Lessing-Preis 2013 an Wolfgang Schivelbusch

"Reichtum an Wissen und Einsicht"

Der Wissenschaftler und Schriftsteller Wolfgang Schievelbusch hat am 9. Februar den mit 10.000 Euro dotierten Lessing-Preis 2013 der Freien Hansestadt Hamburg erhalten. Das Stipendium ging an den Finn-Ole Heinrich.

In der Begründung der Jury heißt es laut Mitteilung der Hansestadt Hamburg: "Das Werk des 1941 geborenen Wolfgang Schivelbusch ist ein Ausnahmefall im intellektuellen Leben der letzten Jahrzehnte. Er ist ein Privatgelehrter ohne Privatvermögen; öffentlichen Erfolg hat er nie gesucht, aber wiederholt gehabt. Von Anfang an hat er in akademischen Zusammenhängen gearbeitet, aber seit dem Abschluss seiner Dissertation Anfang der siebziger Jahre nie wieder einer Universität angehört. Seine Bücher sind Wissenschaft, gehen jedoch über die Grenzen der kulturhistorischen Disziplinen spielend hinweg, hinaus; er hat über die Geschichte der Genussmittel ebenso geschrieben wie über diejenige der totalitären Ideen, über die Eisenbahn, ihre reale und zugleich mythenbildende Kraft, über die Weltkriege und ihre ideologischen wie auch erfahrungsbestimmten Voraussetzungen. Die Kulturgeschichte der letzten Jahrzehnte kennt wenige Werke von solcher Vielfalt und Weiträumigkeit, von solchem Reichtum an Wissen und Einsicht, auch von solcher schriftstellerischen Geformtheit, Klarheit."

Das mit 5.000 Euro dotierte Stipendium wurde an den Hamburger Autor und Filmemacher Finn-Ole Heinrich überreicht. Der 31-jährige habe "bereits mit seinen frühen Prosatexten auf unverwechselbare Art den Ton seiner Generation getroffen", urteilte die Jury. "Im Mittelpunkt seiner Geschichten standen stets junge Menschen, denen die Welt aus den Angeln geraten war und die mit Verzweiflung oder mit Optimismus auf diese Umstände, auf das Wegbrechen der sogenannten Normalität reagierten." Finn-Ole Heinrich stehe mit seinen Arbeiten in der Tradition versöhnender Aufklärung im Geiste Lessings."

Zum Preis

Der Lessing-Preis wird seit 1929, dem Jahr des 200. Geburtstags von Gotthold Ephraim Lessing, vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg verliehen. Seitdem geht er alle vier Jahre an bedeutende publizierende Persönlichkeiten. Zuletzt 2009 erhielt Klaus Harpprecht den mit 10.000 Euro dotierten Preis. Außerdem vergibt die Stadt das mit 5.000 Euro dotierte Stipendium des Lessing-Preises an herausragende Nachwuchsautoren.

Die Jury setzte sich zusammen aus Alexander Fest (Verleger), Ulrich Greiner (deutscher Journalist und Literaturkritiker), Ulla Hahn (Schriftstellerin), Joachim Lux (Intendant Thalia Theater) und Birgit Recki (Professorin für Philosophie an der Universität Hamburg).

Schlagworte:

1 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Nicola Bardola

    Nicola Bardola

    Danke! Weil es zur Diskussion im Lande passt, ein Zitat von Schivelbusch - fabelhafter Denker - aus der SZ von vor über 10 Jahren:

    Es wird gelehrt werden, dass der Tod zum Leben gehört wie das Ende zum Anfang. Dass er natürlich ist und nicht grauenhaft. Dass ihn zu ignorieren und um jeden Preis hinauszuzögern so unnatürlich und ungesund ist wie einst das Verhältnis der Viktorianer zur Sexualität. Dass er im Gegenteil erlösender als jede Medizin sein kann, auch, ja gerade wenn er mit Hilfe der Medizin/Pharmakologie bewirkt wird, die das Sterben von seiner physischen Qual befreit, fast möchte man sagen: emanzipiert. Denkbar ist auch ein Melodram vom Typ Onkel Toms Hütte, das dem großen Publikum die Leiden der Pflegefälle im Heim so herzergreifend und aufrüttelnd nahe bringt wie einst Harriet Beecher-Stowe die der Sklaven.
    Wolfgang Schivelbusch, Süddeutsche Zeitung, 15. Oktober 2003

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld