht zu fassen, beschämend.

  • Scheiblettekäs`

    Scheiblettekäs`

    Liest man das Interview ist es kaum vorstellbar, das Herr Ulmer einen Verlag führt!?! wo gibt es z.B fuer Verlage eine höhere Marge als beim Direktvertrieb? Und die Entwicklung hin zum eBook sei nicht lesergetrieben?? Glaubt Herr Ulmer tatsächlich, der Leser ließe sich das lesen von ebooks von den Verlagen dirigieren, weil diese aus Kostendruck bei der Logistik des gedruckten Buches immer mehr aus ebooks setzen? Ich z.B. lese freiwillig ebooks, weil ich das will. Defizitäre Absatzwege sollen verschwinden und neue entstehen? Welche neuen Absatzwege sollen das sein? Wird ein Titel aus dem Ulmer Verlag in Zukunft zum Kunden "gebeamed", wie bei Star Trek? Ich habe auf Börsenblatt selten ein Interview gelesen, das so an der Sache vorbei und von Unkenntnis geprägt ist wie dieses.

  • Annette

    Annette

    In einer Sache hat Herr Ulmer Recht. Solange es Kostentreiber gibt, gibt es Einsparmoeglichkeiten. Das nutzt der Buchhandel z. B. ausgiebig beim Personal. Durch geringe Gehälter und Entlassungen.

  • Holger Ehling

    Holger Ehling

    Die Beschimpfungen gegen Herrn Ulmer sind völlig unberechtigt: Da wir so getan, als hätten die Leser die Verlage zu E-Books gerängt. Dem ist natürlich nicht so: Die Leser haben wahrlich nicht nach E-Books gelechzt - ich war drin im Getümmel, als es um die Jahrtausendwende den ersten, erfolglosen, Versuch gab, E-Book-Reader in den Markt zu bringen. Gescheitert ist die Sache an unzureichenden Inhalten und unzureichender Technik - damit konnte man die Leser nicht überzeugen. Die wirtschaftliche Ratio war den Verlagen aber auch seinerzeit sehr bewusst.
    Inzwischen hat sich die Situation verändert, im Wesentlichen dank der disruptiven Strategien von Amazon und Apple; dadurch wurden Leser für Produkte gewonnen, von denen sie vorher nicht wussten, dass sie sie haben wollten. So etwas nennt man erfolgreiches Marketing. Also: bitte langsam mit den Pferden und vor allem bitte keine Beschimpfungen in Richtung Ulmer, der auch schon seit 20 Jahren intensiv dieses Thema beackert!
    Im Kommentar von H. Kraft wird eindringlich die Rolle des Buchhandels beschworen. Einverstanden. Es mögen aber doch bitte einmal Buchhändler en masse zur Zukunftskonferenz (oder anderen Veranstaltungen) kommen - wir alle möchten gerne MIT ihnen diskutieren; mangels Masse bleibt uns aber meist nicht mehr übrig als ÜBER sie zu reden.

  • Heinzi

    Heinzi

    ich zitiere mal einen Leserbrief von Herrn Ulmer hier bei boersenblatt.net vom 12.07.2013 um 22:53h zu der Diskussion um die Halbjahreszahlen und ihre Interpretation von Frau Schulte:
    (http://www.boersenblatt.net/629184/)
    "Der Verband muss sich um Rahmenbedingungen kümmern. Dazu gehört auch Pressearbeit. Beim nächsten Bankgespräch bringt es auch nichts, wenn eine Branche als Ganzes negativ da steht. Und als Kunde geht man auch nicht gerne in Geschäfte, von denen man in den Medien überall liest, dass sie in der Krise stecken."

    Und dann lese ich hier kaum zwei Wochen später:
    "Unser Problem heute ist, dass der Buchhandel in weiten Teilen sowohl für Verlage als auch für das Sortiment unrentabel geworden ist."
    und
    "Wir müssen also nicht über Reformen sprechen, es handelt sich um eine Sanierungsaufgabe."

    Manchmal wundert sich Heinzi!

  • Klaus

    Klaus

    @ Holger Ehling

    Wo und von wem wird Herr Ulmer denn "beschimpft"? Er hat ein Interview gegeben, in dem er m.E. Dinge von sich gibt, die nicht nachvollziehbar sind. Dafür kassiert er Kritik. Unter "Beschimpfungen" verstehe ich nun wirklich etwas anderes.

    @ Heinzi
    Manche haben offenbar vielfältige Meinungen. Je nach Bedarf. Kann man sich schon drüber wundern ;-)

  • Dirk Scholze

    Dirk Scholze

    @Heinzi

    Sehr geehrter Herr Heinzi,
    ich teile Ihre Verwunderung und stelle mir gerade das nächste Bankengespräch vor –
    Sortimenter(in):
    Sehr geehrte(r) Frau/Herr Banker,
    das Sortiment und auch die Verlage sind in weiten Teilen unrentabel geworden und reformierbar sind sie auch nicht. Es handelt sich um eine Sanierungsaufgabe.

    Banker(in):
    Was erzählen Sie denn da? Wir haben im Börsenblatt 11-2013 Seite 7 gelesen: „Buchhandel im Aufwind“, gute Pressearbeit übrigens, wie viel brauchen Sie?

    Sortimenter(in):
    € 20.000 bis zum 31.12. 2013

    Banker(in):
    Haben Sie Sicherheiten?

    Sortimenter(in):
    Den Warenbestand, die Ladeneinrichtung und den Geschäftswert meiner Buchhandlung.

    Banker(in):
    Den Warenbestand, wie hoch ist denn zurzeit der Preis pro Kilo Altpapier – ha, ha alte Bankerweisheit.
    Wert der Ladeneinrichtung = Entsorgungskosten.
    Geschäftswert, wenn es dann kein Laden mehr gibt, gibt es auch keinen Geschäftswert.

    Sortimenter(in):
    Was haben Sie sich als Sicherheit vorgestellt?

    Banker(in):
    Och, nen Sparbuch, ne Lebensversicherung mit garantiertem Rückkaufwert, ne Immobilie.

    Sortimenter(in):
    Hab ich nicht (mehr).

    Banker(in):
    Kopf hoch, wird schon wieder werden (s. Börsenblatt
    11-2013) und fleißig sparen.
    Und dann beim nächsten Mal einfach das Sparbuch bei uns als Sicherheit hinterlegen und die jährlichen 0,5% Zinsen weiter kassieren. Für unsere mittelständischen Kunden haben wir da zurzeit sogar besonders gute Konditionen: 6,9% effektiver Sollzins p.A.!

    Sortimenter(in):
    Hm.

