Pressegespräch mit Michael Busch

Thalia-Chef zieht Bilanz

Einen Parforceritt durch die Geschäftsentwicklung und Strategie des Filialisten unternahm Thalia-Chef Michael Busch heute mit ausgewählten Pressevertretern in Hagen. Vor allem aber zog er Bilanz, eine positive − nach 18 Monaten Restrukturierungsprogramm. VON CHRISTINA SCHULTE

Eineinhalb Jahre ist es her, dass in Hagen die Neuausrichtung des größten deutschen Buchhandelsunternehmens angegangen wurde: Filialschließungen, Flächenverkleinerungen, Sortimentsveränderungen, Investitionen in den E-Commerce: Das sind nur einige Schlagworte, die auf der To-Do-Liste standen und zum Teil noch immer stehen. Heute gab Michael Busch zu Protokoll: "Wir haben alle unsere Meilensteine erreicht. Dies ist nicht selbstverständlich, denn einerseits haben wir uns um Wachstumsthemen gekümmert, andererseits haben wir harte Einschnitte vorgenommen." Der Geschäftsführer zeigte sich mit der Entwicklung zufrieden und sagte: "Ich würde die Entscheidungen von vor 18 Monaten heute genau wieder so treffen." Er sei jemand, der die Veränderungen gerne selbst gestalten und das Heft des Handelns in der Hand behalten wolle: "Wenn Du weißt, dass Du etwas ändern musst, dann tue es schnell und gründlich, bevor es jemand anderes für Dich tut."

Welche Geschäftsfelder wurden nun seit Januar 2012 bei Thalia genau beackert?


Arbeit am Flächenkonzept

Für Busch ist die Zeit der großen Buchhandlungen jenseits von 2.000 bis 2.500 Quadratmetern bis auf wenige Ausnahmen vorbei. Die optimale Betriebsgröße liegt bei Thalia zwischen 500 bis 700 Quadratmetern. 20 Filialen verschiedener Größen hat das Unternehmen in den letzten Monaten bereits geschlossen oder ist dabei, es zu tun. Damit sei der harte Teil der Schließungen durch, betonte Busch. Es werde zwar hier und da noch Flächenanpassungen geben, das aber sei das Atmen eines flächendeckenden Buchhandelsnetzes. Mit der Betonung auf flächendeckend, denn Busch verfolgt weiterhin das Ziel, in Deutschland, Österreich und in der Schweiz flächendeckend vertreten zu sein.

Arbeit am Sortimentskonzept

"Am Ende musst Du ausprobieren, ob der Kunde Produkte annimmt oder nicht", so Busch. Und genau das habe Thalia in den letzten eineinhalb Jahren getan. Da könne man schon auch mal daneben liegen: "Fail, but fail fast", so Buschs Credo. Spiele, Spielwaren, Puzzles habe man in einigen Filialen zuerst gemeinsam mit Partnern in Sortiment gehoben − dann aber festgestellt, dass die Produkte dort besser liefen, wo Thalia sie selbst betreut hat.

Der Ausbau des DVD-Angebots habe alle Erwartungen übertroffen. Das auf die Kunden passgenau zugeschnittene Sortiment nehme mehr Raum ein als geplant und wachse umsatzmäßig überproportional zur Fläche. Auch der Bereich Musik, der in einigen Filialen getestet werde, bewähre sich und würde auf weitere Geschäfte ausgerollt. Der Trend- und Geschenkbereich hingegen würde nur selektiv Anwendung finden.

Je nach Filiale liege der Anteil von Non Books bei Thalia derzeit zwischen 25 und 30 Prozent. Das Buch sei und bleibe aber die Kernkompetenz von Thalia. "Das ist unsere DNA."

Um sämtliche Waren ansprechend und mit adäquaten Möbeln zu präsentieren, habe Thalia einen siebenstelligen Betrag in das stationäre Geschäft investiert, betonte Busch.

Arbeit an der Online-Strategie

Auch in dieses Geschäftsfeld ist eine siebenstellige Summe geflossen, etwa in die Optimierung der Systeme, die mittlerweile allesamt auf SAP umgestellt seien. Der Kunde könne online ein Buch bestellen, einsehen, ob es in der Filiale nahe seines Wohnorts vorrätig sei, es sich mancherorts nach Hause liefern lassen. Diese Verbindung aus stationärem Geschäft und Online-Handel ist für Busch "äußerst wichtig". Mit dem E-Commerce (inklusive E-Books) erziele man zweistellige Wachstumsraten, rund 15 bis 20 Prozent trägt dieser Bereich zum Gesamtumsatz bei, rechnete der Thalia-Chef vor.

Mitarbeit in der Tolino-Allianz

"Wir haben erkannt, dass sich der digitale Markt anders verhält als der der gedruckten Bücher − und nur wenige Spieler dabei sein können". Jeder müsse hohe Investitionen stemmen, auch wenn er nur einen kleinen Teil des Marktes bearbeite. Nur logisch also, dass Thalia als Mitglied der Allianz (mit Weltbild, Hugendubel und anderen.) beim Launch des Tolino von Anfang an dabei war. "Wir haben das Ziel, mit dem Tolino die gleiche Relevanz zu erzielen, wie sie der Kindle hat", sagte Busch. Im ersten Halbjahr 2013 habe der Marktanteil des Tolino im E-Book-Markt bei mehr als 30 Prozent gelegen. Amazon komme auf mehr als 50 Prozent. Mit dem Wert von über 30 Prozent habe man das gesetzte Ziel (ein Drittel Marktanteil) bereits gut erreicht. Auch beim Verkauf von E-Readern hätten die eigenen Erwartungen übertroffen werden können. Genaue Zahlen nannte Busch hier nicht − diese sollen zur Buchmesse präsentiert werden.

