Die Sonntagsfrage mit Lisa Maria Keil und Jana Zawadzki

"Verdienen Nachwuchskräfte keinen Mindestlohn?"

Laut Koalitionsvertrag soll der Mindestlohn in Deutschland kommen. Außen vor bleiben vermutlich Praktikanten, Volontäre und Azubis, dabei hatte die EU erst kürzlich moniert, dass Deutschland seinen Nachwuchs prekär beschäftigt. Was sagen die Nachwuchssprecherinnen des Börsenvereins zum Thema?

"Die SPD hat sich in den Koalitionsverhandlungen durchgesetzt: Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zum 1.1.2015 einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro geben. Viele werden davon profitieren, allerdings gibt es auch Gruppen, die außer Acht gelassen wurden, wie zum Beispiel Azubis und Praktikanten.

Da Auszubildende und Praktikanten in vielen Fällen eine vergleichbare Arbeitsleistung wie andere Arbeitnehmer bringen, finden wir es nur fair, auch für sie einen Mindestlohn zu fordern. Außerdem sollte es in jedem Fall auch möglich sein, von der Vergütung einigermaßen zu leben, ohne finanzielle Unterstützung von Dritten. Gerade bei Volontariaten ist das momentan nicht gegeben. Im Gedächtnis geblieben ist das Beispiel eines Bewerbers bei KiWi, das im September durch die Medien ging: Als Reaktion auf die Kritik verdoppelte der Verlag das Gehalt für die Volontäre im Presse- und Online-Bereich von 500 auf 1000 Euro brutto im Monat. Nicht schlecht auf den ersten Blick, doch für die Betroffenen im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten vor allem in Großstädten nicht wirklich eine Verbesserung, wie aus den zahlreichen Reaktionen im Netz hervorgeht.

Steigende Gehälter bringen steigende Kosten mit sich. Schon heute sind viele Unternehmen nicht mehr ohne weiteres bereit, auszubilden oder Praktikumsplätze anzubieten. Wir befürchten darum, dass die Bereitschaft Nachwuchskräften eine faire Chance für den Berufseinstieg zu bieten, mit einem Mindestlohn noch weiter sinkt.

Uns interessiert deshalb auch die Meinung der Arbeitgeber zu diesem Thema: Ist ein Mindestlohn für Azubis, Praktikanten und Volontäre sinnvoll und realisierbar? Und wenn ja, in welchen Dimensionen? Es ist Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen."

Lisa Maria Keil und Jana Zawadzki

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21 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Insider

    Insider

    Amazon bezahlt auch Nachwuchs ordentlich. Nur mal so als Tipp.

  • Andre Thiele

    Andre Thiele

    @ "insider"

    Das Geld spart Amazon bei den anderen Angestellten locker wieder ein. Nur mal so als Tipp.

  • Anna-Lena

    Anna-Lena

    Die SPD-Basis hat dem Koalitionsvertrag noch nicht zugestimmt, deshalb finde ich es ungünstig Inhalte als gesetzt zu diskutieren, bei denen es noch nicht sicher ist, ob sie wirklich kommen.
    Nichtsdestotrotz bin ich für einen Mindestlohn, sehe aber durchaus die Gefahr, dass kleinere Unternehmen dann nicht mehr ausbilden oder Praktikanten beschäftigen.

  • Hurricane

    Hurricane

    mich würde bei dieser Gelegenheit ja auch sehr interesieren, ob und in wieweit die zahlreichen geringfügig Beschäftigten Buchhändlerinnen (es soll ja nicht wenige geben, die sogar ohne Vertrag arbeiten) von diesem Mindestlohn profitieren.
    Im Übrigen kann ich den Forderungen der Nachwuchssprecherinnen nur Nachdruck verleihen!

  • Tornado

    Tornado

    @ Hurricane

    Nananana, so etwas wollen Buchhändler aber nicht lesen und hören. Dann kann man nämlich nicht mehr Amazon verteufeln und jammern. Sie wissen doch, (Sortiments)Buchhandel immer lieb, Amazon immer böse ;-)

  • Carsten Drecoll

    Carsten Drecoll

    Das Argument, pflegliche Löhne vernichteten Arbeits- oder Ausbildungsplätze, ist so alt wie die soziale Bewegung. Falsch ist es obendrein, denn die letzten Jahre haben gezeigt, dass es die schlecht bezahlten und prekären Arbeitsplätze sind, die die guten immer weiter infrage stellen. In unserer Branche hat das schon zur Kündigung ganzer Redaktionen geführt, um anschließend prekär lebende Freie mit denselben Aufgaben zu beschäftigen.
    Als Lektor UND Verleger kenne ich beide Seiten, glaube aber, dass ein Kompromiss in unserer Branche möglich ist. Gerade bei den größeren oder konzernabhängigen Verlagen ist der Mindestlohn keine Überforderung der betreffenden Firmen.

  • Branchenbeobachter

    Branchenbeobachter

    Ich habe das Gefühl, dass es inzwischen leider viele Buchhandlungen gibt, bei denen der Eigentümer nicht mal mehr in der Lage ist, für sich selbst den Mindestlohn von 8,50 Euro zu erwirtschaften.

