Kommentar zur Weltbild-Krise

Die Firma ist "systemrelevant"

Über die Verlagsgruppe Weltbild kursieren Gerüchte einer drohenden Insolvenz − ein Dementi aus Augsburg folgte prompt. Dennoch sind die Probleme der Verlagsgruppe offensichtlich. "In solcher Lage wären Eigentümer hilfreich, die an ihr Unternehmen glauben", meint Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir.

Torsten Casimir, Börsenblatt-Chefredakteur

Torsten Casimir, Börsenblatt-Chefredakteur

Weltbild steckt in Schwierigkeiten. Der Umbau des Unternehmens zu einem Medienhaus, das im Kern ein Internethändler sein will, kos­tet viel Geld (IT ist teuer, auch viele Verlage erfahren das gerade) und bringt zunächst nicht die Erträge, mit denen sich die Erneuerung stemmen ließe. Hinzu kommt ein Altgeschäft (Filialen und Katalog), das sich, vornehm gesagt, rückläufig entwickelt und nichts beiträgt zur Deckung der enormen Anlaufkosten. In solcher Lage wären Eigentümer hilfreich, die an den strategischen Sinn des Umbaus und überhaupt an ihr Unternehmen glauben und daher die derzeitigen Verluste akzeptieren. Woran ein Teil der katholischen Bischöfe glaubt, denen Weltbild gehört, ist aber unklar. Hinzu kommt, dass der Spielraum in den Bistümern selbst sehr eng geworden ist − die Zusammenlegung von Pfarrbezirken und viele andere Sparsamkeiten zeugen von klammen Kassen.

In dieser Situation ist das Statement der Weltbild-Führung, es bestehe "kein Grund zur Aufregung", verständlich, aber unzutreffend. Es besteht Grund zu heller Aufregung. Und das nicht nur bei den 6.800 Mitarbeitern des Konzerns, deren Zukunft nun wohl von dem Verantwortungsbewusstsein der kirchlichen Gesellschafter abhängt. Auch für den herstellenden Buchhandel wäre der Zusammenbruch von Weltbild eine Katastrophe. Viele Verlagsmanager machen sich bereits ernste Sorgen darum, dass die Buchhandelsfläche unter eine notwendige Mindestgröße fällt. Denn bei aller Freude über ein einträgliches Online- und wachsendes Digitalgeschäft ist doch klar, dass Bücher ohne öffentliche physische Präsenz es künftig schwer haben würden, noch ein begehrtes Gut zu bleiben. Wäre Weltbild eine Bank, wäre die Firma zweifellos "systemrelevant" und gehörte gerettet. Aber die Augsburger, obschon katholisch, können leider nicht auf höhere Weihen abstellen. Sie müssen sich selber retten. Ob ihnen ihre seltsamen Eigentümer helfen?

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27 Kommentar/e

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  • Ex-Buchhändler

    Ex-Buchhändler

    Bei allem Respekt vor den Mitarbeitern und ihren Arbeitsplätzen, die nun stark gefährdet sind. Aber die Welt dreht sich auch ohne Weltbild weiter.....
    Solche Entwicklungen zeigen jedoch, das die Buchbranche endgültig vor einem Wandel steht, der nicht zugunsten des Sortiments ausgehen wird. Man kann nur jedem Buchhändler (im Sortiment) raten, die Branche zu wechseln.

  • Buchhändler

    Buchhändler

    Ja da lernt man Buchhändler und jetzt stirbt dieser Beruf so Stück für Stück aus. Lange denke ich schon darüber nach zu wechseln, aber welche Branche soll ich nehmen? Ich habe diesen Beruf gelernt und Super gerne darin gearbeitet, viele Kunden glücklich gemacht. Nun bin über 50 , wohin soll ich denn noch wechseln. Vielleicht habe ich ja Glück und ich bekomme hier ein paar Tipps?

  • Peter B.

    Peter B.

    "Weltbild" hat anscheinend Eigentümer, die leider keine klaren Absichten (vor allem für die Mitarbeiter) offenlegen. Wohin das Unternehmen gehen soll - nur noch onlien? - sagt wohl keiner genau. Von realen Kennzahlen ganz zu schweigen.
    Allgemein ist die Verlagsbranche (Buch/Zeitung) einem massivem Wandel Richtung Online/digital unterworfen.
    Das Leben geht weiter - Die Jobs womöglich leider nicht!

