Amazon bilanziert zweites Quartal

Expansion in die Verlustzone

Für sein zweites Geschäftsquartal 2013 (bis 30. Juni) meldet der Onlinehändler Amazon einen Verlust von 7 Millionen US-Dollar, obwohl der Umsatz um 22 Prozent auf 15,7 Milliarden US-Dollar (circa 11,8 Milliarden Euro) zum Vergleichszeitraum stieg.

Den Verlust begründen Analysten vor allem mit der kostspieligen Expansionspolitik des Online-Händlers: so investiere Amazon verstärkt in seine Kindle-Produktreihe und weitere Logistikzentren, begleitet von Kampfpreisen im Sortiment. Damit kann Amazon trotz Milliardenumsatz im zweiten Quartal 2013 keinen Gewinn verbuchen.

Kennzahlen für das zweite Geschäftsquartal (bis 30. Juni):

  • Umsatz: 15,7 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 12,8 Milliarden US-Dollar)
  • Operative Ausgaben: 15,6 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 12,7 Milliarden US-Dollar)
  • Verlust: 7 Millionen US-Dollar (im Vorjahr ein Gewinn von 7 Millionen US-Dollar)

Der Umsatz in Nord-Amerika stieg dabei um 29,6 Prozent auf 9,5 Milliarden US-Dollar, im internationalen Segement geringer um 13 Prozent auf 6,2 Milliarden US-Dollar. 

In Deutschland, dem größten Markt für Amazon im internationalen Segement, steht der Online-Händler seit einer HR-Dokumentation über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern in Amazon-Logistikzentren in der Kritik, die Folge waren etwa Imageverlust und Kaufzurückhaltung der Kunden. Die Mitarbeiter in den Logistikzentren in Bad Hersfeld und Leipzig streikten in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach, um höhere Löhne durchzusetzen. Ein weiteres Imageproblem brockt sich Amazon mit seinen Steuertricks ein: Der Großteil seines Umsatzes mit Kunden aus Deutschland wickelt der Konzern über Luxemburger Gesellschaften ab − zahlt so hierzulande kaum Steuern.

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9 Kommentar/e

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  • Michael Dreusicke

    Michael Dreusicke

    Ist nicht die viel spannendere Nachricht, dass Amazon 22 % mehr Umsatz macht? Anders ausgedrückt: Knapp 3 Milliarden, also 3.000 Millionen. Da sind die 7 Mio. Gewinn oder Verlust (also gut 2 Promille vom Umsatzzuwachs) auf einen Stichtag doch kaum zu steuern und interessieren exakt niemanden?

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Ich meine, die Aktionäre würden schon gerne einen Gewinn sehen. Immerhin wurde enorm investiert und das Kapital wartet schon gut 15 Jahre auf Verzinsung. Wenn auch nach 22% Steigerung des Umsatzes noch keine Marge da ist, wie viel Wachstum muss noch erzielt werden, bevor es so weit ist? Wenigstens 3% Umsatzrendite müsste doch normal sein. Bei 60 Mrd Jahresumsatz wären das 1,8 Mrd. Und das Null-Ergebnis wurde auch nur mit den viel diskutierten Steuervermeidungsmaßnahmen, geringen Gehältern und problematischen Lieferantenkonditionen erzielt. Das geschlossene Kindle-System verschlingt enorme Investitionskosten in Hardware, die in Zukunft auch nicht margenstärker wird. Wenn aus einer Umsatzblase ein stabiles Geschäftsmodell werden soll, dann muss doch auf der Kostenseite eine Vision erkennbar sein. Sind das Preissteigerungen, ist das ein Abbau in der logistischen Leistung, sollen das Personaleinsparungen sein oder gedachte Luft bei den Einkaufskonditionen? Mir fehlt die Phantasie. Vielleicht hilft mir jemand weiter?