  • Der freundliche Jürgen

    Der freundliche Jürgen

    @ Branchenbeobachter

    Schätzungsweise können in Deutschland sowieso nur 20% der Sortimenter von ihren Buchhandlungen leben. Buchhandel lohnt sich eben nicht mehr. Alles hat sein Zeit....

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @ Branchenbeobachter @ Jürgen

    aber, aber, was sind das für Thesen! Es läuft doch rund im Buchhandel. Wird doch hier immer wieder verkündet. Und was hier und von Barroso, Murksel und dem Erzengel und in der Tagesschau und überhaupt verkündet wird, stimmt, doch, oder? Außerdem steht's auch in der Zeitung. Propaganda rulez

  • geneigte Leserin

    geneigte Leserin

    Ach, der Herr Nardelli, da schaut man nach langer Zeit wieder einmal in die hiesigen Kommentare, und siehe da: Sie beschmutzen ja noch immer das Internet. Nach wie vor keine sinnvolle Arbeit gefunden?

    Zur Sache: Der Mindestlohn kommt nicht vor 2017, dann auch nur eingeschränkt. Läuft also ungefähr so knallhart wie die Erneuereenergienabgabenausnahmetregelung. Warum ordentliche Arbeit (also nicht Ihr Internetgeschmmier, Herr N.) nicht angemessen entlohnt werden darf, ist eines der großen Rätsel unserer Zeit.
    Dass der Staat die Lohnzahlung in Gestalt von Aufstockungen übernimmt, ist nichts anderes als eine versteckte Unternehmenssubventionierung.
    Eine gewollte übrigens, wie aus den letzten BT-Wahlen deutlich erkennbar ist.
    Demokratie, oder?

  • Nathalie

    Nathalie

    an die geneigte Leserin:
    Nardelli ist immer noch auf den Buchhandel böse, weil die partout nicht seinen selbstgeschriebenen Softporno verkaufen wollen...

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @ geneigte Leserin

    Haben Sie ein Problem damit, Gelesenes zu verstehen? Wo habe ich geschrieben, dass ich gegen gerechte Entlohnung, guten Lohn für gute Arbeit bin? Ganz im Gegenteil... I

    ch bin nur gegen die allgemeine Schönfärberei. Und das heißt: Wenn es dem Buchhandel so gut ginge, wie hier gerne propagiert, wäre auch eine gute Bezahlung drin. Allein das Wort Mindestlohn treibt mir die Wutröte ins Gesicht.... Als ob die Menschen Sklaven wären, die man mit Krümeln abspeist.

    Also, Sie hätten mich jetzt hier nicht so polemisch angreifen brauchen. Wir sind wahrscheinlich meinungsmäßig näher beieinander als Sie denken...Nur Ihren offensichtlichen Hass auf Unternehmen bzw. Unternehmer kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin konsequent für Freiheit - auch in unternehmerischen Belangen. Sozialismus haben wir genug!
    .
    @ Nathalie Wie kommen Sie denn darauf? Schon der Duktus des Buches, das Sie Softporno nennen, zeigt, dass das wein "weibliches Werk" ist. Aber um das zu bemerken, müsste man das Buch halt lesen. Und wer ein Buch nicht lesen will, der soll auch keine Kommentare dazu abgeben. So, und jetzt petze ich an meine Autorin. Die wird vor Lachen vom Stuhl fallen :-))

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    Geneigte Leserin:
    Was ist denn Ihrer Meinung nach "ordentliche Arbeit"? Sowas wie anständige Kunst?
    Und warum "darf" diese nicht angemessen entlohnt werden? Wer verbietets?

    Bin gespannt auf Ihre Erläuterungen.

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @Thorben-Finn
    Sie sind so wunderbar spitzfindig! Allein: Ich glaube, da wird nichts kommen, denn wir haben nicht nur genug (bzw. viel zu viel) Sozialismus, wir haben vor allem viel zu viel linksgrüne Schreihälse wie die "Geneigte Leserin", die mangels eigener Denkfähigkeit einfach Parolen nachplappern bzw. in deren Hirnen mangels Masse sich Ideologien breitmachen können.

    Die "ordentliche Arbeit" ist Gewerkschafts- und Sozi-Parteitagssprech.

    Linksgrünen und sonstigen Schreihälsen mangelt es im übrigen auch an Denk- und Ausdrucksfähigkeit. Mangels Argumenten und Defiziten beim Erkennen von Zusammenhängen und dem Verstehen versuchen sie es mit der Taktik des Verächtlichmachens und des Spotts (ähnlich den Hofkaspern). So wie die "geneigte Leserin" oder "Nathalie".

    Es wird ihnen nichts helfen, denn am Ende behält Mahatma Gandhi Recht: "Ers ignorieren sie dich, dann lachen sie dich aus, dann bekämpgfen sie dich. Und dann hast du gewonnen."