  • Amazonkunde

    Amazonkunde

    Wer braucht schon Weltbild wenn Amazon immer bis morgen Mittag liefert?

  • Buchhändler

    Buchhändler

    An@amazonkunde- zur Info -auch in stationären Buchhandlungen können Sie bestellen und ihr Buch ist nächsten Mittag da.

  • Überdenrandgucker

    Überdenrandgucker

    @amazonkundeUnter anderem all die, denen Bezahlung der Mitarbeiter nach Tarif und noch so ein paar Kleinigkeiten im Umgang mit Mitarbeitern am Herzen liegen. Freuen wir uns doch alle schon auf den Moment, da wir beim Einkauf überwiegend vom amerikanischen Amazon abhängig sind. Aber immerhin, meine Weihnachtsgeschenke bestelle ich dort nachher, dann habe ich sie morgen und habe nich 3 Monate Zeit zum Packen, über solche Vorteile vergesse ich doch alles andere -:)

  • Überdenrandgucker

    Überdenrandgucker

    @amazonkundeUnter anderem all die, denen Bezahlung der Mitarbeiter nach Tarif und noch so ein paar Kleinigkeiten im Umgang mit Mitarbeitern am Herzen liegen. Freuen wir uns doch alle schon auf den Moment, da wir beim Einkauf überwiegend vom amerikanischen Amazon abhängig sind. Aber immerhin, meine Weihnachtsgeschenke bestelle ich dort nachher, dann habe ich sie morgen und habe noch 3 Monate Zeit zum Packen, über solche Vorteile vergesse ich doch alles andere -:)

  • Face65

    Face65

    @amazonkunde: immer bis morgen mittag? Mein Buchhändler hat's gleich und ich kann reingucken. Oder bis morgen früh um neun. Und ich kann gleich noch zum Bäcker und zum Gemüsemann und muss nicht auf den Paketboten warten. An der frischen Luft war ich auch noch.

    @Torsten Casimir: Die modische Behauptung der Systemrelevanz ist schon bei den Banken ein Totschlagargument gewesen. Das macht es aber nicht wahrer. Nur mal angenommen, Weltbild ginge den Bach runter, dann wäre das natürlich für die Konzernverlage, die ja vor allem die Flächen der Filialisten bespielen, äußerst schmerzlich. Die Hugendubel-Kunden würden sich aber schon zu helfen wissen und den nächsten Thalia-, Mayersche- oder Osiander-Shop schon finden. Die Weltbild-Kunden werden dagegen zu Nanu nana, Butlers oder Cri cri finden, um dort ihren Tand zu kaufen. Und auch die Jokers-Kunden werden bei Amazon, Rhenania, Zweitausendeins oder Frölich & Kaufmann eine neue Heimat finden. Bleiben noch die Verlage. Die werden dann halt mal wieder den Besitzer wechseln. Was bleibt da also noch an Systemrelevanz?

  • Klaus-Waldemar

    Klaus-Waldemar

    @ Face65

    "...Torsten Casimir: Die modische Behauptung der Systemrelevanz...."

    Ist eben der typische Mainstream-Neusprech, wie man ihn aktuell in jedem "wichtigen" Managerheftchen zu lesen bekommt. Am besten lesen und vergessen....

  • Peter Langsam

    Peter Langsam

    Es ist ein Zeichen einer kranken Gesellschaft die mit Vollgas in den Untergang fährt wenn man immer alles sofort und gleich haben will. Diese Dauerbeschleunigung in allen Bereichen führt wie bei einem Motor zu sehr schnellem Verschleiß und damit zum Motorschaden. Nur Verrückte wollen bis morgen Mittag etwas haben. Wer rechtzeitig bestellt der kann auch länger auf ein Produkt warten. Der Irrsinn dieser Zeit ist bei amazon gebündelt. Die Mitarbeiter dort sind die ärmsten Schweine. Ein anständiger Mensch bestellt nicht bei amazon.