    Merke:
    Gute Pressearbeit lohnt sich immer.


    Dirk Scholze
    Betriebsberater für den Sortimentsbuchhandel

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Wobei Zynismus auch nicht weiterhilft, lieber Herr Scholze. Ich wüsste gern, wo Matthias Ulmer die Sanierungsopfer unterbringen will. Schlecker-Frauen, Praktiker-Männer und Buchhandlungs-Enthusiasten: Allesamt fremdbestimmt umzuschulen? Ich sehe das nicht so. Aber ich sehe eine Verantwortung, gerade hier im Verband, den Sortimentern ins Gesicht zu sagen - So hat das keine Zukunft. Sondern - Und da warte ich auf einen auch nur halbwegs schlüssigen Vorschlag.

  • Dirk Scholze

    Dirk Scholze

    Liebe Frau Bergmann,

    Zynismus liegt mir fern. Leider musste ich mir den zweiten Teil des fiktiven Bankengespräches (ab Sicherheiten) nicht ausdenken, sondern durfte ihn des Öfteren live ertragen.


    Viele Grüße

    Dirk Scholze

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Lieber Herr Scholze, jaha, ich weiß, dass solche Gespräche so gehen. Man ärgert sich und führt die dann irgendwann nicht mehr. Man überlegt sich was anderes. Und da sehe ich viele Kollegen einfach schlecht ausgestattet. Fangen Sie mal an mit der mentalen Ausstattung: Es ist einfach nicht schön, sich anzuhören - Sie betreiben ein Altpapierinstitut. Und ausgelacht zu werden, noch viel weniger. Deswegen müsste man sich (gemeinsam) überlegen, wie geht es anders.

  • Klaus Wrede

    Klaus Wrede

    Also ich finde, dass dieser Text genau so anregend ist, wie man das von Herrn Ulmer erwarten kann. Seine Aussage, dass „unser Problem heute ist, dass der Buchhandel in weiten Teilen sowohl für Verlage als auch für das Sortiment unrentabel geworden ist“, ist sicher provokativ. Aber sie ist doch kein Grund, den Autor zu beschimpfen („größter Unsinn“, „nicht zu fassen“, „beschämend“ hört sich doch sehr nach Schimpfen an, oder?), denn ganz offensichtlich ist das als Weckruf gemeint.

    Es hat bisher noch nie viel gebracht, auf den Überbringer schlechter Nachrichten einzuprügeln, denn das verändert die Tatsachen ja nicht. Und Tatsache ist doch, dass der normale Geschäftsgang im Buchhandel schwer gestört ist.

    Für den stationären Handel stellt sich die existenzielle Frage, ob er im wachsenden Digitalgeschäft überhaupt in Zukunft eine Rolle wird spielen können.
    Für die Verlage stellt sich die Frage, wie digitale Produkte aussehen müssen, die kostendeckend hergestellt und vertrieben werden können und zugleich die Leser fesseln und begeistern – ganz so, wie es gute Bücher tun.

    In zwei Punkten möchte ich Herrn Ulmer aber widersprechen:

    „Der Direktvertrieb der Verlage an den Endkunden war vermutlich nie besonders margenstark ...“. Das stimmt in diesem Allgemeingültigkeitsanspruch ganz sicher nicht, man betrachte nur Haufe oder WEKA und viele andere Fachverlage.

    „Der Wandel vom Buch zum E-Book ist aus der schieren Not der Akteure geboren und überhaupt nicht lesergetrieben“. Ich würde behaupten, dass die meisten Innovationen (von der Dampfmaschine bis zum Computer) anfangs nicht kundengetrieben waren, da kein potenzieller Kunde glaubte, dass er die Neuerung gut gebrauchen können würde. Frühe Marktphasen werden hauptsächlich von Innovatoren weiter getrieben, von denen einige erstmal eine Menge Geld und manchmal sogar ihre Begeisterung verlieren. Aber aus dieser Phase ist das Geschäft mit digitalen Verlagsprodukten seit mindestens zwei Jahren heraus – das Kundeninteresse ist real und groß.

    Mein Verlag beispielsweise macht nur noch wenig mehr als ein Sechstel seines Umsatzes mit gedruckten Büchern, den größten Teil dagegen im Direktverkauf von E-Book-Sammlungen, Digitalen Fachbibliotheken und E-Learning-Kursen – also genau solchen Produkten, für die es laut Herrn Ulmer eigentlich keinen Markt gibt. In den letzten drei Jahren sehe ich in diesem Bereich jedes Jahr starkes Wachstum und einen Gewinn.

    Seit mindestens zwei Jahren haben digitale Produkte eindeutig den Durchbruch erreicht. Da ist Herr Ulmer nach meiner Erfahrung viel zu skeptisch.

    Was bisher geboten wird, kann aber erst der Anfang sein. Den digitalen Formaten fehlt noch emotionale Bindung, es fehlt die Lust an der intensiven Nutzung. Die Faszination des Begreifbaren kommt bei digitalen Produkten nämlich eher der Hardware - den schicken Tablets und E-Book-Readern - zu, als den Inhalten, die diese anzeigen.
    Aus meiner Erfahrung ist die Situation so: immer mehr Leser sind an digitalen Formaten interessiert und auch bereit, ordentlich dafür zu bezahlen. Aber nach dem Kauf wissen sie oft nicht, wie sie mit diesen Formaten richtig umgehen sollen. Sie kleben an der Nutzungsroutine für das Buch. Im „Involvement“ und in der Motivation der Leser - unabhängig von der Hardware und der Plattform auf der der Inhalt jeweils gespielt wird - liegt meiner Meinung nach die große konzeptionelle Aufgabe der Verlage.

  • franz wanner

    franz wanner

    Für die Zukunft gibt es keine Statistiken, nur Hoffnungen.
    Wo gute Produkte auf willige Kunden treffen, findet sich immer eine tragfähige Logistik.
    Was wie Gelaber klingt, gilt aber grundsätzlich.
    1. Was will welcher Kunde?
    2. Womit kann man welchen Kunden so überraschen, dass er kauft?
    Da bin ich ziemlich optimistisch. Aber dann kommt noch eine dritte Frage hinzu:
    Wie groß ist die Kundengruppe, die bereit ist, für den Erhalt der bestehende Infrastruktur auch zu bezahlen?
    Wenn durch die Verkaufsmenge die Summe der "auskömmlichen Händlerrabatte" nicht mehr ausreicht, müßte jeder Standort von seinen Kunden per Extraumlage im Erhalt gesichert werden.
    Verzichtet der Kunde nun lieber auf den Standort oder finanziert er lieber (durch Umlage oder höheren Preis)?
    Was es kostet, muß ja bezahlt werden.Von wem und wie auch immer. Auch im Verschiebemix - Die Kostengesamtheit ist bisher immer gestiegen. Und wo Kosten sich verringern, sind immer Leistungen weggefallen. Am allerteuersten sind Traditionen.
    Also könnte man auch eine 4. Frage formulieren:
    Welche Leistungen können entfallen und welche werden unumtgänglich?