  • René Kohl

    René Kohl

    Ich glaube, die Strategie liegt immer noch im Zugewinn von Kundenkontakten und in der Verbesserung der Qualität der Kontakte.
    Goodreads hat nun über 20 Mio Mitglieder - 10 Mio Wachstum innerhalb kurzer Zeit.
    Den Kindle gibt es nun auch in China, den Marketplace in Indien.
    Die Kontakte werden immer inniger - es wird für Kunden immer unbequemer, sich Amazon und Kindle wieder abzugewöhnen.

    Ich schätze, Amazon könnte jederzeit eine Rendite von 3% einfahren und verteilen, aber dies ginge nur zu Lasten der Expansion und Innovation.

    Solange der Aktienkurs steigt, gibt es keinen Grund zur Kurskorrektur, bis noch ein paar Borders und Barnes and Nobles in die Knie gehen. DIe Rendite wird dann um so höher sein.

    Ein interessanter Aspekt ist, daß das internationale (nichtamerikanische) Wachstum im 2. Quartal deutlich weniger stark anstieg, als zu erwarten gewesen wäre. Ich glaube, man kann daraus ablesen, daß die schlechte Stimmung in Deutschland und Europa doch etwas auf das Geschäft schläge - sie könnte das Wachstum um 3-5% gebramst haben.

    Aber das wird sich wieder einpendeln, wenn der Wettbewerb nicht mehr als schlechte Stimmun zu bieten hat.

    Aber tatsächlich muß jeder Fortschritt von Amazon hart erarbeitet und teuer bezahlt werden. Daß alles nur über Technik und Funktion, aber wenig über das Herz und die Nähe geht, macht die Sache vielleicht noch teurer.

    Interessant bleibt also, in wieweit die Tolinos hier nachlegen werden und ob sie das Sortiment mitnehmen. Eins wird mit jeder neuen guten Idee von Amazon klarer (wie jetzt den kostenlos geripten und die in die Cloud gelegten Songs der CDs, die man je bei Amazon gekauft hat):

    Es geht schon lange nicht mehr darum, einzelne Bücher oder auch eBooks zu verkaufen. Das Produkt heißt Kindle, nicht Ebook "A" oder Ebook "B".

    Wenn die Tolinos nachhaltig erfolgreich sein wollen, muß die Alternative ein genauso klares und rundes und erkennbar alternatives Produkt sein.

    Von überall ein Ebook auf sein Gerät laden, mit dem nächsten Gerät weiterlesen, sich beim Lesen noch Musik auf seinem Tablet abspielen usw. - das kann man jetzt schon auf äußerst günstige Weise.

    Die Debatten des Frühjahrs über die Arbeitsbedingungen, Steuern und jetzt NSA erhöhen die Kosten für den Aufwand, den Amazon betreiben muß. Aber so richtig interessant wird es erst, wenn sich wirkliche Alternativen auftun - ansonsten verzögert sich höchstens der Tag, an dem Amazon die Ernte einfährt.

  • Heinzi

    Heinzi

    @Matthias Ulmer:
    Die Aktionäre sehen einen Gewinn, auch wenn sie ihn vielleicht nicht realisieren: die Amazon-Aktie ist in den letzten drei Jahren um gut 170 % gestiegen, allein in den letzten 12 Monaten um 23 %.
    Aus Aktionärssicht ist das "Gewinne im Unternehmen" belassen. Betriebswirtschaftlich gesehen mag es sich da um reine Phantasie handeln, aber der Aktionär ist erst mal zufrieden.

