Neu im Regal: Lesetipp der Woche

Von Knochenjobs und Hightech-Berufen

Arbeitswelten jenseits von Ladentheke und Schreibtisch erschließen zwei neue Bildbände - mit erstaunlichen, erschreckenden und manchmal auch wehmütigen Einblicken in das, was Arbeit einmal war und was sie heute alles sein kann. VON CRO

Eine Reise durch die Hölle, aber auch die Schönheit des täglichen Broterwerbs unternimmt ein Buch aus dem Verlag Becker Joest Volk, der sonst eher für seine Gartenbücher und die veganen Rezepte von Attila Hildmann bekannt ist.

Unter dem schlichten Titel "Arbeit" laden Fotograf Stefan Pielow (Reportagen für den "Stern" und das "Zeit-Magazin") und Autor Emanuel Eckardt (früher Chefredakteur des "Merian") in 130 Bildern zu einem Streifzug rund um den Globus ein: In Indien steht ein Mann in einem Meer aus Rosenblüten, die er zum Trocknen auf dem Boden verteilt. Irgendwo in der Steppe von Kasachstan tragen Sanitäter und Betreuer ein Crewmitglied der Raumstation ISS nach der Landung ins Quartier. Und im westafrikanischen Benin balanciert eine junge Frau einen gewaltigen Berg von Taschen auf ihrem Kopf, um ihre Ware auf den größten Markt der Region zu transportieren.

Knochenjobs zum Hungerlohn, hochtechnisierte Präzisionsarbeit, klassische Handwerkskunst: Die atemberaubende Bildersammlung von Pielow und Eckardt zeigt alles - und das Autorenduo versteht sein Buch auch als Plädoyer in Bildern: "für eine selbstbestimmte Arbeit, die Werte schafft, die den Fähigkeiten der Menschen gerecht wird und ihre Potenziale weckt, die angemessen bezahlt wird, und über das Arbeitsleben hinaus soziale Sicherheit garantiert. Arbeit, die niemanden hungern lässt, und die den Wohlstand ebenso sichert wie den sozialen Frieden einer Gesellschaft."

 

Ein eher nostalgischer Unterton prägt dagegen den Bildband "Altes Handwerk: Vom Verschwinden der Arbeit" aus der Edition Braus. Ob Geigen-, Krippen- oder Wagenradbauer: Mehr als 100 Fotografien aus dem Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz fangen Berufsbilder vor dem Zeitalter von Technisierung und Digitalisierung ein. Schwarzweiß-Aufnahmen aus einer untergegangenen Arbeitswelt, in der die Hände das wichtigste Werkzeug waren und in der die Zeit still zu stehen scheint - so ganz ohne die Taktvorgabe von Tastaturanschlägen und minütlich eintreffenden Tweets.

Bibliografische Angaben:

  • Stefan Pielow, Emanuel Eckardt:"Arbeit". Verlag Becker Joest Volk, 250 S., rund 130 Fotos, 49,95 Euro
  • Michaela Vieser: "Altes Handwerk. Vom Verschwinden der Arbeit". Edition Braus, 160 S., 39,95 Euro

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