  • Günther

    Günther

    Meine persönliche Meinung ist, dass das Sortiment den Wandel im Buchhandel nicht überleben wird. Die Zukunft liegt auf Seiten der Verlage und des self publishing (z.b im Blogs)

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Herr Wrede, eine Erläuterung zu den Punkten Direktvertrieb und E-Book: Natürlich gibt es Verlage, die den Direktvertrieb rentabel betreiben. Gerade diese sind es aber auch, die besonders früh und intensiv den Wandel ins Digitale umgesetzt haben. Das Segment der verlagseigenen Versandbuchhandlungen habe ich eher als Auslaufmodell erlebt. Natürlich hat der Verlag zunächst die Handelsmarge zusätzlich. Aber die Kosten der Auftragsakquise (Adressen, Werbemittel, Porto, Telefonmarketing) und die Logistikkosten sowie das Rechnungswesen gemeinsam sind schnell größer als die Marge. Die Datenschutzbestimmungen haben die Adresskosten in die Höhe getrieben und der Wettbewerb durch Internetbuchhandlungen hat die Weitergabe der Versandkosten schwierig gemacht. Das geht kaum mehr auf.
    Die Digitalisierung dagegen verändert die Situation bei der Adressgewinnung, bei den Kosten von Werbemittelproduktion und -versand, bei den Herstellkosten und bei der Logistik eines E-Books. Das sind attraktive Rahmenbedingungen, bei denen sich Investitionen lohnen. Wenn man sich jedoch Gedanken um den Absatzweg gedruckter Bücher macht, ist das eher eine bedrohliche Perspektive.
    Ich bin überhaupt nicht skeptisch gegenüber E-Books und anderen digitalen Angeboten. Ich weise nur auf die Gefahr hin, dass der Wandel von Print auf Digital auch durch die Kostensituation im Absatzweg Print getrieben ist. Wenn wir einen rentablen und erfolgreichen Absatzweg Print erhalten wollen, dann muss der aus Kostensicht neu aufgestellt werden.

  • Buechertisch noch mal...

    Buechertisch noch mal...

    @ Klaus Wrede:

    Ich verkaufe in meinem Geschäft eine Postkarte mit folgendem Text (uebrigens sehr erfolgreich):

    Ich bin nicht dafür verantwortlich was sie verstehen, sondern nur dafür was ich sage.

    Wenn ich hatte schimpfen wollen, dann hatte ich nicht "Unsinn", sondern "Scheisse" geschrieben und ich finde es einfach nur peinlich, wenn eine in der Branche so bekannte Person diese Meinung vertritt, denn sie ist gestrig und geht an der Realität vorbei.

    Ich hatte auch noch gerne etwas zu den angeblich so schlechten Margen des Direktvertriebs geschrieben, aber da hatte ich schon keine Lust mehr...

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Büchertisch, es wäre tatsächlich Unsinn zu behaupten, dass die Menschen E-Books nicht aus Freude sondern aus Not lesen. Da gebe ich Ihnen Recht. Im Interview steht aber auch, dass der Wandel nicht lesergetrieben ist, sondern Verlage und Handel (die Akteure dieser Branche) den Wandel vorantreiben. Herr Ehling hat auch schon darauf hingewiesen, dass so ziemlich alle E-Book Angebote eine lange Anlaufzeit brauchen, bis sie vom Leser angenommen werden. Das gilt auch jetzt wieder für Mietmodelle und Flatrates, für E-Medien in der Ausbildung, für E-Paper und E-Journals etc. Beim E-Book selbst scheint der Durchbruch gelungen, beim Rest müssen wir noch kämpfen.

  • Merfelle

    Merfelle

    @ Matthias Ulmer

    Sagen wir mal so: In Deutschland braucht es hinsichtlich eBooks eine längere Anlaufzeit (Innovationen setzen sich in Deutschland i.d.R. nur langsam durch). Andere Länder sind da schneller.

  • franz wanner

    franz wanner

    es gibt zwei Methoden etwas durchzusetzen:
    - man trocknet die Alternativen aus
    - die Sache selber überzeugt
    Und jede Bereicherung ist auch ein Verlust.
    Und aus jeder Perspektive sieht die Welt anders aus.

    @ Buechertisch
    Und warum kaufen die Leutchen diese Karten? Als Ablassbriefchen? Zur Stärkung der Selbstgerechtigkeit? Als Dokument der Entsozialisierung?
    Ihre Peinlichkeit ist wahrhaft schmerzlich, aber eben auch Realität.

  • Horst-Dustin

    Horst-Dustin

    Die Beiträge hier amüsieren mich. Sie zeigen die ganze Hilflosigkeit der Branche gegenüber dem Wandel, der sie ergriffen hat. Letztlich ist jedoch klar, das der Buchhandel diesen Wandel nicht schaffen wird.

  • Buechertisch

    Buechertisch

    @Franz Wanner:

    Diese sogenannten Leutchen kaufen diese Karte deshalb gern, weil ihnen so viele Menschen im taeglichen Leben begenen, die nicht richtig zuhören können und oft auch nicht wollen.
    Und vermutlich, weil ihnen so viele sture, selbstgerechte Personen das Leben schwer machen, vor allem beruflich.

    Noch eine allgemeine Anmerkung:

    Mein Mann arbeitet seit über 10 Jahren ebenfalls in unserer Branche.
    Sein Schwerpunkt sind eBooks, eJournals, ePaper, etc.
    Die Kunden sind Universitäten, Fachhochschulen, Kliniken, öffentliche Institutionen, Kanzleien, um nur einige zu nennen.
    Diese wollen ueberwiegend elektronische Medien in der Wissenschaft , Forschung und Lehre einsetzen und bestimmen somit die Nachfrage und die Verlage müssen entsprechend liefern, sonst sind sie "weg vom Fenster" und das kann sich kein Fachbuchverlag leisten.

    Eine Freundin arbeitet fuer eine grosse Schulbuch-Verlagsgruppe.
    Auch da wird eLearning im wichtiger, nicht nur im Unterricht. Viele Schüler (bereits in der Grundschule) arbeiten und lernen mit und am PC.

