Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder zur Eröffnung

"Wir brauchen eine neue Kultur des Wissens"

Los geht's - das wichtigste Branchenevent des Jahres ist eröffnet! Es gehe allemal um die Aufbereitung, Zurverfügungstellung und Verbreitung von Wissen. Dabei werde die Verbreitung mehr und mehr Teil eines sich verändernden Systems, dessen Entwicklung durch das Internet als Medium forciert werde, sagte Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder heute zum Start der Buchmesse in Frankfurt.

Die bislang nicht abreißende Kette erbitterter Kontroversen zeige, vor welchen Umbrüchen in der Kultur des Wissens die Branche mit dem Eintritt in das digital age noch stehe. "Da geht es um mehr als einen Kampf um den Umsatz", so Honnefelder. Es gehe um die Frage, "was wir als Wissen verstehen wollen, jedenfalls so lange unter Wissen eine Erkenntnis gemeint ist, die nicht wie ein subjektloses Datum herumliegt, sondern durch einen Urheber gewonnen und auf einen Kreis von Adressaten hin veröffentlicht wurde."

Gebraucht werde eine neue Kultur des Wissens. "Das digitale Zeichensystem ist bedeutungsfrei; seine Semantik erhält es erst durch Zuordnung von außen", so Honnefelder. Die, die Autorität haben, weil sie das Netz beherrschen, also Akteure wie Google, Amazon und Co seien "an Inhalten nur so weit interessiert, als sie ihrem Geschäft als Werbeträger nützen".

Unabdingbar für die Zukunft des Wissens sind laut Honnefelder:
  • Die Permanenz, die einen Text in seiner Authentizität sichert, verlässlich macht und ihn in einer digitalen Welt vor permanenter Veränderbarkeit und Manipulierbarkeit bewahrt.
  • Die Selektivität, ohne die sich Bedeutungen und Bedeutungssphären auch in der digitalen Welt nicht entwickeln können, soll der Nutzer sich nicht in der Beliebigkeit der gespeicherten Informationen verlieren.
  • Und schließlich das institutionelle Gefüge, das die Vermittlungs-leistung ermöglicht. Ist die Vermittlungsstruktur von Urheber – Werk – Verlagswesen – Leser und Öffentlichkeit über Jahrhunderte in einer Vielfalt von Sprachen und Binnenkulturen gewachsen, so muss in der Verbindung von Digitalem mit Analogem für eine sich weiter entwickelnde Buchkultur auch diese Mehrgliedrigkeit  als institutionelles Gefüge gestaltet werden. Dazu gehört auch der stationäre Buchhandel – eine privatwirtschaftliche Initiative mit den Aufgaben einer öffentlichen Institution.   

Die vollständige Rede finden Sie hier.

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1 Kommentar/e

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  • H. Kraft

    H. Kraft

    Dem ausführlichen Statement von Herrn Gottfried Honnefelder, dem Vorsteher des Börsenvereins, kann ich zustimmen.
    Es sollte aber trotz allem Umbruch in den Medien und aller Digitalisierung eine neue Kultur des Lesens von Büchern und ihren Umgang mit ihnen entwickelt werden.
    Ein völliges Abtriften oder ein an den Rand drängen vom Buch wäre sozusagen doch auch ein Verlust vom Wert der Kultur.
    Gefordert wäre sozusagen auch im Umgang mit den vielen Medien ein rechtes Maß und Ziel. Es würde sich ein völlig falsches Bild langfristig zeigen, wenn nur nach den neuesten Trends im Fokus der Medien geschaut würde.
    Wenn das Buch unter der Vielzahl anderer visueller und digitaler Medien bewahrt werden soll, so muss auch ein Weg für Bücher nach vorne offen und zukunftsfähig sein. Das Buch hat im Miteinander anderer Medien nur dann eine Chance, wenn ihm nach wie vor auch ein Stellenwert zukommen wird. Dies umzusetzen ist eine große Herausforderung, der sich die Buchbranche in naher Zukunft mit Nachdruck stellen muss.
    Auch der Börsenverein hat mit seinen Landesverbänden dazu einen wichtigen Beitrag zu leisten.
    H. Kraft

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