  • Torsten Casimir

    Torsten Casimir

    @ Face65: Meines Erachtens hätte ein Verschwinden Weltbilds (das nun wahrlich nicht unmittelbar bevorsteht!) für den Buchhandel dramatische Folgen. Die Ausweichreviere für Kunden, die Sie anbieten, waren auch schon mal größer. Thalia baut Fläche in erheblichem Umfang zurück und verändert zudem die Sortimentsmischung zu Lasten des Buchs. Die Mayersche verkleinert. Nur Osiander, zurzeit ein vielbestaunter Sonderfall, legt noch zu. Die These meines Kommentars heißt: Der fortschreitende Verlust von Showroom fürs Buch (um ein weiteres Mal "Klaus-Waldemar" mit typischem Mainstream-Neusprech zu beglücken) wird sich durch Online-Marketing nicht kompensieren lassen. Dem Buch droht irgendwann eine Aufmerksamkeitskrise. Deshalb haben die Probleme bei Weltbild eine so starke Bedeutung für den gesamten, den herstellenden wie den verbreitenden Buchhandel. Deshalb ist Weltbild, mit dem nur geliehenen Managerheftchenwort abermals gesagt, "systemrelevant". Wer's noch länger mag: ökosystemrelevant.

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    @5 bis 8: Füttert doch nicht den Troll! Der stänkert in jedem Beitrag rum und immer wieder springen Leute darauf an. Ignorieren.

  • Erwin U. aus L.

    Erwin U. aus L.

    @ Torsten Casimir

    Das Weltbild "Ökosystemrelevant" ist, trifft es auf den Punkt!
    Der Buchhandel selbst war nämlich letztmalig zuletzt vor 500 Jahren im Allgemeinen "Systemrelevant" ;-)

  • Gereon Vogler

    Gereon Vogler

    @Torsten Casimir:
    Seltsam, seltsam: Weltbild-Chef Halff hält einen Großteil des stationären Buchhandels für obsolet, aber Torsten Casimir schwört darauf, daß eben gerade ohne Weltbild der Handel in der Fläche fehlt. Die Logik verstehe, wer will. Gerne wüßte man auch, weshalb die Eigentümer von Weltbild "seltsam" sein sollen: Die katholische Kirche hat nunmal keinen Wirtschaftszweck. Wenn Pfarrer und Bischöfe Tag für Tag den Leuten predigen, man möge doch was Erstzunehmendes, Nachhaltiges und die Menschheit Weiterführendes lesen, während Weltbild Esoterik, umweltbelastenden Nippes und echt Hirnrissiges anpreist, dann ist ein daraus resultierender Konflikt nur für Herrn Casimir "seltsam", ansonsten ist er zwingend.
    Für mich als religiöser Buchhändler wäre ein Ende von Weltbild genauso "traurig" wie ein solches von amazon: Auch hier sehe ich bei Torsten Casimir keine Logik: Wenn er den klassischen Buchhandel stärken will, dann sollte er mit uns über die Schwächung der Giganten jubeln. Weltbild steht für das Ende kleinerer Buchhandlungen, für preisbrechende Sonderausgaben am Handel vorbei und fürs vorzeitige Verramschen. Die Verlage hätten einen Konkurrenten weniger und weiterhin die Idealisten vor Ort zur Ansprache. Freilich wäre es für die Mitarbeiter der Firma arg, aber das ist es für uns in der Fläche ja schon lange auch, Weltbild zu ertragen. Seien Sie vergewissert: Auch Theologen können sehr rational denken und klar sehen.

  • Buchhändler

    Buchhändler

    @verkaufnix- sie haben sich wohl im @5geirrt? Ich stänkere hier gar nicht, da gibt es wohl schlimmere Patienten.

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    @Buchhändler: Nein, da haben Sie mich völlig falsch verstanden. Ich meinte die Antworten Nr. 5 (also Ihre) bis 8, die auf den Beitrag Nr. 4 geantwortet haben. Der "Amazonkunde" ist ein Troll und taucht bei jedem Artikel auf.

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    Ich gebe Herrn Casimir Recht. Der komplette Weltbild-Konzern hat einen relevanten Anteil am Buchverkauf. Er deckt einen bestimmten Teil, einige Facetten des Buchhandels ab. Bisher sehr erfolgreich, die Zahl der Mitarbeiter, die verschiedenen Sparten des Unternehmens und die Beteiligungen sprechen eine deutliche Sprache. Man muß die Geschäfte und Strategien nicht mögen - sollten sie wegfallen, wird den Verlagen ein wichtiger Geschäftspartner fehlen. Das, lieber Gereon Vogler, werden Sie und die vielen anderen Idealisten vor Ort ganz sicher nicht leisten können und wollen. Der Begriff "seltsame Eigentümer" trifft doch völlig zu. Eine auch nur ähnliche Konstellation gibt es nirgendwo, schon gar nicht im Verlags- und Buchhandelswesen. Das ist auch nicht abwertend gemeint (so schätze ich es mal), sondern einfach auf diese sehr spezielle Konstellation abgestellt. Das Unternehmen Weltbild ist seinen Eigentümern wohl schon länger über den Kopf gewachsen, es gab ja schon desöfteren Verkaufsabsichten. Nur: Wer soll diesen "Riesen" kaufen?