    Man kann nicht behaupten, das es damit langsam vorangeht... Es hat langsam angefangen, aber die Anfangsphase ist schon längst abgeschlossen.

  • Frau Iv.

    Frau Iv.

    Lieber Herr Kraft,

    Sie hätten gerne folgendes:

    - Erhalt der kleineren und mittleren Sortimente
    - Erhalt des stationären Buchandels
    - keine Ausbreitung von Großfilialisten
    - keine Zusammenlegung von Verlagsprogrammen
    - Überleben der Verlage und Buchhandlungen
    - literarische Ausbildung der Azubis
    - höherer Tarif

    Das alles soll durch
    - den (wie auch immer gearteten) Einsatz aller Beteiligten
    - den Mut zur Veränderung (Einschränkung: Veränderung, die auch für Buchhandlungen und Verlage annehmbar sind)
    - einen weiterhin gebundener Ladenpreis
    - Aktionen für die Leseförderung

    geschafft werden.

    Das hört sich recht realitätsfern und nostalgisch an, meinen Sie nicht? Würde alles, was wir bisher gemacht haben, so gut funktionieren, würden die Umsätze ja nicht einbrechen. Ach ja, ich vergaß, Amazon ist ja allem schuld!

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Liebe Frau Büchertisch, Sie müssen noch einmal einen Blick auf die Postkarte werfen, die Sie verkaufen. Ich habe nicht gesagt, dass es keine vehementen Förderer digitaler Modelle gibt, ich habe gesagt, dass die Umstellung nicht lesergetrieben ist. Es bestehen keine Zweifel, dass das E-Thema von Bibliotheken, Forschungsinstitutionen, Netzwerken, Kanzleien etc. vorangetrieben wird. Das sind aber nicht die Leser, sondern das sind diejenigen, die für die Bereitstellung der Information zuständig sind, und die insbesondere in der Logistik Kostenvorteile bei einer Umstellung aufs Digitale sehen. Dahinter sitzen Leser, die dem nur mürrisch folgen. Wenn E-Books an der Uni nicht aktiv beworben werden, werden sie in den Bibliotheken zwar angeboten, nicht aber genutzt. Die Nachfrage folgt hier dem Angebot, nicht umgekehrt.
    Auch im schulischen Bereich ist das nicht anders. Die Politik hat die Umstellung auf digitale Lehrmittel beschlossen. Das wollen weder die Lehrer noch die Eltern noch die Schüler. Es muss eben sein, weil die Politik so will. Für die Verlage wird es ein gutes Geschäft sein, wenn mal die Anfangsinvestitionen geschultert sind.

  • Die kleine Sortimenterin

    Die kleine Sortimenterin

    Bleiben wir doch einmal bei den Kosten, insbesondere
    den Portokosten, die Dank anderer Vorreiter nun kein
    Kunde mehr zahlen will und schauen Sie nach Frankreich,
    dort versucht der Staat per Gesetz wieder die Portoberechnung einzuführen. Und die Buchhandlungen
    werden unter besonderen Schutz gestellt und gefördert,
    das kommt hier leider gar nicht vor - es wird von irgendwelchen Voraussetzungen ausgegangen und dann
    hochgerechnet.
    Wir brauchen endlich 55 Thesen für den Erhalt der
    Verlage und Buchhandlungen - wenn den Kunden, uns
    und der Urbanität denn etwas wert sein soll.
    Den Kunden kann man im Gespräch sehr gut vermitteln,
    wohin das System führt, wenn es nur noch digitales und
    überwachtes Kaufverhalten gibt.

  • Merfelle

    Merfelle

    @ Kleine Sortimenterin

    Dieses ständige Geschrei nach Papa Staat und Gesetzen, die jede Knorzbuchhandlung in ihrem Minibiotop schützen sollen, damit der arme arme Buchhändler ja nicht der bösen bösen Welt ausgeliefert ist, nervt nur noch. Der Buchhandel bekommt alleine echt nichts mehr auf die Reihe!

  • Klaus Wrede

    Klaus Wrede

    Lieber Herr Ulmer,

    wenn Verlage tatsächlich „ einen rentablen und erfolgreichen Absatzweg Print erhalten wollen ...“, dann sollten sie vielleicht andere Strategien ausprobieren. Als Leser der Online-Ausgaben von Börsenblatt, Buchmarkt und Buchreport habe ich den Eindruck, dass sich die meisten Verlage sagen: Amazon ist unser wichtigster Handelspartner, also verstärken wir die Geschäftsbeziehung. Das gilt insbesondere für E-Books, aber auch für Druckausgaben.

    Ein Verlag mit dieser Strategie schadet sich auf die Dauer ganz erheblich, denn:
    - sobald Amazon, Apple und Google den E-Book-Markt beherrschen, werden Verlage nicht mehr sein als Zulieferer, die man nach allen Regeln der Kunst ausquetscht (siehe Vorboten wie den 20-Pence Preiskampf in England). Gegenwehr wird dann kaum mehr möglich sein, weil die Form der E-Books von Amazon und Co. festgesetzt ist und Verlage hier gar keine eigenen Lösungen mehr entwickeln können und weil der Verlag die Kundenbeziehung aufgibt, die immer wertvoller wird durch die vielen Daten, die sie mit sich bringt.
    - Bei gedruckten Werken sind die Verlage besser geschützt, bis die Buchpreisbindung fällt (die für E-Books faktisch nicht gilt). Dann kann hier das gleiche Spiel beginnen. Wie wertvoll die Kundenbeziehung in Zukunft wird, das sieht man an Amazons Aktivitäten mit eigenen Imprints: kein Verlag kann in dieser Weise die Veröffentlichungen seiner Wettbewerber analysieren und daraus gewinnbringende Trends ableiten. Klar, viele sagen: als Verlag hat Amazon keine Chance. Aber ich fürchte, das sind die Gleichen, die vor kurzem noch behauptet haben, dass E-Books keine Chance haben.

    Die ersten Opfer dieser Strategie werden aber nicht die Verlage sein, sondern das stationäre Sortiment. Denn das ist in punkto E-Books bereits weitgehend außen vor.

    Einige wenige Verlage bieten Buch/E-Book Bundles an. Das ist meiner Meinung nach ein guter Weg, der mehr Zuspruch erfahren sollte. Denn es ist doch unrealistischer zu glauben, dass es vielen Buchhändlern gelingen wird, Webseiten aufzubauen, die erfolgreicher sind als ihre Ladengeschäfte, als anzunehmen, dass sich die Situation der Ladengeschäfte verbessern wird, wenn der Leser weiß, dass er da zu jedem Buch automatisch auch das E-Book bekommt. Wir verkaufen alle unsere Fachbücher als Bundle zum Preis des gedruckten Buchs.

