Frankfurter Buchmesse

"Standards müssen sich nach Menschen richten"

Buchmesse-Direktor Juergen Boos sprach heute (8. Oktober) auf der Eröffnungs-Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse von einer "neuen Gründerzeit im Publishing" und warnte gleichzeitig vor der Dominanz von Oligopolen, die technologische Standards diktieren. "Vielfalt im Publishing braucht Vielfalt der Marktteilnehmer", so Boos.

"Technologische Standards prägen die Art wie wir lesen, was wir wissen − seien das Bezahlsysteme oder Suchalgorithmen. Sie beherrschen ganz allgemein den Zugang zu geistigen Gütern", sagte Juergen Boos laut Mitteilung der Frankfurter Buchmesse. Diese Standards müssten jedoch von der Gesellschaft der Verleger und Leser bewertet und ausgehandelt werden, so Juergen Boos weiter, um eine Vielfalt des Lesens und Publizierens zu erhalten. "Technologische Standards sind Werkzeuge. Sie müssen sich nach den Menschen und ihren Bedürfnissen richten, nicht umgekehrt." Boos warnte vor der Dominanz von Oligopolen, die derzeit die technologischen Standards setzen und damit die gesamte vertikale Wertschöpfungskette bis zum Kunden beherrschen: "Apple, Amazon & Co. sind Kundenbindungsmaschinen, die nicht nur den E-Commerce beherrschen, sondern auch die Endgeräte − und damit den Kunden im Griff haben", so Boos. Gerade unabhängige kleinere Verleger, aber auch Self-Publisher, bräuchten ein Umfeld, in dem sich die Vielfalt der Marktteilnehmer entfalten kann.

Gleichzeitig betonte Boos, dass das internationale Publishing auf diese Situation nicht mit "Angststarre" reagiert, sondern mit Innovationen. "Schon 2012 wurde in den USA und UK das 'Jahr der Start-ups' ausgerufen − jetzt hat dieser Geist auch Europa und damit die deutschsprachigen Länder erfasst."

Auch im Sortiment wehe der Gründergeist: Die kleineren unabhängige Sortimenter sind auf dem Vormarsch und entwickeln sich mehr und mehr zu Concept Stores, die Themenwelten inszenieren, so zum Beispiel der digitale Buchladen Ocelot, der Ende September in Berlin eröffnete.

Aufbruchstimmung attestierte Boos auch dem rasant wachsenden Bereich des Self-Publishing, der auf der Messe mit rund 50 Veranstaltungen und einem eigenen Bereich (Halle 3.1.) vertreten sein wird, unter anderem mit US-Self-Publisher und Bestsellerautor Hugh Howey ("Wool") sowie Emily Bold, Nele Neuhaus, Dirk von Gehlen und Matthias Matting. Mit dem Pioniergeist und dem digitalen Wandel gehe auch ein "Wandel des Lesens" einher, so Boos: "Lesen wird sozial. Es wird Teil eines Gesprächs, wird in das alltägliche Leben integriert. Es entstehen viele persönliche Formen des Lesens, vielleicht genauso viele wie es Formen von Gesprächen gibt: still und konzentriert oder laut und übermütig."

Auf der Frankfurter Buchmesse als wichtigster Treffpunkt des internationalen Publishing mit rund 7.300 erwarteten Ausstellern aus über 100 Ländern und 280.000 erwarteten Besuchern insgesamt, werde dieser Gründergeist geballt zu spüren sein, so Boos weiter. 2010 hatte die Buchmesse erstmals neue Ausstellungsformate für Innovatoren aufgesetzt. Die so genannten Hot Spots erweisen sich seither als Startrampen für Neues: Die von der Frankfurter Buchmesse zusammengestellte rund zwanzigseitige Liste "Best of Publishing Start-ups" versammelt zahlreiche Aussteller, darunter Contentment, Magzter, Snapplify, Widbook oder Booxtream.

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1 Kommentar/e

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  • Andreas Schmied

    Andreas Schmied

    Bin ich eigentlich der einzige, der es als frech empfindet, mich für eine Fachbesucherkarte im Buchmessenportal mit vielerlei Daten zwangsregistrieren zu müssen?

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