  • Buchhändler

    Buchhändler

    @verkaufnix--danke,ja den Troll kenn ich auch, unglaublich und sehr traurig. Einen sonnigen Tag an alle , die die Welt der stationären Buchhandlungen noch schätzen .

  • Dude

    Dude

    Die Frage ist doch, welches System gemeint ist. Es ist ein fehllaufendes System, das dem Untergang geweiht ist, weil das Produkt Mainstream"buch" nun mal von Amazon, Itunes dergl. besser verkauft werden kann. Weltbild bietet nur für eine bestimmte Art Buch Showroom: das Burger-Buch. Die Art Buch, bei dem das verwendete Papier verschwendet wurde. Die Art Buch, die von jedwedem anderen Marktteilnehmer genausogut oder besser verkauft werden kann. Es ist ein Marktteilnehmer ohne Markenkern, ohne Herz, ohne Prägung. Ich meine, je eher die und das daran hängende System verschwinden, umso besser für die wirkliche Buchbranche.

  • Ichwundermich

    Ichwundermich

    @Dude, die wirkliche Buchbranche sind dann die von Ihnen genannten Amazon, Apple ? Oh ha, ohne Kommentar.
    Außer vielleicht dann doch noch die Suche nach dem Herz, dem Markenkern, der Prägung. Ne,ne, da bekommt mein Geld dann doch lieber eine deutsches Unternehmen, wenn auch mit der Kröte, dass die Eigentümer zur kath. Kirche gehören. Bei manchen Kommentaren falle ich jedenfalls vom Glauben ab.

  • Exbuchhändlerin

    Exbuchhändlerin

    Weltbild ist doch schon lange ein ziellos umherirrender Riese. Ursprünglich wurden Bücher verkauft um christliche Werte zu vermitteln. Gut. Und jetzt? Ein billiger Ramschladen in jeder Hinsicht. Schnickschnack und ein kastriertes Sortiment werden auf viel zu großen und teuren Flächen von schlecht bezahlten Verkaufshilfen angeboten. Ein total ideenloses Sortimentsmanagement, das eher einem überforderten arroganten Krisenmanagement gleich kommt. Also bitte, wenn Weltbild von der Bildfläche verschwindet, reißt das keine große Lücke. Vielmehr ist es ein kleiner Lichtblick für die noch verbliebenen stationären Buchhändler. Die 'Systemrelevanz', Herr Casimir, kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Sicher, für die Mitarbeiter ist das Gerücht eine Hiobsbotschaft, egal ob ein Funken Wahrheit dahinter steckt oder nicht. Aber ist die Schmerzgrenze nicht schon längst erreicht? Anscheinend ist der Leidensdruck noch nicht groß genug. Macht es Sinn eine Unternehmenssparte durch massiven Lohnverzicht künstlich länger am Leben zu erhalten? Weltbild zahlt teilweise Löhne, die unter dem geforderten Mindestlohn liegen. Lohnverzicht der sich am Ende bei der Rente rächt. Ach ja, Weltbild hatte da ja noch so eine Idee: fehlende Fachkompetenz bei den Mitarbeitern durch ‚Sortimentstiefe‘ zu kompensieren, also Fachkompetenz zu simulieren. Was nirgendwo aufgefallen ist, weder den Kunden noch in der Kasse. Die Läden erwirtschaften schon länger ihre Deckungsbeiträge nicht mehr. Jeder Kaufmann der noch halbwegs bei Verstand ist, hätte schon längst die Reißleine gezogen. Und was macht Weltbild? Weltbild scheint über kurz oder lang möglichst geräuschlos auf seine stationäre Präsens verzichten zu wollen um nur noch als Versandbuchhändler und digital seine christlichen Werte verkaufen zu wollen. Warum nicht? Aber kommt die Idee nicht 10-15 Jahre zu spät? Da gibt es Händler die das besser können, viel besser können. Es gibt auch viele christliche Verlage und stationäre Buchhändler die das können was Weltbild kann, von den Ramschläden gar nicht zu sprechen. Ich weiß, dass ich den noch verbliebenen Buchhändlern bei Weltbild mit meinen Aussagen hier auf die Füße trete. Die, die sich mit viel Herzblut und Engagement Arme und Beine Ausreißen. Aber Hand aufs Herz! Werden Eure Ideen, Vorschläge, Einwände, Befürchtungen, Erfahrungen an der Kundenfront gehört, oder überhaupt wahrgenommen? Ich schätze, eher nicht. Weltbild hat keine Unternehmenskultur des Dialoges. Weltbild predigt von oben herab. Das langsame einschläfern der Läden wird still und verschwiegen ausgesessen. Da ist Weltbild ganz und gar katholische Kirche. Es wäre an der Zeit reinen Wein einzuschenken. Ich finde, dass ist man seinen Schäfchen schuldig.