    Wenn die Zukunft digital ist, dann ist es letztlich für die Verlage fatal, wenn es ihnen nicht gelingt, ihren traditionellen Absatzweg, das Sortiment, für diese Produkte zu erschließen. Dann wird der Markt ärmer und die Großen werden fordernder.

    Die E-Books meines Verlages verkaufe ich ausschließlich direkt. Es gibt von uns keine Kindle-Ausgaben und kein Buch im Apple Bookstore. Und die wird es auch nicht geben. Die Bundles verkaufe ich sowohl über Amazon als auch über das Sortiment.

    Die Bundles haben folgende Vorteile:
    - unsere E-Books können sowohl über Amazon als auch über das Sortiment verkauft werden, aber:
    - Amazon kann nicht die Kundenbeziehung monopolisieren, denn die E-Books liegen auf unseren Servern und der Kunde kommt vom Druckwerk aus zu unseren Websites, meldet sich dort an und somit sind wir Besitzer der wertvollen Daten.
    - Der stationäre Handel wird bei E-Books nicht benachteiligt. Er behält seine Kundenbeziehung.
    - Der Kunde erhält zum Printpreis beide Ausgaben.

    Der Grund, warum das E-Book im Printpreis mit enthalten ist, ist ganz einfach: der Verzicht auf diesen Umsatz ist in meinen Augen ein guter Preis für den Zugang zum Kunden und seine Daten. Den mit Mühe gewonnenen Kunden bewerben in Zukunft dann wir – und nicht Amazon.

  • René Kohl

    René Kohl

    Ich halte Bundles auch für ein starkes Produkt.
    Darf ich mal die Verlage fragen, die der Ansicht sind, daß Bundles für sie als Produkt ungeeignet sind, was ihre jeweiligen Annahmen sind?
    Man verliert einmal Umsatz mit den Kunden, die sich sowohl das gedruckte als auch das eBook gekauft hätten (scheinen mir nicht viele zu sein, mit denen man da rechnen darf).
    Man verliert die Kunden, die ein Buch zweimal gekauft hätten (eines für mich und eines für meine Frau...; kommt mir ebenfalls überschaubar vor).
    Man verliert die Kunden, die das Buch nur als eBook gekauft hätten, und jetzt zurückschrecken, weil das Bundle deutlich teurer ist.
    Wenn das Bundle aber "nur" ca. 20% teurer ist als das eBook, scheint mir auch dieser Fall nicht so riskant - bzw. kompensierbar durch diejenigen, die, gerade weil man beide Exemplare bekommt, überhaupt erst zuschlagen.
    Liegt es daran, daß man dann gegenüber den Autoren doppelt abrechnen muß?
    Fürchtet man Erklärungsnöte bezüglich des Preises, weil das eBook dann ja gefühlt "dreingegeben" würde?
    Sind die zusätzlichen Handlingskosten für die Bereitstellung der eBooks spürbar hoch?
    Oder ist es eine Weltanschaungsfrage?

    Würde mich interessieren...

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Man sollte sich nach allen diesen Aussprachen hier einmal fragen: Ist das Berufsbild Buchhändler oder Buchhändlerin in seiner gegenwärtigen Form noch gefragt?


    Gibt es für den Buchhändler/die Buchhändlerin in diesem Beruf noch eine Zukunft und Chance?

    Ist der stationäre Buchhandel in naher Zukunft noch in der Form von Buchhandlungen zu halten, oder wandert vieles
    in das Online-Geschäft über das Internet ab?

    Statt Buchhändler könnte man auch Medienhändler sagen.
    H. Kraft

  • Jörg H.

    Jörg H.

    Lieber René,

    die Frage habe ich vor zwei Jahren mal der damaligen Vertriebsleiterin eines Hörbuchverlags in Bezug auf mitgelieferte MP3s gestellt. Sie hielt das für eine gute Idee, aber hat dann das Unternehmen verlassen. Warum es nicht gemacht wird, konnte sie mir auch nicht sagen - nur ausschließen, dass es an den Herstellungskosten liege. Ich glaube tatsächlich, dass hier der Glaube vorherrscht, man habe unterschiedliche Produkte die man halt separat Preisen verkaufe. Schade eigentlich.

  • René Kohl

    René Kohl

    Heute bekomme ich von Amazon das Angebot:

    Hallo René Kohl,
    54 CDs, die Sie in der Vergangenheit bei Amazon.de gekauft haben, wurden Ihrer Amazon Cloud Player-Bibliothek hinzugefügt. Sie können nun jederzeit und von überall die MP3-Versionen dieser CDs kostenlos mit dem Amazon Cloud Player abspielen oder herunterladen. Sie finden die Songs in der Playliste "Gekauft".
    Darüber hinaus möchten wir Ihnen gerne AutoRip vorstellen. Wenn Sie jetzt ein Album mit dem -Logo kaufen, wird die MP3-Version dieses Albums sofort (bei Vorbestellungen zum Erscheinungstermin) Ihrer Amazon Cloud Player-Bibliothek kostenlos hinzugefügt.«

    Wie läse sich das, wenn Amazon statt "CD" "Buch" schriebe und statt "MP3" "Kindle"?

  • Heinzi

    Heinzi

    54 CDs bei Amazon gekauft?
    Gabs die nicht bei buy local?

  • Jörg H.

    Jörg H.

    Lieber René, schönes Beispiel dafür, dass Amazon noch jedes Geschäftsmodell, an das sich seine Partner zwanghaft klammern, kaputt macht. Und das meine ich ganz wertneutral - wenn es nicht Amazon wäre, wäre es jemand anders. Die einzige Lösung für unsere Branche wäre also, schneller zu sein als die Wettbewerber von außen. Noch sehe ich das nicht.

  • René Kohl

    René Kohl

    Wir haben 705 Songs aus Ihren AutoRip CD-Käufen kostenlos hinzugefügt.
    Wir haben 23 Songs aus Ihren Amazon MP3-Käufen kostenlos hinzugefügt.

    @Heinzi: Wußte selbst nicht, wie viele CDs ich bei Amazon gekauft habe.
    Na ja, 55 seit 2002 - sind 5 pro Jahr.

    Die andere Hälfte habe ich wohl lokal gekauft.

  • E-Leser

    E-Leser

    Ich ärgere mich auch schon, dass ich sowenig CDs bei Amazon gekauft habe. Das schöne ist ja, dass man auch die MP3-Dateien für CD-Käufe von vor über 10 Jahren bekommen hat - auch für CDs, die man längst nicht mehr besitzt.