  • Merfelle

    Merfelle

    @ # 14 Michael Nardelli

    Herr Nardelli, mit Ihren Statements treffen Sie schon meine Richtung. Allerdings sollte es nicht zu sehr in Richtung der Dame mit der Playmobilfrisur gehen ;-)

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

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  • Lavrentiy Beria

    Lavrentiy Beria

    Tststs, kaum schreibt mal einer einen wirklich unterhaltsamen und treffenden Kommentar mit einer politischen Note die nicht dem hirntoten Mainstream deutschen Parteienstaates (wirlebeninderbestenallermöglichenWelten AAAAMEN!) entspricht, schon wird er wegzensiert.

    Witzigerweise bestätigt dieses Zensurverhalten genau das, was Nardelli in seinem Kommentar kritisiert hat. Naja, was heisst witzig, eigentlich stellen sich einem die Nackenhaare auf bei so etwas. Jaja, die Sache mit der freien Meinungsäusserung in Deutschland......

    Aber bitte, wenn schon zensiert werden muss, dann sollten wir doch bei dem freundlichen Kommentar über den Softporno anfangen. Nicht, dass ich dieses Werk kenne, oder etwas gegen Pornos hätte, aber mir scheint, dass Aussagen wie diese eher einen Fall für die Netiquette darstellen, wenn man denn überhaupt den Drang verspürt zum Rotstift zu greifen.

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @ Lavrentiy Beria

    Danke für Ihren Beitrag. Als langjähriger Journalist kenne ich die Problematik "politischer Noten" in dieser nur simulierten Demokratie nur zu gut. Da wird geglättet ohne Ende - angefangen beim Polizeibericht, der ja eigentlich wertungsfrei die Fakten darstellen soll, bis zum Anruf des Partei-Pressesprechers in Redaktionen. Das, da haben Sie Recht, ist wirklich nicht witzig.

    Aber wenn man bestimmte Dinge nicht mal denken darf, wie sollte man seine Meinung dann frei äußern können? Das ist nur im von den Parteischranzen und ihren Hintermännern vorgegebenen Rahmen erlaubt. Und wir haben ja auch "wahrlich kein Anrecht auf Demokratie und Marktwirtschaft auf Lebenszeit" (Zitat A. Merkel)

    Und das wollte ich @ merfelle noch sagen:

    Auch Ihnen danke für Ihren Kommentar. Wenn ich aber gegen Linksgrün argumentiere, so bin ich deshalb nicht für den "famoust Hosenanzug in town". Denn der "famoust Hosenanzug" ist Sozialismus. Nicht weniger als der "Erzengel".

    Ich aber bin für bedingungslose Freiheit im Denken und Handeln, für Selbsterdenken und Selbstverantwortung. So gesehen also ein klassischer Liberaler. Leider hat diesen Begriff bzw. Typus eine Partei unmöglich gemacht, die eigentlich dafür (ein)stehen sollte und die nun aber so was von zurecht in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

    Und noch etwas: Merkel hat in der FDJ Propaganda gelernt. Allein das macht Sie für mich eigentlich untragbar. Und wenn man sieht, mit wem die Kanzlerin sich umgibt ... Sie ist eine stramme EU-Soldatin. Der EU-Komissionspräsident wiederum z. B. sitzt zusammen mit ihrem Finanzminister und dem Obersten Verfassungs(!!!)richter von Blockparteien Gnaden im Kuratorium der neuen Universitatätsstiftung Freiburg. Filz! Schaden vom deutschen Volke wenden, wie bei Amstantritt geschworen? Kritische Worte dazu von den Medien? Ich höre und lese nichts...

    A propos Blockparteien: Wir haben keine Opposition im Bundestag mehr. Das ist ein Einheitsparlament nach DDR-Facon. Demokratie auf der Blockflöte. Ich als Geiger hasse Blockflöten. Tut in den Ohren weh und verursacht Kopfschmerzen...

    Also, Merfelle, keine Sorge: Es wird bei mir mit Sicherheit nicht "in Richtung der Dame mit der Playmobilfrisur gehen" :-)))

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    Über den Vorwurf der Spitzfindigkeit bin ich bestürzt und auch ein Stück weit betroffen. Das war eigentlich nur als neugierige Nachfrage im Sinne der Diskussionsführung gedacht, aber scheints will niemand antworten. Schade, dann waren's wohl doch nur Phrasen.

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @ Thorben-Finn
    sagte ich doch, dass da nix mehr kommt. Hohle, verblendete linksgrüne Betroffenheits-Gutmenschen-Phrasendrescher.
    Und das mit der Spitzfindigkeit war kein Vorwurf, sondern ein ausdrückliches Lob!

  • Dennis Schmolk

    Dennis Schmolk

    Mich wundert etwas, dass die Nachwuchssprecherin 10 Monate später eher gegen den Mindestlohn eingestellt zu sein scheint:

    „Wenn es keine Ausnahmen beim Mindestlohn gibt, werden Stellen wegfallen. Nicht jede kleine Buchhandlung oder Verlag kann sich diese Personalkosten leisten.“ Vor allem größere Buchhandlungen und Verlage könnten die Zahl ihrer Einstiegsstellen halbieren, meint Zawadzki. „Das Thema Mindestlohn ist noch lange nicht ausdiskutiert“, glaubt die Nachwuchssprecherin.
    (http://www.boersenblatt.net/821060/)

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