  • Schupfnudelsalat

    Schupfnudelsalat

    @ Exbuchhändlerin

    "... die sich mit viel Herzblut und Engagement Arme und Beine Ausreißen...."

    Man sollte sich als abhängig Beschäftigter überlegen, ob es was bringt, sich Arme und Beine auszureissen, wenn der Arbeitgeber dies nicht entsprechend würdigt (und zwar in klingender Münze).

  • Jokers Ex-Kunde

    Jokers Ex-Kunde

    Ich kann der Exbuchhändlerin (Kommentar 21) nur zustimmen. Früher habe ich gerne und viel bei Jokers (innerhalb der Weltbild Filialen eine Marke für Restauflagen) eingekauft, die Mitarbeiter waren kompetent und sehr engagiert. Mittlerweile habe ich Jokers den Rücken gekehrt und kaufe meine Bücher in einer anderen Buchhandlung, die sich ebenfalls auf MA spezialisiert hat. Die Auswahl in den Jokers Läden wurde immer langweiliger, beliebiger und einheitlicher. Viele HC Titel zum Normalpreis, die ewig gleichen Bestseller Listen und Taschenbücher, die teilweise wohl aus dem Weltbild Fundus kommen. Dafür brauchte ich Jokers nicht mehr zu besuchen. Hinzu kam, dass die Mitarbeiter ständig wechselten und ich den Eindruck bekam, hier sind nur noch billige Minijobber am Arbeiten. Dem Verkaufspersonal mache ich keinen Vorwurf, doch ich bekam oft mit, dass die Aushilfen selbst bekannte Autoren nicht kannten, geschweige denn den Namen richtig in den Computer eingaben. Hatte man dann mal inhaltliche Fragen, so konnte die nur die einzig verbliebene Vollzeitkraft, die Filialleitung, beantworten. Ich habe mitbekommen, wie vor ein paar Jahren fast alle Mitarbeiter der Filiale entlassen wurden und dann ausgetauscht wurden. Habe daraus mein Fazit gezogen. Um manche Arbeitsplätze ist es nicht schade, wenn sie verschwinden. Besseres kommt nach. Je eher Weltbild pleite geht, umso besser. Einzig bitter ist, dass die Führungsriege sicherlich abgesichert ist und keine Probleme hat, wieder einen neuen Posten zu finden.
    Weltbild systemrelevant? Nein, in keinster Weise. Wer seine Läden nur noch öffnen kann, indem er die Leute schlecht bezahlt und gegen geltende Gesetze verstößt (z.B. habe ich mitbekommen, dass keine Pausen gemacht werden können, obwohl vorgeschrieben, da zu wenig Personal), gehört vom Markt entfernt.

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    @ 23. Jokers Ex-Kunde:

    Ich stimme ja zumindest mit Ihnen überein, dass die Arbeitsbedingungen für Weltbild-Angestellte, die oftmals völlig unverhältnismäßige Entlohnung und auch die vernachlässigte buchhändlerische Qualifizierung der Mitarbeiter in den Filialen ohne wenn und aber zu verurteilen ist.

    Allerdings ist es mir völlig unverständlich, wie Sie so eine Aussage tätigen können: "Um manche Arbeitsplätze ist es nicht schade, wenn sie verschwinden."