    Da war Amazon doch mal wieder kreativ und hat mit den Plattenfirmen und der GEMA schöne Verträge geschlossen.

    Die Kunden freut es.

  • Klaus Wrede

    Klaus Wrede

    @ 27.

    Hallo Herr Kohl,

    ich antworte Ihnen mal, obwohl ich ja Bundle-Anbieter bin: Verlage halten Bundles vermutlich nicht für ungeeignet. Man darf aber nicht vergessen, dass es leichter gesagt als getan ist, so etwas anzubieten. Wenn es keine PDFs sein sollen (und das sollte es nicht sein), dann reden wir über eine E-Book-Applikation. Diese sollte natürlich über zeitgemäße Funktionalität verfügen, also z.B. über Volltextsuche, Lesezeichen und Notizen. Darüber hinaus muss sie cross-platform-fähig sein, denn der Kunde will seine E-Books ja überall lesen. Versionen für PC und Tablet sind machbar. Aber auf dem Kindle läuft nichts ohne dass Amazon kassiert, außer PDF.

    Im Kern ist das ein Logistik-Problem also das, was Herr Ulmer im ersten Posting angesprochen hat. Eine ganze Reihe von Verlagen wird nicht bereit sein, in so eine Lösung zu investieren, jedenfalls nicht zum jetzigen Zeitpunkt.

    Aber könnte das nicht eine Aufgabe für Libreka sein? Immerhin haben die doch bereits die E-Books von vielen Verlagen auf dem Server. Das könnte so gehen: ein Verlag lädt sein E-Book zu Libreka hoch und erhält einen Nummernkreis, aus dem er die Codes generiert, die ins Buch eingedruckt werden. Der Leser geht zu Libreka, meldet sich an und erhält den E-Book-Teil seines Bundles. Libreka übermittelt Anmelde- und Nutzungsdaten an den Verlag. Dann wäre Libreka eine echte Schnittstelle zwischen Verlagen und Buchhandlungen, ohne selbst im Endkundengeschäft zu sein.

    Wäre das nicht eine coole Dienstleistung, eine, mit der Libreka keinem Mitgliedsunternehmen Konkurrenz macht, da kaum jemand Interesse haben dürfte, E-Books auszuspielen, die schon mit dem Kauf des Buchs abgegolten wurden?

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Herr Kohl, lieber Herr Wrede, ich fürchte, dass Bundles deutliche Zusatzkosten bedeuten, aber wir mit keinen Zusatzerlösen rechnen können. Es hat nichts mit Weltanschauung oder mit Honorarabrechnungen zu tun. Wir haben oft darüber nachgedacht und keinen simplen Weg der "Belieferugn" des Kunden gefunden. Am Ende werden die Verlage - weil alles andere praktisch kaum umsetzbar ist - den Käufern anbieten, dass sie auf der Webseite des Verlages kostenlos oder gegen ein geringes Entgelt das E-Book bekommen. Damit generiert der Verlag Direktkunden, was dem Handel weder hilft noch ihn freut.
    Ich glaube, dass der Kunde entweder das eine oder das andere will und nur ganz selten für beides votiert, wenn das Bundle etwa 20% teurer als das Print-Exemplar ist.
    Bundles erscheinen mir sinnvoll im Bereich der Ausbildung. Da ist die elektronische Version im Unterricht und die Print-Version zu Hause oder in der Bibliothek sinnvoll. Aber da wird das gedruckte Buch auch nicht identisch mit der digitalen Ausgabe sein, sondern die digitale wird vermutlich angereichert um Lern-Tools und interaktive Elemente sein.

  • René Kohl

    René Kohl

    Lieber Herr Ulmer,

    wenn die Belieferung das Problem ist, so sieht es so aus, als ob Sie mit Amazon bald einen Partner finden werden, der Ihnen das Problem abnimmt...
    Wenn die das mit Musik können - warum sollte es nicht mit eBooks gehen.

    Was sagen denn die Verlage, wenn Amazon Ihnen das Geschäft anbietet?

    Wenn ich die Tolino-Allianz auf der Suche nach der Killer-Applikation wäre, würde ich darüber nachdenken, ob man das nicht können wollen sollte...

  • Vergissnix

    Vergissnix

    Das System Amazon hat auch nach 5 Jahren nichts
    "vergessen", sie "schützen" unsere Daten bis in
    alle Ewigkeit.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Herr Kohl, können tun das viele Einzelne, natürlich auch Amazon. Gesucht wird aber die Lösung, bei der alle das können, bei der ein Verlag ein Bundle auf den Markt bringt und man das bei Buchhandlungen, Internetversendern oder dem Verlag gleichermaßen kann. Denn man will ja nicht ein Bundle nur für einen Shop anbieten. Und warum sollte man das bei Amazon alleine machen? Das bringt weder ökonomisch etwas noch strategisch.

  • Klaus Wrede

    Klaus Wrede

    @ 30., 36., 37. und 39.

    Ihr Hinweis in Post 30., Herr Kohl, zeigt, wie klein das Zeitfenster ist, das Verlagen und Buchhandlungen noch bleibt, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Sobald Amazon nämlich die Bundles anbietet, wird das den Markt noch mehr umkrempeln. Für viele Verlage wird das ein Schritt in eine noch größere Abhängigkeit und für viele Buchhändler ein weiterer Schritt in die Bedeutungslosigkeit.

    Herr Ulmer, Ihren Post 36. finde ich recht defaitistisch: Natürlich wird es darauf hinauslaufen, dass das E-Book im Bundle kostenlos abgegeben wird. ABER: Verlage und Handel behalten den Kundenzugang und gewinnen wertvolle Daten. Nehmen Sie doch nur mal an, Sie machen aus Libreka den Infrastrukturanbieter, der den Logistik-Part übernimmt, dann könnte der die gesammelten Nutzungsdaten ja sowohl dem Verlag als auch dem Buchhändler zur Verfügung stellen.

    Die Position „Geht nicht“ bedeutet „Amazon macht’s“. Die Position „Das ist alles zu teuer“ bedeutet „Amazon macht’s“. Die Position „Wenn Verlage direkt verkaufen, dann sind wir sauer“ bedeutet „Amazon macht’s“. Und das ist auf Dauer die teuerste Lösung für alle anderen Marktteilnehmer.

    In ein weiteres Thesenpapier zum Buchhandel sollte man unbedingt folgende Punkte aufnehmen:
    1. Deutschland ist eine Buchkultur. Das soll so bleiben.
    2. Im Laufe von Jahrhunderten hat sich ein differenzierter Markt entwickelt mit Lesern, Buchhändlern, Grossisten und Verlagen. Das soll so bleiben.
    3. Die Zukunft des Lesens ist digital. Das wird begrüßt.