Ob sich die Allianz, wie angedacht, für weitere Buchhändler öffnen werde, dazu meinte Busch: "Wir sind in guten und vernünftigen Gesprächen." Man habe es aber mit hochtechnologisch getriebenen Themen zu tun, von allen seien Hausaufgaben zu machen. "Qualität geht hier vor Zeit", denn die Kunden würden keine Fehler verzeihen.

Cross-Chanel-Strategie

Busch ist überzeugt, dass Handel auf Dauer nur mit einer Verknüpfung aller Vertriebskanäle erfolgreich sein kann. Für Thalia heiße das: Bücher können in allen Darreichungsformen (print, digital, Hörbuch, DVD etc.) in allen Kanälen (stationär, online) erworben werden.

Nach 18 Monaten Restrukturierungsprogramm sieht Busch sein Unternehmen auf gutem Weg, auch was die Geschäftszahlen angeht. Der flächenbereinigte Umsatz im Ende des Monats ablaufenden Geschäftsjahres habe gesteigert werden können. Genaue Werte nannte er, mit Blick auf den noch fehlenden endgültigen Abschluss, nicht. Eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen (beim Ergebnis) war Anfang 2012 mit einem Horizont von ein bis zwei Jahren angegeben worden.

Für die nächsten Jahre zeigt Busch sich optimistisch. Man sei im digitalen Zukunftsfeld gut aufgestellt und habe zugleich seine Hausaufgaben im stationären Geschäft gemacht. "Somit sind wir einen großen Schritt vorangekommen und stehen auf Augenhöhe mit internationalen Playern."

Und das seit einigen Wochen bekanntermaßen abseits der Börse und mit einer neuen Eigentümerstruktur. Das Verhältnis zum Mehrheitseigner Advent bezeichnete Busch als "erstklassig". Zu den immer wieder aufkeimenden Gerüchten, dass Advent sich von Thalia trennen wolle, nahm er keine Stellung.

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4 Kommentar/e

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  • Radfahrer

    Radfahrer

    Wenn ich so ein Schwachsinn lese: Atmen eines Buchhandelsnetzes.....
    Hoffentlich kriegt der Herr Busch nicht mal ne Schnappatmung beim Marathon!
    Komisch , die Mitarbeiter wissen längst, dass auch noch einige kleine Buchhandlungen dran sind. Denn auch dort sind die Umsätze dank Amazon und verheerendem Image im Sinkflug. Thalia kann nicht verlieren?...

  • Lesie & Sprachie

    Lesie & Sprachie

    Auf TWITTER wird THALIA jetzt regelrecht verteufelt. Auf die typische Twitter-Art - mit Ironie, beißend. Recht so, denke ich.

  • Sebastian Schmitt

    Sebastian Schmitt

    Zitat: "Wenn Du weißt, dass Du etwas ändern musst, dann tue es schnell und gründlich, bevor es jemand anderes für Dich tut." [...] "Fail, but fail fast", so Buschs Credo.

    Oha! Die armen Angestellten... Ich drücke die Daumen.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    An der Graff'schen Buchhandlung hat sich Busch die Zähne ausgebissen.

    "Fail, but fail fast", so Buschs Credo (Zitatende)

    Ich kenne nur dies hier: "Fail. Try again. Fail better" ;-)

    Mir tun nicht nur die Angesttellten leid, sondern vor allem die vielen kleinen Buchhändler, die Thalia im Rahmen seiner (auch von den Verlagen zwangsweise bezahlten) Hyper-Expansion vom Markt gefegt hat. Nur einige wenige Inseln der Stabilität haben sich halten können: an der Graff'sche Buchhandlung hat sich Busch die Zähne ausgebissen. Da war einerseits eine gute Grundgröße in 1a-Lage, andererseits aber auch der mutige Widerstand der Brüder Wrensch sich weder kaufen, noch durch eine in der Nachbarschaft eröffnete Großfläche (die es nun nicht mehr gibt) verdrängen zu lassen. Das hat, natürlich, wie der gesamte Rückbau, alles viel Geld gekostet. Nein, nicht das Geld der Aktionäre, sondern das Geld der Branche ist da versenkt worden.

    Und genau das macht mich immer ärgerlich, wo der Kleinunternehmer mit dem persönlichen Vermögen haftet, kann Herr Busch mal eben zwei, drei Jahre Verluste machen, und muss das eben nicht selbst bezahlen. Hätten die Wrenschs sich nich thalten können, dann wären sie selbst 'dran' gewesen, Herr Busch muss aber für die versenkte Großfläche nicht aufkommen.

    Sowas geht mir genauso gegen den Strich wie die Bankster, die uns Steuerzahlern ihre Hypo-Spekulations-Verluste aufgedrückt haben, selbst aber mit hohen Abfindungen noch Plus gemacht haben....

    LG LB

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