    Zum einen scheinen Ihnen die Außmaße nicht klar zu sein. Eine Insolvenz der Weltbild-Gruppe hätte Konsequenzen erheblichen Umfangs.
    Es geht nicht nur um ein paar Arbeitsplätze in den Filialen sondern um den Großteil der fast 7.000 Arbeitsplätze im gesamten Konzern. Zudem wären die Auswirkungen für die Mitstreiter in der DBH-Gruppe unabsehbar. Das durch eine Insolvenz bedingte Wegfallen bisheriger Synergieeffekte innerhalb der Gruppe hinsichtlich Faktoren wie Lagerlogistik, Katalogdaten oder WWS könnte leicht einen Dominoeffekt nach sich ziehen. Steigende Kostenstrukturen im stationären Geschäft wären sehr wahrscheinlich, und eine wachsende Unrentabilität zahlreicher Hugendubel-Standorte mit zwingenden Schlussfolgerungen könnte die Folge sein.

    Insofern ist eine Aussage wie die Ihre ein Zeugnis einer allzu eingeschränkten Sichtweise auf die Dinge. Unabhängig davon ist es jedem Arbeitnehmer sehr zu wünschen - auch denen, die unter gewissen, durch ihre Arbeitgeber geschaffenen Bedingungen zu leiden haben - dass sein Arbeitsplatz erhalten bleibt.

    Die diesbezügliche Lösung liegt schließlich in der Regulierung der Gesetzgebungen für Anstellungsverhältnisse: Einheitlicher Mindestlohn, Beschränkung von Zeitarbeit sowie verschärfte Kontrollen der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers und der Arbeitsschutzrichtlinien.

    Keine Lösung ist die von Ihnen propagierte Vernichtung von Arbeitsplätzen, die gerade in dieser Branche meist ersatzlos verloren sind. So würde man praktisch die Arbeitnehmer für die Verfehlungen der Arbeitgeber bestrafen.

  • überdenrandgucker

    überdenrandgucker

    @Jokers Ex-Kunde, was Sie bzgl. der Filialen schreiben kann ich leider aus dem Bekanntenkreis bestätigen. Trotzdem wäre a bisserl Differenzierung nicht schlecht, Weltbild ist nicht gleich Jokers-Filiale und auch nicht gleich Filiale, da gibts noch mehr (Mitarbeiter). Und denen mal eben so in einem Satz die Lebensgrundlage abzusprechen ist schon sehr zynisch, schließlich wird da nur verkauft und niemand umgebracht.
    Ich gehe mal davon aus, dass bei Ihrem moralischem Anspruch die einschlägigen Online-Händler ebenfalls nicht zu Ihren "Geschäftspartnern" gehören, auch abseits des Buches.

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    @24 Branchenkenner: Kann Ihnen nur zustimmen, wollte einen inhaltlich gleichen Kommentar schreiben, was ich mir jetzt spare.

    Nur noch mal so: Weltbild/Jokers ist ein besonderes "Glied" der Vermarktungskette für Bücher. Dieser ebenfalls wichtige Teil würde komplett fehlen, der Club hat ja bereits mehr oder weniger die Segel gestrichen. Die Arbeitsbedingungen mögen nicht korrekt sein (ich kenne sie persönlich nicht), aber das gibt es auch in anderen Branchen. Insofern ist hier in der Tat eine gesetzliche Regelung erstrebenswert. Mal eben 6.500 Arbeitsplätze direkt in der Gruppe und reichlich Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern zu streichen, erscheint mir auch nicht gerade sozialverträglich, oder?

  • Irrelevante

    Irrelevante

    Exbuchhändlerin beschreibt die Situation in Kommentar 21 wirklich treffend, die Weltbild-Filialen sind sicher ein Auslaufmodell und der Umgang mit Mitarbeitern entspricht wirklich nicht christlichen Werten, das gilt eigentlich für die gesamte DBH, auch bei Hugendubel versucht die Geschäftsleitung, den Verdienst der Mitarbeiter abzusenken, zumindest in den Filialen außerhalb des Tarifgebietes Bayern. Es ist wohl so, dass die gesamte DBH schwere Schlagseite hat, außer Zentralisierung, Reduktion des Sortiments auf Standardtitel, Tolino-Marketinggeschrei fällt den Verantwortlichen nichts ein; sie sind es, die damit die Kunden vertreiben, auch ins Internet. Und selbst beherrscht die DBH/Weltbild das Internetgeschäft auch nicht, gutes Multichannel sieht anders aus, legt Wert auf ein attraktives stationäres Angebot. Wo sind denn im DBH- bzw.Weltbild-Imperium innovative Ideen, traut sich da niemand aus der Reihe zu tanzen, ist das alles "alternativlos"? Sie reiten nur alte Ideen weiter zu Tode. Traurig, wenn Geschäftsmodelle, die eine Branche langsam in Verruf bringen, systemrelevant sind.

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