    Und dann sollte man fröhlich anfangen, die Welt zu verändern. Bei einem solchen Börsenverein, der seine Relevanz behauptet, würde man Lust haben einzutreten.

  • Verlagsmitarbeiterin

    Verlagsmitarbeiterin

    @ 36
    Hallo, Herr Ulmer,
    Sie schreiben: "...Damit generiert der Verlag Direktkunden, was dem Handel weder hilft noch ihn freut."

    Es ist nicht die Aufgabe eines Verlages, dem Handel zu "helfen" oder ihm "Freude" zu machen. Sorry, aber es handelt sich um eine Geschäftsbeziehung.

    @ 40:
    Hallo, Herr Wrede,
    Sie schreiben: "... Im Laufe von Jahrhunderten hat sich ein differenzierter Markt entwickelt mit Lesern, Buchhändlern, Grossisten und Verlagen. Das soll so bleiben."

    Das wird mit 100prozentiger Sicherheit nicht so bleiben. Im Laufe der Jahrhunderte ändert sich halt alles. Es wird Leser geben und Verlage. Den Einzelhandel wird es mit Sicherheit nicht mehr geben.

  • Andrea Nunne, AkS-Sprecherkreis

    Andrea Nunne, AkS-Sprecherkreis

    Als Buchhändlerin, die viel mit Kunden in Kontakt steht und sich im regen Austausch mit anderen Buchhändlern befindet, die auch wiederum mit vielen Kunden im Gespräch sind, wage ich zu behaupten:
    Mindestens 90 % der Leser in Dtl. wollen mindestens zu 90 % lieber gedruckt als digital lesen!
    Dabei wird der Stellenwert von „sowohl als auch“ zunehmen (unterwegs digital, zuhause gedruckt).

    Deshalb brauchen wir (wir = die Buchbranche, aber vor allem unsere lesenden Kunden!) unbedingt Bücher mit E-Book inside!
    Liebe Verlage, macht gute Bücher mit E-Book inside. Dann darf der Preis auch entsprechend höher ausfallen und unsere Kunden werden es zu schätzen wissen.

    Wenn wir auch in Zukunft eine vielfältige, unabhängige Kulturlandschaft wollen, eine Gesellschaft, die das Miteinander und lebendige Städte mit geöffneten Läden schätzt – dann tut die Buchbranche gut daran, dafür zu sorgen, dass es auch in Zukunft attraktive, lebendige, gut geführte, individuelle Buchhandlungen gibt. Nicht um uns Buchhändlern einen Gefallen zu tun, sondern für all die unabhängigen Leser, die es hier und morgen geben wird. „E-Book inside“ wäre aus Sicht unserer Kunden ein richtiger Schritt.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Lieber Herr Wrede,

    Sie schreiben:
    Die Position „Geht nicht“ bedeutet „Amazon macht’s“. Die Position „Das ist alles zu teuer“ bedeutet „Amazon macht’s“. Die Position „Wenn Verlage direkt verkaufen, dann sind wir sauer“ bedeutet „Amazon macht’s“. Und das ist auf Dauer die teuerste Lösung für alle anderen Marktteilnehmer.

    Solange Amazon ein Bundle nicht ohne Zustimmung des Verlags anbieten kann, gilt die von Ihnen beschworene Ausweglosigkeit eben nicht. Ich frage mich oft, warum Verleger in ihrem Wortschatz gegenüber Amazon und Google das Wort Nein verloren haben. Eben weil ich eine Exklusivlösung durch Amazon für fatal halte, wird es die bei uns nicht geben.

    Weiter schreiben Sie, ein Leitbild des Verbandes, das folgendermaßen beginnen würde, fänden Sie zukunftsweisend:
    1. Deutschland ist eine Buchkultur. Das soll so bleiben.
    2. Im Laufe von Jahrhunderten hat sich ein differenzierter Markt entwickelt mit Lesern, Buchhändlern, Grossisten und Verlagen. Das soll so bleiben.
    3. Die Zukunft des Lesens ist digital. Das wird begrüßt.

    Ich gebe Ihnen dabei weitgehend recht. Und der Verband ist gerade dabei, eine Veränderung des Leitbilds anzugehen. Da steht die Buchkultur im Zentrum. Erst danach wird ausdifferenziert in gedrucktes Buch und E-Book als zwei von mehreren Buchformen. Bei Punkt drei hätte ich allerdings Widerspruch. Denn man muss da deutlich differenzierter herangehen. Ja, ohne Digital gibt es keine Zukunft. Aber Print wird seine Bedeutung beim Lesen behalten und Digital wird seine Bedeutung bekommen. Entscheidend ist, welche Ausprägung des Buches bei der Vermittlung der Inhalte dem Leser besser dient. Und damit sind wir nicht mehr im ideologischen Grabenkampf digital gegen print, sondern bei der Ausweitung der Buchkultur auf den digitalen Raum, bei der Ausweitung der Anforderungen einer Lesetypographie, einer Didaktik, einer Usability etc. von Print auf Digital. Nur ein Nebeneinander von zwei Produktkulturen mit starker Ausdifferenzierung der Produkteigenschaften ist den komplexen Anforderungen der Buchkultur angemessen. (Auch das ist für mich ein Argument dagegen, dass langfristig Bundles eine Lösung sind.) Ich hoffe, dass wir über das Leitbildthema zum Jahresende konkret werden können.

    Und eine Anmerkung zu #41: was die Aufgabe eines Verlages ist, muss jeder selbst definieren. Die größeren Verlage haben sich mehrheitlich für eine Fachhandelsstrategie entschieden. Der Buchhandel ist für sie der wichtigste Absatzweg und deshalb befasst man sich mit der Frage, was man tun kann, damit das so bleibt. Das kann man mit "helfen" oder "Freude machen" umschreiben. Sie können das für Ihr Haus natürlich auch anders formulieren.

  • Klaus Wrede

    Klaus Wrede

    Lieber Herr Ulmer,

    ich stimme Ihnen zu (Post 43.).

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    @ 5. Holger Ehling: "Es mögen aber doch bitte einmal Buchhändler en masse zur Zukunftskonferenz (oder anderen Veranstaltungen) kommen - wir alle möchten gerne MIT ihnen diskutieren; mangels Masse bleibt uns aber meist nicht mehr übrig als ÜBER sie zu reden."