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Lesen Sie den Artikel in der FAZ ca. Mitte Februar erschienen, Amazon will mit der Ausschüttung der Gewinne
    warten, bis sie die Marktmacht haben und die Preise bestimmen können. Schon jetzt, so der Tenor, habe man
    genügend Waren, um zum Beispiel das gesamte Ruhrgebiet
    zu beliefern. Der nächste Schritt sind LKW, die mit dem
    Internet verbunden sind und das Kloopapier dem Kunden
    in zwei Stunden vor die Tür stellen. Und die angesagte
    Strategie ist, den Einzelhandel zu zerstören.
    Wie war das noch mal mit dem Verlag aus Russland,
    der in Berlin keine positive Bilanz vorweisen konnte?
    Aber Amazon hat ja kein Asyl beantragt.
    Andere Läden würden vom Finanzamt zugemacht, wenn
    sie nach 5 Jahren keinen Gewinn abwerfen, weil man
    dann unterstellt, sie würden sich nur die Umsatzsteuer
    krallen wollen.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    @Heinzi
    Das nennt man dann eine Blase, wenn die Aktienkäufer nur kaufen, weil sie auf einen höheren Wiederverkaufswert spekulieren. Irgendwann muss mal einer entweder für den hohen Aktienkurs eine Monsterdividende bekommen, oder er wird erleben, dass sein Aktienpaket plötzlich nichts mehr Wert ist, weil es niemand kaufen mag.
    Letztlich läuft es immer auf die Frage hinaus: womit soll mal Gewinn gemacht werden. Und es ist auch nicht überzeugend, ans Ende der Investitionsphase die Weltherrschaft zu stellen und damit zu begründen, dass dann Monsterrenditen kommen. Bislang ist jede Weltherrschaft ziemlich schnell an nicht tragbaren Kosten der Weltherrschaftsverteidigung zusammengebrochen.

  • Dr. Wolfgang Philipp Müller

    Dr. Wolfgang Philipp Müller

    Ein Null-Ergebnis einer internationalen Gruppe wird nicht durch Steuervermeidungsmaßnahmen erreicht, wie Alles wisser Ulmer der Welt erklärt. Steuervermeidung a la Amazon heisst Gewinne aus Hochsteuerländern in Niedrig- oder Nullsteuerländer zu verschieben, z. B. über (hoffentlich angemessene) interne Verrechnungspreise. Dass Ulmer die Phantasie fehlt und er Hilfe braucht, wie er schreibt, überrascht mich nicht. Offenbar fehlt ihm aber auch jegliche Fachkenntnis in der Sache, was mich allerdings auch nicht wirklich überrascht.

  • Heinzi

    Heinzi

    puh, da bin ich ja in eine Diskussion der Alpha-Tiere geraten.
    Herr Müller ist Doktor, das ist sicherlich mehr als ein einfacher Heinzi und Herr Müller kennt sich auch sicherlich gut mit zwielichtigen und leicht asozialen internationalen Firmenverquickungen aus. Sollte ich mich deshalb einfach auf die Seite von Herrn Ulmer schlagen? Nein, so einfach ist es nicht, denn ich möchte Herrn Ulmer doch widersprechen.
    Heute Anteile an einer erhofften Weltherrschaft zu kaufen, kann sich als Blase erweisen, muss es aber nicht. Aus Aktionärssicht kommt es darauf an, im richtigen Moment die Anteile zu verkaufen. Und da ist es bei einer internationalen Aktiengesellschaft anders als bei einer schwäbischen Familien Gmbh, wo man auf generationenlange Kontinuität setzt.
    Der Aktionär im Allgemeinen setzt deutlich mehr auf Kurzfristigkeit und ist mit (eventuell auch realisierte) Kursanstiegen auch zu beglücken.

  • Georg M.

    Georg M.

    Der Aktienkurs ist m. E. schon so etwas wie eine Gewinnerwartung. Also ist die Erwartung an die Gewinne gewaltig, es muss dann auch bald etwas ausgeschüttet werden.
    Hohe Aktienkurse sagen aber nicht unbedingt etwas darüber aus, wie gesund ein Unternehmen ist (-> Neuer Markt!).

    @ Matthias Ulmer
    Ich teile Ihre Ansichten nicht so oft, respektiere aber immer Ihre Meinung. Bitte trotz ständiger Beleidigungen nicht entmutigen lassen.

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