    Das ist wie mit Berlin: Sollen Sie doch kommen, die Buchhändlerlein, und von ihrer Stimme Gebrauch machen, da hätten sie die Beitragserhöhung doch locker niederstimmen können ;-)

    Lieber HE: das ist total unrealistisch, denn das können genau diejenigen, mit denen Sie reden möchten, einfach nicht leisten, weder zeitlich noch finanziell. Das ist im Verband offenbar inmmer noch nicht angekommen, wie es denjenigen geht, die das Preisbindungsgesetz nach dem Urteil der Gerichte ganz besonders im Auge hat: den stationären Sortimentern *in der Fläche* (Anm.: wir haben gerade heute das endgültige Urteil zur redcoon-FAZ-Gutschein Anzeige bekommen und das Gericht verweist *ausdrücklich* auf die Fläche *ausserhalb* der urbanen Zentren).

    D.h.: alle die hier den Abgesang aufs kleine stationäre Sortiment singen, sollen sich bitte ganz warm anziehen: wenn das fällt, fällt auch die Preisbindung, weil dann deren Begründungszusammenhang *ent*fällt. Was das in letzter Konsequenz bedeutet, kann sich jeder in England und den USA live anschauen. FF: Fiel Fergnügen ;-)

    Ähm ja und noch was: es gibt Menschen, die gebündelt die Sorgen und Nöte genau dieser Sortimenter kennen, verstehen und in Seckbach artikulieren könnten - die jeweiligen Verbünde, in denen sich solche Sortimenter organisieren (AUB, LG Buch, EKS, eBuch etc.). Aber die Verbünde gelten nichts im Verband - und wer in Berlin war, durfte das 'live' miterleben.

    Da ist die Lust auf sowas wie Seckbach geschmolzen wie Eis in der derzeitigen Sommerhitze: ganz schnell.

  • Klaus Wrede

    Klaus Wrede

    Lieber Herr Ulmer,

    sorry, ich hatte Ihren Post 43. etwas zu schnell gelesen und ein „dagegen“ übersehen. Deshalb hier schnell aufs Neue. Die Auffassung, dass Print- und Digitalversion eines Titels getrennt gehalten werden sollen, scheint mir an den Lesern vorbei gedacht. Unsere Bundles jedenfalls werden sehr rege genutzt! Ich weiß natürlich nicht, wie viele Bücher Sie so im Jahr lesen, bei mir sind das ziemlich viele (nicht berufsbedingt, sonder aus Interesse an einem bestimmten Wissensgebiet). Ich würde immer das Buch vorziehen, zu dem ich auch das E-Book bekomme, aber ich will auch unbedingt die Printversion.

    Es scheint mir auch ein Irrtum zu sein, wenn Sie annehmen, dass es irgendeinen Unterschied machen wird, dass Sie Amazon keine Exklusivlösung für Bundles anbieten wollen. Sie reden nicht davon, dass das E-Book nicht im Preis enthalten ist. Genau das wird Amazon aber vermutlich verlangen, wenn man sich deren Strategie im Musikmarkt anschaut. Machen Sie das dann tatsächlich nicht, wenn Ihre großen Wettbewerber mitmachen? Wenn Sie es doch machen, dann ist Ihre Position etwa so: Sie erlauben Amazon die Bundles und sagen den Sortimentern „Liebe Kollegen, ich würde niemals Amazon exklusiv Bundles erlauben! Ihr seit frei, die auch anzubieten.“. Schön und gut, aber die meisten Sortimenter haben dafür gar nicht die Infrastruktur, was im Ergebnis heißt: Amazon macht es. Wenn ich bei Amazon Buch plus E-Book-Inside bekomme, beim Buchhändler aber nur das Buch, dann muss ich nicht mehr überlegen, wo ich kaufe. Es würde mich mal interessieren, wie Buchhändler das sehen!

  • Jörg H.

    Jörg H.

    Lieber Herr Wrede,

    ich denke, die Sicht der Sortimenter, die sich mit dem Thema überhaupt beschäftigen, finden sie in den Beiträgen von Frau Nunne und Herrn Kohl ganz gut wieder. Ich persönlich sehe in 'eBook-inside' einen notwendigen Service der Verlage, wenn sie ihrem 'bevorzugten Partner' Sortimentsbuchhandel ermöglichen wollen, gegen Anbieter wie Amazon, Apple und Co. zu bestehen.

    Bei Hörbüchern treibt mich das Thema schon länger um. Ich meine, wer hat z.B. Lust, sich den neuen Grisham erstmal CD für CD für seinen MP3-Player zu rippen - reine MP3-CDs werden aber als 'minderwertig' wahrgenommen. Wenn wir da nicht vollständig gegen Audible und ihre 9,99€-für-alles-Politik untergehen wollen, brauchen wir das Bundle als wahrnehmbaren Mehrwert. Bei gedruckten Büchern gilt das, trotz Buchpreisbindung, in der Konkurrenz zu reinen eBooks ebenfalls.

    Und Herr Ulmer (36): Ich denke, mit einem Download-Code für das eBook-Addon hätte keiner ein Problem, weil die Kunden sich ja primär für das gedruckte Exemplar entschieden haben. Aber ein Aufpreis für das Bundle - no way. So teuer kann es nicht sein, wenn die Dateien sowieso erstellt werden und der eigene Webshop oder Libreka den Download erlauben. Aber da wir davon ausgehen dürfen, dass eBooks im Verhältnis eher billiger werden sehe ich für die Zukunft 2 Preise: Print+Download sowie eBook-only (mit Abschlägen um die 40%). Die 20 Prozent, die die Verlage momentan in der Regel abschlagen, dürften sich auf Dauer nicht halten lassen.

    Sehen Sie es einfach als strategische Investition in einen Vertriebsweg, der die Unabhängigkeit der Verlage von Handelskonzernen und Netz-Giganten stärkt.

    Beste Grüße,
    JH

  • Galbadon

    Galbadon

    Das Bundle Modell ist sicher in manchen Bereichen sinnvoll und machbar. Allerdings habe ich festgestellt, dass Herr Wrede mitnichten e-Books anbietet, sondern die PDFs der gedruckten Bücher - die, soweit ich gesehen habe, nicht einmal an mobile Lesegeräte angepasst sind. Das ist natürlich rentabel - und mag in einer engen Produktnische auch akzeptabel sein - ist aber weit vom e-Book enfernt und damit kaum verallgemeinerbar.
    In den Bereichen, in denen mit und im Text intensiv gearbeitet wird, ist eine PDF/Print Kombination durchaus etwas, was vom Kunden geschätzt wird, wenn Mobilität keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt. Vom e-Book erwarte ich jedoch etwas anderes als ein schlichtes Print-Layout PDF.

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